für solche, die eines gewaltsamen Todes gestorben sind.]
Viel prunkvoller dagegen gestaltet sich ein +Begräbnis mohammedanischer
Malaien+, wie man es tagtäglich beobachten kann. Der Leichnam wird in
schöne Sarongs eingehüllt, die, wenn die Angehörigen es sich leisten
können, reich mit Goldfäden bestickt sind, und über einer Matte auf
eine Matratze gelegt; der Kopf ruht dabei auf fünf bis sechs Kissen;
die Hände, zwischen deren Finger ein Dolch oder eine Betelnußschere
als „Symbol des Eisens“ -- wie man behauptet, soll das den Toten am
Aufstehen hindern -- geschoben ist, liegen über der Brust gefaltet.
Eine Schale mit Weihwasser wird zu jeder Seite auf die Erde gestellt,
und die gestreiften Behänge, die bei keiner malaiischen Festlichkeit
fehlen dürfen, werden angebracht, so daß das Ganze auch hier sozusagen
einen „königlichen“ Eindruck macht. Zu gleicher Zeit wird eine
Leichenwache abgehalten, die so lange bleibt, als der Tote noch im
Hause weilt; das Herdfeuer und die angezündeten Lampen müssen aber
mindestens sieben Tage und ebensoviel Nächte nachher noch brennen.
Der mohammedanische Priester wird geholt, und die Verwandten werden
benachrichtigt. Jetzt wird der Tote mittels einer Anzahl malaiischer
Schönheitsmittel gewaschen und bekommt die letzten „neun Spülungen“.
Diese Zeremonie wird aus dem Grunde so genannt, weil das Wasser
dreimal zur Linken, dreimal zur Rechten und dreimal vorn über die
Leiche ausgeschüttet wird. Gleichzeitig wird dem Toten auch der Mund
verstopft, damit nichts Unreines eindringen kann. Nachdem er in
ein Leinentuch gewickelt ist, wird dieses mit den zu diesem Zwecke
abgerissenen Ecken an fünf Stellen zusammengebunden; wohlriechende
Essenzen, zerpflückte Blumen und Girlanden aus Blätterwerk, „Füße des
Tausendfußes“ genannt, werden für den Leichenzug fertig gemacht. Nun
wird der Tote in den Sarg gelegt, dieser auf die Bahre gesetzt und
mit einem schwarzen Leichentuch bedeckt, auf das die „Tausendfüße“
gestreut werden. Da die malaiische Sitte ein Gefährt mit Rädern für
die Überführung der Leiche verbietet, so wird der Sarg stets getragen;
die Zahl der Träger richtet sich nach dem Range des Verstorbenen. Am
Grabe angekommen, wird der Sarg in die Erde versenkt und die fünf
Wickelbänder gelöst. Die Angehörigen reichen den Totengräbern in der
Gruft Erdbälle, die sie geknetet haben; diese werden dem Toten unter
die Nase gehalten, damit er daran „rieche“. Das Grab wird sodann ganz
vorsichtig zugeschüttet, denn die Erde darf die Körperoberfläche
nicht direkt treffen. Schließlich werden zwei rauhe Pfosten aus Holz
(Abb. 371), runde bei einem Manne, flache bei einem Weibe, vorläufig
eingeschlagen, und zwar einer am Kopfende, der andere in der Mitte
(nicht am Fußende). Bei dem Begräbnis eines Sultans werden manchmal
weiße Tuchstreifen verteilt; Weiß ist nämlich wie bei den Malaien
seit undenklichen Zeiten die Farbe der Trauer. Weiß spielt im übrigen
auch bei den religiösen Gebräuchen der Malaien eine große Rolle
(Abb. 372), alle weißen Tiere sind heilig, und nach der allgemeinen
Annahme fließt in den Adern ihrer Könige und Fürsten weißes Blut. Wenn
möglich, leitet ein mohammedanischer Geistlicher die Totenfeier; er
streut die duftenden Essenzen und die zerpflückten Blumen, die auf
der Bahre lagen, über das Grab und richtet sodann an den Toten eine
Ermahnung. Es besteht nämlich der Glaube, daß der Tote sich bei
dieser Gelegenheit noch einmal ermannt und mit den Händen umhertastet,
um zu erfahren, wo er sich befindet; entdeckt er an seinem Tuche, daß
die Ecken fehlen, dann begreift er, daß er tot ist, und gibt sich
zufrieden; er stützt sich darauf auf den Ellbogen und lauscht der
Ermahnung; wenn sie zu Ende ist, sinkt er zurück und ist nun wirklich
tot. Die ganze Versammlung, die bei der Zeremonie mit gekreuzten Beinen
auf der Erde sitzt, spricht dem Priester hundertmal das bekannte
Gebet nach: „Allah ist groß, es gibt keinen Gott außer Allah,“ zuerst
langsam und dann allmählich immer schneller werdend bis zur hundertsten
Wiederholung; schließlich sind die Worte nur noch ein Geschnatter. Die
Feier endet mit einem Leichenschmaus. Die Nachbarn dehnen ihn drei
Tage lang aus; dabei wird dem Toten der Koran jeden Abend vorgelesen.
Am dritten, siebten, vierzehnten, vierzigsten und hundertsten Tage
wird wieder geschmaust und schließlich ein bestimmter Tag im Jahre für
ein Festessen zum Andenken der Ahnen festgesetzt. Die provisorisch
eingeschlagenen Pfosten werden später durch dauernde ersetzt; außerdem
werden vier Planken mit zugeschnittenen Enden um den Grabhügel
gelegt, um ihm die richtige Lage zu erhalten. Diese fromme Pflicht
erfordert wiederum die Veranstaltung eines Festes. Wegen der großen
Kostspieligkeit, die mit den Begräbniszeremonien verknüpft ist, werden
diese in den meisten Fällen sehr abgekürzt.
[Illustration:
Phot. N. Annandale.
Abb. 369. Malaiisches Begräbnis.
Die Leichen werden in luftdurchlässigen Särgen der Verwesung
überlassen. Die Skelettknochen werden dann in Reisbeuteln oder Matten
für die Verbrennung gesammelt.]
[Illustration: Abb. 370. Malaiisches Begräbnis.
Die Asche der verbrannten Knochen wird gesammelt und in kleinen Gefäßen
oder Trommeln vor dem Buddhabildnis aufgestellt.]
[Illustration: Abb. 371. Malaiische Moschee mit Friedhof.