[Illustration:
Phot. H. Baudesson.
Abb. 466. Für die junge Mutter ist es bei den Laotiern Vorschrift,
längere Zeit an einem Feuer auszuharren,
das nur durch ganz besondere Hölzer unterhalten werden darf. Täglich
bringen ihr die Freundinnen das erforderliche Holz und nehmen dafür die
Mahlzeit bei ihr ein.]
Die Moï sind durchweg reine +Animisten+, die alles in der Natur für
belebt, mit einer Seele ausgestattet halten. Allerdings sollen sie
auch an ein +höheres Wesen+, das Himmel und Erde geschaffen hat und
der Gott des Donners ist, glauben. Sie verehren es in Gestalt eines
Steines in einer etwa zwei Meter hoch auf Pfählen ruhenden Bambushütte,
der man am Eingange der Dörfer begegnet (Abb. 465). Vor der Hütte sind
außerdem noch vier oder fünf kleine Mulden auf Bänken etagenförmig in
verschiedener Höhe aufgestellt, sie enthalten ebenso wie das Innere der
Hütte Opfergaben für den höchsten Geist, etwas Reis, Hirschknochen,
Stücke eines gekochten Hühnerkopfes und in Form von Elefantenzähnen
und Rhinozeroshörnern zugeschnittene Holzklötze. Diese Gaben sind für
den höchsten Geist bestimmt, von dem man annimmt, daß er in der Nacht
auf der Erde erscheine, eine kleine Leiter, die zu der Hütte führt,
hinaufsteige, die Opfergaben mustere und, wenn er alles in Ordnung
findet, befriedigt wieder umkehre, dagegen, falls etwas sein Mißfallen
erregen sollte, den Blitz in das Dorf einschlagen lasse und die Ernte
schädige. Alljährlich muß die Hütte vor der Saatzeit erneuert werden;
dabei wird ein Fest abgehalten und die Opfergaben werden mitgebracht,
die in ihr bis zum nächsten Jahre verbleiben. Neben dieser obersten
Gottheit glauben die Moï noch an zahllose kleinere +Geister+, Phi
genannt, mit denen sie sich Berge, Wälder, Wasserfälle, Quellen, Sümpfe
und so weiter belebt denken, und von denen sie auch annehmen, daß
sie gelegentlich sichtbare Formen, wie Menschen, Tiger und Schlangen
annehmen können. Sie sind den Menschen teils gut, teils böse gesinnt.
Zauberer vermitteln den Verkehr zwischen ihnen und den Erdgeborenen.
Eine wichtige Aufgabe dieser Zauberer besteht auch darin, Kranke zu
beschwören. Nach dem Glauben der Moï geht die Seele eines Menschen bei
seinem Tode in die Dörfer und bringt deren Bewohner Krankheit und Tod.
Sobald ein Mensch also erkrankt ist, muß der Zauberer herauszufinden
suchen, welche abgeschiedene Seele, Cong genannt, dafür verantwortlich
zu machen ist. Die nördlichen Jarai, Malang, Bahmar und ihre Nachbarn
bauen eine Reihe Zauberpflanzen an, die einen Einfluß auf solche
Krankheitsgeister ausüben sollen. Beim Säen dieser Kräuter wird dem
obersten Gotte ein Huhn oder ein Schwein geopfert, damit er einen
guten Geist aufs Feld in die aufgehende Saat sende. -- Die Moï glauben
auch an +Vorbedeutungen+, im besonderen an die Töne, die gewisse Tiere
von sich geben und die je nach der Richtung, aus der sie kommen, als
günstige oder ungünstige gedeutet werden. -- Bei den Mongstämmen
werden Hütten und selbst ganze Dörfer für eine gewisse Zeit, von einer
Nacht bis zu mehreren Tagen je nach dem Anlaß (Niederkunft, Erkrankung
von Menschen und Tieren, Saat, Ernte und so weiter), „isoliert“;
währenddessen sind die Einwohner gezwungen zu Hause zu bleiben, und
Fremde dürfen unter keinen Umständen das Haus oder Dorf betreten; zum
Zeichen dessen befestigt man einen Zweig an der Tür.
Jedweder Vorwand wird von den Moï dazu benutzt, um ein +Fest+ zu
feiern, das hauptsächlich im tüchtigen Essen und Trinken besteht; man
feiert den Beginn des neuen Jahres, das Einsetzen der Regenzeit, das
Bestellen der Felder, das Säen, das Aufsprießen der ersten Halme,
das Einernten, das Bergen der Frucht unter Dach und Fach und andere
Gelegenheiten mehr. Bei der +Geburt+ wird der Mutter der gekochte Saft
eines Sapan genannten Baumes, den der Vater einsammelte, verabreicht,
um ihr Kraft zu geben; nach der Geburt wird ihr Körper mit Ingwer
eingerieben und sie selbst muß mit dem Kinde eine Woche lang nahe
an einem Feuer ausharren (Abb. 466). Hieran schließt sich ein Fest
mit Namensgebung. -- +Ehen+ werden entweder durch Neigung der jungen
Leute, von denen der Jüngling dem Mädchen einen Antrag macht, oder auf
Vorschlag der Eltern geschlossen. Daraufhin siedelt er zu den Eltern
der Braut über, um für sie zu arbeiten. Bei der +Hochzeit+ beschwört
ein Zauberer die Schutzgeister, das junge Paar zu beschirmen, mischt
Schweineblut mit Reiswein und beschmiert damit die Füße von Mann und
Frau. -- +Polygamie+ kommt nur bei reichen Männern vor.
[Illustration:
Phot. H. Baudesson.