Abb. 470. Chinese beim Opiumrauchen.]

China.

Das weite ostasiatische Gebiet und die ihm vorgelagerten Inseln werden

von einer Völkergruppe eingenommen, die man kurzweg als Mongolen

bezeichnet. Den reinsten +mongolischen Typus+ (Abb. 472) trifft man

bei den Südmongolen an; er ist gekennzeichnet durch eine kleine,

untersetzte Gestalt (im Mittel gegen hundertsechzig Zentimeter)

mit verhältnismäßig langem Rumpfe und kurzen Unterextremitäten,

hochgradige Kurzköpfigkeit, rundliches bis breitovales, nach unten

spitz zulaufendes, gleichzeitig ausgesprochen flaches Gesicht, stark

vorspringende Wangenbeine, flache und breite Nasenwurzel, eher

konkaven als geraden Nasenrücken, dicke Nasenflügel mit querstehenden

Nasenlöchern, grobes, straffes, schwarzes Haar, spärlichen Bart und

eine gelbliche Hautfarbe. Besonders charakteristisch ist für die

Mongolen ihre sogenannte Schlitzäugigkeit, die dadurch hervorgerufen

wird, daß die Lidspalte von außen oben nach innen unten verläuft

und der innere Augenwinkel von einer Falte (Mongolenfalte) bedeckt

wird. Nach dem Norden zu verfeinert sich dieser Typus zum sogenannten

mandschu-koreanischen (gekennzeichnet durch stattlichere Körpergröße,

weniger breites Gesicht, weniger vorspringende Backenknochen, mehr

entwickelte Nase). Die anderseits weiter nach Süden vorgeschobenen

Abteilungen der südlichen Mongolen sind verschiedentlich Mischungen

mit den Vertretern der afrikanischen (Negrito) und indo-australischen

Grundrasse, sowie mit solchen arischer Abstammung eingegangen.

Ostasien umfaßt drei große Reiche, China, Korea und Japan. Alle drei

schließen sich nicht nur in anthropologischer, sondern noch mehr

in kultureller Beziehung zu einer engeren Gemeinschaft zusammen,

unterscheiden sich aber in sprachlicher Hinsicht. Die Chinesen sprechen

eine einsilbige, die Koreaner und Japaner eine mehrsilbige Sprache.

[Illustration: Abb. 471. Chinesische Frau von hohem Rang aus Hongkong.]

+China+, das „himmlische Reich der blumigen Mitte“, wie seine

Bewohner es nennen, ist ein uralter Kulturstaat, der auf ziemlich

der gleichen Stufe der Zivilisation viele Jahrhunderte hindurch

verharrte und erst neuerdings aus seinem Dornröschenschlaf aufgerüttelt

wurde. Dementsprechend sind seine Bewohner auch in ihren Sitten und

Gebräuchen sowie in ihrem ganzen Denken und ihren Auffassungen,

besonders auch in religiöser Hinsicht so konservativ geblieben wie

kaum ein anderer Staat der Erde. Allerdings machen sich innerhalb

des großen chinesischen Volkes gewisse Unterschiede bemerkbar, die

in der Hauptsache dem Umstande zuzuschreiben sind, daß eine das Land

in ostwestlicher Richtung durchschneidende Hochgebirgsmasse es in

zwei Teile gliedert und auch +verschiedene geographische Bedingungen+

schafft. Der Norden Chinas ist mehr eben, reich an Löß, untersteht

einem gemäßigten Klima und ist besonders für den Anbau von Weizen,

Gerste, Bohnen und so weiter geeignet, außerdem bietet er Gelegenheit

zu ausgedehntem Landverkehr; hingegen ist der Süden mehr gebirgig,

besitzt ein subtropisches Klima, läßt daher vorwiegend Reis, Tee und

Zuckerrohr gedeihen und verschafft den Bewohnern ohne viel Zutun einen

ziemlichen Wohlstand. Diese verschiedenen klimatischen Verhältnisse

sind auf den +Charakter+ des chinesischen Volkes nicht ohne Einfluß

geblieben. Die Nordchinesen stellen ein durch harte Landarbeit

erstarktes, auf althergebrachten Grundsätzen verharrendes nüchternes

Bauernvolk dar, das von jeher die Stütze der monarchischen Verfassung

war, die Südchinesen aber sind ungleich beweglichere, in ihrem Fühlen

und Wollen mehr schöpferisch veranlagte, daher auch für Neuerungen

mehr empfängliche, begabte Leute, die sich schwerer der Autorität

eines festen konstitutionellen Staatsgebäudes unterzuordnen verstehen.

Daher kommt es auch, daß die republikanischen Bestrebungen, die in

der jüngsten Zeit von außen her nach China hineingetragen wurden, in

Südchina mehr Boden fassen konnten.

Das Denken und Fühlen der Chinesen steht in vielen Punkten dem

europäischen Geiste fern. Eine Zahl guter +Eigenschaften+ zeichnen

den Charakter des Chinesen aus, wie Fleiß, Intelligenz, Genügsamkeit,

Sparsamkeit, Höflichkeit, Gastfreundschaft, vor allem aber ein

hervorragend ausgeprägter Familiensinn und damit zusammenhängend ein

willenloses Unterordnen unter die Autorität von Familie und Staat.

Dieser zuletzt erwähnte Umstand zeitigt bei ihm aber auch wieder eine

gleichsam negative Eigenschaft, das ist die Teilnahmlosigkeit für alle

öffentlichen Angelegenheiten und der Mangel an Vaterlandsliebe. Der

Chinese ist ein echter Stoiker, der sich um nichts bekümmert, sofern er

nur sein Auskommen hat. Sein ganzes Streben und Denken ist daher darauf

gerichtet, Reichtümer zu sammeln. Er erreicht auch immer dieses Ziel,

da er ein gewiegter, schlauer, oft auch gewissenloser, aber auf der

anderen Seite auch wieder äußerst fleißiger, vor keiner Dienstleistung

sich scheuender, stets dienstbereiter, in seinen Ansprüchen sehr

genügsamer Geschäftsmann ist. Leider übt er infolge dieses seines

rührigen, unter Umständen auch unehrlichen Wettbewerbes und seiner

überlegenen Intelligenz einen schädlichen Einfluß auf den Handel aus,

besonders außerhalb seiner Heimat.

[Illustration:

Phot. B. Hagen.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 198 / 207 题