Abb. 483. Strafe für Räuber in China, wie sie früher üblich war.]

Die Chinesen sind im allgemeinen große +Feinschmecker+ und verfügen

aus diesem Grunde auch über eine +Unmasse von Delikatessen+, die unter

Umständen sich viel kostspieliger stellen als die teuersten Gerichte

unserer Speisekarte; aber für unseren Gaumen dürften die meisten von

ihnen grauen- und ekelerregend sein. Am höchsten werden Haifischflossen

geschätzt, beinahe ebenso getrocknete Austern und Vogelnestersuppe

(von einer Seeschwalbenart), deren Ruf bereits bis in die vornehmen

europäischen Gasthäuser gedrungen ist (wohl die teuerste Delikatesse

der Welt). Weitere beliebte Gerichte, die auf die chinesische Tafel

kommen, sind Tintenfische, künstlich, zumeist jahrzehntelang gereifte,

fälschlich faul genannte Eier, getrocknete Würmer, stinkende Fische,

Ratten-, Mäuse-, Katzen-, Hundebraten; daneben aber auch Schweinebraten

und eine Unmasse von Gemüsen und Früchten, von denen uns bittere

Melonen und Bambussprossen eigenartig anmuten. Für das Volk besteht

die Hauptnahrung in Reis, daneben aber kommen auch eine ganze Reihe

von Gemüsen, Wurzeln und Früchten sowie allerlei Erzeugnisse des

Meeres auf den Tisch, auch Seetang wird gern gegessen. Man nimmt den

Bissen mit langen Eßstäbchen aus Holz oder Elfenbein auf und führt ihn

damit auch zum Mund; Messer und Gabel kennen die Chinesen bei ihren

Tafelfreuden nicht. Die Getränkekarte ist bei ihnen sehr bescheiden;

die Weingewinnung kennen sie nicht. Wenn wir von dem Sekt absehen, der

bei den Diners der reichen Chinesen neuerdings mehr und mehr Eingang

findet, kennt man nur den warmen Reiswein, der auf keinem Tische fehlen

darf. Für die große Masse aber ist Tee das Hauptgetränk; in seiner

Zubereitung sind die Chinesen ja bekanntlich Meister. Wenig bekannt

dürfte sein, daß man aus Teeblättern auch einen schmackhaften Salat

bereitet.

Wir können den Abschnitt über die chinesische Küche nicht verlassen,

ohne noch einer schrecklichen Unsitte zu gedenken, die vordem in China

verbreitet gewesen sein muß, aber in gewisser Form bis in die jüngsten

Tage hinein noch ihr Dasein gefristet hat, nämlich das +Verzehren von

Menschenfleisch+. Besonders wird sie auf den Schlachtfeldern geübt, den

Beweis hierfür haben wir in verschiedenen der letzten Kriege erhalten.

Die Soldaten rissen den Schwerverwundeten Herz und Leber aus dem Körper

und verzehrten sie, oder, wenn solche im Übermaß vorhanden waren, so

daß sie sie nicht auf einmal aufessen konnten, trockneten sie dieselben

für später in der Sonne. Der Chinese hält nämlich diese Eingeweide, im

besonderen die Leber, für den Sitz des Mutes und glaubt dadurch, daß er

sie verzehrt, diesen auf den eigenen Körper zu übertragen. Vor kurzem

wurde noch berichtet, daß ein Ehepaar seine Schwiegermutter, weil sie

angeblich den Tod ihres Enkelkindes verschuldet hatte, tötete, das Herz

aus dem Leibe riß und den übrigen Körper in Stücke zerschnitt, die dann

gekocht und unter die Leute als Nahrungsmittel verkauft wurden. Zu

Zeiten großer Hungersnöte ist es allgemeiner Brauch, Menschenfleisch

nicht nur heimlich, sondern auch öffentlich zum Verkauf aufzubieten. --

Pietätvolle Kinder lassen sich als Kräftigungsmittel für ihre Eltern

Fleisch aus Arm und Bein schneiden. Damit berühren wir das Kapitel über

+chinesische Medizin+.

[Illustration:

Phot. Archibald Little.

Abb. 484. Chinesische Fischer mit Kormoranen an ihrer Bootspitze,

die zur Jagd auf Fische abgerichtet sind.]

Die Vorstellungen der chinesischen Ärzte über die einzelnen Organe des

Körpers sind nur mangelhafte und ganz schiefe. Aus Sektionen können sie

sich keinen Rat holen, da für einen Chinesen der Gedanke entsetzlich

ist, als Verstümmelter das Totenreich zu betreten. Die chinesische

Medizin kennt nur fünf Organe, die sie zu dem ganzen Weltall in eine

mystische Beziehung der Harmonie, beziehungsweise bei Erkranktsein,

der Disharmonie setzen. In jedem dieser Organe herrscht eines der fünf

Elemente (zum Beispiel im Herzen das Feuer) vor und jedes steht auch

noch mit einem der fünf Planeten, der fünf Tages- und Jahreszeiten und

der fünf Geschmacksarten in Verbindung. Auf Grund solcher verworrenen

Ansichten stellt der chinesische Arzt nun seine Diagnose. Er prüft

zu diesem Zweck das Gesicht, die Zunge, die Haare und so weiter, vor

allem den Puls. Letzterer entspricht an einer bestimmten Körperstelle

einem bestimmten Organ; es gibt zweihundert Pulsarten, aus deren

Beschaffenheit der Arzt nun die Krankheit erkennt und seine Anordnungen

trifft, die Angaben des Kranken sind ihm nebensächlich. Die Behandlung

besteht in dem Schlucken einer Unmasse von Medikamenten, die manchmal

höchst problematischer Natur sind und in ekelerregenden Stoffen

bestehen.

Das +Opiumrauchen+ ist ein über ganz China verbreitetes Laster, das

große Verheerungen in gesundheitlicher Hinsicht unter der Bevölkerung

angerichtet hat und daher mit Recht von der Regierung neuerdings aufs

schärfste verfolgt wird. Die Opiumraucher finden sich in bestimmten

Räumen, den sogenannten Opiumhöhlen, ein, auf deren Diwanen sie sich

niederlegen (Abb. 470). Aus dem Opiumbehälter nehmen sie ein Stückchen

von etwa Erbsengröße, trocknen es an der Flamme mittels einer Nadel

erst etwas aus, stecken es in den Pfeifenkopf, zünden die Masse an und

ziehen den Rauch in wenigen, aber tiefen Zügen bis in die Lungen ein.

Die Anzahl der Pfeifen, deren ein Raucher nötig hat, um sich in den

gewünschten Zustand von Wohlbehagen zu versetzen, ist nach dem Grade

der Angewöhnung sehr verschieden; ein Chinese, der dreißig bis vierzig

Pfeifen am Tage raucht, wird noch als mäßiger Raucher angesehen.

Die Chinesen sind tüchtige +Handwerker+, die besonders auf dem

Gebiete der Seidenindustrie, sowie der Herstellung von ausgelegten

Gegenständen, Bronzen, feinem Porzellan, Papier, Lackarbeiten und

Schnitzereien Vorzügliches und direkt Künstlerisches leisten. Auch in

der Industrie zeigt sich wieder das Festhalten am Althergebrachten,

denn die Herstellungsmethoden sind zumeist noch sehr primitive. -- Von

der +Landwirtschaft+ der Chinesen war bereits oben die Rede. Sie geben

sich auch mit der Züchtung bizarrer Zwergbäume ab, die in Blumentöpfen

weiter gedeihen. Interessant ist das Fangen der Fische mittels

abgerichteter Kormorane vom Boot aus (Abb. 484).

[Illustration:

Phot. N. P. Edwards, Littlehampton.

Abb. 485. Chinesischer Wachmann,

der entgegen dem Gebrauch bei uns sich durch ein Gong bemerkbar macht,

um den Dieb zu warnen.]

Die +Rechtspflege+ in China ist eine sehr traurige. Es gibt weder

Richter, noch Verteidiger, noch Staatsanwälte. Der Mandarin des Ortes

oder des Bezirkes übt allein das richterliche Amt in öffentlicher

Sitzung aus und verhängt die Strafen; über Todesstrafe verfügt allein

der Kaiser. Die gewöhnlichsten Strafen sind Stockhiebe, auch häufig

bestehen sie in dem Kangtragen. Der Kang (Abb. 480) sind zwei schwere

Bretter, die, mit Ausschnitten an der Innenseite versehen, um den Hals

des Verbrechers, ähnlich wie eine mittelalterliche Halskrause, gelegt

werden. Dieses Werkzeug, das gegen fünfzehn Kilogramm wiegt, muß für

die ganze Dauer der Strafe, manchmal monatelang getragen werden. Dazu

kommen als weitere Strafmittel allerlei Marterwerkzeuge, wie Daumen-

und Beinschrauben und so weiter (Abb. 483). Oft übt das Volk auch

Lynchjustiz aus und hängt den Übeltäter an einem Baume auf, ohne ihm

ernstlich Schaden dabei zu tun; in dieser lächerlichen Haltung ist er

für eine halbe Stunde dem Gespötte der Vorübergehenden preisgegeben

(Abb. 486). -- Wie die chinesischen Gebräuche auch sonst vielfach im

direkten Gegensatze zu den unserigen stehen, so sehen wir auch den

chinesischen Polizisten sich durch eine Trommel, die er anschlägt, dem

Verbrecher bemerkbar machen (Abb. 485).

[Illustration:

Phot. F. W. Carey.

Abb. 486. Strafe für einen Hühnerdieb in Yünnan,

der so aufgehängt dem Gespötte der Vorübergehenden ausgesetzt wird.]

In China gibt es drei Religionen, zwei volkstümliche, den

Konfuzianismus und den Taoismus, und eine von auswärts eingeführte,

den Buddhismus. Konfuzius (geboren 551 vor Christo), chinesisch

Kung-fu-tse, das heißt Kung, der heilige Meister, schuf die nach ihm

benannte Lehre; eigentlich erfand er sie nicht, sondern sammelte in den

ihm zugeschriebenen heiligen Büchern (Khing und Shu) die alten von der

Urzeit an überlieferten religiösen Ansichten des Volkes, die nicht eine

Religion im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr Lebensweisheit und

Moraltheologie vorstellen. Der Taoismus rührt von Laot-se (geboren 604

vor Christi Geburt) her; seine in dem Tao-teh King niedergelegte Lehre

beschäftigt sich vorzugsweise mit dem Tao, das ist dem geraden Wege,

was sich vielleicht mit Vernunft oder Natur übersetzen läßt. Während

diese beiden Religionssysteme auf chinesischem Boden entsprossen sind,

drang der Buddhismus als eine fremde Religion im ersten Jahrhundert

nach Christo aus Indien in China ein. Kaiser Ming-ti erkannte im

Jahre 65 diese neue Lehre als dritte Staatsreligion für sein Reich

an. Alle drei Religionen wirken in China friedlich nebeneinander.

Dabei leben aber auch noch animistische Vorstellungen im Volke fort

von Baumanbetungen und Verehrung der Wasser- und Windgeister (Feng

Shui) (Abb. 487). Die Furcht vor bösen Geistern macht sich vielfach

in den Gewohnheiten der Chinesen bemerkbar, so unter anderem darin,

daß sie vor jeden Hauseingang einen Wandschirm stellen oder die Tür

nur in einem bestimmten Winkel offenstehen lassen in der Annahme,

daß alle bösen Geister geradeaus gehen und bei dieser Anordnung

schwer den Eingang finden. Vor allem zeigt sich der Ausfluß des alten

Dämonenglaubens in den Gebräuchen bei der Geburt eines Kindes.

[Illustration:

Phot. Arthur Sowerby.

Abb. 487. Dorfgottheiten in Schansi.

Ein häufiger Brauch in Schansi ist, daß Götter zwei Dörfern angehören.

Sie werden in dem Tempel des einen Dorfes sechs Monate aufgestellt, um

dann in demjenigen des anderen untergebracht zu werden.]

[Illustration:

Aus Hardy, John Chinaman at Home.

Abb. 488. Reich verzierte Hochzeitssänfte,

die von dem Bräutigam ins Haus der Braut gesandt wird, um diese

abzuholen.]

[Illustration:

Aus Reitzenstein, Liebe und Ehe.

Abb. 489. Schmückung einer chinesischen Braut.

Sie erhält unter anderem Blumen, an denen zwei Knabenpuppen, die eine

grün, die andere rot, beide mit einem Kürbis in der Hand, hängen -- ein

Symbol der Fruchtbarkeit. Der Bräutigam betritt das Zimmer und nimmt

neben der Braut Platz.

(Malerei auf Seide. Museum für Völkerkunde, Berlin.)]

Die +Geburt+ geht unter Beihilfe einer Hebamme vor sich. Diese

Frauen pflegen ihre Tätigkeit durch ein bemaltes Schild vor ihrem

Wohnhause bekannt zu machen, das auf der Vorderseite diese ihre

Beschäftigung („Empfangsfrau“) kundgibt und auf der Rückseite irgend

einen glückverheißenden Spruch oder eine geschickte Anpreisung ihrer

gesegneten Tätigkeit, wie „flinkes Roß“ oder „leichtes Gefährt“

enthält. Bei jeder Geburt spielen Amulette eine große Rolle, um die

bösen Geister zu bannen. So zieht die Gebärende besondere Strümpfe an,

die der Dalai Lama eingesegnet hat, oder verschluckt Pillen aus Papier,

auf dem Zaubersprüche geschrieben stehen, oder man hängt in ihrer Nähe

zwei Zauberschwerter auf, das sind zwei Stäbe in Schwertform, die

sich aus etwa hundert aufeinander gereihten, womöglich recht alten,

Kashmünzen, zusammensetzen. Die +Nabelschnur+ wird von der Hebamme in

eine Holzkohle enthaltende Urne getan, die man sorgfältig versiegelt

und zehn Jahre hindurch, mitunter auch das ganze Leben lang, aufbewahrt

und im letzteren Falle mit ins Grab gibt. Manchmal wird sie auch

getrocknet, um pulverisiert dem Kinde bei Blattern als Heilmittel

gegeben zu werden. Die +Nachgeburt+ muß von der Mutter der Wöchnerin,

oder falls diese nicht mehr am Leben ist, von der ältesten Schwägerin

am dritten Tage nach der Niederkunft unter einem Steine vergraben

werden, damit sie niemand findet. Denn da sie ein von Apothekern sehr

gesuchter Artikel ist, um daraus ein Heilmittel zur „Herstellung der

Lebenskraft“ anzufertigen, so wird sie häufig gestohlen. Man gibt das

Mittel auch einer Schwangeren vor der Entbindung ein. Einem scheintoten

Kinde wird ein mit Öl getränktes Stück Papier auf den Nabel gelegt

und angebrannt, damit die dabei sich entwickelnde Hitze durch den Nabel

in den Magen ziehe und die Lebensgeister erwärme. Nach der Geburt

werden rote Kerzen in der Wochenstube angezündet und die Anwesenden

bemühen sich, nur Angenehmes zu erzählen, denn der neue Erdenbürger

darf nur Freudiges hören und sich nicht erschrecken. Die +Wöchnerin+

gilt für kürzere oder längere Zeit als unrein; kein männliches Wesen

und kein Fremder dürfen in ihre Stube kommen. Zum Zeichen dessen

hängt man an einem der Türklopfer ein Schloß auf und teilt auf einem

Stück roten Papiers mit, daß ein Knabe oder ein Mädchen angekommen

ist. Kein Mensch wird dann wagen einzutreten. Der Vater sieht sofort

nach der Geburt im Kalender nach, ob die Stunde günstig ist. Erblickt

ein Knabe um die Mittagstunde das Licht der Welt, dann wird er nicht

nur am Leben bleiben, sondern auch ein bedeutender Mann werden;

ein Mädchen dagegen wird sterben. Wird ein solches um Mitternacht

geboren, dann wird es wohl sein Leben behalten, aber unglücklich

werden; ein Knabe aber wird beständig Freude im Leben haben. Am

dritten Tage gibt man dem Kinde den ersten Namen, den sogenannten

Milchnamen (im Gegensatz zu dem Familiennamen), der meistens auf

irgend ein Ereignis, das bei der Geburt auffiel, zum Beispiel starken

Regen, Bezug nimmt. Geht der Knabe zur Schule, dann erhält er den

Schulnamen, manchmal wechselt er auch diesen noch, während Mädchen

Zeit ihres Lebens denselben Vornamen führen. Am achtundzwanzigsten

Tage wird ein großes Fest gefeiert, zu dem die Freunde sich mit ihren

Glückwünschen und Geschenken einfinden. Die Mutter überreicht dem

Vater das Kind, der es als das seine anerkennt. Es wird auch am Kopfe

rasiert, nur zwei kleine Büschel bleiben an den Schläfen stehen. Um den

Einfluß böser Geister zu bannen, wird an ihm noch die Zeremonie des

Tordurchschreitens vorgenommen. Es wird unter lauten Zymbalschlägen in

feierlichem Zug durch einen Torrahmen getragen, der mitten in einem

Zimmer aufgestellt ist, und erhält Speisen, Papiergeld und so weiter

angeboten. Hat das Kind das erste Lebensjahr vollendet, dann werden

neue Opferspenden dargebracht und daran anschließend ein neues Fest

veranstaltet. Nachdem Räucherkerzen angezündet worden sind, breitet

man vor den Ahnentafeln auf einer Platte im Kreise eine Geldwage, ein

Buch, Schmucksachen und so weiter aus, setzt das Kind mitten hinein und

beobachtet, welchem Stück es seine besondere Aufmerksamkeit zuwendet;

man schließt daraus auf seinen zukünftigen Beruf. Nach vollendetem

zehnten Jahre wird wiederum ein Fest abgehalten, und dies wiederholt

sich alle Dezennien. Die Kleider für ganz junge Kinder werden nach

dem Muster der Priesterkleidung angefertigt; hierdurch, wie durch

alle möglichen Zaubermittel, Glücksächelchen und Bildnisse besonderer

Schutzgottheiten, die man ihnen umhängt, soll der Schutz der Götter

gewonnen werden. Beständig ist die Mutter darauf bedacht, daß dem Kinde

ein böser Geist nichts antue. Aus diesem Grunde wird manchmal ein

Knabe als Mädchen und ein Mädchen als Knabe angezogen, um die Geister

irrezuführen.

[Illustration:

Aus Reitzenstein, Liebe und Ehe.

Abb. 490. Chinesischer Brautzug nach dem Hause des Bräutigams.

Die erste Sänfte enthält die Braut, die zweite die Brautmutter. Die

Braut wird dabei in einer roten Sänfte getragen. Die vorangehenden

Laternenträger sind bei den oberen Gesellschaftsklassen mit

rotpunktierten grünen Röcken, bei den übrigen mit schwarzen Röcken

bekleidet.

(Malerei auf Seide. Museum für Völkerkunde, Berlin.)]

Mit sieben Jahren beginnt für die Knaben der erste +Unterricht+, der

in dem Lesenlernen und Schreiben der Tausende von Schriftzeichen und

in dem Auswendiglernen klassischer Bücher besteht. Nach einigen Jahren

wird ihnen die höhere Bildung zuteil, insofern sie über Abfassung

von Briefen, behördlichen Verordnungen, Kontrakten und so weiter

Unterweisung empfangen und sich mit literarischen Kompositionen und

poetischen Erzeugnissen beschäftigen. Nach abgeschlossenem Bildungsgang

legen die jungen Leute ihre +Examina+ ab, zu denen ein jeder, mit

wenigen Ausnahmen, wie zum Beispiel die Barbiere und Schauspieler,

zugelassen wird. Es ist dies eine uralte Einrichtung, die bereits

auf ein mehr als tausend Jahre langes Alter zurückblickt. In vielen

Gegenden legen die Kandidaten, wenn sie in Ehren bestanden haben, ein

besonderes Gewand an, das mit vielen Bändern geschmückt ist, gehen

umher, machen bei ihren Bekannten Besuche und nehmen deren Glückwünsche

entgegen. Über dem Haupteingang des Hauses, in dem sie wohnen, wird

ihr Name und akademischer Rang mit großen goldverzierten Buchstaben

aufgetragen, ein sinnreicher Tribut an die Gelehrsamkeit, durch den

in die Eintönigkeit der schmalen Straßen etwas Abwechslung gebracht

wird. Neuerdings beginnen mehr und mehr europäische Erziehungsmethoden

in China Eingang zu finden, auch der Mädchenbildung wird jetzt mehr

Beachtung geschenkt. Man läßt den Mädchen bis zu einem gewissen Grade

auch schon eine Erziehung zuteil werden, das heißt ihnen Unterricht

im Lesen und Schreiben, sowie in der Anfertigung von Handarbeiten, im

besonderen Sticken geben. Bis dahin beschränkte sich ihre Ausbildung in

dem Einüben von Begrüßungen, Verbeugungen und anderen Förmlichkeiten.

In Südchina schickt man die Mädchen sogar in Pensionate.

[Illustration:

Phot. Messrs. Thomson.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 205 / 207 题