mit Opferaltären außerhalb seiner Umzäunung. Auf dem rechten Altar
liegen der Kopf und die Eingeweide eines geopferten Büffels.]
Es gibt in Birma sehr viele +religiöse Feste+, bei denen man einen
großen Pomp zu entfalten pflegt. Es finden großartige Umzüge statt
(Abb. 425 und 428), bei denen die Götter auf phantastisch ausgeputzten
Wagen (Abb. 426 und 427) heimgefahren werden, Vorführungen werden
veranstaltet, bei denen Helden und Tiere der mythischen Zeit wieder
auftauchen und anderes mehr (Abb. 429 bis 432). Am höchsten werden
davon im ganzen Lande das Neujahrsfest, das die Europäer für gewöhnlich
unter dem Namen Wasserfest (Abb. 433) kennen, und das Tawadeinthafest
(nach Ablauf der Passionszeit) (Abb. 435) geschätzt. Daneben werden
aber noch eine ganze Reihe weiterer Feste gefeiert, die aber zumeist
in die heiße Jahreszeit verlegt sind, weil es sich dann viel leichter
wandern läßt und Feldarbeit nicht verrichtet werden kann. -- Das
+Neujahrsfest+ ist ein allgemeines Landesfest. Früher wurde das Datum
dazu mühsam von den Ponna oder brahmanischen Astrologen in Mandalay
ausgerechnet. Dem Feste liegt der Gedanke zugrunde, daß der König der
Nats vom Himmel dann herabsteige und nach einem eintägigen Aufenthalte
auf der Erde dahin wieder zurückkehre. Es wird zur Erinnerung an eine
Wette zwischen dem Könige und einem Brahmanen gefeiert; der Einsatz
beider war ihr Kopf. Der Brahmane, der Athi hieß, verlor seine Wette.
Der Natskönig ließ dem Verlierer einfach den Kopf abhauen, und dieser
wandert Jahr um Jahr von einer der sieben Schwestern zur anderen.
Er ist glühend heiß und muß durch reichliches Begießen mit Wasser
kühl gehalten werden. Aus diesem Grunde begießen sich alle Menschen
gegenseitig drei Tage lang zur Erinnerung an diese Tatsache mit Wasser.
Die älteren und würdigen Leute werden bei diesem „Um Verzeihung bitten
mit Wasser“ mit Nachsicht behandelt, aber die Jugend und vor allem die
Mädchen widmen sich mit großer Begeisterung dieser Aufgabe. -- Das
+Tawadeinthafest+ will auf den Besuch Bezug nehmen, den Buddha Gautama
dem Berg Meru abstattete, um seiner Mutter, der Königin Maya, das ewige
Gesetz zu predigen. Die wichtigste Zeremonie dabei ist das Herumtragen
der Padethabäume. Unter +Padetha+ verstehen die Birmanen einen Baum,
der auf der nördlichen Insel der birmanischen Fabelwelt wachsen und an
seinen Zweigen alles mögliche tragen soll, was man sich nur wünschen
kann. In der gegenwärtigen Zeit hat er die Gestalt einer hohen Pyramide
angenommen, die mit allen nur denkbaren Gegenständen behängt ist
(Abb. 435), von Büchsen mit kondensierter Milch und Sardinen an bis
zu Waschschüsseln und Uhren. Mit diesen Bäumen stolzieren Männer
im Stadtviertel oder im Dorf umher und legen sie schließlich in der
Klosterumfriedigung nieder, wo die Mönche, je nachdem sie Zeit und
Lust haben, die Opfergaben abnehmen. Am ausgelassensten ist bei dem
Tawadeinthafeste die Jugend, die mit besonderem Interesse das Pwè
verfolgt. Ein Pwè ist eine Vorführung oder Vorstellung irgendeiner
Art; es kann sich dabei sowohl um einen Boxerwettkampf wie auch um ein
ernstes mysteriöses Schauspiel handeln. Die höchste Bedeutung legen die
Birmanen dem Pwè in Gestalt einer dramatischen Vorstellung bei. Die
Bühne ist ein mit Bambusmatten belegter Platz, in dessen Mitte immer
ein Baum steht. Die Schauspieler singen im tiefsten Alt und führen
dabei Tänze auf, die aber nach unserer Auffassung nur in künstlichen
Gliederverrenkungen und schlangenförmigen Bewegungen bestehen; dabei
spielt eine Musikbande auf, so daß die Zuhörer auf eine harte Probe
gestellt werden, zumal eine Vorstellung eine ganze Nacht, auch
mehrere Nächte und selbst ein paar Tage andauert. Aber die Birmanen
halten unentwegt so lange aus. Für gewöhnlich beginnt die eigentliche
Vorstellung, nachdem die Dunkelheit eingesetzt hat. -- Sehr ansprechend
sind dagegen die Yein oder +A-neyein Pwè+, Tänze, die von jungen
Mädchen und Kindern aufgeführt und oft wochenlang vorbereitet werden
(Abbild. 434). Den Unterricht erteilt eine richtige Ballettlehrerin,
die sehr streng vorgeht und große Ansprüche an das Können ihrer
Schülerinnen stellt. Sie gibt gewöhnlich den Kehrreim der Melodie an,
nach der getanzt wird; die meisten der Tänzerinnen fallen dann in diese
Melodie ein. Die Mädchen haben ihre buntesten Gewänder an und sind mit
Familienschmuck gleichsam überladen. Die Tänze werden sowohl stehend
wie sitzend ausgeführt und bestehen nur in rhythmischen Bewegungen der
in hohem Grade schmiegsamen Körper. Die Füße werden dabei überhaupt
nicht von der Erde gehoben; der Takt ist der Minutentakt, und der Reiz
des Ganzen liegt lediglich in den glänzenden Farben der Kleidung, der
ernsten Feierlichkeit der Tänzerinnen und in dem genauen Einhalten des
Taktes.
[Illustration:
Phot. R. W. Marshall.
Abb. 422. Medizinmänner (Tumsa) der Katschin.
Unter gewöhnlichen Umständen sind es einfache Dorfbewohner wie alle
andern, sie arbeiten gleich den übrigen auf den Feldern, aber wenn
Geister in wichtigen Angelegenheiten um Rat befragt werden sollen,
legen sie besondere Kleider an.]
[Illustration:
Phot. R. W. Marshall.
Abb. 423. Bettelmönche beim Auszug aus dem Kloster.
Die Mönche stehen bei Tagesanbruch auf und beginnen ihren täglichen
Bettelumzug. Sie gehen hintereinander, der Abt an der Spitze und die
übrigen dem Alter nach.]
Ganz anders dagegen sind die +Tänze der Bergstämme+ (Abb. 436), die in
wilden Bewegungen bestehen, sei es, daß es sich um Bewerbungstänze,
Totentänze oder Geistertänze der verschiedensten Art handelt. Ihnen
liegt fast immer ein religiöses Moment zugrunde; man will dadurch
die unsichtbaren Geister der Luft versöhnen. Selbst die Tänze der
Wa, wenn sie ausziehen, um Köpfe zu erbeuten, sind gewissermaßen
religiöser Natur, denn die Schädeljagd ist für sie sozusagen eine
landwirtschaftliche Notwendigkeit. Würde ein Dorf nicht jedes Jahr
seinen Schädel erhalten, dann würde der Regen ausbleiben und die
Gemeinde eine Mißernte erleben.
[Illustration:
Phot. D. A. Ahuja.
Abb. 424. Opfergaben, die man den Mönchen dargebracht hat.
Wohlhabende Leute spenden oft am ersten Tage Blumen, am
nächsten Früchte und andere Eßwaren und am dritten allerlei
Gebrauchsgegenstände. Die sämtlichen Geschenke werden in einem Schuppen
des Klosters gesammelt; die Nachbarn kommen, um sie zu besichtigen.]
[Illustration:
Phot. R. Grant Brown.
Abb. 425. Blumenfestzug birmanischer Mädchen und Frauen,
die in kostbare Gewänder gekleidet sind und in Gefäßen Blätter und
Zweige des heiligen Feigenbaums tragen, zur Pagode gelegentlich der
Feiertage, besonders des Neujahrsfestes.]
[Illustration:
Phot. R. Grant Brown.