Buschiri und die Mafiti.
Gerücht von einem Vorstoß Buschiris nach der Küste. -- Gravenreuth
trifft Vorkehrungen dagegen. -- Nachricht, daß Buschiri mit mehreren
tausend Mafiti Usaramo verwüstet. -- Die Marine besetzt Bagamoyo und
Daressalam. -- Marsch des Expeditionskorps unter Gravenreuth gegen
Buschiri. -- Marschbefehle. -- Buschiri angeblich bei Wasinga. --
Wasaramo als Hilfstruppen. -- Greuel der Mafiti. -- Wasinga
verlassen. -- Abteilung Bülow trifft nicht ein. -- Zusammentreffen
mit den Mafiti bei Jombo. -- Gefecht bei Jombo. -- Einnahme der
Mafiti-Lager. -- Zersprengung der Mafiti. -- Buschiri entkommt.
-- Wegen Munitionsmangel Rückkehr nach Bagamoyo. -- Abteilungen
Richelmann und von Bülow noch im Innern. -- Gravenreuth bricht
wieder dahin auf. -- Rückkehr der Abteilungen nach Daressalam.
Zur Zeit, als sich Wißmann noch in Mpapua befand, drangen Gerüchte
nach Bagamoyo, daß Buschiri, der im Innern, besonders unter den Mafiti
und Wahehe, zahlreiche Anhänger gefunden habe, wieder im Vorrücken
nach der Küste begriffen sei. Er solle die Ansicht hegen, daß nach
der Entfernung Wißmann's mit dem Expeditionskorps von der Küste diese
von Truppen entblößt sei und daß sich infolgedessen für ihn günstige
Gelegenheit zu einem Handstreiche biete. Obwohl dieser Fall ja, wie
früher erwähnt wurde, von vornherein von Wißmann für durchaus möglich
gehalten und in Erwägung gezogen war, maß man zunächst den Nachrichten
wenig Glauben bei; für alle Fälle aber traf der Stellvertreter
Wißmanns, Chef v. Gravenreuth, die nötigen Vorkehrungen. Durch die
Anordnungen des Reichskommissars war er in den Stand gesetzt, die von
vornherein aus den Stationen für etwaige kleinere Expeditionen und
Angriffe abgeschiedene Spezialreserve noch durch Abkommandierung von
Truppen aus den nördlichen Stationen zu verstärken und so ein größeres
Expeditionskorps zu formieren. Diese Vorkehrungen Gravenreuths erwiesen
sich als durchaus zweckmäßig, denn es wurde bald durch Kundschafter
und durch die von allen Ecken und Enden nach Bagamoyo herbeiströmenden
Wasaramo die Nachricht vom Anrücken Buschiri's bestätigt und noch dahin
erweitert, daß dieser mit mehreren Tausenden Mafiti einen großen Teil
der Ortschaften Usaramos verwüstet und massenhaft Leute hingemordet,
auch nicht einmal die unmenschlichen Grausamkeiten und Scheußlichkeiten
der Mafiti, welche diese zu verüben pflegen, verhindert habe.
Gravenreuth bat um Unterstützungen, die ihm auch gewährt wurden: die
Marine besetzte Bagamoyo und Daressalam, was Gravenreuth ermöglichte,
mit dem gesamten Expeditionskorps zu operieren.
Dieses Expeditionskorps formierte Gravenreuth in drei Abteilungen. Die
Führung der einen übernahm er selbst, marschierte von Daressalam über
Pugu und Kola auf Usungula zu, um von dort aus auf Wasinga und Jombo
vorzudringen, wo Buschiri den Aussagen der flüchtigen Wasaramo nach
sich verschanzt haben sollte.
Eine zweite Kolonne sollte unter Führung des Herrn von Bülow von Bueni
halbwegs Madimola marschieren, um zu verhüten, daß die Mafiti nach dem
Süden hin, speziell nach Daressalam zu ausbrächen.
Die dritte Abteilung unter Hauptmann Richelmann sollte sich nach
Dunda wenden, dort die Kingani-Ebene beobachten und Patrouillen nach
Madimola, Usungula und Jombo entsenden, um so die Fühlung mit der
Abteilung Gravenreuth aufrecht zu erhalten. Beide Abteilungen sollten
am 18. früh auf Jombo marschieren, welchen Ort dann alle drei Kolonnen
vereint angreifen sollten.
Die einzige Kolonne, welche Gefechte zu bestehen hatte, war die des
Herrn von Gravenreuth, deren Verlauf wir jetzt darstellen wollen:
In der Nacht vom 15. zum 16. marschierte die Abteilung von Daressalam
mit Magnesia-Fackeln ab. Die Abteilung bestand aus ca. 90 Sudanesen,
Zulus und Suaheli, von Europäern befanden sich bei derselben Lieutenant
von Perbandt, von Behr, von Frankenberg, Albrecht, Schiffsoffizier
Wiebel und verschiedene Unteroffiziere. Da in Eilmärschen marschiert
werden sollte, war für Proviant fast garnicht gesorgt und nur genügende
Munition mitgenommen.
Die Abteilung legte in zwei Tagen fast 100 Kilometer zurück. Unterwegs
empfing von Gravenreuth verschiedene Meldungen über die Stellung
Buschiris, welche alle mit mehr oder weniger Bestimmtheit Wasinga als
das Hauptlager Buschiris angaben. Gravenreuth forderte die flüchtigen
und in den verschiedenen Ortschaften ansässigen Wasaramo auf, seine
Abteilung zu begleiten, verteilte auch einige dazu mitgenommene Gewehre
und forderte von den Wasaramo, daß sie nach eventuellem Gefecht ihm bei
der Verfolgung der Mafiti behilflich sein sollten. Im Lager am Kingani
waren bereits etwa 600 Wasaramo, welche das Gefecht mitmachen wollten.
Von diesem Lager aus wurden Patrouillen an die Abteilungen Richelmann
und von Bülow geschickt, welche diesen mitteilen sollten, daß Buschiri
in Wasinga stände, und dieselben beorderten, dorthin aufzubrechen.
Diese Patrouillen kamen jedoch nicht an, sondern wurden zum Teil
versprengt, zum Teil von Mafitis aufgegriffen, so daß die Meldung nicht
in die Hände der betreffenden Unterführer gelangte.
Gravenreuth brach in der Nacht von genanntem Lager auf, um sich direkt
nach Wasinga zu begeben. Auf diesem Wege schon traf die Abteilung auf
Zeichen, daß die Mafiti-Horden denselben Weg vor kurzer Zeit marschiert
waren: Dörfer waren zerstört, Felder verwüstet, die Kokospalmen
vernichtet. Massenhaft wurden Leichen von Weibern, Kindern und Männern
vorgefunden, zum Teil in der gräßlichsten Weise verstümmelt.
So fand die Abteilung an Bäumen aufgehängt Kinder, unter deren Köpfen
man Feuer angemacht und die so langsam zu Tode geröstet waren, Weiber
mit abgeschnittenen Brüsten und sonstigen ekelhaften Verstümmelungen;
Männer hatten zum Teil als Zielscheibe von Messern und Lanzen
gedient und hingen zerfetzt an Büschen und Bäumen; Kinder lagen mit
zerschellten Schädeln neben ihren toten Müttern: die ganze Gegend war
in einen Pest- und Leichengeruch gehüllt. Durch den Anblick dieser
Scheußlichkeiten wurden sowohl Europäer wie schwarze Soldaten, ja
sogar die Zulus, deren Kampfesart noch am meisten derjenigen der
Mafitis ähnelt, so entrüstet, daß sie alle kaum erwarten konnten, den
Mafitis im Kampfe zu begegnen und die unschuldig hingemordeten Wasaramo
zu rächen. Auf die begleitenden Wasaramo hatte der Anblick einen
derartigen Eindruck gemacht, daß nach Verlauf von wenigen Stunden kein
einziger dieser tapferen Bundesgenossen mehr zur Stelle war.
Des Morgens gegen 10 Uhr wurde Wasinga erreicht, ohne daß eine
Meldung der Abteilung Bülow oder Richelmann eintraf. Wasinga wurde
stark befestigt, aber bereits von Buschiri und den Mafitis verlassen
vorgefunden. Im Schutze des Ortes lagen die Reste eines ungeheueren
Feldlagers, welches auf eine nach Tausenden von Mafitis zählende Menge
schließen ließ.
Die Abteilung marschierte nun weiter auf Jombo und hatte beinahe schon
die Hoffnung, mit Mafitis zusammenzutreffen, aufgegeben, da die Meldung
zu bestimmt auf Wasinga hindeutete.
Der Tag war ungeheuer heiß, Wasser war auf dem ganzen Wege nicht zu
finden, und der permanente Leichengeruch wirkte beklemmend auf die
marschierende Abteilung. Gegen 12 Uhr wurde eine kurze Mittagsrast
unter 2 Mango-Bäumen, die den Verwüstungsversuchen der Mafiti
Widerstand geleistet hatten, abgehalten. Hier traf die Abteilung auf
einen kleineren versprengten Trupp der Kolonne Bülow, welcher angab,
daß Bülow sich in nächster Nähe befinde. Die Meldung erwies sich
jedoch als falsch, vielmehr stellte sich heraus, daß der türkische
Offizier und seine Leute ohne Erlaubnis aus Schlappheit von der Kolonne
zurückgeblieben waren. Genannter türkische Offizier erhielt den Befehl,
zur Abteilung Bülow zu marschieren und demselben anzubefehlen, an
seinem Platze zu halten, bis die Abteilung Gravenreuth herankäme.
Noch war die Patrouille kaum eine halbe Stunde abmarschiert, als in
nächster Nähe des Rendezvous-Platzes Lärm ertönte und Schüsse fielen.
Atemlos stürzte ein Mann der Patrouille herbei und meldete, daß eine
Horde Mafitis dieselbe überrumpelt, zwei Mann getötet und einen mit der
Lanze verwundet hätte.
Herr v. Gravenreuth befahl sofort an die Gewehre, Lieutenant von
Perbandt übernahm die Avantgarde, die Herr von Behr bald darauf
verstärkte. Die Abteilung stieß auch bald auf vagabondierende Mafiti,
die jedoch nach einigen Salven unter Zurücklassung von 10 Toten das
Weite suchten. Gravenreuth folgte den weichenden Mafitis, doch war bald
jede Spur derselben verschwunden, und wurde der Marsch auf Jombo und
Bagamoyo fortgesetzt.
Gegen 4 Uhr nachmittags traf die Kolonne in einem Palmen-Wäldchen ein,
in welchem v. Gravenreuth sich entschloß zu lagern, um der mittlerweile
ganz erschöpften Truppe Ruhe zu gönnen. In der Nähe des Platzes stand
ein Dorf in Flammen, und wir glaubten, daß die Abteilung Bülow auf den
Feind gestoßen sei. Lieutenant v. Behr erhielt den Befehl, mit seinem
Zuge dorthin zu marschieren, die Gegend zu rekognoszieren und Herrn v.
Bülow mit seiner Abteilung zu Gravenreuth zu beordern. Es wurden Posten
ausgestellt und Vorbereitungen für das Lager getroffen.
Bald jedoch ertönte aus der Postenkette wie aus der Abteilung von Behr
lebhaftes Gewehrfeuer. Auch die lagernde Abteilung sah überall im Grase
auftauchende, mit kriegerischem Kopfputz geschmückte, nackte Gestalten.
Sofort wurden die Gewehre zur Hand genommen und Schiffsoffizier Wiebel
mit einigen Leuten zur Bagage beordert. v. Gravenreuth ging mit der
Abteilung v. Perbandt in die Postenkette. Von hier sah man auf einige
100 Meter Entfernung das befestigte Mafiti-Lager, auf welches v. Behr
mit seiner Abteilung losging. Dieses Lager wurde, trotzdem fortwährend
noch außerhalb befindliche Mafiti-Banden anstürmten, genommen. Dabei
drangen die Mafitis wiederholt bis in die Schützenkette ein und stachen
mit ihren Speeren Leute aus derselben nieder. v. Behr war schon vorher
in der Nähe des erwähnten brennenden Dorfes auf eine Horde Mafiti
gestoßen, hatte sie aber sogleich mit einigen Salven begrüßt und nach
dem jetzt eroberten Lager vor sich hergetrieben.
Mittlerweile war die Kolonne bei der Bagage unter dem Schiffsoffizier
Wiebel in eine bedenkliche Lage gekommen. Die Mafiti hatten bereits
einige von den wenigen Soldaten verwundet und drangen hart auf
dieselben ein, um sich der Bagage zu bemächtigen. v. Gravenreuth,
der das fortwährende Feuern von dort hören konnte, schickte daher
Lieutenant von Perbandt mit einer kleinen Abteilung zurück, um Wiebel
zu entsetzen und die Bagage heranzuziehen.
Lieutenant von Perbandt, der auf dem Wege dorthin fortwährend von
Mafitis umzingelt und belästigt wurde, kam noch gerade zur Zeit, um
Wiebel aus fataler Lage zu befreien und die Bagage glücklich in das
Mafitilager zu bringen.
Dort sammelte sich die ganze Abteilung Gravenreuth, und gerade wollten
sich die braven Sudanesen und Zulus mit der näheren Besichtigung und
Plünderung der Hütten beschäftigen, als schon wieder größere Haufen
von Mafiti auf das Lager eindrangen. Araber und Belutschen beschossen
aus weiter Entfernung mit ihren langen Flinten die sich rangierenden
Soldaten.
Durch eine kleine Schlucht von den Deutschen getrennt, lag noch ein
zweites kleineres Rebellenlager, welches aber ebenfalls bereits
verlassen war.
Da für die kleine Gravenreuthsche Abteilung das zuerst genommene
Lager zu groß zur Verteidigung gegen die nachdrängenden Mafitis war,
wurde dasselbe in Brand gesteckt und das andere bezogen. Auch hierhin
drängten die Mafiti nach, wurden aber durch einige Salven verscheucht
und hielten sich nun in respektvoller Entfernung in kleineren und
größeren Trupps, die Abteilung Gravenreuth beobachtend.
In dem genommenen Lager waren verschiedene gefangene Wasaramo, Männer
und Weiber, von Gravenreuth befreit und einiges Rindvieh erbeutet
worden. Außerdem fanden sich in der Hütte Buschiris Briefe an die
umwohnenden Häuptlinge vor, worin er dieselben aufforderte, mit ihm
vereint am folgenden Tage Bagamoyo anzugreifen.
Die Mafiti, die mittlerweile durch die große Menge von Toten und
Verwundeten, die sie auf dem Platze gelassen hatten, überzeugt worden,
daß ihre Schilde aus Rinds- und Zebrahaut doch nicht einen Schutz
gegen die deutschen Geschosse, wie ihnen Buschiri weiß gemacht hatte,
gewährten, und welche außerdem all ihr zusammengestohlenes Gut in
Flammen aufgehen sahen, zogen sich nach dem Kingani zurück. Buschiri
konnte sie nicht zu erneutem Ansturm sammeln.
Mittlerweile hatte sich bei der Abteilung Gravenreuth herausgestellt,
daß für den Mann nur noch 5 Patronen vorhanden waren und Gravenreuth
beschloß deshalb, sich näher an Bagamoyo heranzuziehen, da er für
die Nacht einen neuen Angriff der Mafiti befürchtete. Nach etwa
einstündigem Marsche, -- die Dunkelheit fing bereits an, einzubrechen,
-- kam von flüchtigen Wasaramo die Meldung, daß zwischen Bagamoyo und
der Abteilung sich noch Mafiti-Horden aufhielten. v. Gravenreuth,
der die Abteilung nicht der Gefahr aussetzen wollte, im Busch von
den gemeldeten Mafitis bei Dunkelheit überfallen zu werden, bezog
eine günstige Position, und zwar bivouakierte die ganze Abteilung
in Schützenlinie, die Europäer auf Posten, die Nacht hindurch jeden
Augenblick einen Angriff erwartend.
Die Soldaten waren dermaßen erregt, daß in der Nacht auf jedes
Geräusch, sei es auch durch einen Schakal oder eine Hyäne verursacht,
Salven abgegeben wurden. Nur unter großer Mühe der Europäer konnte dem
Geschieße ein Ende gemacht werden.
Die Nacht verlief ohne den erwarteten Angriff. Wie sich später
herausstellte, waren die Mafiti, nachdem sie sich von ihren ungeheuren
Verlusten überzeugt hatten, in wilder Flucht und ohne anzuhalten,
bis nach den Kingani-Furten geströmt und dabei noch zum Teil von der
Abteilung Richelmann, die in Dunda stehen geblieben war, beschossen
worden.
Am nächsten Morgen kam die Abteilung Gravenreuth endlich dazu, nach
24stündigem Fasten an ihres Leibes Notdurft und Nahrung zu denken.
Die im Lager erbeuteten Ziegen waren in der Nacht, da sie zu großen
Lärm machten, abgestochen worden und wurden nun von den ausgehungerten
Soldaten verspeist.
Nach dem Abkochen marschierte Gravenreuth nach Bagamoyo weiter. Es
zeigte sich, daß thatsächlich die Mafiti schon bis in die Nähe von
Bagamoyo gestreift hatten, denn auch dort waren Felder und Äcker
verwüstet und Leichen von Ermordeten, wenn auch nicht mehr in so großer
Zahl, gefunden worden.
Gegen Mittag kam die Abteilung in Bagamoyo an, wurde von der dort
befindlichen Marineabteilung, die Bagamoyo besetzt gehalten hatte,
aufs herzlichste begrüßt und beglückwünscht und von der Bevölkerung
Bagamoyos und den dahin geflüchteten massenhaften Wasaramo mit
stürmischem Jubel empfangen. Hier erfuhr v. Gravenreuth erst, daß
Richelmann, der durch Brieftauben-Post mit Bagamoyo verbunden war, noch
in Dunda stand, während von v. Bülow keine Nachricht vorhanden war. v.
Gravenreuth gönnte seiner Abteilung nur bis zum nächsten Morgen Ruhe,
deren sie sehr bedurfte, erneuerte die Munition und brach noch vor
Tagesanbruch nach Dunda auf, um womöglich eine wirksame Verfolgung der
Mafiti aufzunehmen.
In Dunda angekommen, fand er dieses von Richelmann besetzt, auch war
vor Kurzem die Abteilung Bülow, die nicht halbwegs Madimola, sondern
ganz dorthin marschiert war, da der Befehl falsch oder undeutlich
geschrieben war, dortselbst angelangt. Die Patrouille mit den Befehlen
an Hauptmann Richelmann war, wie schon erwähnt, nicht angekommen,
sondern aufgefangen und versprengt worden.
In Dunda hatte der allgemein beliebte Schlachtenmaler Weidmann bereits
Skizzen der dort stattgefundenen Szenen aufgenommen. Weidmann hat,
nebenbei gesagt, nicht nur als Schlachtenbummler an zahlreichen der
damaligen Gefechte teilgenommen, sondern sich in jeder Weise durch
Übernahme der Proviantmeister-Geschäfte und andrer Funktionen nützlich
zu machen gesucht.
v. Gravenreuth blieb mit der Hälfte seiner Abteilung und mit Richelmann
in Dunda und ließ von dort aus die Kingani-Ebene absuchen, wobei noch
verschiedene Mafitis in die Hände der Soldaten fielen. v. Bülow und
v. Perbandt erhielten den Auftrag, die Mafitis bis nach dem mehrere
Tagereisen entfernten Pangiri zu verfolgen. Doch wurde Pangiri trotz
der anstrengendsten Eilmärsche bereits von den Mafiti verbrannt und
seit kaum einer halben Stunde verlassen vorgefunden, ein Zeichen,
welche Panik sich derselben nach dem Gefecht von Jombo bemächtigt
hatte. Von dort marschierten die genannten Abteilungen nach Daressalam,
ohne noch auf Mafiti zu stoßen, und bemerkten hier, daß die vor den
Mafiti geflüchteten Wasaramo schon wieder zum Teil in ihre Dörfer
zurückgekehrt waren.
Durch sein kühnes Vorgehen hatte Gravenreuth Buschiri abermals
energisch zurückgeschlagen, Usaramo von der Plage der Mafiti befreit
und der an der Küste eingerissenen Panik mit einem Schlage ein Ende
gemacht.
Als Wißmann von Mpapua zurückkehrte -- er war auf die Nachricht der
Mafiti-Gefahr mit +Dr+. Bumiller und einer kleinen Abteilung
dem unter Zelewski folgenden Gros vorangeeilt -- empfing ihn die
Siegesnachricht, welche im Verein mit dem, was er selbst im Innern
erreicht hatte, einen wesentlichen Schritt vorwärts bedeutete und
freiere Entfaltung aller Kräfte zuließ.
Indes konnte sich Wißmann nicht in jeder Weise mit Gravenreuths
Vorgehen einverstanden erklären. Er mißbilligte entschieden die Teilung
des Expeditionskorps in drei Kolonnen, von denen ja nur die eine
wirklich hatte eingreifen können, während die Richelmannsche nur auf
kleine und vereinzelte Trupps von Flüchtigen gestoßen war, und die
dritte nur zur Verfolgung hatte verwandt werden können. Leicht hätte
diese Schwächung bei der von Gravenreuth nicht geahnten Tapferkeit der
Mafiti ihm verhängnisvoll werden können. Die Teilung erschien auch
deswegen nicht angebracht, weil die Nachrichten über die Stellung der
Gegner keineswegs so genau waren, daß man daraufhin hätte operieren
können. Ein Vorgehen mit der gesamten Macht auf Jombo, allerdings
vielleicht auf einem Umwege, um die Möglichkeit eines überraschenden
Überfalls für sich zu haben, und dann in nächster Nähe des Feindes eine
Teilung zum Angriff von verschiedenen Seiten her, wie es ja Gravenreuth
mit seiner eigenen Kolonne gemacht hatte, wäre für das gesamte Korps
das Richtigste gewesen.
Indes der Erfolg war da, und das Verdienst, die Küste verteidigt und
die Mafitis aufs eklatanteste geschlagen zu haben, gebührt ohne Zweifel
Gravenreuth mit seinen Offizieren und Unteroffizieren, wie auch vor
allen Dingen der Kaltblütigkeit und Bravour unserer Sudanesen. Hätten
diese bei Jombo versagt, so wäre das Expeditionskorps vernichtet
gewesen. Als ich auf dem Rückmarsch mit der Stanley-Eminschen Karawane
in Msua mit dem Freiherrn v. Gravenreuth zusammentraf, erzählte er mir
von den damals noch frischen Ereignissen, wobei er den Erfolg außer
der Tapferkeit der Soldaten besonders der Ruhe seiner Offiziere von
Perbandt und von Behr zuschrieb.