Die ersten Kämpfe um Bagamoyo, Daressalam, Pangani, Tanga und Sadani.
Einrichtung des Spionendienstes. -- Angriff und Einnahme von
Buschiris Lager bei Bagamoyo und Operationen daselbst. -- Streifzüge
des Verfassers um Daressalam. -- Beerdigung der ermordeten Missionare
in Pugu. -- Verhältnisse in Sadani. -- Bombardement von Sadani.
-- Einnahme durch die Schutztruppe. -- Einnahme von Pangani und
Stationsgründung daselbst. -- Einnahme von Tanga. -- Errichtung
eines Forts in Tanga. -- Streifzug Gravenreuths gegen die Jumbes in
der Umgegend von Bagamoyo. -- Verhältnisse auf den neu gegründeten
Stationen.
Unmittelbar nach der Ankunft der Truppen ließ Wißmann dem Führer der
Rebellen den Waffenstillstand, der ja von ihm in frevelhafter Weise
gebrochen war, aufkündigen und ihm sagen, daß er ihn in den nächsten
Tagen angreifen würde. Die Antwort Buschiris lautete, er würde die
Deutschen bestens empfangen.
Die Bestrafung zweier Leute, welche der Spionage gegen uns für die
Interessen Buschiris überführt worden waren, mit dem Tode durch den
Strang hatte Wißmann natürlich bis zur Auslieferung der Missionare
aufgeschoben.
Bis zur Ankunft Wißmanns hatten nur die Rebellen ihre Spione, welche
sie so geschickt ausgewählt und organisiert hatten, daß sie stets mit
den genauesten Nachrichten über unsere Mittel und Absichten versehen
waren, während die Beamten der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft
im großen und ganzen auffällig spärlich mit Nachrichten versehen
waren. Wißmann erkannte gleich am ersten Tage seiner Ankunft auf dem
Festland, daß auf unserer Seite viel zu wenig auf den Spionendienst
gehalten war und gab daher zur Einführung einer ordentlichen Spionage
die betreffenden Anweisungen, indem er zugleich Gelder zur Verfügung
stellte.
Die Spionage ist etwas in Afrika durchaus Notwendiges und
Selbstverständliches. Der Europäer muß Gewicht darauf legen, unter den
Eingeborenen zuverlässige Personen zu finden, die er zur Einziehung von
Nachrichten benutzen kann, indem er nötigenfalls auch die einzelnen
Leute gegenseitig ausspielt und so kontrolliert.
Die durch Wißmann eingeführte bessere Ausbildung des Spionendienstes
hat sehr viel zu unseren Erfolgen beigetragen. Bedauerlicher Weise
wurden, wie ich vorweg bemerken muß, im letzten Jahre vom Gouverneur
von Soden unter vollkommener Verkennung der afrikanischen Verhältnisse
aus Sparsamkeitsrücksichten selbst nach der Zelewskischen Katastrophe
nicht die nötigen Mittel hierfür zur Verfügung gestellt, und wenn
einmal wirklich Gelder zum Halten von einem oder einigen Spionen
bewilligt wurden, so geschah dies nur nach bogenlangen Berichten,
welche es den Offizieren und den dem Gouverneur unterstellten Beamten
fast verleiden konnten, derartige im Interesse des Ganzen liegenden
Anträge zu stellen. Diese Sparsamkeit ist übel angebracht und in
Wirklichkeit häufig eine Verschwendung. Denn auf ein paar Tausend
Rupies im Jahre kann es nicht ankommen, wenn man sich dadurch eine
genaue Kenntnis dessen, was unter den Eingeborenen im Geheimen vorgeht,
ihrer Absichten und ihrer Gesinnung gegen uns verschaffen kann.
Nachdem der Reichskommissar die Vorbereitungen zum Beginn der
Operationen gegen die Aufständischen bereits am 4. Tage nach Eintreffen
des Transportdampfers »Martha« auf der Rhede von Bagamoyo beendet
hatte, beschloß derselbe nach erfolgter Verständigung mit dem Chef
des Kreuzergeschwaders, Herrn Admiral Deinhard, sofort zum Angriff
überzugehen. Ein möglichst rasches offensives Vorgehen bot in erster
Linie eine Aussicht, gegen die vorwiegend auf Terrorismus gestützte
Macht des Rebellenführers Buschiri einen entscheidenden Schlag
zu führen, seinen Einfluß auf die Bevölkerung zu beeinträchtigen
und die durch fortgesetzte feindliche Streifzüge sehr gehemmte
Aktionsfähigkeit wieder zu erhöhen.
Eingezogene Nachrichten hatten ergeben, daß Buschiri, nachdem er in
den letzten Monaten sein Lager mehrfach gewechselt, nun in einem stark
befestigten Hauptlager in der Richtung landeinwärts von Bagamoyo,
1-1-1/2 Stunden von diesem Platz entfernt, alle seine Kräfte vereinigt
habe. Der waffenfähige Anhang Buschiris wurde auf 6-800 Mann angegeben.
Nachdem die Unterstützung der Marine vom Admiral angeboten und vom
Reichskommissar angenommen worden war, wurde der 8. Mai von beiden für
die Operationen gegen Buschiri festgesetzt.
Am genannten Tage, früh 6-1/2 Uhr trat die Schutztruppe mit dem
von der Marine gestellten Landungscorps von 200 Mann, welches der
Korvettenkapitän Hirschberg, Kommandant S. M. S. »Schwalbe« befehligte,
bei der Station in Bagamoyo an. Damit die farbigen Truppen möglichst
alle im Kampf verwendet werden konnten, war die Station Bagamoyo
für die Dauer der Operation durch eine andere Abteilung der Marine
besetzt worden. Um 7 Uhr 10 Minuten setzte sich die Schutztruppe nach
Erteilung der für den Marsch notwendigsten Instruktionen in folgender
Marsch-Ordnung in Bewegung:
Avantgarde: Askaris -- Frhr. v. Eberstein;
Abteilung Frhr. v. Gravenreuth -- 2 Sudanesenkompagnien (Sulzer und
von Perbandt);
Artillerie (zwei 4,7 +cm+ Geschütze und ein 6 +cm+ Geschütz)
-- Chef Krenzler;
geschlossenes Detachement der deutschen Unteroffiziere unter
Premier-Lieutenant End;
Abteilung +Dr+. Schmidt -- 2 Sudanesenkompagnien (Johannes und
Radatz);
Abteilung von Zelewski -- 1 Sudanesen- und 1 Zulukompagnie (Ramsay
und v. Medem);
zum Ziehen der Geschütze wurden Waniamuesi mitgenommen, desgleichen
gingen solche mit Erlaubnis Wißmanns, durch rote Tücher als die
Unsrigen kenntlich gemacht, als Freiwillige mit.
Nachdem der Marsch zunächst in südwestlicher Richtung durch die
Bagamoyo umgebenden, ausgedehnten Kokosschamben erfolgt war, wurde nach
Westen abgebogen und ein ungefähr 900 +m+ breites, schattenloses,
sumpfiges, mit fast mannshohem Grase bewachsenes Thal durchschritten,
welches an dem besonders schwülen und heißen Tage, namentlich für
die Artillerie, sehr schwierig zu passieren war. Die Marschdisciplin
blieb indes bei den farbigen Truppen auf dem Hinmarsch eine gute. Nach
Passieren dieses Thales wurde wieder in südwestlicher Richtung auf
einem gut bewachsenen Höhenzug weiter marschiert, bis um 9 Uhr das
Lager Buschiris der Avantgarde in Sicht kam.
Der Kommandant, welcher sich bei der Avantgarde befand, erteilte
nun sofort die Befehle zum Angriff. Demzufolge nahm die Artillerie
Aufstellung in der Linie der Askaris, welche, bis auf 600 +m+
ans Lager herangekommen, ausschwärmten. Links von den Askaris befand
sich die Abteilung Gravenreuth. Zelewski erhielt Befehl, rechts vom
Wege abzubiegen und die linke feindliche Flanke zu umfassen, also
nach der örtlichen Lage die Boma von Osten her zu umgehen. +Dr.+
Schmidt sollte links abbiegen und die Umgehung der Boma von Westen
her bewerkstelligen. In dieser Formation war man, die Artillerie
eingeschlossen, bis 250 +m+ an das Lager herangekommen. Die
Marine-Abteilung befand sich dicht hinter den Askaris und der
Artillerie.
Als die Truppen in dieser Ordnung bis auf etwa 200 +m+ an die Boma
herangekommen waren, wurde von Seiten der Rebellen ein heftiges Feuer
aus Gewehren und einigen alten, mit Eisenstücken geladenen Böllern auf
die Angreifer eröffnet. Zufällig kam zu gleicher Zeit aus dem Lager der
überall bekannte weiße Buschirische Reitesel in Sicht und Wißmann, in
der Absicht, den wohlbeleibten Buschiri dieses bei seiner Körperfülle
sehr notwendigen Fluchtmittels zu berauben, gab einen Schuß auf den
Esel ab. Dieser Schuß bildete unwillkürlich das Signal zur Eröffnung
des Feuers auf der ganzen Linie; in der Front stand Gravenreuths
Abteilung im 1. Treffen, während im 2. Treffen die Marine das Feuer
ebenfalls eröffnete; als Wißmann bat, das Feuer des 2. Treffens
einzustellen, da das 1. Treffen ihm dadurch gefährdet erschiene, wurde
ihm von der Marine entgegengehalten, daß mit dem 600-meter-Visir von
dieser geschossen werde.
Das feindliche Feuer richtete sich besonders auf eine kleine Anhöhe, wo
Wißmann mit seinem Stabe bei der Artillerie Stellung genommen hatte,
so daß dort, trotzdem die Aufständischen im allgemeinen recht schlecht
zielten, einige Verluste in unmittelbarer Nähe des Reichskommissars,
der für seine Person der Mahnung, sich nicht unnütz zu exponieren, kein
Gehör schenkte, erlitten wurden.
Als der Kommandant durch anhaltendes Geschütz- und Gewehrfeuer den
Feind hinlänglich erschüttert zu haben glaubte, gab er das Zeichen zum
Aufpflanzen des Seitengewehrs und zum Sturm. Die Abteilung Gravenreuth
drang zuerst in die Boma ein, allen voran Lieutenant Sulzer.
An der Spitze der Marineabteilung überklomm Lieutenant Schelle, ohne
erst Bresche reißen zu lassen, die Pallisaden. Hierbei erhielt er eine
Kugel in den Unterleib und erlag bald darauf dieser schweren
Verwundung.
Herr von Gravenreuth war mit seiner Abteilung an der linken Flanke der
Front eingedrungen, die Marine hingegen zugleich mit den Askaris unter
Eberstein direkt in der Front, und zwar wurde nach dem Fall Schelles
Bresche gerissen und drangen die Marinetruppen an dieser Stelle Mann
hinter Mann durch die Bresche in die Boma, während Herr v. Eberstein
mit den Askaris eine bei der Bresche befindliche Thür einrannte und
durch diese ziemlich geschlossen mit seinen Leuten hineinkam.
Es ist damals ein sehr häßlicher Streit über die für die Sache
natürlich ganz gleichgiltige Frage ausgebrochen, wer der erste in der
feindlichen Boma gewesen sei. Von Seiten der Marine wurde der gefallene
Lieutenant Schelle gemeldet; vom Reichskommissar der Lieutenant
Sulzer. Dem Verfasser, der bei der Aktion gegen Buschiri nicht dabei
gewesen ist, ist von verschiedenen Herren versichert worden, daß
nicht nur Sulzer, sondern auch v. Gravenreuth und ein großer Teil
der Soldaten von Gravenreuths Abteilung in der Boma, ja sogar in den
dort befindlichen Hütten der Rebellen schon gewesen seien, als von
der Frontseite her die Marine erst eindrang. Selbstverständlich ist
die Meldung der Marine, daß Lieutenant Schelle der erste im Lager
gewesen sei, in gutem Glauben erfolgt und ist dadurch zu erklären,
daß wegen der im Innern der Boma errichteten Hütten und wegen der in
solchen Momenten erklärlichen Aufregung das vorher erfolgte Einrücken
Gravenreuths nicht gesehen wurde. Bedauerlich aber bleibt die
Eifersüchtelei, welche zu jener Zeit zwischen Marine und Schutztruppe
bestand. Obgleich sich die Offiziere der letzteren und auch viele
Marineoffiziere redliche Mühe gegeben haben, dieselbe aus der Welt zu
schaffen, besteht sie, wie dem Verfasser scheinen will, bis in die
neueste Zeit hinein fort. Die Herren der Marine bedenken hierbei nicht,
daß mit Beendigung der Blokade nach Übernahme des Reichskommissariats
durch Wißmann ihre Aufgaben am Lande, denen sie sich ganz gewiß, wie
von allen anerkannt wird, mit Eifer unterzogen haben, beendigt waren.
Nur vereinzelt haben später Marinemannschaften die Operationen des
Reichskommissars unterstützt, natürlich nur an der Küste oder in
unmittelbarster Nähe derselben, wie hier bei Bagamoyo, dann bei Sadani,
Pangani, Mkwadja. (Nur Tanga ist, worauf wir noch kommen werden, durch
die Marine allein erobert worden.)
Beim Einrücken der Unsrigen in die Boma wagte nur ein Teil der Feinde
noch standzuhalten und aus den Hütten im Innern der Befestigungen
heraus zu schießen, wo sie dann teils niedergemacht, teils gefangen
genommen wurden. Das Gefangennehmen freilich wollte nicht immer
gelingen, da die Zulus, welche erst zwei Tage vorher eingetreten waren,
gar nicht verstehen wollten, wie man einen überwältigten Feind schonen
könne, statt ihn sofort zu tödten; so haben denn auch die Zulus vielen
von den Rebellen, welche sich im letzten Augenblick ergeben wollten,
durch ihre Seitengewehre den Garaus gemacht.
Von den Freiwilligen der Waniamuesi und den Askaris wurden die Zulus
bei der Plünderung des Lagers in würdiger Weise ergänzt. Im großen und
ganzen aber waren alle, welche die neue farbige Truppe während des
Gefechts beobachtet hatten, im Lob derselben einig. Nirgends war weder
während des Feuerns noch beim Sturm das geringste Zaudern eingetreten.
Die Umgehung des Lagers, welche die Abteilungen Dr. Schmidt und v.
Zelewski bewerkstelligen sollten, war nicht gelungen, da besonders
Zelewski wegen des weiten Umweges, den er mit seinen Soldaten zu machen
hatte, nicht zur rechten Zeit am Lager sein konnte. Es gelang daher dem
größten Teil der Rebellen durch die Lücke zwischen den beiden von der
Flanke anrückenden Abteilungen durchzukommen, wobei sie allerdings von
der Abteilung Dr. Schmidt noch wirksam beschossen wurden.
Buschiri selbst war ebenfalls entkommen, hatte sich aber, wie er später
selbst erzählte und wie auch bald hinterbracht wurde, im dichten Grase
außerhalb der Boma versteckt und war so von den Verfolgern unbemerkt
geblieben.
Das dicht bewachsene Terrain setzte der an die Einnahme des Lagers
sich schließenden Verfolgung von selbst ein Ziel, um so mehr als die
Europäer, sowohl die aus Europa gekommenen Offiziere und Unteroffiziere
der Schutztruppe, wie die an afrikanische Märsche ebenfalls nicht
gewöhnten Marinemannschaften und auch unsere Sudanesen sehr ermattet
waren. Es zeigte sich dies unmittelbar nach dem Eindringen in die
Befestigungen und auf dem Rückmarsch, der ein wenig angenehmes
militärisches Bild abgab. Einige Fälle von schwererem und leichterem
Sonnenstich kamen auf demselben vor. Die Zulus, Askari und Waniamuesi
waren die einzigen, welche frisch geblieben waren und deren Benehmen
und Schlachtgesänge etwas Leben in die Kolonnen der Marine und
Schutztruppe brachten.
Die Zahl der Toten betrug auf gegnerischer Seite 106, fast alles Araber
und Belutschen. Unter den Gefallenen ist wegen seines Einflusses
besonders zu erwähnen der Jumbe von Windi, Ismael. Auf unserer Seite
fielen -- von der Marine: Lieutenant zur See Schelle und Obermatrose
Föll; von der Schutztruppe 6 farbige Soldaten. Feldwebel Peter erlag
dem Sonnenstich. Verwundet wurden -- von der Marine: Obermatrose
Klebba -- von der Schutztruppe: Stabsarzt Dr. Schmelzkopf, Hauptmann
Richelmann, Deckoffizier Illich und 3 Sudanesen.
Das Lager der Aufständischen zeigte ein ziemlich regelmäßiges Viereck
von 800 m Umfang und war nach afrikanischen Begriffen mit einer sehr
starken Befestigung umgeben. Sie bestand in Pallisadenreihen aus
dicken Palmenstämmen. Hinter denselben war ein Graben für kniende
Schützen ausgehoben, dessen Erde nach den Palisaden hin zu einem Wall
aufgeschüttet worden war. Im Innern war, wie schon erwähnt, eine Zahl
primitiver Hütten errichtet, welche den Rebellen Unterkunft gewährten,
außerdem ihr Kleinvieh und Hühner wie ihren sonstigen Unterhalt bargen.
Der vorgefundene Proviant und die noch in geringer Masse vorhandene
Munition wurde durch die Einnahme des Lagers erbeutet; außerdem fielen
in unsere Hände 2 arabische Fahnen, 2 Böller und Gewehre aller Art,
darunter einige Mausergewehre, welche beim Ausbruch des Aufstandes auf
den Stationen der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft im Innern von
den Rebellen vorgefunden waren, daneben befanden sich Snidergewehre,
Hinterlader, Jagdgewehre, sowie die verschiedensten Perkussions- und
Steinschloßgewehre. Die wertlosen Waffen und Sachen wurden verbrannt,
das meiste aber -- selbst ganz wertloses Hausgerät -- von den Leuten,
besonders den Sudanesen, die eine besondere Vorliebe für die Anhäufung
von allerlei wertlosem Kram haben, nach Bagamoyo mitgenommen. Einige
Kuriositäten, wertvolle Waffen der Araber und Belutschen sowie der
Eingeborenen wurden ebenfalls vorgefunden. Ferner hatten unsere
Soldaten in der Hütte Buschiris eine Kiste mit 6000 Rupien entdeckt, es
aber vorgezogen, die Sache erst zu melden, nachdem sie den Inhalt unter
sich verteilt hatten. Das Geld war vermutlich die für die englischen
Missionare bezahlte Lösesumme und man beließ dieselbe den glücklichen
Besitzern, um nicht gleich anfangs durch Untersuchungen Mißmut zu
erregen. So wirkte auch der gute Fund ermunternd auf die Schwarzen,
für welche ja überhaupt die Plünderung nach siegreichem Gefecht einen
ungemeinen Reiz hat.
Der Geschwaderchef, Herr Admiral Deinhard, hatte (nach Rücksprache mit
dem Reichskommissar) für einen eventuellen Empfang der entkommenen
Rebellen Sorge getragen, indem er eine Marineabteilung nach der Windi-
und Mtoni-Fähre schickte, wo der Uebergang von fliehenden Rebellen
erwartet werden konnte. Die Fährboote, welche sich an jenem Teil des
Kinganiflusses vorfanden, wurden, um ein Übersetzen der Rebellen zu
verhindern, von der Marine zerstört. Indes hatten die Flüchtlinge es
meist für klüger gehalten, sich zunächst, so lange sie das Terrain
unsicher wußten, im dichten Gebüsch versteckt zu halten, wohin man
ihnen nicht folgen konnte, und dann weiter zu flüchten, wobei von ihnen
die weiter stromaufwärts befindliche Dunda-Fähre des Kingani benutzt
wurde. Dorthin aber konnten die Pinassen der Marine wegen mehrfacher in
jenem Teil des Kingani vorhandener Untiefen nicht geschickt werden.
Dem Reichskommissar hatte +Dr.+ Peters seine für die Emin
Pascha-Expedition in Aden angeworbenen Somalis zum Angriff auf
Buschiri zur Verfügung gestellt; es war jedoch von ihrer Verwendung
Abstand genommen worden, da sie Bedenken trugen, gegen ihre eigenen
Glaubensgenossen zu kämpfen. Jetzt, als nach gelungenem Angriff die
Truppen in Bagamoyo einrückten, zeigte sich ein Teil der Somalis
beschämt und bat darum, auf den noch am selben Tage ausgesandten
Patrouillen mitverwandt zu werden.
Nach dem Einrücken der Soldaten erhielt Freiherr v. Gravenreuth den
Befehl, eine Rekognoszierung zu unternehmen zur Aufsuchung eines
vermißten Offiziers, der, an der Queue seiner Abteilung, von den
Seinen unbemerkt, infolge eines Sonnenstiches liegen geblieben war,
und zugleich um auf etwaige Rebellentrupps zu fahnden. Der Vermißte
kehrte aber von selbst bald darauf zurück, und die Rekognoszierungen
Gravenreuths und später Zelewskis konnten nur feststellen, daß die
nächste Umgebung von Bagamoyo bis zum benachbarten Teile des Kingani
völlig von den Aufständischen gesäubert war. Kleine Patrouillen wurden
zum großen Teil zu Pferde ausgeführt, von denen etwa 20 aus Egypten
resp. Aden mitgebracht worden waren.
Einige Wochen später drangen nach Bagamoyo Nachrichten über neue
Befestigungen, welche Buschiri in größerer Entfernung angelegt
habe; ebenso habe er wieder eine große Zahl Anhänger gesammelt.
Infolgedessen wurden von Wißmann zweimal Abteilungen unter +Dr.+
Schmidt und Zelewski in solcher Stärke ausgesandt, daß es ihnen
möglich war, die Rebellen mit Aussicht auf Erfolg anzugreifen. Die
Expedition unter Zelewski führte zu keinem Resultat, da der Gegner
in dem von ihr durchzogenen Gebiet nicht zu finden war. Die später
ausgesandte Abteilung des +Dr+. Schmidt fand zwar mitten in
dichtem Gestrüpp ein wohlbefestigtes Lager Buschiris, eine sogenannte
Buschboma, zu welcher nur wenige schmale Stege führen, doch hatte
Buschiri, der jedenfalls von dem Anmarsch +Dr+. Schmidts durch
seine Kundschafter Nachricht erhalten, es vorgezogen, noch im letzten
Augenblick ohne Kampf die Boma zu verlassen. Die Hausutensilien und
die noch vorhandenen Lebensmittel, etwas Kleinvieh und Hühner, wurden
zur Beute gemacht, die Boma selbst aber wurde den Flammen Preis
gegeben. Es war dies, so begierig auch die Expedition war, den Gegner
anzugreifen, doch den Herren nachträglich nicht unerwünscht, da die
Stellung Buschiris eine derartige war, daß ein erfolgreicher Sturm auf
das im größten Dickicht befindliche Lager, wenn überhaupt, nur mit den
schwersten Verlusten möglich gewesen wäre. Das erste Lager hatte den
Vorzug in freiem Terrain zu liegen, so daß es von allen Seiten gesehen
und angegriffen werden konnte.
Wenden wir uns nun nach Daressalam, wo durch den von Wißmann dem
Verfasser gesandten kleinen Teil der Schutztruppe die Marineabteilung
abgelöst wurde, welche bisher als Besatzung der Station gedient hatte;
S. M. S. Carola, welche zuletzt die Stationsbesatzung gestellt und
deren Bemannung sehr unter Fieber- und Todesfällen zu leiden hatte,
war bei der Besetzung der Station durch die Schutztruppe zunächst
aus dem Hafen heraus auf die Rhede von Daressalam, dann ganz nach
Bagamoyo in See gegangen. Für Daressalam erhielt der Verfasser von
dem Reichskommissar die Instruktion, sich mit seiner kleinen Truppe
auf die Verteidigung der Station und des Platzes zu beschränken und
sich auf sonstige Unternehmungen nicht einzulassen. Um Daressalam
hatten sich nicht, wie um Bagamoyo, die Rebellen alle in einer starken
Befestigung versammelt, sondern sie waren auf mehrere befestigte
Dörfer der Umgegend verteilt. Als nun die Nachricht von der Einnahme
des Buschirischen Lagers, wenn auch mit einzelnen Unrichtigkeiten,
südwärts zuerst zur Bevölkerung und zu den Rebellen, dann durch Spione
nach der Station gedrungen war, erschien es notwendig, da, wo es mit
Aussicht auf Erfolg möglich war, möglichst schnell einzugreifen, ehe
die Aufständischen sich noch mehr zersplitterten oder ganz abzogen.
In erster Linie wünschte der Verfasser das nahe gelegene Magogoni
anzugreifen, in dem sich viele Araber und Belutschen befanden. Das
Gesindel hatte der Station immer Schwierigkeiten gemacht und war im
Besitze einer großen Viehherde. Nur den Offizieren wurde von der
Absicht des Überfalls auf Magogoni Mitteilung gemacht, da sonst
Grund zur Annahme vorlag, daß der Plan verraten und vereitelt werden
würde. In der Nacht vom 12. bis 13. Mai wurde die Stationsbesatzung
alarmirt, Munition verteilt und Lieutenant von Behr, dem sich der
Beamte der Ostafrikanischen Gesellschaft, Herr Küsel, anschloß, der
Befehl erteilt, mit 20 Mann bei Tagesanbruch unbemerkt westlich von
Magogoni zu landen. Verfasser selbst fuhr mit Lieutenant Merker und
den letzterem zugeteilten 30 Mann die Innenseite des Hafens und die
schmale Landzunge entlang, auf welcher Magogoni liegt, und landete
auf der diesem Orte entgegengesetzten Seite. Nach einstündigem Marsch
erreichten wir Magogoni. Die Annäherung beider Abteilungen war wohl
während der Nacht ziemlich unbemerkt erfolgt, doch stürzten sowohl
der Abteilung v. Behr wie der Abteilung Merker kurz vor dem Dorfe
Bewaffnete in ungeordneten Trupps entgegen, welche sofort in die Flucht
geworfen wurden. Der Verlust der Gegner betrug 8 Tote, darunter 2
Araber. Es wurden neben 60 Stück Kleinvieh 90 Rinder erbeutet, welche
den Strand entlang getrieben wurden bis an den Hafen von Daressalam,
über welchen sie dann mit einer Pinasse zur Station gebracht wurden.
Die in der weiteren Umgebung lagernden Banden sah sich Verfasser außer
stande anzugreifen, da die Station nicht entblößt werden konnte, und
erst Wißmanns Befehl und Truppenverstärkung hierzu abgewartet werden
mußte.
Das Unternehmen gegen Magogoni billigte der Reichskommissar und auf die
Meldung von der unbedingten Notwendigkeit, sofort gegen die anderen
Rebellennester um Daressalam vorzugehen, kam er persönlich am 19.
Mai auf dem von +Dr+. Peters gecharterten Dampfer Neera nach
Daressalam, brachte über 100 Mann unter Chef Theremin und Lieutenant
von Medem mit und erteilte dem Verfasser den Befehl am 20. Mai mit zwei
kombinierten Kompagnien (Marschordnung: 1. Kompagnie [Lieutenant von
Behr, Lieutenant Blümcke], 2. Kompagnie [Chef Theremin, Lieutenant
von Medem] nach Mabibu vorzurücken, zu rekognoszieren und eventuell
anzugreifen. Das Rebellenlager wurde gefunden, wurde aber bei unserer
Annäherung verlassen. Vergebens versuchten die Aufständischen, ihre
Viehherde vor uns zu retten; die kleinen Abteilungen, mit denen
Plänkeleien entstanden, wurden schnell geworfen, und die ganze Herde,
80 Rinder und eine Menge Kleinvieh erbeutet. Auch einige Fahnen
und Waffen fielen in unsere Hände; das Lager wurde geplündert und
eingeäschert. Seliman ben Sef war leider entkommen, mit ihm Schindu.
Am nächsten Tage machte ich eine Rekognoszierungstour nach Magurmura,
dem Dorfe Schindus. Dieselbe endete mehr komisch als erfolgreich. Die
Einwohner flohen bei unserer Annäherung, nur eine alte energische
Dame wehrte sich unter furchtbarem Geschimpfe mit einem Messer heftig
gegen die Soldaten und verwundete einen derselben. Sie entpuppte sich
später als Mutter des Rebellenhäuptlings und war als solche auch
gleich von den Suaheli-Askaris erkannt worden. Sie wurde natürlich
dingfest gemacht, mit nach der Station genommen, und dort einige
Tage zur Beruhigung ihrer Nerven eingesperrt. Nach einem vereitelten
Versuch ihrerseits, durch eine fensterartige Oeffnung der Bastion zu
entweichen, wurde sie als im übrigen harmlos wieder entlassen.
Nach diesen Unternehmungen nahm der Reichskommissar die aus
Bagamoyo mitgebrachte Kompagnie wieder dahin zurück, da große
Rebellenansammlungen und ernste Schwierigkeiten um Daressalam nicht
mehr bestanden. Die kleinen Unternehmungen des Verfassers gegen
einzelne Rebellendörfer hatten genügt, den Bewohnern der Umgegend von
Daressalam zu zeigen, daß es nunmehr ausschließlich ~ihr~ Besitz
und Eigentum sei, die durch diese Unruhen gefährdet würden, denn wenn
die Leute nicht standhielten, blieb nichts weiter übrig, als die
unruhigen Massen an ihrem Eigentum durch Verbrennen und Ausplündern
der Dörfer oder Konfiskation der Felder, so weit sie in unserm direkten
Machtbezirk lagen, zu bestrafen.
Außerdem wurden die Jumbes sämtlicher im Umkreis von Daressalam
gelegenen Ortschaften vom Verfasser aufgefordert, zur Station zu kommen
und dort ihre vollständige Unterwerfung anzukündigen; so weit sie
nicht eine ganz besonders hervorragende Rolle beim Aufstande gespielt
hatten, wurde ihnen Straflosigkeit zugesichert. Diese Aufforderung
und Zusicherung der Amnestie wirkte auf die gesamte Bevölkerung der
Umgegend in gewünschter Weise. Nur gegen wenige Dörfer mußte in
nächster Zeit vorgegangen werden. So wurde ein nochmaliges Vorgehen
gegen Magogoni nötig, da dies große und reiche Dorf, besonders durch
die Belutschen-Bevölkerung aufgehetzt, sich gegen uns auflehnte.
Diesmal wurde es aber von Grund aus zerstört und geplündert.
Eine fernere Unternehmung aus dieser Zeit war die Bestrafung des Ortes
Ukonga, dessen Pasi (Häuptling, Dorfschulze) Jangajanga hauptsächlich
die Schuld an der Ermordung der Missionare in Pugu trug. Er hatte von
den Missionaren die größten Wohlthaten empfangen und auch Geschenke
dafür erhalten, daß er versprach, sie in Kenntnis zu setzen, wenn
ihnen ein Anschlag der Rebellen drohe. Dieses Versprechen hatte er
so eingelöst, daß er den Aufständischen von Bueni als Führer nach
der Mission in Pugu diente und die Brüder und Schwestern meuchlings
überfallen half. Als dem Verfasser dieses Verhalten Jangajangas
zu Ohren gekommen war, trat er eines Tages mit einem Teil der
Stationsbesatzung den Marsch gegen Ukonga an und traf daselbst bei
Beginn der Abenddämmerung, kurz vor 6 Uhr ein. Bis zum Eintritt der
Dunkelheit hielt sich unsere Abteilung im Gebüsch verborgen und
überfiel dann, von den übrigen Dorfbewohnern ungesehen, den von
Jangajanga und seinen Angehörigen bewohnten Teil Ukongas. Die Leute
desselben leisteten nur ganz vereinzelt Widerstand; der Jumbe selbst
hatte wohl Unrat gewittert und war zwei Tage zuvor weiter ins Innere
geflohen. Verfasser setzte daher einen Preis auf seinen Kopf, es gelang
jedoch nicht, ihn in unsere Gewalt zu bekommen.
Nun ging Verfasser daran, endlich die Gebeine der ermordeten
Missionare, die, wie er durch Kundschafter wußte, noch immer
unbestattet in Pugu lagen, zur letzten Ruhe zu bringen. Mit den Herren
Chef Theremin, Lieutenant Merker, Herrn Küsel, Unteroffizier Becker
und einem kleinen Trupp Soldaten machte er sich auf. Außerhalb des
von den Rebellen mit allen übrigen Missionsgebäuden in Asche gelegten
Wohnhauses lag fast unversehrt der Leichnam des von den Eingeborenen
als Fundi (Handwerksmeister) bezeichneten Missionars, der als Bruder
Petrus festgestellt wurde. Im Hause selbst fanden sich die Gebeine
des Bruders Benedict, die vom Feuer sehr gelitten hatten, und die
wenigen Ueberreste der Schwester Martha, die von einer Innenwand des
Gebäudes bedeckt lag. Das Feuer hatte offenbar darunter noch längere
Zeit fortgequalmt, denn die Gebeine waren beinahe verkohlt. Die
Reste der Unglücklichen wurden in je einen Sarg gelegt und neben den
Gräbern der früher in ihrem Berufe verstorbenen Brüder und Schwestern
beigesetzt. Wir schmückten, so gut es ging, die letzte Ruhestätte
mit Palmenzweigen, und Lieutenant Merker machte eine photographische
Aufnahme, welche der katholischen bairischen Missionsgesellschaft
zugleich mit einigen Andenken an die Märtyrer ihres Berufs, die sich
noch auf der ausgeplünderten und niedergebrannten Stätte gefunden
hatten, übersandt wurden. Den Jumbes wurde streng anbefohlen, auf die
Gräber sorgfältig Acht zu geben, wir drohten, deren Schändung an den
Pugu-Leuten selbst zu bestrafen. Die letzteren waren freilich an der
Unthat selbst nicht schuldig, ihr Fehler war nur der gewesen, daß sie
es nicht gewagt hatten, der Uebermacht der Rebellen zu trotzen und die
wegen ihrer Wohlthätigkeit und ihres stillen segensreichen Wirkens
bei ihnen wohl beliebten Missionare zu verteidigen. Daraus kann man
den Negern aber keinen Vorwurf machen. Von der Missionsgesellschaft,
welcher der Verfasser bei der Uebersendung der Photographien von der
Bestattung ihrer Angehörigen und den näheren Umständen ihrer Ermordung
und Auffindung Mitteilung gemacht hatte, ging ein Dankschreiben ein,
das ihren Gefühlen Ausdruck gab und zeigte, daß die schwergeprüften
Väter nicht den Mut und die Lust verloren hatten, ihr Werk in Afrika
fortzusetzen. Ihre jetzige Station ist Daressalam.
Während des größten Teils des Monats Juni und im Monat Juli konnten
wir uns so in Daressalam der friedlichen Arbeit, dem weiteren Ausbau
der Station und der Ausbildung der Truppen widmen und einige kleinere
friedliche Expeditionen unternehmen. Nur noch einmal, im Monat August,
wurde der Verfasser anläßlich der traurigen Pugu-Affaire genötigt,
gegen die Ortschaft Simbasi vorzugehen, in welcher es ihm auch durch
einen Ueberfall gelang, zwei beim Morde der Pugu-Missionare beteiligte
Araber gefangen zu nehmen, die dann vom Reichskommissar zum Tode durch
den Strang verurteilt wurden.
Nach dem Ausbruch des Aufstandes an der Küste waren es neben der
Kilwabevölkerung besonders die Leute Bana Heris, des Machthabers von
Usegua, welche sich durch eine große Unthat straffällig machten. Der
mit der Deutsch-Ostafrikanischen Gesellschaft vom Sultan abgeschlossene
Vertrag hatte Bana Heri um so härter betroffen, als er von den
Machthabern an der Küste der einzige war, der niemals den Sultan von
Sansibar als Herrn anerkannt hatte. Es war nur natürlich, daß Bana Heri
nicht gutwillig auf das gute Einkommen Verzicht zu leisten gewillt
war, welches er bislang durch die nach Sadani ziehenden Karawanen
gehabt hatte. Eben so wenig wollte er den Einfluß einbüßen, den er
als Sultan von Usegua, -- wie er sich nannte, -- in Usegua, Nguru und
teilweise Ukami genoß und der naturgemäß wegen der zu jener Zeit gegen
die Deutschen herrschenden Mißstimmung und Mißachtung noch gewachsen
war. Diese Mißstimmung gegen alles Europäische zeitigte Ausschreitungen
des fanatischen Pöbels und fand ihren empörendsten Ausdruck in der
Ermordung des englischen Missionars Brooks, der im Januar 1889 aus dem
Innern nach der Küste kam und hierzu die Sadanistraße benutzte. Brooks
war von Abdallah, Bana Heris Sohn und einem Teil seiner Leute auf der
Sadanistraße anscheinend in friedlicher und freundschaftlicher Absicht
in Empfang genommen und in der Richtung nach der Küste hin geleitet
worden. Bald darauf fand man ihn auf der Straße hinterrücks erschossen
vor. Beide Arme waren ihm abgeschlagen, sein Leichnam zerstückelt, die
Stücke verstreut. Fünfzehn seiner farbigen Begleiter wurden gleichfalls
ermordet, die Waren und das Gepäck geraubt.
Es ist stets angenommen worden, daß der Urheber dieser Unthat der oben
erwähnte Abdallah gewesen ist, obwohl sich das nicht mit absoluter
Bestimmtheit nachweisen ließ.
Bana Heri erwartete natürlich auf jenen Mord hin ein Einschreiten der
deutschen Regierung und rüstete sich, diesem wie auch einer Okkupation
seines Landes energisch zu begegnen. Es strömte ihm sein Anhang in
Usegua zu und wurde in der ersten Zeit noch durch Wadoës verstärkt.
Bana Heri verschanzte sich besonders in Sadani und Uwindji und hatte
außerdem verschiedene Befestigungen im Hinterlande dieser Küste
errichtet.
Schon vor der Ankunft Wißmanns war Herr Admiral Deinhard gegen den
Usegua-Sultan eingeschritten, indem er Sadani von See aus bombardierte.
Der Admiral meinte hierdurch den Rebellen eine fühlbare Strafe zu teil
werden zu lassen. Er hatte sich aber hierin getäuscht und nur bewirkt,
daß die Rebellen während der Beschießung den Ort verließen und sich
hinter demselben in gesichertes Terrain flüchteten. Als sie sahen, daß
die Kriegsschiffe die Rhede verließen, kamen sie wieder zum Vorschein
und schossen, gewissermaßen zum Hohn, mit einer alten Kanone hinter
den Kriegsschiffen her, selbstverständlich ohne irgend welchen Schaden
zu thun. Es schien daher, als der Aufstand in Bagamoyo und Daressalam
niedergeworfen war und diese Orte gesichert schienen, notwendig, Sadani
zu züchtigen.
Dies konnte nur durch eine Landung mit der gehörigen Truppenmacht
geschehen. Wißmann war allerdings nicht in der Lage, damals schon vor
der Einnahme von Pangani und Tanga Sadani dauernd zu besetzen, da seine
Truppen für den nördlichen Küstenstreifen notwendig gebraucht wurden,
aber er wollte mit der Züchtigung von Sadani noch den Zweck verbinden,
durch einen entscheidenden Schlag gegen Bana Heri die Rebellen in
Pangani einzuschüchtern und dadurch zu Friedensverhandlungen geneigter
zu machen, zumal ihm von der Reichsregierung anempfohlen worden war,
auf solche einzugehen. Wie wir später sehen werden, befand sich unter
der Bevölkerung von Pangani eine Partei, die zum Frieden mit den
Deutschen riet und diesen dringend wünschte.
Als Operationstag gegen Sadani wurde der 6. Juni festgesetzt. Tags
zuvor wurden alle irgendwie entbehrlichen Truppen, im ganzen 500
Mann, unter den Chefs v. Gravenreuth, v. Zelewski, Krenzler und dem
Verfasser, der von Daressalam herübergekommen war, mit zwei Geschützen
auf dem von der Marine gecharterten Dampfer »Cutch« in Bagamoyo
eingeschifft. Am 6. Juni früh begann seitens des Geschwaders, welches
außer dem »Cutch« aus der »Möwe«, die solange Sadani blokiert hatte,
»Leipzig«, »Schwalbe« und »Pfeil« bestand, die Beschießung der
gegnerischen Befestigungen; während derselben zogen sich die Rebellen
in die südlich gelegenen dichten Gebüsche zurück.
Als das Feuer der Kriegsschiffe schwieg, eröffneten die mit
Revolverkanonen armierten Pinassen, welche das Expeditionskorps, jede
drei oder vier Boote hinter sich schleppend, ans Land brachten, ein
wirksames Granatfeuer.
Da der Strand von Sadani sehr flach zuläuft, mußten wir von den
Booten aus noch eine längere Strecke durch das Wasser waten unter dem
Feuer der Feinde, welche mittlerweile aus den Gebüschen heraus an den
Strand geeilt waren, um unsere Landung zu verhindern. Dabei erhielt
Unteroffizier Bilke einen Schuß durch den Arm und Lieutenant von
Medem und einige Farbige wurden leicht verwundet, -- der Verlust der
Aufständischen soll sich nach ihren eigenen, freilich sehr unsicheren
Angaben, auf 105 Tote belaufen haben. Chef von Zelewski führte den
linken Flügel, Gravenreuth den rechten, der Verfasser das Centrum, das
aus zwei Kompagnien unter den Herren von Perbandt und Sulzer und dem
geschlossenen Trupp der deutschen Unteroffiziere unter Lieutenant v.
Sivers bestand.
Während Gravenreuth Sadani selbst angriff und das Terrain hinter
demselben säuberte, gingen die Abteilung Zelewski und die des
Verfassers dem Befehl gemäß südlich des Dorfes durch die Büsche und
Mangrove-Sümpfe vor, ohne sonderlichen Widerstand zu finden. Ziemlich
das einzige Unglück, das passierte, war, daß dem Verfasser seine
Schuhe und Strümpfe im Sumpfe stecken blieben und er so das Vergnügen
hatte, den ganzen Tag barfuß durch die Dornen und den heißen Sand zu
laufen.
Im Westen der Sümpfe hatten sich die Feinde zum Teil wieder gesammelt,
doch wurden sie durch meine ausgeschwärmte Abteilung und das Feuer
des Maxim-Guns unter Lieutenant Böhlau schnell in die Flucht gejagt.
Bald darauf traf Zelewski, der weiter südlich die abziehenden Feinde
beschossen hatte, beim Verfasser ein, während Wißmann mit der
Gravenreuthschen Abteilung die Gegner noch in der Richtung auf Ndumi
verfolgte und die Landungscorps der Marine im Norden Sadanis die Feinde
verjagten. Die Befestigungen wurden zerstört, der Ort geplündert und
eingeäschert.
Bei solchen gemeinsamen Plünderungen, wie sie bei Sadani, Pangani,
erfolgten, kamen öfters unsere Marinesoldaten mit ihren schwarzen
Waffenbrüdern in der Schutztruppe in Streitigkeiten um den Raub,
und derartige kleine Zwistigkeiten wurden, wie schon erwähnt, dann
tragischer aufgenommen, als sie es verdienten.
Nachdem wir kurze Rast gehalten und von dem, was wir mitgenommen oder
erbeutet, gefrühstückt hatten, schifften wir uns wieder auf dem »Cutch«
ein, aber nur um gleich darauf wieder 3 Stunden nördlich von Sadani
bei Uwinje zu landen, wo sich eine Schamba Bana Heris und feindliche
Befestigungen befanden. Auch dieser Platz wurde nach geringem
Widerstand genommen und zerstört; die dort liegenden Dhaus, welche den
Aufständischen Waffen und Munition zugeführt hatten, wurden verbrannt.
Wir hatten bei Sadani und Uwinje zusammen 2 Tote und 9 meist leicht
Verwundete. Die hierauf folgende Nacht wurde an Bord des »Cutch« in
heiterster Laune verbracht, und am nächsten Tage ging es wieder zurück
nach Bagamoyo.
Es wurde nun vom Reichskommissar die Operation gegen Pangani
vorbereitet. An der Spitze der Friedenspartei daselbst stand der
Araber Said Hamedi, ein alter Mann, der erstens keine Lust hatte,
sich in einen Krieg mit uns einzulassen, auch vorher die Beamten der
Deutsch-ostafrikanischen Gesellschaft gegen die aufgeregten Volksmassen
geschützt hatte, und der sich andrerseits wohl bewußt war, daß er,
dessen Reichtum an der Küste ein großer war, nur an seinem Besitztum
verlieren könne, wenn die Rebellen unterlägen. Ebenso dachten viele der
begüterten Araber und der reichen Suaheli von Pangani.
Die Rebellion daselbst wurde indes durch die besitzlosen Araber und
Belutschen, welche bei der Unsicherheit der Verhältnisse nur gewinnen
konnten, geschürt und die kritiklose Masse der Eingeborenen so mit
fortgerissen.
Die Friedenspartei in Pangani wandte sich an den Sultan von Sansibar
mit der Bitte um Vermittlung beim deutschen Reichskommissar. Wißmann
schickte daraufhin den früheren Wali von Pangani Soliman ben Nassr mit
Abgesandten des Sultans nach Pangani, um der Bevölkerung durch diese
Gesandten die Bedingungen der friedlichen Uebergabe zu übermitteln.
Als der Abgesandte des Reichskommissars jedoch sich in einem Boote
dem Strande von Pangani näherte, wurde er mit Schüssen empfangen
und mußte unverrichteter Sache wieder nach Sansibar zurückkehren.
In gleicher Weise war während der zwischen dem Reichskommissar und
den Pangani-Leuten schwebenden Verhandlung eine auf der Panganireede
liegende Dampfpinasse der »Leipzig« unter Lieutenant zur See v. Möller
von den Rebellen beschossen worden. So zeigte sich, daß in letzter
Stunde in Pangani wieder die Kriegspartei die Oberhand gewonnen hatte.
Viel hatten dazu wohl auch die falschen Nachrichten beigetragen, welche
über das Gefecht von Sadani nach Pangani gedrungen waren; es sollten
nämlich wohl die Rebellen große Verluste erlitten haben, aber auch 100
Deutsche teils gefallen, teils in den Sümpfen stecken geblieben sein.
Es wurde damals in der Truppe der Witz gemacht, meine im Sumpfe stecken
gebliebenen Stiefel hätten zu dieser Uebertreibung Veranlassung
gegeben.
Als Tag des Angriffes wurde von Wißmann der 9. Juli bestimmt. Tags
zuvor wurden alle zur Verfügung stehenden Truppen in Bagamoyo
eingeschifft und in Bagamoyo selbst unter Chef von Gravenreuth, in
Daressalam unter dem Verfasser eine starke Besatzung zurückgelassen,
weil dem Gerücht zufolge ein Angriff Buschiris auf die Stationen zu
erwarten stand. Am Abend des 8. vereinigten sich die Wißmannschen
Schiffe »Harmonie«, »München«, »Vulkan« und »Max« -- der »Vesuv«
wartete noch in Aden das Aufhören des Südwestmonsuns ab --, mit dem
Geschwader, welches den Ort bis dahin blokiert hatte.
Pangani liegt am linken Ufer des ebenso genannten Flusses, etwas
landeinwärts.
An beiden Ufern erheben sich ziemlich steile Anhöhen von 100-200 Fuß,
die mit dichtem Buschwerk bestanden und von Schützengräben umgeben
waren. Die feindliche Stellung war also, zumal da nur schmale Zugänge
hinaufführten und diese mit drei Vorderladern armiert waren, eine
ziemlich starke und wurde von den Rebellen für uneinnehmbar gehalten.
Die Hauptbefestigungen lagen auf dem rechten Ufer, wohin denn auch die
sämtlichen Schiffe, mit möglichster Schonung des Ortes selbst, ihr
außerordentlich wohl gezieltes Feuer richteten.
Der Strand ist hier sehr flach; die Truppen warteten daher, um
möglichst wenig im Wasser unter dem Feuer der Feinde waten zu müssen,
den höchsten Stand der Flut ab, und bewerkstelligten die Landung an
einer kleinen, vor dem rechten feindlichen Flügel gelegenen Bucht. Das
Angriffskorps war in drei Treffen formiert; das erste, bestehend aus
der 1. und 5. Kompagnie unter +Dr.+ Schmidt, wurde sogleich nach
der Landung in Schützenlinien formiert und ging unter lebhaftem Feuer
auf die im Gebüsch versteckt liegenden Gegner gegen die Höhe vor.
Als das zweite Treffen unter Chef Freiherrn von Eberstein herankam,
wurden die Feinde aus allen Befestigungen geworfen und in eine
westlicher gelegene Hügelkette getrieben, deren dichtes Buschwerk der
Verfolgung bald ein Ziel setzte.
Das dritte Treffen unter v. Zelewski war durch ungünstige Umstände zu
lange aufgehalten worden und kam nicht mehr ins Feuer.
Auch die Rebellen auf dem linken Ufer flohen aus ihren
Pallisadenverschanzungen und suchten sich, am ungedeckten Flußufer
entlang ziehend, in den Ort selbst zu retten; zur Hälfte aber wurden
sie von den mittlerweile nachgekommenen Maxim-Geschütz unter Lieutenant
Böhlau zusammengeschossen.
Es blieben von den Arabern etwa 30 Tote und 50 Verwundete auf dem
Platze, ein Zeichen, eine wie furchtbare Wirkung das Maxim-Geschütz
mit seinen 600 Schuß in der Minute in der Hand eines geschickten
Artilleristen ausübt.
So fand denn die 300 Mann starke Marineabteilung unter Kapitän zur See
Plüddemann, welche endlich trotz der heftigen Brandung auf dem linken
Ufer des Flusses gelandet war, den Feind in den Befestigungen nicht
mehr vor, auch nicht mehr in Pangani selbst. Auf unserer Seite war nur
ein Sudanese gefallen, ein deutscher Unteroffizier und 3 Sudanesen
waren verwundet.
Pangani wurde von der 5. und 6. Kompagnie besetzt, die Befestigung
auf dem rechten Ufer zur Zeit der Abwesenheit des Expeditionskorps
von der 1.-3. Kompagnie. Die Europäer und die Truppen, welche alle
vollkommen durchnäßt waren, hatten, da der Proviant bis zum Abend
des Gefechtstages noch nicht hatte vom Bord der Schiffe aus ans Land
geschafft werden können, nach der Anstrengung des Tages nicht einmal
eine Stärkung. Erst am Abend half Wißmann persönlich, als er auf der
Pangani- wie auf der Ras Muhesa-Seite die Truppen inspizierte, diesem
Übelstande dadurch ab, daß er sofort selbst für die Übersendung der
nötigen Vorräte Sorge trug. Das frühere Gesellschaftshaus in Pangani,
von dem aus man einen bequemen Überblick über den ganzen Ort hatte
und diesen wie das Flußufer mit Feuer bestreichen konnte, wurde als
Stationshaus beibehalten und der Bau von Befestigungen hier wie auf Ras
Muhesa begonnen.
Ras Muhesa ist ein Felsen an der rechten Flußmündung, der auf drei
Seiten schroff ins Meer abfällt. Das Buschwerk auf der vierten Seite,
welches den freien Überblick hinderte, wurde ausgerodet, und der Zugang
mit einer 1-1/2 m hohen Wand aus Wellblech mit Erdeinlage geschützt.
Da diese Befestigungsarbeiten in Pangani und auf Ras Muhesa längere
Zeit in Anspruch nahmen, der Reichskommissar sie aber so sehr als
möglich fördern wollte, um eine möglichst geringe Anzahl von Soldaten
dort als Besatzung zurückzulassen, konnte der ursprünglich zwischen
Wißmann und dem Admiral verabredete Termin für die Operation gegen
Tanga, der 10. Juli, nicht innegehalten werden. Der Admiral aber,
den Gründen Wißmanns unzugänglich, ging infolgedessen am 9. mit dem
Geschwader voraus und schickte noch am selben Tage in Tanga eine
Botschaft ans Land, die Einwohner sollten, wenn sie den Frieden
wünschten, mit ihm in Unterhandlungen treten. Sie erbaten sich, da sich
die friedlich gesinnten Neger nicht sogleich mit den im allgemeinen
zum Kriege geneigten Arabern und Belutschen einigen konnten, drei Tage
Bedenkzeit. Diese wurde vom Admiral abgeschlagen.
So wurde denn am 10. früh das Landungscorps der Marine formiert und an
Land gesetzt. Es wurde zuerst mit Schüssen empfangen, doch ergriffen
die Rebellen beim ersten Schnellfeuer der Marinetruppen die Flucht und
wurden mit geringer Mühe aus Tanga selbst und seiner näheren Umgebung
vertrieben. Das frühere Haus der ostafrikanischen Gesellschaft wurde
mit 100 Mann der Carola besetzt, um den Ort gegen etwaige feindliche
Angriffe halten zu können.
Einige umliegende Dörfer schickten nach Tanga und erbaten den Frieden,
der ihnen vom Admiral auch gern gewährt wurde. Die Inder waren im
Ort zurückgeblieben, ein Zeichen, daß von vornherein eine Aussicht
auf einen ernsten Kampf um Tanga nicht vorhanden war, und die
Friedenspartei hier die Oberhand hatte. Wißmann wurde durch einen Brief
des Admirals vom 11. Juli davon in Kenntnis gesetzt, daß Tanga von der
Marine genommen und besetzt sei, und daß das Geschwader bis zum 14.
Juli auf den Reichskommissar warten werde. Wißmann fuhr infolgedessen
am 13. auf der München zunächst allein nach Tanga, wählte einen Platz
für die Station aus, von wo aus der Ort und der Hafen beherrscht werden
konnte, und als am 15. das Expeditionskorps nachkam, wurde sofort mit
der Befestigung des Platzes, welche hier von Grund aus neu gebaut
werden mußte, begonnen.
Das provisorische Fort wurde aus Wellblech und Brettern hergerichtet
und mit einem Stacheldrahtzaun umgeben. Die Bauten gingen in
Pangani und Tanga, Dank des Eifers unserer Zulus und Sudanesen, so
außerordentlich schnell von statten, daß Wißmann bald den Norden
verlassen und sich wieder nach Bagamoyo zurückbegeben konnte, nachdem
er die Station Tanga mit einer Kompagnie besetzt und dem Chef Krenzler
übergeben hatte.
Aus Pangani nahm er die Ueberzeugung mit, daß der Handel hier bald
wieder den früheren Umfang annehmen würde, da bereits in den ersten
Tagen nach der Einnahme des Ortes eine Anzahl der flüchtigen Rebellen
zurückgekehrt war und sich unterworfen hatte.
Als so die Hauptplätze an dem nördlichen Teil der Küste unseres
Interessengebietes wieder unter unsere Herrschaft gebracht waren,
dachte Wißmann daran, die Verkehrswege, welche nach dem Innern führten,
von neuem zu eröffnen; hierzu gab besonders den Anstoß die Absicht der
in Daressalam weilenden großen Waniamuesi-Karawane, in ihre Heimat mit
den gegen ihr Elfenbein an der Küste erhandelten Waren zurückzukehren.
Da sie alle von Bagamoyo, dem Endpunkt der großen Karawanenstraßen
aus, gemeinsam den Rückmarsch antreten wollten, ging Wißmann daran,
die in Daressalam befindliche Karawane dorthin überzuführen. Er sandte
zu dem Zweck Ende Juli sein Expeditionskorps unter Führung des Chefs
von Zelewski nach Daressalam, wohin er sich Tags darauf selbst begab,
ließ die Waren und sämtliches Gepäck der Waniamuesi per Dampfer nach
Bagamoyo bringen, und führte selbst auf einem dreitägigen Marsche die
Karawane unter der Bedeckung seiner Soldaten ebendahin. Während dieses
Küstenmarsches pflog der Reichskommissar persönlich Verhandlungen mit
den Jumbes der Küstenorte, und gewann hier, wie überall und zu jeder
Zeit, das volle Vertrauen der Eingeborenen zur deutschen Herrschaft. In
Bueni, dem bedeutendsten Küstenplatze zwischen Bagamoyo und Daressalam,
dessen Handel entschieden der ausgedehnteste an der Küste ist, wurde
der bisherige Wali, Sef ben Issa, welcher ebenfalls an der Ermordung
der Missionare in Pugu hervorragend beteiligt war, seines Amtes
enthoben, sein Besitztum konfisziert, seine Sklaven freigelassen, und
ein Preis von 1000 Rupies auf seinen Kopf gesetzt. An seine Stelle trat
Seliman ben Nassr, eine dem Reichskommissar sowohl wie der Bevölkerung
genehme Persönlichkeit.
In der weiteren Umgegend von Bagamoyo, zwischen dem Kingani und
dem Wami, hatten sich die alten Jumbes von Bagamoyo (Jehasi,
Makanda, Simbambili und Bomboma), die Hauptverbündeten Buschiris,
wieder festgesetzt und den ihnen durch Vermittler erteilten Rat,
nach Bagamoyo zurückzukehren und sich Wißmann zu stellen, höhnisch
zurückgewiesen. Wißmann mußte daher daran gehen, sie aus dieser
Gegend zu vertreiben, um zu verhindern, daß Buschiri, wenn er aus dem
Innern zurückkehrte, hier wieder einen Stützpunkt fände. Es wurde zu
dem Zweck Chef v. Gravenreuth mit zwei Kompagnien und einer größeren
Waniamuesi-Abteilung abgeschickt, mit dem Befehl, die Gegend zu
säubern und die mit den Jumbes verbündeten Ortschaften zu zerstören,
ein Auftrag, den Gravenreuth mit dem ihm eigenen Geschick ausführte.
Er brachte den Gegnern erhebliche Verluste bei, ohne selbst solche zu
erleiden, äscherte die Rebellenlager ein und nahm die dort angehäuften
Lebensmittel weg. Dieser Erfolg trug bald gute Früchte, indem auch die
Jumbes aus der weiteren Umgegend nach Bagamoyo kamen und um Frieden
baten. Auch gegen die berüchtigten Sklavenhändler von Mlangotini
wurde um diese Zeit ein Schlag geführt; ein Sklaventransport, den
sie bei Nacht nach Sansibar zu bringen im Begriffe standen, wurde
ihnen abgenommen und sie selbst wurden aufgehängt, unter ihnen der
gefährlichste von allen Salem, den erfreulicherweise die Eingeborenen
selbst gebunden dem Reichskommissar überbrachten.
In Sadani hatte sich inzwischen Bana Heri wieder mit einem Teile seiner
Leute eingefunden, und schien durch alle Mißerfolge seiner Partei
noch nicht im geringsten entmutigt, vielmehr entschlossen, den Kampf
fortzusetzen und die Herrschaft über Usegua zu behaupten.
Sef ben Mohammed, der Sohn des unter dem Namen Tibbu-Tip bekannten
Hammed ben Mohammed, war mit einer Menge Elfenbein und unter anderm
auch mit Geschenken für Wißmann von seinem Vater aus dem Innern nach
der Küste abgeschickt worden und nach unserm Kampf bei Sadani dort
angekommen, hatte er vom Reichskommissar auf sein Ansuchen die
Erlaubnis erhalten, die Festlandsküste zu verlassen, um nach Sansibar
zu gehen. Er ging bald darauf wieder im Einverständnis mit Wißmann nach
Sadani und bot hier all seinen Einfluß auf Bana Heri auf, um diesen
zur Unterwerfung unter die deutsche Herrschaft zu veranlassen. Seine
Bemühungen waren vollkommen vergeblich.
Der Reichskommissar wandte sich deshalb an den Kapitän Valette, den
stellvertretenden Geschwaderchef nach Abgang der Leipzig aus Ostafrika,
mit der Bitte, Sadani zu blokieren, um die Versorgung Bana Heris mit
Waffen und Munition, wie überhaupt jede Kommunikation desselben mit
Sansibar zu verhindern.
Die ersten in dieser Zeit eingetroffenen Berichte aus Pangani und
Tanga an den Reichskommissar lauteten günstig. Die nächste Umgebung
Panganis hatte sich bis auf den Dörferkomplex Muganda unterworfen. Auch
mit diesem hoffte der Stationschef +Dr.+ Schmidt ein friedliches
Abkommen treffen zu können. Als er jedoch auf einem Spazierritt, den
er allein in jene Gegend machte, von Muganda-Leuten mit Schüssen aus
den Gebüschen auf beiden Seiten des Weges empfangen wurde und nur
mit genauer Not entkam, sah er sich genötigt, sofort die Rebellen
anzugreifen und sie zur Flucht weiter ins Innere hinein zu zwingen. Von
der Stationsbesatzung fiel ein Mann und einer wurde schwer verwundet,
während die Aufständischen erhebliche Verluste hatten.
In Tanga wurde, nachdem das letzte noch feindliche Dorf in der
Umgegend, Timbari, vom Stationschef mit einem Teil seiner Besatzung
und einer Matrosenabteilung von 16 Mann zerstört und den Rebellen ihr
Vorrat an Munition und Proviant abgenommen war, der bei dem Gros der
Bevölkerung beliebte Neger Munikombo als Wali eingesetzt und so auch
hier Ruhe und Ordnung vollkommen wiederhergestellt.