Nachdem die letzten Vorbereitungen getroffen sind, bricht die Partei
des Bräutigams, nach älterem Brauch mit einer alten Frau an der Spitze
unter lautem Trommelschlag, Gongbegleitung und Raketengeknatter nach
dem Hause der Braut auf; in abgelegenen Teilen des Landes trägt noch
ein Verwandter oder Diener den Bräutigam auf den Schultern, in den
von der europäischen Kultur beleckten Gebieten zieht er in einem
modernen Gefährt aus, am liebsten in einem Automobil. Früher war es
üblich, daß der Bräutigam vor dem Hause der Braut so lange warten
mußte, bis er den „Tribut an die Königin des Landes“, die Braut,
gezahlt hatte; heute wird er ohne weiteres hineingelassen. Er wird in
das Prunkzimmer geführt, das mit dem gestreiften „Regenbogen“, einem
Wandbehang, und farbigen „Himmel“, einem Deckentuch ausgestattet ist,
und hier von der Braut erwartet. Darauf setzt sich das Paar. Dies
geschieht aber in aller Form und ist eine langweilige Sache, denn
beide müssen ihre Knie ganz allmählich, ohne Unterbrechung, beugen,
bis sie sitzen, ebenso langsam müssen sie sich wieder erheben, bis
sie aufrecht stehen; dieser Vorgang wiederholt sich so lange, bis
sich beide zu genau demselben Augenblick niederlassen. Wenn es ihm
gelingt, soll sich der Bräutigam auf einen Teil des Brautkleides
setzen, denn dadurch sichert er sich die wirkliche und nominelle
Oberherrschaft im Hause. Sitzt nun endlich das Paar, dann tauscht es
das vorschriftsmäßige Gelübde aus und bietet sich zu diesem Zwecke
besonders zubereiteten Reis, „den Reis der königlichen Anwesenheit“,
zu essen an. Er wird in einem achteckigen Behälter dargereicht (Abb.
358), der auch bunte Eier enthält und verzierte Wimpeln trägt, die
hier die weißseidenen Hochzeitsschleifen vertreten; jeder Gast erhält
hiervon ein Stück; falls man es ihm vorenthalten würde, hätte es
früher daraufhin einen Kampf mit dem Kris gegeben. Der letzte Akt der
Hochzeitsfeier besteht in dem Besprengen des Brautpaares, das mit
vorgestreckten Händen dasitzt, mit Weihwasser. Fast allgemein üblich
ist schließlich noch, daß ein Knoten in Form eines ~V~ von der
Braut und dem Bräutigam gelöst wird -- dieses Lösen ist ein Sinnbild
der Vertreibung aller schädlichen Einflüsse --, und eine Schnur oder
ein Gürtel aus regenbogenfarbigen Fäden siebenmal über die Köpfe und
unter die Füße des jetzt verbundenen Paares geführt wird, um dann
entweder vom Bräutigam entzweigerissen oder durchgebrannt zu werden;
das verkohlte Ende wird sodann noch dem jungen Paare auf die Stirn
gerieben. Zum Schluß wird die ganze Hochzeitsgesellschaft von den
Jünglingen mittels Bambusspritzen durchnäßt. In Selangor war es früher
üblich, Bäumchen aus Betelblättern im Hochzeitszug zu tragen, während
Braut und Bräutigam Betelsträuße in der Hand hielten (Abb. 362).
[Illustration:
Phot. N. Annandale.
Abb. 364. Ein Zauberer in Erwartung des Geistes,
der von ihm Besitz ergreifen soll.]
Während die malaiischen Stämme sich im allgemeinen zu der Lehre des
Islam bekennen, die allerdings auch bei ihnen vielfach noch mit
Dämonenglauben durchsetzt ist, sind die Urwaldstämme Anhänger des
+Animismus+ und des +Ahnendienstes+. Für sie ist die ganze Natur von
Geistern (Abb. 348, 360 und 363) angefüllt; die einen sitzen im Regen,
andere in der Hitze, oder in den Bergen, Flüssen, Seen, in Tieren und
so weiter. Gegen ihren bösen Einfluß sucht man sich mit Hilfe von
Zauberern zu schützen (Abb. 359, 364 und 365). Im Gegensatz zu dieser
religiösen Auffassung scheint die der +Semang+ zu stehen. Dieser Stamm
bekennt sich anscheinend zu einem +höchsten Wesen+ namens Kari. Dieses
ist von übernatürlicher Gestalt, besitzt feurigen Atem und hat alle
Dinge mit Ausnahme des Menschen und der Erde erschaffen, jedoch dem
ersteren, den auf sein Geheiß ein untergeordnetes Wesen, Ple genannt,
schuf, die Seele eingegeben. Es sendet auch die Seelen, die alle auf
einem großen Baume hinter seinem Throne sitzen, vermittels bestimmter
Vögel in den Leib der schwangeren Mutter. Für den Kari existieren keine
Bildnisse, Tempel oder sonstige Kultorte, auch keine Priesterschaft.
Von einer äußerlichen Verehrung dieses Wesens weiß man nur das eine,
daß die Semang bei einem Gewitter ihm Opfer in Gestalt einiger
Blutstropfen darbringen, die sie sich aus der Gegend des Schienbeins
entnehmen, und mit Wasser vermischt gen Himmel spritzen; sie hoffen
dadurch Kari zu besänftigen.
[Illustration:
Phot. Cambridge Archaeolog. Museum.
Abb. 365. Schwarze Zauberfiguren.
Will man einem Menschen etwas Böses zufügen, dann formt man von ihm
eine Figur und durchbohrt mit einer Nadel den Körperteil, dem man an
der lebenden Person Schaden zufügen will. Die Schirme und Kerzen finden
bei der Zeremonie Anwendung.]
[Illustration:
Phot. N. Annandale.
Abb. 366. Schnurflechtwerk über einem malaiischen Grabe an der Ostküste
(bei Singora).]
Der +Tod+ wird durch die Todesgeister herbeigeführt; diese besorgen
dies aber nicht nach eigenem Wunsch, sondern auf Befehl des Kari. Wenn
sie auf ihrer unsichtbaren Wanderung einen Menschen erblicken, der
reif zum Sterben ist, so melden sie dies dem Ple, der seinerseits
diese Mitteilung dem Kari weitergibt. Dieser trifft die Entscheidung;
fällt sie zuungunsten des betreffenden Menschen aus, so senden die
Todesgeister den Totenwind, der über den dem Sterben Geweihten
hinwegweht. Hiergegen vermag aber kein Zauber zu helfen, wie gegen
Krankheiten. Die +Leichen+ werden im allgemeinen begraben, und zwar
zusammengebunden in sitzender Stellung; bei einigen Stämmen wird das
Grab mit einem kleinen Zaun von stachligen Blättern und Zweigen,
seltener mit einem Flechtwerk aus Schnur (Abb. 366) umgeben. Auf das
Grab selbst setzt man Speisen, neben ihm zündet man Feuer an. Die
Zauberer der Pangan werden nicht begraben, sondern in den Zweigen eines
Baumes beigesetzt, damit ihre Seele über den bösen Geist hinwegfliegen
kann, der für gewöhnliche Menschen den Weg zum Paradies versperrt. Auch
Menschen, die eines gewaltsamen Todes sterben, werden zwischen den
Zweigen ausgesetzt (Abb. 368). Von einer Wiederherausnahme der Leichen
oder Knochen, sowie von einer Verehrung der letzteren wird nichts
berichtet. Die Semang geben den Verstorbenen ins Grab eine Bambusröhre
mit, auf der die Häuptlinge bestimmte Zauberzeichen eingeschnitzt
haben; mit diesen müssen jene bei dem Gericht vor Kari erscheinen und
sie vorweisen. Nachdem Gericht abgehalten worden ist, gehen die guten
Seelen nach dem Untergang der Sonne ins Paradies, die bösen aber können
dorthin nicht gelangen, weil sie durch eigene Wächter davon abgehalten
werden; sie müssen ins Fegefeuer, wo sie ein elendes Dasein zu führen
haben. -- Die buddhistischen Malaien setzen ihre Leichen der Luft aus
(Abb. 367 u. 369) und verbrennen ihre Knochen, wenn sie verwest sind.
Die Asche setzt man vor den Buddhabildern nieder (Abbild. 370).
[Illustration:
Phot. N. Annandale.
Abb. 367. Malaiisches Begräbnis.
Die Leiche wird bis zur völligen Verwesung in einer luftdurchlässigen
Kiste aufbewahrt.]
[Illustration:
Phot. N. Annandale.