Die Chinesen sind im allgemeinen große +Feinschmecker+ und verfügen
aus diesem Grunde auch über eine +Unmasse von Delikatessen+, die unter
Umständen sich viel kostspieliger stellen als die teuersten Gerichte
unserer Speisekarte; aber für unseren Gaumen dürften die meisten von
ihnen grauen- und ekelerregend sein. Am höchsten werden Haifischflossen
geschätzt, beinahe ebenso getrocknete Austern und Vogelnestersuppe
(von einer Seeschwalbenart), deren Ruf bereits bis in die vornehmen
europäischen Gasthäuser gedrungen ist (wohl die teuerste Delikatesse
der Welt). Weitere beliebte Gerichte, die auf die chinesische Tafel
kommen, sind Tintenfische, künstlich, zumeist jahrzehntelang gereifte,
fälschlich faul genannte Eier, getrocknete Würmer, stinkende Fische,
Ratten-, Mäuse-, Katzen-, Hundebraten; daneben aber auch Schweinebraten
und eine Unmasse von Gemüsen und Früchten, von denen uns bittere
Melonen und Bambussprossen eigenartig anmuten. Für das Volk besteht
die Hauptnahrung in Reis, daneben aber kommen auch eine ganze Reihe
von Gemüsen, Wurzeln und Früchten sowie allerlei Erzeugnisse des
Meeres auf den Tisch, auch Seetang wird gern gegessen. Man nimmt den
Bissen mit langen Eßstäbchen aus Holz oder Elfenbein auf und führt ihn
damit auch zum Mund; Messer und Gabel kennen die Chinesen bei ihren
Tafelfreuden nicht. Die Getränkekarte ist bei ihnen sehr bescheiden;
die Weingewinnung kennen sie nicht. Wenn wir von dem Sekt absehen, der
bei den Diners der reichen Chinesen neuerdings mehr und mehr Eingang
findet, kennt man nur den warmen Reiswein, der auf keinem Tische fehlen
darf. Für die große Masse aber ist Tee das Hauptgetränk; in seiner
Zubereitung sind die Chinesen ja bekanntlich Meister. Wenig bekannt
dürfte sein, daß man aus Teeblättern auch einen schmackhaften Salat
bereitet.
Wir können den Abschnitt über die chinesische Küche nicht verlassen,
ohne noch einer schrecklichen Unsitte zu gedenken, die vordem in China
verbreitet gewesen sein muß, aber in gewisser Form bis in die jüngsten
Tage hinein noch ihr Dasein gefristet hat, nämlich das +Verzehren von
Menschenfleisch+. Besonders wird sie auf den Schlachtfeldern geübt, den
Beweis hierfür haben wir in verschiedenen der letzten Kriege erhalten.
Die Soldaten rissen den Schwerverwundeten Herz und Leber aus dem Körper
und verzehrten sie, oder, wenn solche im Übermaß vorhanden waren, so
daß sie sie nicht auf einmal aufessen konnten, trockneten sie dieselben
für später in der Sonne. Der Chinese hält nämlich diese Eingeweide, im
besonderen die Leber, für den Sitz des Mutes und glaubt dadurch, daß er
sie verzehrt, diesen auf den eigenen Körper zu übertragen. Vor kurzem
wurde noch berichtet, daß ein Ehepaar seine Schwiegermutter, weil sie
angeblich den Tod ihres Enkelkindes verschuldet hatte, tötete, das Herz
aus dem Leibe riß und den übrigen Körper in Stücke zerschnitt, die dann
gekocht und unter die Leute als Nahrungsmittel verkauft wurden. Zu
Zeiten großer Hungersnöte ist es allgemeiner Brauch, Menschenfleisch
nicht nur heimlich, sondern auch öffentlich zum Verkauf aufzubieten. --
Pietätvolle Kinder lassen sich als Kräftigungsmittel für ihre Eltern
Fleisch aus Arm und Bein schneiden. Damit berühren wir das Kapitel über
+chinesische Medizin+.
[Illustration:
Phot. Archibald Little.
Abb. 484. Chinesische Fischer mit Kormoranen an ihrer Bootspitze,
die zur Jagd auf Fische abgerichtet sind.]
Die Vorstellungen der chinesischen Ärzte über die einzelnen Organe des
Körpers sind nur mangelhafte und ganz schiefe. Aus Sektionen können sie
sich keinen Rat holen, da für einen Chinesen der Gedanke entsetzlich
ist, als Verstümmelter das Totenreich zu betreten. Die chinesische
Medizin kennt nur fünf Organe, die sie zu dem ganzen Weltall in eine
mystische Beziehung der Harmonie, beziehungsweise bei Erkranktsein,
der Disharmonie setzen. In jedem dieser Organe herrscht eines der fünf
Elemente (zum Beispiel im Herzen das Feuer) vor und jedes steht auch
noch mit einem der fünf Planeten, der fünf Tages- und Jahreszeiten und
der fünf Geschmacksarten in Verbindung. Auf Grund solcher verworrenen
Ansichten stellt der chinesische Arzt nun seine Diagnose. Er prüft
zu diesem Zweck das Gesicht, die Zunge, die Haare und so weiter, vor
allem den Puls. Letzterer entspricht an einer bestimmten Körperstelle
einem bestimmten Organ; es gibt zweihundert Pulsarten, aus deren
Beschaffenheit der Arzt nun die Krankheit erkennt und seine Anordnungen
trifft, die Angaben des Kranken sind ihm nebensächlich. Die Behandlung
besteht in dem Schlucken einer Unmasse von Medikamenten, die manchmal
höchst problematischer Natur sind und in ekelerregenden Stoffen
bestehen.
Das +Opiumrauchen+ ist ein über ganz China verbreitetes Laster, das
große Verheerungen in gesundheitlicher Hinsicht unter der Bevölkerung
angerichtet hat und daher mit Recht von der Regierung neuerdings aufs
schärfste verfolgt wird. Die Opiumraucher finden sich in bestimmten
Räumen, den sogenannten Opiumhöhlen, ein, auf deren Diwanen sie sich
niederlegen (Abb. 470). Aus dem Opiumbehälter nehmen sie ein Stückchen
von etwa Erbsengröße, trocknen es an der Flamme mittels einer Nadel
erst etwas aus, stecken es in den Pfeifenkopf, zünden die Masse an und
ziehen den Rauch in wenigen, aber tiefen Zügen bis in die Lungen ein.
Die Anzahl der Pfeifen, deren ein Raucher nötig hat, um sich in den
gewünschten Zustand von Wohlbehagen zu versetzen, ist nach dem Grade
der Angewöhnung sehr verschieden; ein Chinese, der dreißig bis vierzig
Pfeifen am Tage raucht, wird noch als mäßiger Raucher angesehen.
Die Chinesen sind tüchtige +Handwerker+, die besonders auf dem
Gebiete der Seidenindustrie, sowie der Herstellung von ausgelegten
Gegenständen, Bronzen, feinem Porzellan, Papier, Lackarbeiten und
Schnitzereien Vorzügliches und direkt Künstlerisches leisten. Auch in
der Industrie zeigt sich wieder das Festhalten am Althergebrachten,
denn die Herstellungsmethoden sind zumeist noch sehr primitive. -- Von
der +Landwirtschaft+ der Chinesen war bereits oben die Rede. Sie geben
sich auch mit der Züchtung bizarrer Zwergbäume ab, die in Blumentöpfen
weiter gedeihen. Interessant ist das Fangen der Fische mittels
abgerichteter Kormorane vom Boot aus (Abb. 484).
[Illustration:
Phot. N. P. Edwards, Littlehampton.
Abb. 485. Chinesischer Wachmann,
der entgegen dem Gebrauch bei uns sich durch ein Gong bemerkbar macht,
um den Dieb zu warnen.]
Die +Rechtspflege+ in China ist eine sehr traurige. Es gibt weder
Richter, noch Verteidiger, noch Staatsanwälte. Der Mandarin des Ortes
oder des Bezirkes übt allein das richterliche Amt in öffentlicher
Sitzung aus und verhängt die Strafen; über Todesstrafe verfügt allein
der Kaiser. Die gewöhnlichsten Strafen sind Stockhiebe, auch häufig
bestehen sie in dem Kangtragen. Der Kang (Abb. 480) sind zwei schwere
Bretter, die, mit Ausschnitten an der Innenseite versehen, um den Hals
des Verbrechers, ähnlich wie eine mittelalterliche Halskrause, gelegt
werden. Dieses Werkzeug, das gegen fünfzehn Kilogramm wiegt, muß für
die ganze Dauer der Strafe, manchmal monatelang getragen werden. Dazu
kommen als weitere Strafmittel allerlei Marterwerkzeuge, wie Daumen-
und Beinschrauben und so weiter (Abb. 483). Oft übt das Volk auch
Lynchjustiz aus und hängt den Übeltäter an einem Baume auf, ohne ihm
ernstlich Schaden dabei zu tun; in dieser lächerlichen Haltung ist er
für eine halbe Stunde dem Gespötte der Vorübergehenden preisgegeben
(Abb. 486). -- Wie die chinesischen Gebräuche auch sonst vielfach im
direkten Gegensatze zu den unserigen stehen, so sehen wir auch den
chinesischen Polizisten sich durch eine Trommel, die er anschlägt, dem
Verbrecher bemerkbar machen (Abb. 485).
[Illustration:
Phot. F. W. Carey.
Abb. 486. Strafe für einen Hühnerdieb in Yünnan,
der so aufgehängt dem Gespötte der Vorübergehenden ausgesetzt wird.]
In China gibt es drei Religionen, zwei volkstümliche, den
Konfuzianismus und den Taoismus, und eine von auswärts eingeführte,
den Buddhismus. Konfuzius (geboren 551 vor Christo), chinesisch
Kung-fu-tse, das heißt Kung, der heilige Meister, schuf die nach ihm
benannte Lehre; eigentlich erfand er sie nicht, sondern sammelte in den
ihm zugeschriebenen heiligen Büchern (Khing und Shu) die alten von der
Urzeit an überlieferten religiösen Ansichten des Volkes, die nicht eine
Religion im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr Lebensweisheit und
Moraltheologie vorstellen. Der Taoismus rührt von Laot-se (geboren 604
vor Christi Geburt) her; seine in dem Tao-teh King niedergelegte Lehre
beschäftigt sich vorzugsweise mit dem Tao, das ist dem geraden Wege,
was sich vielleicht mit Vernunft oder Natur übersetzen läßt. Während
diese beiden Religionssysteme auf chinesischem Boden entsprossen sind,
drang der Buddhismus als eine fremde Religion im ersten Jahrhundert
nach Christo aus Indien in China ein. Kaiser Ming-ti erkannte im
Jahre 65 diese neue Lehre als dritte Staatsreligion für sein Reich
an. Alle drei Religionen wirken in China friedlich nebeneinander.
Dabei leben aber auch noch animistische Vorstellungen im Volke fort
von Baumanbetungen und Verehrung der Wasser- und Windgeister (Feng
Shui) (Abb. 487). Die Furcht vor bösen Geistern macht sich vielfach
in den Gewohnheiten der Chinesen bemerkbar, so unter anderem darin,
daß sie vor jeden Hauseingang einen Wandschirm stellen oder die Tür
nur in einem bestimmten Winkel offenstehen lassen in der Annahme,
daß alle bösen Geister geradeaus gehen und bei dieser Anordnung
schwer den Eingang finden. Vor allem zeigt sich der Ausfluß des alten
Dämonenglaubens in den Gebräuchen bei der Geburt eines Kindes.
[Illustration:
Phot. Arthur Sowerby.
Abb. 487. Dorfgottheiten in Schansi.
Ein häufiger Brauch in Schansi ist, daß Götter zwei Dörfern angehören.
Sie werden in dem Tempel des einen Dorfes sechs Monate aufgestellt, um
dann in demjenigen des anderen untergebracht zu werden.]
[Illustration:
Aus Hardy, John Chinaman at Home.
Abb. 488. Reich verzierte Hochzeitssänfte,
die von dem Bräutigam ins Haus der Braut gesandt wird, um diese
abzuholen.]
[Illustration:
Aus Reitzenstein, Liebe und Ehe.
Abb. 489. Schmückung einer chinesischen Braut.
Sie erhält unter anderem Blumen, an denen zwei Knabenpuppen, die eine
grün, die andere rot, beide mit einem Kürbis in der Hand, hängen -- ein
Symbol der Fruchtbarkeit. Der Bräutigam betritt das Zimmer und nimmt
neben der Braut Platz.
(Malerei auf Seide. Museum für Völkerkunde, Berlin.)]
Die +Geburt+ geht unter Beihilfe einer Hebamme vor sich. Diese
Frauen pflegen ihre Tätigkeit durch ein bemaltes Schild vor ihrem
Wohnhause bekannt zu machen, das auf der Vorderseite diese ihre
Beschäftigung („Empfangsfrau“) kundgibt und auf der Rückseite irgend
einen glückverheißenden Spruch oder eine geschickte Anpreisung ihrer
gesegneten Tätigkeit, wie „flinkes Roß“ oder „leichtes Gefährt“
enthält. Bei jeder Geburt spielen Amulette eine große Rolle, um die
bösen Geister zu bannen. So zieht die Gebärende besondere Strümpfe an,
die der Dalai Lama eingesegnet hat, oder verschluckt Pillen aus Papier,
auf dem Zaubersprüche geschrieben stehen, oder man hängt in ihrer Nähe
zwei Zauberschwerter auf, das sind zwei Stäbe in Schwertform, die
sich aus etwa hundert aufeinander gereihten, womöglich recht alten,
Kashmünzen, zusammensetzen. Die +Nabelschnur+ wird von der Hebamme in
eine Holzkohle enthaltende Urne getan, die man sorgfältig versiegelt
und zehn Jahre hindurch, mitunter auch das ganze Leben lang, aufbewahrt
und im letzteren Falle mit ins Grab gibt. Manchmal wird sie auch
getrocknet, um pulverisiert dem Kinde bei Blattern als Heilmittel
gegeben zu werden. Die +Nachgeburt+ muß von der Mutter der Wöchnerin,
oder falls diese nicht mehr am Leben ist, von der ältesten Schwägerin
am dritten Tage nach der Niederkunft unter einem Steine vergraben
werden, damit sie niemand findet. Denn da sie ein von Apothekern sehr
gesuchter Artikel ist, um daraus ein Heilmittel zur „Herstellung der
Lebenskraft“ anzufertigen, so wird sie häufig gestohlen. Man gibt das
Mittel auch einer Schwangeren vor der Entbindung ein. Einem scheintoten
Kinde wird ein mit Öl getränktes Stück Papier auf den Nabel gelegt
und angebrannt, damit die dabei sich entwickelnde Hitze durch den Nabel
in den Magen ziehe und die Lebensgeister erwärme. Nach der Geburt
werden rote Kerzen in der Wochenstube angezündet und die Anwesenden
bemühen sich, nur Angenehmes zu erzählen, denn der neue Erdenbürger
darf nur Freudiges hören und sich nicht erschrecken. Die +Wöchnerin+
gilt für kürzere oder längere Zeit als unrein; kein männliches Wesen
und kein Fremder dürfen in ihre Stube kommen. Zum Zeichen dessen
hängt man an einem der Türklopfer ein Schloß auf und teilt auf einem
Stück roten Papiers mit, daß ein Knabe oder ein Mädchen angekommen
ist. Kein Mensch wird dann wagen einzutreten. Der Vater sieht sofort
nach der Geburt im Kalender nach, ob die Stunde günstig ist. Erblickt
ein Knabe um die Mittagstunde das Licht der Welt, dann wird er nicht
nur am Leben bleiben, sondern auch ein bedeutender Mann werden;
ein Mädchen dagegen wird sterben. Wird ein solches um Mitternacht
geboren, dann wird es wohl sein Leben behalten, aber unglücklich
werden; ein Knabe aber wird beständig Freude im Leben haben. Am
dritten Tage gibt man dem Kinde den ersten Namen, den sogenannten
Milchnamen (im Gegensatz zu dem Familiennamen), der meistens auf
irgend ein Ereignis, das bei der Geburt auffiel, zum Beispiel starken
Regen, Bezug nimmt. Geht der Knabe zur Schule, dann erhält er den
Schulnamen, manchmal wechselt er auch diesen noch, während Mädchen
Zeit ihres Lebens denselben Vornamen führen. Am achtundzwanzigsten
Tage wird ein großes Fest gefeiert, zu dem die Freunde sich mit ihren
Glückwünschen und Geschenken einfinden. Die Mutter überreicht dem
Vater das Kind, der es als das seine anerkennt. Es wird auch am Kopfe
rasiert, nur zwei kleine Büschel bleiben an den Schläfen stehen. Um den
Einfluß böser Geister zu bannen, wird an ihm noch die Zeremonie des
Tordurchschreitens vorgenommen. Es wird unter lauten Zymbalschlägen in
feierlichem Zug durch einen Torrahmen getragen, der mitten in einem
Zimmer aufgestellt ist, und erhält Speisen, Papiergeld und so weiter
angeboten. Hat das Kind das erste Lebensjahr vollendet, dann werden
neue Opferspenden dargebracht und daran anschließend ein neues Fest
veranstaltet. Nachdem Räucherkerzen angezündet worden sind, breitet
man vor den Ahnentafeln auf einer Platte im Kreise eine Geldwage, ein
Buch, Schmucksachen und so weiter aus, setzt das Kind mitten hinein und
beobachtet, welchem Stück es seine besondere Aufmerksamkeit zuwendet;
man schließt daraus auf seinen zukünftigen Beruf. Nach vollendetem
zehnten Jahre wird wiederum ein Fest abgehalten, und dies wiederholt
sich alle Dezennien. Die Kleider für ganz junge Kinder werden nach
dem Muster der Priesterkleidung angefertigt; hierdurch, wie durch
alle möglichen Zaubermittel, Glücksächelchen und Bildnisse besonderer
Schutzgottheiten, die man ihnen umhängt, soll der Schutz der Götter
gewonnen werden. Beständig ist die Mutter darauf bedacht, daß dem Kinde
ein böser Geist nichts antue. Aus diesem Grunde wird manchmal ein
Knabe als Mädchen und ein Mädchen als Knabe angezogen, um die Geister
irrezuführen.
[Illustration:
Aus Reitzenstein, Liebe und Ehe.
Abb. 490. Chinesischer Brautzug nach dem Hause des Bräutigams.
Die erste Sänfte enthält die Braut, die zweite die Brautmutter. Die
Braut wird dabei in einer roten Sänfte getragen. Die vorangehenden
Laternenträger sind bei den oberen Gesellschaftsklassen mit
rotpunktierten grünen Röcken, bei den übrigen mit schwarzen Röcken
bekleidet.
(Malerei auf Seide. Museum für Völkerkunde, Berlin.)]
Mit sieben Jahren beginnt für die Knaben der erste +Unterricht+, der
in dem Lesenlernen und Schreiben der Tausende von Schriftzeichen und
in dem Auswendiglernen klassischer Bücher besteht. Nach einigen Jahren
wird ihnen die höhere Bildung zuteil, insofern sie über Abfassung
von Briefen, behördlichen Verordnungen, Kontrakten und so weiter
Unterweisung empfangen und sich mit literarischen Kompositionen und
poetischen Erzeugnissen beschäftigen. Nach abgeschlossenem Bildungsgang
legen die jungen Leute ihre +Examina+ ab, zu denen ein jeder, mit
wenigen Ausnahmen, wie zum Beispiel die Barbiere und Schauspieler,
zugelassen wird. Es ist dies eine uralte Einrichtung, die bereits
auf ein mehr als tausend Jahre langes Alter zurückblickt. In vielen
Gegenden legen die Kandidaten, wenn sie in Ehren bestanden haben, ein
besonderes Gewand an, das mit vielen Bändern geschmückt ist, gehen
umher, machen bei ihren Bekannten Besuche und nehmen deren Glückwünsche
entgegen. Über dem Haupteingang des Hauses, in dem sie wohnen, wird
ihr Name und akademischer Rang mit großen goldverzierten Buchstaben
aufgetragen, ein sinnreicher Tribut an die Gelehrsamkeit, durch den
in die Eintönigkeit der schmalen Straßen etwas Abwechslung gebracht
wird. Neuerdings beginnen mehr und mehr europäische Erziehungsmethoden
in China Eingang zu finden, auch der Mädchenbildung wird jetzt mehr
Beachtung geschenkt. Man läßt den Mädchen bis zu einem gewissen Grade
auch schon eine Erziehung zuteil werden, das heißt ihnen Unterricht
im Lesen und Schreiben, sowie in der Anfertigung von Handarbeiten, im
besonderen Sticken geben. Bis dahin beschränkte sich ihre Ausbildung in
dem Einüben von Begrüßungen, Verbeugungen und anderen Förmlichkeiten.
In Südchina schickt man die Mädchen sogar in Pensionate.
[Illustration:
Phot. Messrs. Thomson.