Aus welchen Anlässen Allan Kragh sich in diesem Zug befand,

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Anmerkungen zur Transkription

Der vorliegende Text wurde anhand der 1919 erschienenen Buchausgabe

so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische

Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute

nicht mehr gebräuchliche Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original

unverändert; fremdsprachliche Zitate und Ausdrücke wurden nicht

korrigiert. Umlaute in Großbuchstaben (Ä, Ö, Ü) werden durch ihre

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Die Seitenzahlen des Inhaltsverzeichnisses wurden, falls notwendig,

entsprechend des jeweiligen Kapitelanfangs in der Buchausgabe

korrigiert. Die dort aufgeführten Kapitelüberschriften stimmen nicht

in allen Fällen mit den Überschriften im Text überein; dies wurde

aber so belassen.

Das Original wurde in Frakturschrift gesetzt. Besondere

Schriftschnitte wurden mit Hilfe der folgenden Sonderzeichen

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gesperrt: +Pluszeichen+

Antiqua: _Unterstriche_

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Frank Heller / Yussuf Khans Heirat

Autorisierte Uebertragung aus dem Schwedischen von Marie Franzos

[Illustration]

Frank Heller

Yussuf Khans Heirat

Roman

München 1919 bei Georg Müller

1. bis 10. Tausend

_Copyright 1919 by Georg Müller in München_

Inhalt

Erstes Kapitel

Lyrischer Prolog 7

Zweites Kapitel

Vorsicht bei Eisenbahnfahrten 21

Drittes Kapitel

Das große Hotel 57

Viertes Kapitel

Yussuf Khan, Maharadscha von Nasirabad 82

Fünftes Kapitel

Das große Hotel (Fortsetzung) 92

Sechstes Kapitel

Das Loch in der Wand und das Loch im Boden 108

Siebentes Kapitel

Ein Verschwinden mit Nebenumständen 143

Achtes Kapitel

Mynheer van Schleetens Erlebnisse 162

Neuntes Kapitel

Yussuf Khans Wiederkehr 187

Zehntes Kapitel

Die Nachwirkung einer tollen Nacht auf Fürsten und Poeten 211

Elftes Kapitel

das seinen Zweck erfüllt, den Leser zu verwirren 239

Zwölftes Kapitel

Ein Fest und sein Abschluß 256

Dreizehntes Kapitel

Yussuf Khans Heirat 269

Vierzehntes Kapitel

Einfach, Nasirabad 286

I

Lyrischer Prolog

Held eines Romans, Held einer Folge von Abenteuern -- klingt das nicht

wie törichter Nonsens? Wer glaubt an Romane im wirklichen Leben, wer

glaubt daran, daß es noch Abenteuer gibt? Die Abenteuer, sagte man im

achtzehnten Jahrhundert, sind vor zweihundert Jahren ausgestorben. Zur

Zeit der Renaissance, +da+ gab es Abenteuer!

Sie sprechen heute von Abenteuern, wiederholt man im neunzehnten

Jahrhundert, ha ha! Sie entschuldigen schon ... Die Abenteuer sind mit

Napoleon ausgestorben, dem leibhaftigen Abenteuer in Fleisch und Blut.

Zu Napoleons Zeit gab es Abenteuer. Aber +jetzt+! Nein wirklich,

Sie müssen schon entschuldigen.

Herrn Allan Kraghs Zeit fiel in das zwanzigste Jahrhundert, das heißt

jener Teil seines Lebens, den er wirklich so nennen konnte. Er war

nämlich 1885 geboren; und wenn auch die ersten fünfzehn Jahre unseres

Lebens später fast immer mit einem Seufzer zu den glücklichsten

gerechnet werden, ist es zweifelhaft, ob sie während ihres Verlaufes

auch in dieser Weise aufgefaßt werden. Höchst zweifelhaft. Ja, warum

sollte man Haeckels berühmte These vom Leben des Individuums als Resumé

des Lebens der Gattung nicht darauf anwenden können? Genau wie es für

die meisten Menschen ein Glaubensartikel ist, daß alles Romantische

sich zur Zeit Roms, zur Zeit der Renaissance, zur Zeit der Revolution

zugetragen hat und auf jeden Falls jetzt, seit der eigene kleine

Privatlebensbetrieb des Betreffenden begonnen hat, so ferne und tot

ist, wie ein geologisches Zeitalter -- genau in derselben Weise denkt

man mit dreißig Jahren an die Zwanzig zurück (+da+ war es noch

eine Freude zu leben), mit Fünfzig an die Dreißig, und überhaupt die

ganze Zeit, seit man lange Hosen oder Röcke zu tragen bekommen hat, an

die unaussprechlich fröhliche, spannende, romantische Kindheit, die

jetzt tot und begraben ist, und nie zu einem armen Teufel wiederkehrt,

der in einem grauen, uninteressanten Alltagsleben verkümmern muß.

Und dabei sind die ganze Zeit die Abenteuer da, für den, der sie zu

finden weiß. Sie sind überall da, wie Sonnenschein und Regen, aber

im Gegensatz zu diesen mehr oder weniger ungleichmäßig verteilt auf

Gerechte und Ungerechte. Es gibt Individuen, in deren Leben die

Abenteuer sich geradezu häufen, ohne daß sie eigentlich etwas dafür

können, und es gibt andere, die in die Grube fahren, ohne daß ihnen ein

Abenteuer begegnet ist. Wer weiß? Vielleicht begegnet es ihnen dort!

Daß Allan Kragh Abenteuer erlebte, lag sowohl an ihm selbst wie an den

Umständen, deren Verlauf wir in Kürze skizzieren wollen. Sein Dasein

begann so uninteressant als nur möglich; denn was ist uninteressanter

als ein junger Mann, dessen Leben im Alter von einundzwanzig

Jahren schon Punkt für Punkt arrangiert vor ihm liegt, wie ein

Konzertprogramm? Zuerst ein Einzugsmarsch: einige flotte Studienjahre;

ein Walzer: eine bessere Verlobung; Stimmungsstück: die Ehe beginnt,

und so weiter bis zum Schlußmarsch hinter dem Sarg. So sah es aus,

als sollte Allan Kraghs Leben sich gestalten, und dann kam von dem

ursprünglichen Programm eigentlich nur der Einzugsmarsch zur Ausführung.

Jetzt fragt wohl der Leser: Wie konnte Herrn Allan Kraghs Leben schon

im Alter von einundzwanzig Jahren so wohlgeordnet aussehen? Es steht

in der Regel, Gott sei’s geklagt, um die jungen Männer nicht so gut.

Sollte Herr Kragh vermögend gewesen sein? Auf diese Frage beeilen wir

uns wahrheitsgetreu zu antworten: Herr Allan Kragh war vermögend.

Und er war sogar mit einundzwanzig Jahren Herr über sein Vermögen,

da seine Eltern tot waren. Und in diesem Alter finden wir ihn an der

Universität, ohne beschützende Verwandte, als Herr über fünfzigtausend

Kronen und im übrigen als einen etwas trägen, gutmütigen, ziemlich

begabten, hübsch gewachsenen schwedischen Jungen; außerdem (oder

folglich) so wie König Erik XIV., leichtsinnig und mit einer Umgebung

von nicht gerade trefflichen Ratgebern.

Herrn Allan Kraghs Studien interessieren uns nicht im besonderen

Grade. Schon zur Zeit Mäcenas’ gab es solche, die Freude daran hatten,

den olympischen Staub der Rennbahn mit dem Rade aufzuwirbeln; andere

wiederum, die größeres Interesse daran fanden, in wechselndem Metrum

den von Königen herstammenden Mäcenas zu preisen. Allan Kragh zeigte

sich bald von der erstgenannten dieser beiden Tätigkeiten gefesselt;

er wirbelte recht viel Staub auf seiner akademischen Rennbahn auf,

während Personen seiner Umgebung, ohne seine Genealogie von so

hohem Ursprung wie die Mäcenas’ abzuleiten, ihn doch als geeigneten

Gegenstand für Huldigungsoden erkannten und ihn ihren Schutz und Schirm

nannten.

Was sagt doch der Dichter von einem achtjährigen rauschenden Gelage?

Allan Kragh brachte es nicht weiter als bis zu sechs Jahren an der

Universität, aber daß diese von rauschenden Festen erfüllt waren, hätte

nur ein sehr weitgehender Jünger Zenos bezweifeln können. Jedenfalls

nicht die Kellner der Universitätsstadt oder ihrer Umgebung, auch nicht

die Kellermeister, auch nicht die Schneider. Und schon gar nicht die

Bank, wo seine Fünfzigtausend standen und sich nicht nur hartnäckig

weigerten, sich zu verzinsen, sondern vielmehr eine unheimliche Tendenz

zeigten, zum Kassagitter hinauszurutschen.

Schon in seinen ersten Studienjahren lernte er Hermann Bergius kennen,

der der Feldmarschall bei den Feldzügen von Allans sechsjähriger

Glanzzeit wurde. Hermann Bergius war ein spätgeborener Sprößling der

großen Freibeuterführer; die verweichlichten Zeiten hinderten ihn,

gleich diesen mit dem Schwert zu kämpfen und sich zu bereichern;

er stritt deshalb mit der Zunge. Jahr um Jahr war vergangen, eine

Generation war der anderen an der Universität gefolgt, der ungestüme

Strom der Zeit war vorbeigebraust, und jede neue Generation fand

Hermann Bergius da, wo er, wenn nicht tausend, so doch fünfzehn runde

Jahre gestanden hatte, den Blick, zwar nicht in den trüben Strom der

Zeit, so doch in den des Punsches versenkt. Wie gewisse griechische

Philosophen vor Sokrates teilte er den Weg in eine unendliche

Anzahl kleiner Teilchen; und so wie jene auf diese Art nachwiesen,

daß Achilles die Schildkröte nicht einholen konnte, bewies Hermann

Bergius auf seine Weise, daß die Zeit ihn nie zu erreichen vermochte.

Seine Bildung war umfassend, sein Humor ungewöhnlich, sein Appetit

unermeßlich, sein Durst noch größer; seine Fähigkeit, Strapazen und

Ausschweifungen gleich gut zu ertragen, des Größten aller Römer würdig.

In seiner Armee spielte Allan Kragh hauptsächlich die Rolle des

Quartiermeisters; er bezahlte die Tagesrationen aus, sorgte für die

Verpflegung und das Nachtlager der Truppen und hatte nach der Regel

des siebzehnten Jahrhunderts vor allem dafür einzustehen, daß sie,

wenn schon nichts anderes, so doch jeden Tag einen tüchtigen Trunk

erhielten. Dank dem freundschaftlichen Fuße, auf dem er mit den Banken

stand, war dies ein zwar schwieriger, aber doch zu bewältigender

Posten. Seine Belohnung war die Freundschaft des großen Feldmarschalls

und verschiedentliche Erwähnungen in den Tagesrapporten.

Es würde zu weit führen, alle Helden der Armee der großen Zeit

aufzuzählen. Da war John Peter S., Hermann Bergius’ nächster

Mann und Adjutant. Da war eine unzählige Schar Kombattanten und

Nichtkombattanten, Freibeuter aus allen Teilen des Reiches, Söldner

für längere oder kürzere Zeit. Da war O. B., ein alter Spartaner,

wie Bergius sagte, der sich auch in gebettete Betten nur mit den

Kleidern legte. Da war der Amanuensis, unabsetzbarer Amanuensis in

den Kaffeehäusern, aber von der Institution in dieser Eigenschaft

längst verabschiedet. Sein Wahlspruch war: „Kreuzdonnerwetter, was ein

alter Feldwebel ist, der kann immer noch eins vertragen.“ Abgesehen

vom Amanuensis war er nämlich auch Feldwebel, und zwar mit ebenso

großem Recht, ganz wie der König von Dänemark in seinen Kundgebungen

noch immer über Dithmarschen, Lauenburg, Venden und weiß Gott was

regiert. Da war Aistjerna, der eine kurze Gastrolle gab, bevor ihn

seine hochadelige Familie noch rasch rettete, und dessen berühmtester

Ausspruch fiel, als er Hermann Bergius über seine schon längere Zeit

andauernde Obdachlosigkeit trösten wollte: „Ja, lieber Hermann, auch

ich -- äh -- habe die Schrecken des Bohemelebens kennen gelernt --

es hat Nächte gegeben, -- äh -- wo ich mich nicht nach Hause traute,

sondern -- äh -- tatsächlich im Bristol übernachten mußte.“ Berühmt

waren auch seine Reflexionen über die Spatzen: „So ein Spatz -- äh

-- das ist wohl so ’ne Art Müller oder Schulze in der Vogelwelt.“ --

Eine kurze, vielversprechende Laufbahn, so lautete Hermann Bergius’

Grabschrift für ihn, als die hochadeligen Verwandten ihr Rettungswerk

vollendet hatten. -- Da war noch der berühmte Baron vom Altmarkt, der

Schrecken errötender Jungfrauen und die Sorge weinender Mütter, ein

Casanova, fehl an Zeit und Ort -- ja es war ein buntes Gefolge, und

es waren bunte Erlebnisse, die Allan in ihrer Gesellschaft hatte.

Natürlich immer in einem engen geographischen Kreis: Von Langfahrten

war eigentlich nur die große Expedition nach Berlin zu verzeichnen,

hauptsächlich denkwürdig durch den von Allan meisterlich geleiteten

Rückzug: Fast ohne Geld, bedroht von der Meuterei der erregten

Truppen und zu beständigen Hinterhutgefechten mit der rachedurstigen

Bevölkerung genötigt, hatte er eine nichts weniger als leichte

Aufgabe. Endlich stand man tiefbewegt wieder auf schwedischem Grund

und Boden, wo Allan bei der großen Festmahlzeit vom Feldmarschall

mit einer Umarmung vor den Truppen ausgezeichnet wurde, worauf man

telegraphischen Rapport über den Rückzug an Seine Majestät den König

absandte, an das deutsche Departement des Aeußern und den Sultan von

Marokko, dem es augenblicklich auch dreckig ging.

Sechs Jahre von goldenen Sekunden waren auf diese Weise verronnen, da

kam ein schöner Tag, der Allans großer Zeit ein katastrophales Ende

bereitete. Und die direkte Ursache war so unbedeutend, daß sie auf den

ersten Blick lächerlich erscheinen kann. Es begab sich, daß Allan am

ersten Tage des Wintersemesters des siebenten Jahres an einen Ort kam,

den er schon sehr lange nicht gesehen hatte -- die Universität. Die

Vorlesungen in den Sälen sollten eben beginnen. Der Gedanke, eine davon

zu besuchen, berührte Allan höchst humoristisch und barock -- eine gute

Geschichte für den Freundeskreis. Es waren gut drei Jahre her, seit er

zuletzt da oben gewesen war. Er ging in den ersten besten Hörsaal, ohne

auch nur nachzusehen, was in seinen Mauern verkündet wurde. Er nahm

Platz; der Vortragende kam und begann. Es erwies sich, daß Allan zu dem

englischen Lektor der Universität geraten war.

Als Allan das merkte, gab es ihm einen Ruck. Gerade die Vorlesungen

der fremden Lektoren hatte er während seiner ersten Jahre an der

Universität tatsächlich besucht ... Er besaß Sprachentalent und

hatte sich in den ersten Jahren das Deutsche und Englische in

anerkennenswerter Weise angeeignet. Erinnerungen erwachten in ihm. Der

jetzige Lektor war ein athletisch gebauter junger Mann mit klaren,

kühnen Augen. Er hielt einen einleitenden Vortrag über die englische

Kolonialliteratur; er war selbst rings um die halbe Erde gewesen und

verflocht in seinen Vortrag persönliche Erinnerungen und Beobachtungen.

Allan merkte, daß er noch genügend Englisch konnte, um ihn vollständig

zu verstehen; er war, wie gesagt, nicht auf den Kopf gefallen. Er

hörte zu, er fühlte sich interessiert, ja mehr als das, gefesselt von

den Schilderungen der Länder dort draußen, und plötzlich spürte er,

wie ihm eine heiße Röte ins Gesicht stieg. Was war das eigentlich für

ein Leben, das er und die anderen hier führten! Was war das doch für

ein Provinz-Sybaris! Wie konnte man nur Jahr für Jahr in diesem engen

Kreis totschlagen? Wie konnte man! ... Jahr für Jahr ... Jahr für

Jahr ... Was dachte er sich eigentlich, was wollte er? War es denn

überhaupt amüsant? ... Was er und die anderen da trieben, waren ja doch

Kindereien, ohne Spannung, ohne Interesse.

Schließlich war die Vorlesung zu Ende, und das Publikum strömte heraus.

Allan blieb als letzter zurück und ging, von Gedanken erfüllt, die

wie Blasen in ihm aufstiegen, aber zerstoben, bevor sie sich noch

ganz geklärt hatten. Gleich vor der Universität stieß er mit der

ganzen Armee zusammen und wurde mit Jubelrufen begrüßt. Es gab ein

Mittagessen im Park; es gab Kaffee und Punsch. Der Abend verging, und

das große Hauptquartier der großen Armee begann die Pläne für den

Feldzug des kommenden Jahres zu entwerfen. Es war das erstemal, daß man

sich nach den Sommerferien traf. Die kommende Jahreskampagne sollte

alle vorhergegangenen der Kriegsgeschichte schlagen; man erörterte

ihre Einzelheiten unter mehr oder weniger formeller Befragung des

Quartiermeisters, der stumm und grübelnd vor seinem Whiskyglas saß,

die Ohren erfüllt von dem Geplauder der Kampfgenossen, den Kopf voll

von einem Gefühl, das neu schien, alt war und sehr rasch allmächtig

wurde: Jetzt ist Schluß! Schluß für immer. Das war die letzte Revue

der Truppen; Fontainebleau; Abschied ohne Tränen, Umarmungen oder

Ueberreichung des Degens; und dann fort, sei es auch nach Elba oder

Sankt Helena!

Mit anderen Worten: Eine Pflanze, deren Keim schon lange in Allans Herz

gelegen war, hatte an diesem Tage endlich die Hülse gesprengt, die

Wurzeln ausgebreitet und war zum vollen Tageslicht hinaufgedrungen. Das

einzige Verwundernswerte war, daß dies nicht schon längst geschehen war.

Sein ganzes Leben lang hatte Allan eigentlich den Zug hinaus gehabt,

den Zug zum Fernen, Neuen, Unbekannten. Vielleicht war es Hermann

Bergius gerade dadurch, daß er diese Saite berührte, gelungen, ihn

zum Quartiermeister des sechsjährigen Krieges zu machen. An diesem

Abend merkte er, wie es ihm vorkam, plötzlich, mit einem Male, wie

unbefriedigt ihn alle Eskapaden dieser sechs Jahre eigentlich gelassen

hatten. Kinderstreiche ... ohne Bedeutung ... ohne Spannung ... Er

dachte all der Morgen, an denen er durch irgendeine dämmergraue Straße

einer fremden Stadt, in die der Zufall und Bergius ihn verschlagen

hatten, heimwärts gewandert war, und der Lust, die er auf diesen

einsamen Morgenwanderungen verspürt, von den anderen zu desertieren

und von dem ganzen großen Frühschoppen am nächsten Tage, der der Clou

dieser Eskapaden war. Jedesmal war dieser Impuls von irgendeinem

anderen verdrängt worden. Jetzt begriff er, was dies eigentlich

bedeutet hatte. Er durchforschte sein Gedächtnis und verstand auch

andere kleine, fast kindische Züge an sich selbst, seine Lust (zu

Bergius’ großem Verdruß), mit exotischen Gestalten anzubändeln, die man

zufällig in Schenken und auf Dampfern traf; sein Versinken in trockene,

dicke, ausländische Fahrpläne, Henschel und Bradshaw, die er in den

Vestibüls der Hotels fand; seine Manie für die großen ausländischen

Zeitungsdrachen ...

Und während man die Becher leerte, die die Ouvertüre zu einem weiteren

Jahr kriegerischer Heldentaten und Idyllen bilden sollten, saß Allan

da, ohne sein Glas zu berühren. Die verheißenen Idyllen erschienen

ihm mit einem Male überaus banal und der Wein der Freudenbecher schal

geworden ... Fort, auf neuen Straßen, fort, um die Sonne über Städten

zu sehen, wo noch etwas Neues geschah und wo man dem Abenteuer

begegnen konnte! Denn was war er eigentlich alle diese sechs Jahre

nachgejagt, wenn nicht den Abenteuern, dem Neuen? Morgen! ...

So dachte Allan Kragh, weil er eine jener Naturen war, die dazu

bestimmt sind, Abenteuer zu suchen; während er, wenn er das nicht

gewesen wäre, daran gedacht hätte, ein neues Leben zu beginnen und die

weiteren Vorlesungen des englischen Lektors zu besuchen.

Die Uhr zeigte am nächsten Morgen halbzehn, als Allan auf dem Trottoir

vor dem großen Hotel der Universitätsstadt seine Pläne in dem

Septembersonnenlicht einer Musterung unterzog. Und während er dasaß

und überlegte, ob ein gesunder und normaler Mensch den Schritt, den

er machte, machen konnte, ohne verfolgt zu werden, entdeckte er so

allmählich noch einen Grund, seinen unklaren Plan ins Werk zu setzen,

einen Grund, der möglicherweise etwas unkameradschaftlich war, aber

dafür in gewissem Maße das sonst recht Phantastische seines Vorhabens

aufwog.

Allan Kragh und seine Freunde waren schwedische akademische Bürger;

damit ist gesagt, in welcher Weise Allan seine Quartiermeisterschaft in

den berühmten Heerzügen der sechs Jahre ausgeübt hatte.

Selbst war er ja durch vorsorgliche Eltern von der Notwendigkeit

befreit, aus eigener Vernunft oder Kraft Geld aufzubringen; aber die

Eltern seiner Freunde waren nicht ebenso vorsichtig gewesen, und darum

war es auf Allans Los gefallen, ihnen in der erwähnten Hinsicht durch

verschiedentliche Autogramme zu Hilfe zu kommen. „Nicht der Endossent

allein gewinnt die Schlachten, die namenlosen Reihen gewinnen sie ihm,“

pflegte Hermann Bergius jedesmal zu versichern, wenn er, wie er sich

ausdrückte, Allan wieder einmal einen Ehrenposten zugedacht hatte;

aber in der Regel hatte Allan gefunden, daß der Endossent sich wie die

Feldherren früherer Zeiten selbst ins Kampfgewühl stürzen mußte, um

die Feinde nicht triumphieren zu lassen -- in diesem Falle die Banken.

Mit einem Wort: er hatte sich auf Dokumenten von einer Anzahl, die er

selbst nicht näher kannte, verewigt; und obgleich er zu dem Zeitpunkt,

zu dem der Feldzug des siebenten Jahres beginnen sollte, noch nicht

völlig erschöpft war, war er doch nicht allzu weit davon entfernt.

Wenn er nun, dachte er mit einem stillen Lächeln, seinen rasch

entstandenen Plan verwirklichte, und er schon zu gar nichts anderem

führte, konnte er doch wenigstens zur Folge haben, daß die namenlosen

Reihen sich gezwungen sahen, sich auf eigene Hand ohne den Feldherrn

durchzuschlagen -- bekanntlich der erstrebenswerteste Höhepunkt, den

die militärische Erziehung erreichen kann ... und das wäre ja immerhin

ein gewisser Vorteil für den in sechs Kriegsjahren geprüften Feldherrn,

für den Fall, daß sein eigener Kriegszug in unbekannte Länder mit

Niederlage und Rückzug enden sollte ...

Allan war boshaft genug, sich bei dem Gedanken an die nicht sehr

platonischen Dialoge, denen die namenlosen Reihen sich hingeben

würden, wenn sie die Niedertracht ihres Führers erkannten, ein Lächeln

zu gönnen. Dann klopfte er dem bejahrten, rotnasigen Kellner, der

seine einstündige Morgengrübelei an dem Trottoirtisch ehrfurchtsvoll

beobachtet hatte. Als dieser Allans Klopfen vernahm, stürzte er, wie

aus der Kanone geschossen, herbei.

„Wieviel?“

„Zwei Pilsner, sechzig Oere.“

Allan legte das Geld auf den Tisch und stand auf.

„Soll ich drinnen ein Frühstück für den Herrn Doktor bestellen?“

Allans Doktorpromotion hatte in den Hotels, nicht in der Universität,

stattgefunden. Allan schüttelte den Kopf.

„Herr Doktor warten vielleicht auf die anderen Herren Doktoren?“

„Das glaube ich nicht,“ sagte Allan, „sagen Sie ihnen, sie können auf

mich warten!“

Er warf einen Blick auf die Uhr. Halb elf; das Schiff ging um ein Uhr;

die Bank, das Packen, ein Paß -- er hatte gerade noch Zeit!

Zweiundeinehalbe Stunde später sah das Vaterland Herrn Allan Kragh an

Bord eines kleinen weißen Raddampfers steigen, einer von jenen, die

während der sechsjährigen Kriegsfahrten in das näher gelegene Ausland

oft als Wikingerschiffe gedient hatten. Die Taue wurden gelöst; die

Dampfpfeife tutete mit einem heiseren, versoffenen Baßton; die Räder

schaufelten das Wasser auf, und Herr Allan Kragh hatte mit zwölftausend

Kronen Bargeld (dem Rest eines einstmals fürstlichen Vermögens) sowie

zwei wohlgefüllten Reisekoffern und einem Spazierstock seine große

Reise in die Welt angetreten.

Vorwärts! Den Abenteuern entgegen! Schicksal _en garde_!

II

Vorsicht bei Eisenbahnfahrten!

„Diner, meine Herrschaften! Wünschen die Herrschaften zu dinieren?

Diner, meine Herrschaften, zweites Service jetzt fertig.“

Der Zug flog über die blinkenden Stahlschienen, Köln zu. Die Wagen

schlingerten in den Kurven und neigten sich bald auf die eine, bald auf

die andere Seite. Die Landschaft flog vorbei, flach und nichtssagend;

vor ein paar Stunden hatte man Osnabrück passiert. Der Septemberhimmel

war klar, blau, unendlich hoch, mit leuchtenden, weißen Wolkenmassen,

die einander jagten; der Wind war frisch, kühl mit einem feinen, schon

vernehmlichen Herbstduft. Ab und zu, wenn man an irgendeinem Fluß oder

Kanal vorbeiflog, war sein Wasser durchsichtig grün, und hier und dort

segelten früh abgefallene Blätter auf seinem Spiegel. Der Zug hastete

weiter und weiter; und Allan Kragh stand in private Meditationen

versunken, den Kopf halb zu einem Korridorfenster hinausgestreckt,

ohne sich daran zu kehren, daß der Wind ihm ins Gesicht peitschte und

hie und da Rußflocken von der Lokomotive mitbrachte. Die Stimme des

Speisewagenkellners weckte ihn aus seinen Grübeleien; er sah auf seine

Uhr, die etwas über eins zeigte und erinnerte sich plötzlich, daß er

seit den zwei Eiern und dem Kaffee im Hauptbahnhof in Hamburg nichts

gegessen hatte. Zugleich mit diesem Gedanken verspürte er mit einem

Male einen vortrefflichen Appetit. Er nickte dem Mann in der weißen

Jacke zu und bekam von ihm eine Platzkarte.

„Ganz besetzt heute, für alle Diners,“ vertraute er Allan an, wie um

diskret anzudeuten, daß das Trinkgeld danach sein sollte.

„Hat das Service schon begonnen?“ fragte Allan.

„In zwei Minuten, mein Herr.“

Der Abgesandte des Speisewagens eilte weiter, und Allan ging durch den

schwankenden Korridor in die Toilette am anderen Ende des Wagens.

Aus welchen Anlässen Allan Kragh sich in diesem Zug befand, ist

eigentlich nicht leicht zu erklären -- richtiger gesagt, der einzige

Anlaß, der vorlag, war so bizarr, daß er lächerlich wirkt, wenn man

ihn erzählt. Am frühen Morgen dieses Septembertages war er nach

Hamburg gekommen, ohne die leiseste Ahnung, wohin er seine Schritte

lenken oder was er zunächst unternehmen sollte. Er machte aufs

Geratewohl einen Spaziergang um das Viertel gegenüber der Ankunftseite

des Hauptbahnhofes, befand sich nach einigem Herumirren unten an

der Alster, und dachte schon daran, bis auf weiteres in Hamburg zu

bleiben, das eine schöne und anziehende Stadt zu sein schien. Dann

verabschiedete er diesen Gedanken wieder und kehrte durch die noch

morgenleeren Straßen (die Uhr war etwas über sieben) zum Hauptbahnhof

zurück. Er fand ihn mit allen modernen Bequemlichkeiten versehen, ließ

sich rasieren, wechselte etwas Geld und nahm ein hastiges Frühstück in

dem großen Restaurant ein. Fünf Minuten vor halb acht Uhr wurde von

einem galonierten Bediensteten ein Zug nach Paris ausgerufen; Allan

verließ das Restaurant, noch immer im Unklaren, was er tun sollte,

und ging zu den Billettschaltern. Fahrpläne bedeckten die Wände in

militärischen Kolonnen; keine verlockenden Affichen mit Bildern des

blauen Meeres und der grünen Wälder, nur Betriebsverordnungen und

Ziffern. Vor einem der Billettschalter für den Fernverkehr standen drei

Personen, die plötzlich Allans Aufmerksamkeit erregten: Ein junger

Mann von vielleicht dreißig, etwa von seiner eigenen Statur, mit einem

glattrasierten dunklen Schauspielergesicht, kurzen Koteletten und

goldgefaßtem Zwicker; ein alter Herr mit roter Raubvogelnase, gelben,

stechenden Trinkeraugen und einem gelbgrauen Schnurrbart; ferner eine

junge Dame in grünem Reisekostüm, um den Hals ausgeschnitten, über

die Hüften knapp anschließend und so fußfrei, daß zwei Knöpfelschuhe

mit grauen Gamaschen zu sehen waren. Ihr Gesicht hatte einen etwas

hochmütigen Ausdruck, mit zwei großen grauen Augen und einer etwas

geschürzten Oberlippe. Es war äußerst frappierend unter dem Reisehut

in schwarz und grün, der wie ein Musketierhut auf ihrem rotblonden

Haar saß. Sie hatte drei oder vier amerikanische Zeitschriften in

der Hand. Allan verschlang sie mit den Augen: Sie hätte d’Artagnans

Geliebte sein können oder eine der schönen blonden Agentinnen des

Kardinals. Jetzt eilte der jüngere Herr vom Billettschalter fort; der

ältere nahm seinen Platz ein, auf dem Fuß gefolgt von der auffallenden

jungen Dame, die einige Goldmünzen zwischen ihren behandschuhten

Fingern hielt. Nun ging der ältere Herr, und sie nahm seinen Platz ein.

Allan kam ein Einfall, und er folgte nach. Er hörte sie in vollkommen

korrektem Deutsch sagen: „Erste einfach, Paris.“ Sie stellte noch

ein paar Fragen, die der Mann am Schalter beantwortete. Sie war also

eine Deutsche, obwohl sie so amerikanisch aussah. Nun hatte sie ihre

Fahrkarte. Allan verließ den Billettschalter und folgte ihr in einiger

Entfernung. Er sah sie etwas Reisegepäck aufgeben und die Treppe zum

Perron hinuntergehen. Sie war in ihrem raschen, elastischen Gang noch

schöner, als wenn sie stille stand. Er sah sie noch dort unten den Zug

entlang gehen, dann war sie außer Sehweite. Der galonierte Mann kam

durch die Bahnhofshalle gewandert und schrie mit Stentorstimme:

„Schnellzug nach Paris und Holland! Eine Minute!“

Da kam Allan eine barocke Idee. Ohne zu überlegen, was er tat, oder

weshalb er es tat, stürzte er zum Billettschalter zurück, an dem er die

drei gesehen, riß eine Banknote heraus und rief dem Mann dahinter, der

ihn vorhin, als er gegangen war, ohne eine Karte zu lösen, erstaunt

angestarrt hatte, zu:

„Paris, einfach, erste!“

„Sie müssen sich aber eilen!“ schrie der Mann zurück. „Der Zug geht um

sieben Uhr neununddreißig. -- Sie haben gerade noch vierzig Sekunden.“

Allan stürzte zurück, das Billett in der Hand, während in seinem

Kopf sich die Gedanken kreuzten. Das war der helle Wahnwitz ... Sein

Gepäck stand in der Garderobe deponiert; er hatte unmöglich Zeit,

es herauszubekommen; er mußte natürlich diesen geistesgestörten

Einfall aufgeben. -- Oder sollte er das Gepäck hier lassen und später

telegraphieren? Das war offenkundig vollkommen irrsinnig ... Es gingen

ja noch Züge, aber ... aber sie fuhr mit diesem! Wenn es ihm gelang,

ihr von dem Opfer zu erzählen, das er um ihretwillen gebracht, würde

sie das vielleicht rühren ... Ohne daß er wußte wie, hatte er die

Kontrolle passiert, stürzte Hals über Kopf eine Treppe hinunter, zu

einem Zug, der sich eben in Bewegung setzte, während die Schaffner die

letzten Türen zuschmetterten. -- Da, gerade noch in der letzten Sekunde

war er mit einem Sprung in einem der rückwärtigsten Waggons. Glücklich

hinaufgekommen, zauderte er wieder. Das war ja der reine Wahnsinn!

Sollte er wieder abspringen? Dann zuckte er die Achseln mit einem

Lächeln über sich selbst.

„Fahre ich mit,“ murmelte er vertraulich dem Korridorfenster zu,

„dann brauche ich wenigstens keine Polizeistrafe wegen unerlaubten

Abspringens zu bezahlen.“

Nachdem er sich überzeugt hatte, daß er sich im letzten Personenwagen

befand, machte er sich auf die Wanderung durch die Korridore, um nach

der Unbekannten auszuschauen.

Der Wagen, in dem er gelandet war, war ein Waggon dritter Klasse; er

ging durch, ohne sich die Passagiere näher anzusehen. Darauf folgte

ein durchgehender Waggon zweiter Klasse nach Amsterdam, er drängte

sich mit einer gewissen Schwierigkeit hindurch, so voll war er von

Passagieren. Darauf kam ein direkter Wagen nach Süddeutschland, beinahe

ganz besetzt. Daran schloß sich der Speisewagen. Hier war es verboten,

zu passieren, da man sich durch die Küche hätte drängen müssen. Allan

versuchte es mit Bestechungen, deren Annahme verweigert wurde, und

erhielt den Bescheid, daß er bis Bremen warten müsse, wo man eine

Minute Aufenthalt hatte. Er setzte sich an einem Fenster im Korridor

des süddeutschen Wagens zur Ruhe, wo er sich von dem Morgensonnenschein

durchrieseln ließ und nach Herzenslust die kühle Septemberluft

einatmete. Er dehnte die Brust und lachte in sich hinein; das war doch

etwas anderes, als auf den ausgetretenen Straßen dieses Provinz-Sybaris

herumzustampfen! Plötzlich begannen die Wagen gegeneinanderzurasseln,

der Zug wurde langsamer und rollte durch eine Vorstadt von roten

Ziegelvillen in Bremen ein. Im Handumdrehen war Allan draußen in der

Bahnhofshalle, kaufte sich ein Päckchen Zigaretten, etwas Obst und

einige Zeitungen und sprang in das nächste Coupé nach dem hinderlichen

Speisewagen.

Er wartete, bis der Zug sich in Bewegung setzte, bevor er seine

Forschungen wieder aufnahm. Dieses Mal waren sie von besserem Erfolg

gekrönt. Der Wagen hinter dem, in den er aufgesprungen war, war

ein Wagen erster und zweiter Klasse nach Paris, und in der dritten

Coupéabteilung der ersten Klasse saß die Unbekannte.

Leider war sie nicht allein. Der alte Herr mit der roten Raubvogelnase

und dem buschigen, graugelben Schnurrbart, saß ihr gegenüber am

Fenster; sie fuhr zurück, er in der Richtung des Zuges. Sie schienen

einander fremd zu sein. Allan sah einen Augenblick zögernd in den

Wagen; der alte Herr mit der feinen Rotweinnase hatte das Netz auf

seiner Seite mit einer Menge Gepäck beladen -- _suitcases_,

_gladstone-bags_, Reiseplaids, Fernstecherfutterale und weiß

Gott was -- es stand im Verhältnis zum vornehmen Aussehen seines

Riechorganes. Die Unbekannte ihm gegenüber hatte zwei kleine Täschchen,

eine Hutschachtel und einige Reisekissen. Im Augenblick saß sie in

einer künstlerisch berechneten Pose zwischen vier Stück der letzteren

hingegossen und schien zu schlafen. Allan starrte bewundernd ihr

Rasseprofil an und den Schatten, den ihre Wimpern auf der feinen

Wange bildeten; ihr rotblondes Haar, das wellig und reich war,

schien ein wenig derangiert. Der fußfreie Reiserock war ein bißchen

hinaufgeglitten und zeigte eine schlanke, aber volle Wade über der

grauen Gamasche. Nach ein paar Augenblicken andächtiger Versunkenheit

trat er ein und setzte sich auf das Sofa des alten Herrn.

Dieser begrüßte sein Erscheinen mit einem Blick des herzlichsten

Widerwillens. Er schlug sein Auge zum Netz auf, wie um anzudeuten,

daß, wenn Allan (der sich zu allen Teufeln scheren mochte) sein ganz

unerwünschtes Reisegepäck dort placieren wollte (was Gott verhüte),

er genötigt wäre, seine eigenen, dort befindlichen Habseligkeiten

fortzuschieben. Allan zuckte die Achseln mit einer Miene, die der der

Rotweinnase an Mitreisendenverachtung nur wenig nachgab, und kundgeben

sollte, daß er (der nach internationalen Konventionen das volle Recht

hatte, in der Klasse zu reisen, für die er eine Karte gekauft hatte) es

aus einer Laune vorzog, während er in diesem preußisch-hessischen Wagen

fuhr, sein Reisegepäck, das den Vergleich mit dem des bordeauxnasigen

alten Herrn in diesem Zug keineswegs zu scheuen brauchte, von der

Garderobe des Hamburger Hauptbahnhofs verwahren zu lassen. Nach diesem

Austausch von Florettblicken ließen sich die beiden Herren in Ruhe

auf ihren Plätzen nieder; die Raubvogelnase im Schutze des Hamburger

Fremdenblattes, Allan ohne Bedeckung. Die Augenwimpern der jungen Dame,

die sich ein paar Sekunden eine Ahnung gehoben hatten, ohne daß jemand

es gesehen, nahmen ihre frühere entzückende Lage auf den Wangen wieder

ein.

Der Zug sauste weiter, und die Wolken leuchteten im

Septembersonnenschein. Allan versank in vage Träumereien, während seine

Augen über sein Visavis hin und her wanderten.

Man war nun etwa auf halbem Wege von Bremen nach Osnabrück (die Uhr

zeigte ungefähr zehn), als plötzlich ein Kondukteur erschien, um die

Billette zu markieren und Platzkarten auszufertigen. Allan reichte sein

Billett hin, das besichtigt wurde; der alte Herr mit der Raubvogelnase

desgleichen. Die Unbekannte in der Fensterecke schlief noch immer. Der

Kondukteur räusperte sich und ließ ein paar vergebliche „Gnädige!“

hören. Sie rührte sich nicht. Allan glaubte eine Chance zu sehen. Er

beugte sich vor und legte seine Hand vorsichtig auf jene Stelle ihres

grünen Reisekostüms, wo man die Rundung des Knies ahnte. Sie schlug die

Augen auf, starrte einen Augenblick Allans Hand an, die dieser noch

nicht zurückgezogen hatte und fuhr mit einer Miene so unverkennbaren

Widerwillens auf, daß Allan zurückprallte, während eine lebhafte Röte

sich über sein Gesicht verbreitete. Der Kondukteur lächelte diskret und

wiederholte sein: „Gnädige!“ Die Unbekannte reichte ihm ihre Fahrkarte,

während ihre Augen damit beschäftigt waren, Allan zu morden; worauf

sie plötzlich vom stummen Spiel zur Sprechszene überging. Und zwar auf

englisch. -- Allan war ein wenig erstaunt, da sie auf dem Bahnhof in

Hamburg perfekt deutsch gesprochen hatte. Sie mußte doch voraussetzen,

daß er ein Deutscher war. Sie wandte sich an den alten Herrn mit der

Raubvogelnase.

„Sir, ich vermute, Sie verstehen meine Sprache? Ich spreche die Ihre

nicht.“

Lüge, dachte Allan, aber warum?

„Ich spreche Ihre Sprache,“ sagte der alte Herr.

„Danke. Wissen Sie, ob dieser junge Mensch dort sich noch andere

Freiheiten gegen mich herausgenommen hat, während ich geschlafen habe?“

Der alte Herr warf Allan einen Dolchblick zu und sagte:

„Das weiß ich nicht, ich habe Zeitung gelesen.“

„Es ist gut. Ich danke Ihnen.“

Sie brach in einen Strom von indigniertem Amerikanisch aus: Eine Dame

konnte also in Europa nicht allein mit der Eisenbahn fahren, ohne vom

ersten besten beleidigt zu werden? -- Warum gab es keine Damencoupés?

Man sollte glauben, daß Leute, die die Mittel hatten, erster Klasse zu

reisen, Gentlemen wären.

Der alte Herr hörte ihr mit sichtlicher Billigung zu. Allan, der kaum

wußte, ob er schlief oder wachte, begann eine stammelnde Entschuldigung:

„Madame, gestatten Sie mir, Ihnen zu erklären ...“

„Wie können Sie es +wagen+, mich anzusprechen?“ rief sie.

Das war Allan doch zu stark. Er erhob sich mit der ironischsten Miene,

die er aufbringen konnte -- er fühlte, daß seine Wangen vor Verblüffung

und Zorn noch ganz rot waren -- und sagte mit einer untertänigen

Verbeugung:

„Gestatten Sie mir, Sie in einem Punkte zu korrigieren, Madame. Wenn

Sie es vermeiden wollen, noch mehr Gentlemen von meiner Art zu treffen,

steht dem kein Hindernis im Wege: Das nächste Coupé ist ein Damencoupé.“

Mit so viel Würde, als man aufbringen kann, wenn man mit einem Stock,

vier Zeitungen und einem Obstsack beladen ist, verließ er das Coupé.

Ein langes, eiskaltes „_im--per--ti--nence_“ der Unbekannten

durchbohrte seinen Rücken mit einem letzten Stich.

Der erste Mensch, den er im Korridor erblickte, war zu seiner

Ueberraschung niemand anders als der dritte des Trios, das er beim

Billettschalter in Hamburg gesehen -- der dunkle Mann mit dem

Schauspielergesicht, den Koteletten und dem goldgefaßten Zwicker. Als

Allan aus der Coupétür trat, hatte er einen Augenblick den Eindruck,

daß dieser Herr die ganze Szene drinnen verfolgt hatte und daß ein

halb unmerkliches Lächeln um seine Mundwinkel zitterte. Aber im

nächsten Augenblick waren seine Augen schon gerade durch die offene

Türe seines eigenen Coupés gerichtet, in fernschauende Bewunderung

der Heidelandschaft dort draußen versunken. Allan warf ihm einen

kurzen Blick zu und ging an ihm vorbei den Korridor hinunter. Die

anderen Wagenabteile waren mehr oder weniger voll, mit Ausnahme des

Damencoupés, über dessen Existenz er die Unbekannte eben aufgeklärt

hatte. Er kehrte zu dem Abteil zurück, vor dem der Mann mit dem Zwicker

postiert war und fragte mit einer leichten Handbewegung:

„Sie gestatten?“

„Natürlich.“

Der Mann mit dem Schauspielergesicht neigte artig den Kopf. Allan ging

hinein, warf sich auf das unbesetzte Sofa und zündete eine Zigarette

an, nachdem er sich vorsichtig vergewissert hatte, daß er sich in einem

Rauchcoupé befand.

Solch eine kleine, unverschämte Hexe! Amörrica, Amörrica! Hol’ der

Teufel Amörrica und alle Amörrikanerinnen. Ferner mochte der Teufel

ihn selbst holen und alle anderen Idioten, die sich auf sogenannte

Abenteuerfahrten einließen, von falschen Irrlichtern gelockt. Und

schließlich mochte er ihn selbst noch einmal holen, weil er von seinem

Gepäck in Hamburg weggereist war, um sich ohne allen Anlaß von einer

unverschämten, kleinen, schönen, verdammten Hexe beschimpfen zu

lassen....

Seine ärgerlichen Betrachtungen dauerten ein paar Stunden. Der

Zug sauste durch Osnabrück mit einigen Augenblicken der Pause in

dieser friedenschließenden Stadt; er brauste weiter gegen Köln;

Leute wanderten dem Speisewagen zu, um sich an dem Zwölfuhrdiner zu

erquicken; unter anderen sah er die Amerikanerin und den alten Herrn

mit der Raubvogelnase hinpilgern, jetzt im eifrigen Gespräch; aber

Allan hatte das Interesse für das Ganze verloren. Die Septemberluft,

die eben noch klar und blau gewesen, wie die Luft bei einem Abenteuer

sein muß, war nunmehr kalt und von abstoßender Farbe; die Sonne ohne

jede Wärme. Der Herr mit dem Zwicker kam in den Wagen und vertiefte

sich in das Studium eines illustrierten Katalogs. Hie und da warf er

einen verstohlenen Blick auf Allan, den dieser jedesmal mit einem

herausfordernden Starren erwiderte. Schließlich ging Allan in den

Korridor hinaus und hatte da wohl dreiviertel Stunden lang den Kopf zu

einem Fenster heraushängen lassen, als der Agitator des Speisewagens

ihn mit seinem: Wünschen die Herrschaften zu dinieren? aus seiner

mißmutigen Laune riß. Er machte eine rasche Toilette und steuerte durch

die Korridore dem Speisewagen zu.

Im Waggon neben seinem eigenen hatte er noch einen kleinen Chok; die

heißblütige Amerikanerin wandelte gerade in ladylikem Balancegang

durch den Korridor. Hinter ihr wurde der bordeauxnasige alte Herr

sichtbar, dessen Riechorgan leuchtender denn je war; im Munde hatte

er eine frischangezündete Havanna, deren rote Spitze neben besagtem

Organ nur unbedeutenden Effekt erzielte. Allan trat rasch in ein

Coupé, um das Paar vorbei zu lassen; als die junge Dame passierte,

entging ihm jedoch nicht ein Blick aus ihren grauen Augen -- aber

-- o Wunder! Sah er recht? Diese Augen schienen nun fast freundlich

mit der Ahnung eines Lächelns ganz tief drinnen. Sie fegte mit einem

Rauschen von Seidenunterkleidern vorbei. Der alte Herr, dessen Augen

einen befriedigten Sultanglanz angenommen hatten, watschelte hinter

ihr drein, ohne einen Blick für Allan oder überhaupt etwas anderes als

den weidenschlanken Rücken der Amerikanerin. Allan starrte ihnen nach,

und zuckte zusammen, als er am Ende des Korridors den Herrn mit dem

Schauspielergesicht erblickte, der die beiden mit dem hundertsten Teil

eines Lächelns durch seinen goldgefaßten Zwicker musterte. Allan sah

ihn einen Augenblick an und ging weiter.

Der Speisewagen war beinahe ganz besetzt; unten in der Ecke zunächst

der Küche fand sich noch ein Tisch für zwei, der frei war. Der

weißbejackte Agitator von vorhin wedelte mit einer Serviette quer über

den Wagen, um anzudeuten, daß es ihm mit unerhörter Schwierigkeit

gelungen war, Allan einen Platz an diesem Tisch zu reservieren. Allan

ließ sich nieder, sah die Speisekarte an und ging sodann zur Weinliste

über. Er war eben zu der Ueberzeugung gekommen, daß Graacher Auslese

der richtige September- und Reisewein ist, als sich jemand an dem

anderen Platz am Tisch niederließ. Er sah auf. Mit einer unlogischen

Ueberraschung erkannte er in seinem Tischkameraden den Mann mit dem

goldgefaßten Zwicker und dem Schauspielergesicht.

Dieser lächelte Allan wiedererkennend zu und begann dann zum Fenster

hinauszusehen. Allan betrachtete eine Weile die Zirkusnummer des

Kellners mit Schüsseln und Tellern zwischen den Tischen; jedesmal, wenn

der Zug sich in einer Kurve seitlich neigte und er selbst vom Schwung

auf eine Seite geschleudert wurde, dachte er mit einem Kitzeln in der

Magengrube: Jetzt geht die ganze Bescherung zum Teufel! Aber kein

einziges Mal gab es auch nur einen Fleck auf dem Tischtuch. Plötzlich

stand der Kellner mit einem Suppenteller vor seinem Platz. Allan

schnitt eine unwillkürliche Grimasse und schüttelte den Kopf. Suppe

um diese Tageszeit! Der Mann mit dem Zwicker lächelte wieder leise,

während er seinen Löffel in die Suppe tauchte.

„Sie sind kein Freund der deutschen Speiseordnung?“ sagte er.

„Nein, weiß Gott.“

„Der deutsche Wein sagt Ihnen besser zu?“

„Allerdings. Trinken Sie vielleicht ein Glas mit mir?“

Allans Laune stieg rasch um einige Grade, sowie er den Mund geöffnet

hatte; er begann zu erfahren, daß der Mensch ein Gesellschaftstier

ist, auch wenn er auf eigene Faust auf Abenteuer auszieht. Der Fremde

verbeugte sich leicht.

„Mit Vergnügen, wenn Sie mir gestatten, Ihre Liebenswürdigkeit später

zu erwidern.“

Allan winkte dem Kellner, ein Glas zu bringen. Er und der Fremde

tranken sich zu.

„Sie sind Skandinavier?“

„Warum glauben Sie das? Hört man es mir an?“

„Das eigentlich nicht, aber Ihr Aussehen sagt es mir, und dann noch so

irgend etwas Unbestimmtes. Ich möchte sogar wetten, daß Sie entweder

Schwede oder Norweger sind.“

„So?“

„Die Dänen erlernen nie unser a -- sie meckern. Und da Sie das nicht

tun --“

Allan nickte ohne die Hypothese des Fremden zu bestätigen. Allerdings

war er ja ziemlich groß und schlank, aber da er dunkel war, hätte ihn

das nicht verraten müssen, wenn seine Sprache es nicht besorgt hätte.

Der Mann mit dem Zwicker, der nun seine Suppe verzehrt hatte, beugte

sich vor und knüpfte die Konversation wieder an. Allan betrachtete

sein Gesicht, das energisch und intelligent war; die Augen unter den

Zwickergläsern schienen durchaus nicht von Kurzsichtigkeit geschwächt.

Es war unleugbar ein sympathisches Gesicht. Einmal, als der Fremde

nach einer Aeußerung, die er selbst gemacht hatte, in ein Gelächter

ausbrach, bemerkte Allan im Flug, daß einer seiner Backenzähne über

und über mit Gold plombiert war. Eigentümlicherweise grub sich dieser

kleine Zug, so wie es bei solchen kleinen Zügen oft der Fall ist,

in sein Gedächtnis ein; und obgleich er für den Augenblick kaum an

die Sache dachte -- er konnte ja nicht ahnen, daß er den Mann je

wiedersehen würde -- sollte es bei einer späteren Gelegenheit von einer

Bedeutung werden, die er jetzt unmöglich vorausahnen konnte. Plötzlich

merkte er, daß er so ganz damit beschäftigt gewesen war, den Fremden zu

beobachten, daß er ganz vergessen hatte, zuzuhören, was dieser sagte;

er zuckte zusammen, als er das Wort Paris mit fragender Betonung hörte

und nahm in der Eile an, daß sein Tischgenosse ihn gefragt hätte, wann

man dorthin käme.

„Ich weiß nicht,“ sagte er.

Der Mann mit dem goldgefaßten Zwicker sah ihn überrascht an.

„Sie wissen nicht, ob Sie nach Paris fahren?“ wiederholte er. „Dieser

Zug geht auf jeden Fall hin, wenn Sie es nicht wissen sollten!“

Allan wandelte eine plötzliche Lust an, mit sich selbst und seiner

heutigen Heldentat zu brillieren.

„+Das+ weiß ich,“ sagte er ernst. „Aber ich weiß hingegen nicht,

ob ich nach Paris fahre. Ich weiß es ebensowenig, als ich weiß, warum

ich überhaupt mit diesem Zug fahre.“

„Sie wissen nicht, warum Sie mit diesem Zug fahren?“

„Nein, oder warum ich überhaupt fahre.“

„Donnerwetter! Sie pflegen ganz einfach in einen Expreß einzusteigen,

ohne zu wissen, wohin er geht?“

„Ich habe es wenigstens heute morgen getan.“

„Donnerwetter! Darf ich fragen: Finden Sie bei solchen

Reisegewohnheiten Zeit zu vielem Packen?“

„Heute morgens nicht, das muß ich gestehen -- ich war gezwungen, mein

Gepäck in der Eile in Hamburg zurückzulassen.“

Und Allan ließ mit einer Gleichgültigkeit, eines Phileas Fogg würdig,

die rote Kontramarke aus dem Hamburger Hauptbahnhof durch die Luft

flattern. Nr. 374 stand in gotischem schwarzen Druck darauf. Der Fremde

starrte den Zettel und ihn mit einer Achtung an, die unter diesen

Verhältnissen höchst schmeichelhaft war, und trank nach noch einem

Donnerwetter einen Schluck aus seinem Rheinweinglas; Allan füllte es

mit Mäzengefühlen nach. Im selben Augenblicke kam der Fisch; nachdem

sich der Mann mit dem Zwicker vom Kellner hatte vorlegen lassen, nahm

er den Faden wieder auf.

„Verzeihen Sie, wenn ich indiskret bin: Sind Sie wirklich aus einer

bloßen Laune von Ihrem Gepäck mit einem Zug weggereist, an dem Sie kein

besonderes Interesse hatten?“

Er fixierte Allan, der jetzt gerade der Gegenstand der Obsorge des

Kellners war und für den Moment für nichts anderes Augen hatte als für

das Essen.

Es lag ein eigentümlicher Ausdruck der Spannung in den Augen des

Fremden; und wenn Allan aufgeblickt hätte, hätte er sehen können, wie

sein Visavis dem Kellner eine eigentümliche Grimasse schnitt: ein

Vorschieben der Lippen und zwei kurze Signale mit dem Kopf in der

Richtung nach Allan. Aber Allan hatte kein Auge für diese Grimasse,

und ebensowenig sah er, was darauf folgte: Der Kellner drehte hastig

den Kopf, fixierte ihn und zog die Augenbrauen in die Höhe, wobei er

den Mann mit dem goldgefaßten Zwicker ansah. Dieser formte hastig

ein Wort mit den Lippen, das der Kellner offenbar verstand, denn

er zog die Augenbrauen noch höher, und zum ersten Male während

des ganzen Mittagessens zitterte seine Hand. Das Ganze hatte kaum

fünfzehn Sekunden gedauert. Allan, der noch überlegte, ob er seinem

Tischkameraden die Episode mit der unbekannten Dame in Hamburg

mitteilen sollte, sah endlich auf.

„Eigentlich hatte ich einen Grund,“ sagte er, „mein Gepäck so im Stich

zu lassen, aber -- nun ja, ich weiß nicht recht, ob ich wagen kann, ihn

Ihnen zu erzählen. Aber es ist derselbe Grund, der mich veranlaßte,

diesen Expreßzug zu nehmen -- und der ist etwas delikater Natur.“

Der Herr mit dem Zwicker konnte gerade noch dem Kellner, der aufmerksam

gelauscht hatte, eine fast unmerkliche Geste machen, bevor dieser mit

den Schüsseln wieder verschwand. Dann hob er sein Glas.

„Gestatten Sie mir, zu fragen, ob Sie Bordeaux oder Burgunder

vorziehen,“ sagte er.

Yussuf Khans Heirat · 第 1 / 16 段