Abb. 368. Eigentümlicher luftiger Sarg der Malaien

für solche, die eines gewaltsamen Todes gestorben sind.]

Viel prunkvoller dagegen gestaltet sich ein +Begräbnis mohammedanischer

Malaien+, wie man es tagtäglich beobachten kann. Der Leichnam wird in

schöne Sarongs eingehüllt, die, wenn die Angehörigen es sich leisten

können, reich mit Goldfäden bestickt sind, und über einer Matte auf

eine Matratze gelegt; der Kopf ruht dabei auf fünf bis sechs Kissen;

die Hände, zwischen deren Finger ein Dolch oder eine Betelnußschere

als „Symbol des Eisens“ -- wie man behauptet, soll das den Toten am

Aufstehen hindern -- geschoben ist, liegen über der Brust gefaltet.

Eine Schale mit Weihwasser wird zu jeder Seite auf die Erde gestellt,

und die gestreiften Behänge, die bei keiner malaiischen Festlichkeit

fehlen dürfen, werden angebracht, so daß das Ganze auch hier sozusagen

einen „königlichen“ Eindruck macht. Zu gleicher Zeit wird eine

Leichenwache abgehalten, die so lange bleibt, als der Tote noch im

Hause weilt; das Herdfeuer und die angezündeten Lampen müssen aber

mindestens sieben Tage und ebensoviel Nächte nachher noch brennen.

Der mohammedanische Priester wird geholt, und die Verwandten werden

benachrichtigt. Jetzt wird der Tote mittels einer Anzahl malaiischer

Schönheitsmittel gewaschen und bekommt die letzten „neun Spülungen“.

Diese Zeremonie wird aus dem Grunde so genannt, weil das Wasser

dreimal zur Linken, dreimal zur Rechten und dreimal vorn über die

Leiche ausgeschüttet wird. Gleichzeitig wird dem Toten auch der Mund

verstopft, damit nichts Unreines eindringen kann. Nachdem er in

ein Leinentuch gewickelt ist, wird dieses mit den zu diesem Zwecke

abgerissenen Ecken an fünf Stellen zusammengebunden; wohlriechende

Essenzen, zerpflückte Blumen und Girlanden aus Blätterwerk, „Füße des

Tausendfußes“ genannt, werden für den Leichenzug fertig gemacht. Nun

wird der Tote in den Sarg gelegt, dieser auf die Bahre gesetzt und

mit einem schwarzen Leichentuch bedeckt, auf das die „Tausendfüße“

gestreut werden. Da die malaiische Sitte ein Gefährt mit Rädern für

die Überführung der Leiche verbietet, so wird der Sarg stets getragen;

die Zahl der Träger richtet sich nach dem Range des Verstorbenen. Am

Grabe angekommen, wird der Sarg in die Erde versenkt und die fünf

Wickelbänder gelöst. Die Angehörigen reichen den Totengräbern in der

Gruft Erdbälle, die sie geknetet haben; diese werden dem Toten unter

die Nase gehalten, damit er daran „rieche“. Das Grab wird sodann ganz

vorsichtig zugeschüttet, denn die Erde darf die Körperoberfläche

nicht direkt treffen. Schließlich werden zwei rauhe Pfosten aus Holz

(Abb. 371), runde bei einem Manne, flache bei einem Weibe, vorläufig

eingeschlagen, und zwar einer am Kopfende, der andere in der Mitte

(nicht am Fußende). Bei dem Begräbnis eines Sultans werden manchmal

weiße Tuchstreifen verteilt; Weiß ist nämlich wie bei den Malaien

seit undenklichen Zeiten die Farbe der Trauer. Weiß spielt im übrigen

auch bei den religiösen Gebräuchen der Malaien eine große Rolle

(Abb. 372), alle weißen Tiere sind heilig, und nach der allgemeinen

Annahme fließt in den Adern ihrer Könige und Fürsten weißes Blut. Wenn

möglich, leitet ein mohammedanischer Geistlicher die Totenfeier; er

streut die duftenden Essenzen und die zerpflückten Blumen, die auf

der Bahre lagen, über das Grab und richtet sodann an den Toten eine

Ermahnung. Es besteht nämlich der Glaube, daß der Tote sich bei

dieser Gelegenheit noch einmal ermannt und mit den Händen umhertastet,

um zu erfahren, wo er sich befindet; entdeckt er an seinem Tuche, daß

die Ecken fehlen, dann begreift er, daß er tot ist, und gibt sich

zufrieden; er stützt sich darauf auf den Ellbogen und lauscht der

Ermahnung; wenn sie zu Ende ist, sinkt er zurück und ist nun wirklich

tot. Die ganze Versammlung, die bei der Zeremonie mit gekreuzten Beinen

auf der Erde sitzt, spricht dem Priester hundertmal das bekannte

Gebet nach: „Allah ist groß, es gibt keinen Gott außer Allah,“ zuerst

langsam und dann allmählich immer schneller werdend bis zur hundertsten

Wiederholung; schließlich sind die Worte nur noch ein Geschnatter. Die

Feier endet mit einem Leichenschmaus. Die Nachbarn dehnen ihn drei

Tage lang aus; dabei wird dem Toten der Koran jeden Abend vorgelesen.

Am dritten, siebten, vierzehnten, vierzigsten und hundertsten Tage

wird wieder geschmaust und schließlich ein bestimmter Tag im Jahre für

ein Festessen zum Andenken der Ahnen festgesetzt. Die provisorisch

eingeschlagenen Pfosten werden später durch dauernde ersetzt; außerdem

werden vier Planken mit zugeschnittenen Enden um den Grabhügel

gelegt, um ihm die richtige Lage zu erhalten. Diese fromme Pflicht

erfordert wiederum die Veranstaltung eines Festes. Wegen der großen

Kostspieligkeit, die mit den Begräbniszeremonien verknüpft ist, werden

diese in den meisten Fällen sehr abgekürzt.

[Illustration:

Phot. N. Annandale.

Abb. 369. Malaiisches Begräbnis.

Die Leichen werden in luftdurchlässigen Särgen der Verwesung

überlassen. Die Skelettknochen werden dann in Reisbeuteln oder Matten

für die Verbrennung gesammelt.]

[Illustration: Abb. 370. Malaiisches Begräbnis.

Die Asche der verbrannten Knochen wird gesammelt und in kleinen Gefäßen

oder Trommeln vor dem Buddhabildnis aufgestellt.]

[Illustration: Abb. 371. Malaiische Moschee mit Friedhof.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 158 / 207 题