»Er ist verschwunden,« sagte da eine dünne, hohe Stimme hinter Arne. Es
war seine junge Frau.
»Er war zuweilen so verstört in den letzten Jahren -- wir fürchten das
Schlimmste,« sagte Arne. »Die Leute sind immer aus, ihn zu suchen.«
»Ja, hat er denn zu keinem was gesagt?«
»Nein.«
»Dann laß mich jetzt zu Eliza.«
»Sie liegt noch in ihrem Zimmer.« --
Esther trat an das Bett der Toten.
Da lag sie in ihrer unsagbaren Lieblichkeit, jungfräulicher geworden, und
der Ernst des Todes hatte ihr jenen Ausdruck gegeben, mit dem sie einmal zu
Esther gesagt hatte: »Ich verstehe alles Traurige im Leben.«
»Wie -- wie ist es denn nur gekommen?« fragte Esther.
»Sie war nicht krank, schien es uns. Sie wurde schwächer -- und starb.«
Esther war thränenlos in ihrem Schmerz. Sie rang nur immer die
festgefalteten Hände ineinander, so daß die Fingerknöchel weiß
heraustraten.
Eine stumme Verzweiflung, die nicht zu begreifen vermag, was sie vor sich
sieht, beherrschte sie.
Und dann fiel ihr wieder das andere ein. Und aufschreckend fragte sie
sinnlose Dinge, wie: »Hat man ihn noch immer nicht gefunden?« Als ob
zwischen diesem Augenblick und jener Mitteilung lange Stunden gelegen
hätten.
Da sagte Arne plötzlich: »Sie wollte immer mit dem Vater allein sein und
von dir sprechen, Esther.«
Und nach einem langen, langen Schweigen ganz leise: »Morgen müssen wir
sie begraben.«
* * * * *
Eliza wurde begraben, ohne daß man von ihrem Vater eine Spur auffand.
Der kleine Kirchhof dehnte seine letzte Gräberreihe um einen Hügel näher
nach dem Nußbaum aus.
Im Hause begann wieder jene unheimliche, tote Geschäftigkeit des Wartens,
die mit der Trauer um die Verschiedene gemischt, die Gestalt eines Wartens
auf den Tod annahm.