8. Kapitel.

Buschiri und die Mafiti.

Gerücht von einem Vorstoß Buschiris nach der Küste. -- Gravenreuth

trifft Vorkehrungen dagegen. -- Nachricht, daß Buschiri mit mehreren

tausend Mafiti Usaramo verwüstet. -- Die Marine besetzt Bagamoyo und

Daressalam. -- Marsch des Expeditionskorps unter Gravenreuth gegen

Buschiri. -- Marschbefehle. -- Buschiri angeblich bei Wasinga. --

Wasaramo als Hilfstruppen. -- Greuel der Mafiti. -- Wasinga

verlassen. -- Abteilung Bülow trifft nicht ein. -- Zusammentreffen

mit den Mafiti bei Jombo. -- Gefecht bei Jombo. -- Einnahme der

Mafiti-Lager. -- Zersprengung der Mafiti. -- Buschiri entkommt.

-- Wegen Munitionsmangel Rückkehr nach Bagamoyo. -- Abteilungen

Richelmann und von Bülow noch im Innern. -- Gravenreuth bricht

wieder dahin auf. -- Rückkehr der Abteilungen nach Daressalam.

Zur Zeit, als sich Wißmann noch in Mpapua befand, drangen Gerüchte

nach Bagamoyo, daß Buschiri, der im Innern, besonders unter den Mafiti

und Wahehe, zahlreiche Anhänger gefunden habe, wieder im Vorrücken

nach der Küste begriffen sei. Er solle die Ansicht hegen, daß nach

der Entfernung Wißmann's mit dem Expeditionskorps von der Küste diese

von Truppen entblößt sei und daß sich infolgedessen für ihn günstige

Gelegenheit zu einem Handstreiche biete. Obwohl dieser Fall ja, wie

früher erwähnt wurde, von vornherein von Wißmann für durchaus möglich

gehalten und in Erwägung gezogen war, maß man zunächst den Nachrichten

wenig Glauben bei; für alle Fälle aber traf der Stellvertreter

Wißmanns, Chef v. Gravenreuth, die nötigen Vorkehrungen. Durch die

Anordnungen des Reichskommissars war er in den Stand gesetzt, die von

vornherein aus den Stationen für etwaige kleinere Expeditionen und

Angriffe abgeschiedene Spezialreserve noch durch Abkommandierung von

Truppen aus den nördlichen Stationen zu verstärken und so ein größeres

Expeditionskorps zu formieren. Diese Vorkehrungen Gravenreuths erwiesen

sich als durchaus zweckmäßig, denn es wurde bald durch Kundschafter

und durch die von allen Ecken und Enden nach Bagamoyo herbeiströmenden

Wasaramo die Nachricht vom Anrücken Buschiri's bestätigt und noch dahin

erweitert, daß dieser mit mehreren Tausenden Mafiti einen großen Teil

der Ortschaften Usaramos verwüstet und massenhaft Leute hingemordet,

auch nicht einmal die unmenschlichen Grausamkeiten und Scheußlichkeiten

der Mafiti, welche diese zu verüben pflegen, verhindert habe.

Gravenreuth bat um Unterstützungen, die ihm auch gewährt wurden: die

Marine besetzte Bagamoyo und Daressalam, was Gravenreuth ermöglichte,

mit dem gesamten Expeditionskorps zu operieren.

Dieses Expeditionskorps formierte Gravenreuth in drei Abteilungen. Die

Führung der einen übernahm er selbst, marschierte von Daressalam über

Pugu und Kola auf Usungula zu, um von dort aus auf Wasinga und Jombo

vorzudringen, wo Buschiri den Aussagen der flüchtigen Wasaramo nach

sich verschanzt haben sollte.

Eine zweite Kolonne sollte unter Führung des Herrn von Bülow von Bueni

halbwegs Madimola marschieren, um zu verhüten, daß die Mafiti nach dem

Süden hin, speziell nach Daressalam zu ausbrächen.

Die dritte Abteilung unter Hauptmann Richelmann sollte sich nach

Dunda wenden, dort die Kingani-Ebene beobachten und Patrouillen nach

Madimola, Usungula und Jombo entsenden, um so die Fühlung mit der

Abteilung Gravenreuth aufrecht zu erhalten. Beide Abteilungen sollten

am 18. früh auf Jombo marschieren, welchen Ort dann alle drei Kolonnen

vereint angreifen sollten.

Die einzige Kolonne, welche Gefechte zu bestehen hatte, war die des

Herrn von Gravenreuth, deren Verlauf wir jetzt darstellen wollen:

In der Nacht vom 15. zum 16. marschierte die Abteilung von Daressalam

mit Magnesia-Fackeln ab. Die Abteilung bestand aus ca. 90 Sudanesen,

Zulus und Suaheli, von Europäern befanden sich bei derselben Lieutenant

von Perbandt, von Behr, von Frankenberg, Albrecht, Schiffsoffizier

Wiebel und verschiedene Unteroffiziere. Da in Eilmärschen marschiert

werden sollte, war für Proviant fast garnicht gesorgt und nur genügende

Munition mitgenommen.

Die Abteilung legte in zwei Tagen fast 100 Kilometer zurück. Unterwegs

empfing von Gravenreuth verschiedene Meldungen über die Stellung

Buschiris, welche alle mit mehr oder weniger Bestimmtheit Wasinga als

das Hauptlager Buschiris angaben. Gravenreuth forderte die flüchtigen

und in den verschiedenen Ortschaften ansässigen Wasaramo auf, seine

Abteilung zu begleiten, verteilte auch einige dazu mitgenommene Gewehre

und forderte von den Wasaramo, daß sie nach eventuellem Gefecht ihm bei

der Verfolgung der Mafiti behilflich sein sollten. Im Lager am Kingani

waren bereits etwa 600 Wasaramo, welche das Gefecht mitmachen wollten.

Von diesem Lager aus wurden Patrouillen an die Abteilungen Richelmann

und von Bülow geschickt, welche diesen mitteilen sollten, daß Buschiri

in Wasinga stände, und dieselben beorderten, dorthin aufzubrechen.

Diese Patrouillen kamen jedoch nicht an, sondern wurden zum Teil

versprengt, zum Teil von Mafitis aufgegriffen, so daß die Meldung nicht

in die Hände der betreffenden Unterführer gelangte.

Gravenreuth brach in der Nacht von genanntem Lager auf, um sich direkt

nach Wasinga zu begeben. Auf diesem Wege schon traf die Abteilung auf

Zeichen, daß die Mafiti-Horden denselben Weg vor kurzer Zeit marschiert

waren: Dörfer waren zerstört, Felder verwüstet, die Kokospalmen

vernichtet. Massenhaft wurden Leichen von Weibern, Kindern und Männern

vorgefunden, zum Teil in der gräßlichsten Weise verstümmelt.

So fand die Abteilung an Bäumen aufgehängt Kinder, unter deren Köpfen

man Feuer angemacht und die so langsam zu Tode geröstet waren, Weiber

mit abgeschnittenen Brüsten und sonstigen ekelhaften Verstümmelungen;

Männer hatten zum Teil als Zielscheibe von Messern und Lanzen

gedient und hingen zerfetzt an Büschen und Bäumen; Kinder lagen mit

zerschellten Schädeln neben ihren toten Müttern: die ganze Gegend war

in einen Pest- und Leichengeruch gehüllt. Durch den Anblick dieser

Scheußlichkeiten wurden sowohl Europäer wie schwarze Soldaten, ja

sogar die Zulus, deren Kampfesart noch am meisten derjenigen der

Mafitis ähnelt, so entrüstet, daß sie alle kaum erwarten konnten, den

Mafitis im Kampfe zu begegnen und die unschuldig hingemordeten Wasaramo

zu rächen. Auf die begleitenden Wasaramo hatte der Anblick einen

derartigen Eindruck gemacht, daß nach Verlauf von wenigen Stunden kein

einziger dieser tapferen Bundesgenossen mehr zur Stelle war.

Des Morgens gegen 10 Uhr wurde Wasinga erreicht, ohne daß eine

Meldung der Abteilung Bülow oder Richelmann eintraf. Wasinga wurde

stark befestigt, aber bereits von Buschiri und den Mafitis verlassen

vorgefunden. Im Schutze des Ortes lagen die Reste eines ungeheueren

Feldlagers, welches auf eine nach Tausenden von Mafitis zählende Menge

schließen ließ.

Die Abteilung marschierte nun weiter auf Jombo und hatte beinahe schon

die Hoffnung, mit Mafitis zusammenzutreffen, aufgegeben, da die Meldung

zu bestimmt auf Wasinga hindeutete.

Der Tag war ungeheuer heiß, Wasser war auf dem ganzen Wege nicht zu

finden, und der permanente Leichengeruch wirkte beklemmend auf die

marschierende Abteilung. Gegen 12 Uhr wurde eine kurze Mittagsrast

unter 2 Mango-Bäumen, die den Verwüstungsversuchen der Mafiti

Widerstand geleistet hatten, abgehalten. Hier traf die Abteilung auf

einen kleineren versprengten Trupp der Kolonne Bülow, welcher angab,

daß Bülow sich in nächster Nähe befinde. Die Meldung erwies sich

jedoch als falsch, vielmehr stellte sich heraus, daß der türkische

Offizier und seine Leute ohne Erlaubnis aus Schlappheit von der Kolonne

zurückgeblieben waren. Genannter türkische Offizier erhielt den Befehl,

zur Abteilung Bülow zu marschieren und demselben anzubefehlen, an

seinem Platze zu halten, bis die Abteilung Gravenreuth herankäme.

Noch war die Patrouille kaum eine halbe Stunde abmarschiert, als in

nächster Nähe des Rendezvous-Platzes Lärm ertönte und Schüsse fielen.

Atemlos stürzte ein Mann der Patrouille herbei und meldete, daß eine

Horde Mafitis dieselbe überrumpelt, zwei Mann getötet und einen mit der

Lanze verwundet hätte.

Herr v. Gravenreuth befahl sofort an die Gewehre, Lieutenant von

Perbandt übernahm die Avantgarde, die Herr von Behr bald darauf

verstärkte. Die Abteilung stieß auch bald auf vagabondierende Mafiti,

die jedoch nach einigen Salven unter Zurücklassung von 10 Toten das

Weite suchten. Gravenreuth folgte den weichenden Mafitis, doch war bald

jede Spur derselben verschwunden, und wurde der Marsch auf Jombo und

Bagamoyo fortgesetzt.

Gegen 4 Uhr nachmittags traf die Kolonne in einem Palmen-Wäldchen ein,

in welchem v. Gravenreuth sich entschloß zu lagern, um der mittlerweile

ganz erschöpften Truppe Ruhe zu gönnen. In der Nähe des Platzes stand

ein Dorf in Flammen, und wir glaubten, daß die Abteilung Bülow auf den

Feind gestoßen sei. Lieutenant v. Behr erhielt den Befehl, mit seinem

Zuge dorthin zu marschieren, die Gegend zu rekognoszieren und Herrn v.

Bülow mit seiner Abteilung zu Gravenreuth zu beordern. Es wurden Posten

ausgestellt und Vorbereitungen für das Lager getroffen.

Bald jedoch ertönte aus der Postenkette wie aus der Abteilung von Behr

lebhaftes Gewehrfeuer. Auch die lagernde Abteilung sah überall im Grase

auftauchende, mit kriegerischem Kopfputz geschmückte, nackte Gestalten.

Sofort wurden die Gewehre zur Hand genommen und Schiffsoffizier Wiebel

mit einigen Leuten zur Bagage beordert. v. Gravenreuth ging mit der

Abteilung v. Perbandt in die Postenkette. Von hier sah man auf einige

100 Meter Entfernung das befestigte Mafiti-Lager, auf welches v. Behr

mit seiner Abteilung losging. Dieses Lager wurde, trotzdem fortwährend

noch außerhalb befindliche Mafiti-Banden anstürmten, genommen. Dabei

drangen die Mafitis wiederholt bis in die Schützenkette ein und stachen

mit ihren Speeren Leute aus derselben nieder. v. Behr war schon vorher

in der Nähe des erwähnten brennenden Dorfes auf eine Horde Mafiti

gestoßen, hatte sie aber sogleich mit einigen Salven begrüßt und nach

dem jetzt eroberten Lager vor sich hergetrieben.

Mittlerweile war die Kolonne bei der Bagage unter dem Schiffsoffizier

Wiebel in eine bedenkliche Lage gekommen. Die Mafiti hatten bereits

einige von den wenigen Soldaten verwundet und drangen hart auf

dieselben ein, um sich der Bagage zu bemächtigen. v. Gravenreuth,

der das fortwährende Feuern von dort hören konnte, schickte daher

Lieutenant von Perbandt mit einer kleinen Abteilung zurück, um Wiebel

zu entsetzen und die Bagage heranzuziehen.

Lieutenant von Perbandt, der auf dem Wege dorthin fortwährend von

Mafitis umzingelt und belästigt wurde, kam noch gerade zur Zeit, um

Wiebel aus fataler Lage zu befreien und die Bagage glücklich in das

Mafitilager zu bringen.

Dort sammelte sich die ganze Abteilung Gravenreuth, und gerade wollten

sich die braven Sudanesen und Zulus mit der näheren Besichtigung und

Plünderung der Hütten beschäftigen, als schon wieder größere Haufen

von Mafiti auf das Lager eindrangen. Araber und Belutschen beschossen

aus weiter Entfernung mit ihren langen Flinten die sich rangierenden

Soldaten.

Durch eine kleine Schlucht von den Deutschen getrennt, lag noch ein

zweites kleineres Rebellenlager, welches aber ebenfalls bereits

verlassen war.

Da für die kleine Gravenreuthsche Abteilung das zuerst genommene

Lager zu groß zur Verteidigung gegen die nachdrängenden Mafitis war,

wurde dasselbe in Brand gesteckt und das andere bezogen. Auch hierhin

drängten die Mafiti nach, wurden aber durch einige Salven verscheucht

und hielten sich nun in respektvoller Entfernung in kleineren und

größeren Trupps, die Abteilung Gravenreuth beobachtend.

In dem genommenen Lager waren verschiedene gefangene Wasaramo, Männer

und Weiber, von Gravenreuth befreit und einiges Rindvieh erbeutet

worden. Außerdem fanden sich in der Hütte Buschiris Briefe an die

umwohnenden Häuptlinge vor, worin er dieselben aufforderte, mit ihm

vereint am folgenden Tage Bagamoyo anzugreifen.

Die Mafiti, die mittlerweile durch die große Menge von Toten und

Verwundeten, die sie auf dem Platze gelassen hatten, überzeugt worden,

daß ihre Schilde aus Rinds- und Zebrahaut doch nicht einen Schutz

gegen die deutschen Geschosse, wie ihnen Buschiri weiß gemacht hatte,

gewährten, und welche außerdem all ihr zusammengestohlenes Gut in

Flammen aufgehen sahen, zogen sich nach dem Kingani zurück. Buschiri

konnte sie nicht zu erneutem Ansturm sammeln.

Mittlerweile hatte sich bei der Abteilung Gravenreuth herausgestellt,

daß für den Mann nur noch 5 Patronen vorhanden waren und Gravenreuth

beschloß deshalb, sich näher an Bagamoyo heranzuziehen, da er für

die Nacht einen neuen Angriff der Mafiti befürchtete. Nach etwa

einstündigem Marsche, -- die Dunkelheit fing bereits an, einzubrechen,

-- kam von flüchtigen Wasaramo die Meldung, daß zwischen Bagamoyo und

der Abteilung sich noch Mafiti-Horden aufhielten. v. Gravenreuth,

der die Abteilung nicht der Gefahr aussetzen wollte, im Busch von

den gemeldeten Mafitis bei Dunkelheit überfallen zu werden, bezog

eine günstige Position, und zwar bivouakierte die ganze Abteilung

in Schützenlinie, die Europäer auf Posten, die Nacht hindurch jeden

Augenblick einen Angriff erwartend.

Die Soldaten waren dermaßen erregt, daß in der Nacht auf jedes

Geräusch, sei es auch durch einen Schakal oder eine Hyäne verursacht,

Salven abgegeben wurden. Nur unter großer Mühe der Europäer konnte dem

Geschieße ein Ende gemacht werden.

Die Nacht verlief ohne den erwarteten Angriff. Wie sich später

herausstellte, waren die Mafiti, nachdem sie sich von ihren ungeheuren

Verlusten überzeugt hatten, in wilder Flucht und ohne anzuhalten,

bis nach den Kingani-Furten geströmt und dabei noch zum Teil von der

Abteilung Richelmann, die in Dunda stehen geblieben war, beschossen

worden.

Am nächsten Morgen kam die Abteilung Gravenreuth endlich dazu, nach

24stündigem Fasten an ihres Leibes Notdurft und Nahrung zu denken.

Die im Lager erbeuteten Ziegen waren in der Nacht, da sie zu großen

Lärm machten, abgestochen worden und wurden nun von den ausgehungerten

Soldaten verspeist.

Nach dem Abkochen marschierte Gravenreuth nach Bagamoyo weiter. Es

zeigte sich, daß thatsächlich die Mafiti schon bis in die Nähe von

Bagamoyo gestreift hatten, denn auch dort waren Felder und Äcker

verwüstet und Leichen von Ermordeten, wenn auch nicht mehr in so großer

Zahl, gefunden worden.

Gegen Mittag kam die Abteilung in Bagamoyo an, wurde von der dort

befindlichen Marineabteilung, die Bagamoyo besetzt gehalten hatte,

aufs herzlichste begrüßt und beglückwünscht und von der Bevölkerung

Bagamoyos und den dahin geflüchteten massenhaften Wasaramo mit

stürmischem Jubel empfangen. Hier erfuhr v. Gravenreuth erst, daß

Richelmann, der durch Brieftauben-Post mit Bagamoyo verbunden war, noch

in Dunda stand, während von v. Bülow keine Nachricht vorhanden war. v.

Gravenreuth gönnte seiner Abteilung nur bis zum nächsten Morgen Ruhe,

deren sie sehr bedurfte, erneuerte die Munition und brach noch vor

Tagesanbruch nach Dunda auf, um womöglich eine wirksame Verfolgung der

Mafiti aufzunehmen.

In Dunda angekommen, fand er dieses von Richelmann besetzt, auch war

vor Kurzem die Abteilung Bülow, die nicht halbwegs Madimola, sondern

ganz dorthin marschiert war, da der Befehl falsch oder undeutlich

geschrieben war, dortselbst angelangt. Die Patrouille mit den Befehlen

an Hauptmann Richelmann war, wie schon erwähnt, nicht angekommen,

sondern aufgefangen und versprengt worden.

In Dunda hatte der allgemein beliebte Schlachtenmaler Weidmann bereits

Skizzen der dort stattgefundenen Szenen aufgenommen. Weidmann hat,

nebenbei gesagt, nicht nur als Schlachtenbummler an zahlreichen der

damaligen Gefechte teilgenommen, sondern sich in jeder Weise durch

Übernahme der Proviantmeister-Geschäfte und andrer Funktionen nützlich

zu machen gesucht.

v. Gravenreuth blieb mit der Hälfte seiner Abteilung und mit Richelmann

in Dunda und ließ von dort aus die Kingani-Ebene absuchen, wobei noch

verschiedene Mafitis in die Hände der Soldaten fielen. v. Bülow und

v. Perbandt erhielten den Auftrag, die Mafitis bis nach dem mehrere

Tagereisen entfernten Pangiri zu verfolgen. Doch wurde Pangiri trotz

der anstrengendsten Eilmärsche bereits von den Mafiti verbrannt und

seit kaum einer halben Stunde verlassen vorgefunden, ein Zeichen,

welche Panik sich derselben nach dem Gefecht von Jombo bemächtigt

hatte. Von dort marschierten die genannten Abteilungen nach Daressalam,

ohne noch auf Mafiti zu stoßen, und bemerkten hier, daß die vor den

Mafiti geflüchteten Wasaramo schon wieder zum Teil in ihre Dörfer

zurückgekehrt waren.

Durch sein kühnes Vorgehen hatte Gravenreuth Buschiri abermals

energisch zurückgeschlagen, Usaramo von der Plage der Mafiti befreit

und der an der Küste eingerissenen Panik mit einem Schlage ein Ende

gemacht.

Als Wißmann von Mpapua zurückkehrte -- er war auf die Nachricht der

Mafiti-Gefahr mit +Dr+. Bumiller und einer kleinen Abteilung

dem unter Zelewski folgenden Gros vorangeeilt -- empfing ihn die

Siegesnachricht, welche im Verein mit dem, was er selbst im Innern

erreicht hatte, einen wesentlichen Schritt vorwärts bedeutete und

freiere Entfaltung aller Kräfte zuließ.

Indes konnte sich Wißmann nicht in jeder Weise mit Gravenreuths

Vorgehen einverstanden erklären. Er mißbilligte entschieden die Teilung

des Expeditionskorps in drei Kolonnen, von denen ja nur die eine

wirklich hatte eingreifen können, während die Richelmannsche nur auf

kleine und vereinzelte Trupps von Flüchtigen gestoßen war, und die

dritte nur zur Verfolgung hatte verwandt werden können. Leicht hätte

diese Schwächung bei der von Gravenreuth nicht geahnten Tapferkeit der

Mafiti ihm verhängnisvoll werden können. Die Teilung erschien auch

deswegen nicht angebracht, weil die Nachrichten über die Stellung der

Gegner keineswegs so genau waren, daß man daraufhin hätte operieren

können. Ein Vorgehen mit der gesamten Macht auf Jombo, allerdings

vielleicht auf einem Umwege, um die Möglichkeit eines überraschenden

Überfalls für sich zu haben, und dann in nächster Nähe des Feindes eine

Teilung zum Angriff von verschiedenen Seiten her, wie es ja Gravenreuth

mit seiner eigenen Kolonne gemacht hatte, wäre für das gesamte Korps

das Richtigste gewesen.

Indes der Erfolg war da, und das Verdienst, die Küste verteidigt und

die Mafitis aufs eklatanteste geschlagen zu haben, gebührt ohne Zweifel

Gravenreuth mit seinen Offizieren und Unteroffizieren, wie auch vor

allen Dingen der Kaltblütigkeit und Bravour unserer Sudanesen. Hätten

diese bei Jombo versagt, so wäre das Expeditionskorps vernichtet

gewesen. Als ich auf dem Rückmarsch mit der Stanley-Eminschen Karawane

in Msua mit dem Freiherrn v. Gravenreuth zusammentraf, erzählte er mir

von den damals noch frischen Ereignissen, wobei er den Erfolg außer

der Tapferkeit der Soldaten besonders der Ruhe seiner Offiziere von

Perbandt und von Behr zuschrieb.

Geschichte des Araberaufstandes in Ost-Afrika · 第 22 / 37 题