Der Chinese +kleidet+ sich in unten zusammengeschnürte Beinkleider
und ein langes, rockartiges Obergewand, das je nach der Jahreszeit
von verschiedener Dicke (im Winter wattiert) ist, eventuell durch
Überziehen weiterer Gewänder verstärkt wird (Abb. 471 und 473). Auch
die kleinen Kinder packt man bereits in stark wattierte Kleider ein,
so daß sie beinahe ebenso breit wie lang aussehen und, wenn sie einmal
hingefallen sind, ohne Hilfe nicht aufzustehen vermögen, sondern wie
ein Häuflein Unglück liegen bleiben. -- Die chinesische Kleidung hat
den Nachteil, daß sie ein schnelles Vorwärtsschreiten nicht gestattet.
Da außerdem der Chinese sehr bequem ist, zumal er mit dem Alter auch
recht behäbig wird, so ziehen es wohlhabendere Leute vor, sich entweder
auf einem Karren (Nordchina) ziehen oder in einer Sänfte (Südchina)
tragen zu lassen. Für jeden Rang der Zivil- und Militärbehörden sind
besondere Abzeichen Vorschrift. Unterschiede in der Stickerei vorn
oder hinten auf der Jacke oder am Rock sowie in der Farbe des Knopfes
oben auf dem Hut deuten die Rangabzeichen an, die niemand tragen
darf, der diesen Rang nicht einnimmt. Personen der höchsten Rangstufe
tragen einen Korallenknopf, die hinter ihnen im Range folgenden einen
blauen, die der dritten Stufe einen solchen aus Kristall und die der
vierten einen einfachen aus Messing. Die Farbe der Sänfte bezeichnet in
gleicher Weise den Stand ihres Besitzers; die höchsten Vertreter dürfen
sich eines Tragstuhles aus grünen Bambusstäben, die der nächstniederen
Klasse eines aus blau gefärbten und die der dritten Rangklasse nur aus
Naturholz bedienen. Neben dem Hut wird von allen Chinesen noch eine aus
Roßhaar geflochtene Mütze mit einer roten Seidentroddel getragen; gegen
die Kälte legen beide Geschlechter Ohrenklappen an oder setzen eine
pelzverbrämte Kappe auf. Für vornehm gelten lange Fingernägel, weil
ihr Träger dadurch kundgibt, daß er keine Arbeit verrichtet; um sie zu
schützen, bedient man sich futteralähnlicher Hülsen (Abb. 473).
Wir können uns einen Chinesen kaum ohne Zopf vorstellen, und doch
ist dieser „Schweineschwanz“ keineswegs eine althergebrachte
Eigentümlichkeit des chinesischen Volkes, wie man immer glaubt,
sondern eine von auswärts eingeführte Mode, welche die im Jahre 1368
siegreich einziehenden Mandschu, beziehungsweise ihre Fürsten dem
Volke aufzwangen. Jedoch ist diese Neuerung in China niemals heimisch
geworden, denn mit dem Sturze der Mandschudynastie, die vor wenigen
Jahren erfolgte, gaben viele Chinesen trotz jahrhundertelangen
Bestehens diese Sitte wieder auf.
[Illustration:
Phot. Fleet Agency.