Die +Bogobo heiraten+ in einem verhältnismäßig viel späteren Alter
als anderswo auf den Philippinen; die die Ehe eingehenden Teile sind
manchmal schon zwanzig Jahre alt. Die Eltern bringen für gewöhnlich
die Partie zustande, die dann in aller Form bei einer Versammlung
von Freunden und Verwandten, wobei zwei Gemeindehäuptlinge die
beiden Personen vertreten, ihre Bestätigung findet. Der Vater des
Mädchens macht stets ein Gegengeschenk, das ungefähr der Hälfte der
Hochzeitsgabe von seiten des Bräutigams entspricht, damit es nicht
heißt, er habe seine Tochter verkauft. Die Hochzeit findet aber dann
noch nicht statt, sondern der Jüngling muß erst ein Jahr lang für
seinen zukünftigen Schwiegervater arbeiten. Die Hochzeitszeremonie
ist die gleiche wie anderwärts; Braut und Bräutigam bedienen sich
gegenseitig mit Reis aus einer gemeinsamen Schüssel, und die Priesterin
bringt den Geistern Opfer dar. Die Jungvermählten begeben sich zwar in
ihr eigenes Heim, der Ehemann aber muß noch jahrelang gewisse Dienste
für die Familie seiner Frau verrichten.
[Illustration:
Phot. Fay Cooper Cole.
Abb. 336. Tinguian bei den Vorbereitungen für ein Opfer.
Das Medium ruft die Aufmerksamkeit der Geister auf das Opfer an, das
man ihnen darbringt, darauf läßt man eine kurze Zeit verstreichen,
damit sie daran teilnehmen können, und richtet die Tiere dann zum
Verspeisen zu.]
Die +Religion+ der Bogobo ist der Geisterkult; für sie hat man in
den Häusern besondere Vorrichtungen als Wohnung geschaffen, damit sie
beständig zugegen sein und alles, was die Menschen tun, fördern können.
Die Zahl der +Geister+ ist sehr groß; sie üben einen besonderen
Schutz für bestimmte Menschen aus, so zum Beispiel kümmert sich ein
Geist um die Krieger, ein anderer um die Weber, ein dritter um die
Messingarbeiter und so weiter. Der Geist, dem alles Eßbare gehört und
der nach den Feldern und Ernten sieht, erhält einen Schrein für sich
mitten auf dem Reisfeld erbaut; nachdem die Ernte eingetragen ist, wird
ihm zu Ehren eine große Feier abgehalten. Ein Geist führt die Rolle
des Oberhauptes aller Geister; er ist es, der die Welt erschaffen hat
und der stets sein Opfer zuerst erhält, sobald irgendeine Zeremonie
vollzogen wird. Ihm sind die anderen Geister auch untertan. Interessant
ist der Aberglaube, daß, wenn Kinder aus zwei Familien sich heiraten,
sich die besonderen Schutzgeister jeder Partei miteinander verschmelzen
und fortan ein Geist werden, der das Paar beschirmt. Die Geister,
die die Krieger beschützen, sind mit besonderer Macht ausgestattet
und dürfen auch nur von solchen Kriegern angeredet werden, die eine
oder mehrere Personen bereits getötet haben; auch ein Mann, der den
Verehrer einer ungetreuen Frau umbrachte, zählt zu diesen Bevorzugten.
Diese Krieger haben die Berechtigung, ein besonderes Gewand zu tragen,
und wenn sie mehreren Menschen im Kriege den Garaus gemacht haben,
diesem einen weiteren Schmuck hinzufügen. Gelegentlich bringt man den
Schutzgeistern der Krieger ein Menschenopfer, das in einem Sklaven oder
einem Gefangenen besteht; Sklaverei ist eine anerkannte Einrichtung
der Bogobo und das Bedürfnis nach Sklaven führt oft zu Einfällen bei
den Nachbarstämmen. Bei diesem Opfer darf ein jeder teilnehmen, der
während des Jahres von Unglück geplagt wurde, oder jede Familie, in der
ein Todesfall vorgekommen ist; Vorbedingung ist aber, daß dem Datu das
Opfer bezahlt oder ein eigenes gestellt wird. Der zum Opfer auserlesene
Sklave wird mit über den Kopf zusammengebundenen Händen an einen Baum
gestellt und über ihn ein Gebet gesprochen. Darauf wird ein Speer mit
sehr langem Schaft gegen seine linke Brust gerichtet und alle, die zum
Kauf des Sklaven beigetragen haben, beteiligen sich insofern an dem
Opfer, als sie den Schaft entweder halten oder ihn berühren. Auf ein
bestimmtes Zeichen wird der Speer sodann durch das Herz gestoßen. Die
Leiche erhält dann noch eine Anzahl Stichwunden und wird begraben.
Hieran schließt sich eine Zeremonie, bei der zwei bekränzte Stangen
hoch aufgerichtet werden, um das Ereignis zu kennzeichnen, die Krieger
sich stark betrinken, ihre Taten dabei rühmen und so weiter.
[Illustration:
Phot. Fay Cooper Cole.
Abb. 337. Ein Tinguian beim Darbringen eines Opfers für die
Wächtersteine.
Diese Steine, in die der Aufenthalt der Wachtgötter verlegt wird,
werden vor Beginn bestimmter Zeremonien mit Rindenbändern umwickelt
und mit Öl eingerieben, darauf wird vor ihnen Reis mit Schweineblut
ausgestreut.]
+Erkrankt+ ein Bogobo, so wird er in das Haus eines anderen gebracht,
damit die bösen Hausgeister ihn aus den Augen verlieren und die guten
der anderen Behausung sich seiner annehmen; sobald man aber den
Eindruck des bevorstehenden Todes hat, wird der Kranke in sein eigenes
Haus wieder zurückgebracht, damit sein Tod nicht die Aufmerksamkeit
der bösen Geister auf das Haus des Freundes lenke. Stirbt ein Mensch
dennoch im Hause eines anderen, so muß seine Familie für das Unglück,
das sein Tod diesem sicherlich bringen wird, eine Buße zahlen. --
Von einer Klasse Geister glaubt man, daß sie die Schatten des Toten
verzehren und Macht besitzen, den Lebenden ein Leid anzutun; sie
werden manchmal direkt als gleichbedeutend mit den Geistern der Toten
betrachtet.
Die +Subanun+ kennen ebenfalls zahlreiche Geister, unter anderen
solche der See, der Erde, der Wälder, der Flüsse und Beschützer der
Kranken. Ihre +Religion+ beruht auf einer Reihe Offenbarungen, die
den +Medizinmännern+ von Zeit zu Zeit zuteil werden. Deren Tätigkeit
besteht in dem Verkünden von Orakeln oder Aussprüchen der Geister, mit
denen sie zu sprechen vermögen, in Opfern und Gebeten an diese und
in der Heilung von Krankheiten. Die bedeutenderen unter ihnen werden
hochgeehrt. Man begräbt die Medizinmänner auch nicht, sondern setzt
sie unter Schutzdächern aus, da man glaubt, daß sie wieder zur Erde
zurückkehren.
[Illustration:
Phot. Bureau of Science, Manila.
Abb. 338. Weiberschlafhaus bei den Bontokigorroten.
Die Mädchen schlafen in diesen Hütten, die so niedrig sind, daß eine
Person kaum aufrecht in ihnen stehen kann, und einen knapp dreiviertel
Meter hohen Eingang besitzen, etwa zwei Jahre lang bis zu ihrer Heirat.]
Den +Geistern+ werden rohe Altäre errichtet, auf denen man Reis,
Hühner, Eier, Betel, Tabak und Reisbier in Krügen darbringt; auch
kleine Boote setzt man mit Opfergaben beladen aufs Wasser, wohl in der
Hoffnung, daß sie die bösen Einflüsse mit sich fortnehmen möchten.
Auch auf +Vorbedeutungen+ legt man Gewicht; auf Grund solcher
Verkündigungen wird gelegentlich eine Verlobung wieder aufgelöst oder
eine Reise unterlassen, bei anderen das Vorhaben nur aufgeschoben.
Viele Zeremonien dienen der Versöhnung der Geister oder ihrer
Vermittlung bei unangenehmen Lagen, auch der Förderung der Ernte, dem
Schutze des Hauses bei seinem Aufbau und anderes mehr.
[Illustration:
Phot. Fay Cooper Cole.
Abb. 339. Tinguianenhochzeit.
Die Braut nimmt eine Handvoll Reis aus einem Napf und zerstreut sie
zwischen die Latten des Bambusfußbodens als Opfer für die Geister.
Der Bräutigam wirft einen Reisballen in die Luft, um aus dessen
Niederfallen festzustellen, ob seine Verbindung glückbringend sein
wird. Beide trinken darauf Wasser aus einer Kokosnußschale, womit die
Zeremonie beendet ist.]
Sehr häufig werden +Feste+ gefeiert, zu denen die Vorräte bereits
beizeiten gesammelt und die benachbarten Häuptlinge eingeladen
werden. Eigenartig ist die Form der Einladung; es werden Rotangstücke
überbracht, die Knoten tragen, und zwar so viel, als noch Tage bis
zur Veranstaltung des Festes vorhanden sind. Jeden Tag schneidet der
Eingeladene einen Knoten ab, und wenn nur noch ein Knoten übrig bleibt,
dann weiß er, daß die festgesetzte Zeit herangekommen ist. Haben sich
die Gäste versammelt, dann werden alle Waffen beiseite gelegt und der
Obhut eines oder zweier Männer übergeben. Vor Beginn des Festes pflegt
ein Freund des Festgebers darauf aufmerksam zu machen, daß derjenige,
der nicht den erforderlichen Anstand bewahrt, in Strafe genommen
wird. -- Bei solchen Festen, die zur Erfüllung eines Gelübdes, daß
ein Kranker sich erhole, oder zur Erinnerung an einen Toten, oder zu
irgendeinem anderen frommen Zweck veranstaltet werden, errichtet man
Altäre, vor denen die Medizinmänner die Zeremonien vollziehen. Die
Gäste aber lassen sich dadurch in ihrem Vergnügen nicht im geringsten
stören, da sie auf dem Standpunkt stehen, daß die ernste Seite der
Feier ausschließlich Sache der Medizinmänner ist.
[Illustration:
Phot. Bureau of Science, Manila.
Abb. 340. Ein Ifugaopaar im Hochzeitsschmuck.
Die Hochzeit wird bei den Ifugao wie alle besonderen Ereignisse in
ihrem Leben mit großer Festlichkeit begangen. Sie verwenden viel Zeit
auf das Sammeln des für solche, einen religiösen Charakter tragenden
Feiern notwendigen Materials.]
Wie schon erwähnt, werden die +Leichen+ der Medizinmänner im Freien
ausgesetzt; der gewöhnliche Mensch wird in eine Matte gehüllt
oder in einen Sarg gelegt und dann in der Erde begraben. Nach dem
Begräbnis baden die Angehörigen im Flusse, bevor sie in ihre Wohnungen
zurückkehren.
[Illustration:
Phot. Fay Cooper Cole.
Abb. 341. Trauer bei einem Begräbnis der Tinguianen.
Der Tote ruht, in seine besten Gewänder gekleidet und von Tüchern und
anderen Wertsachen, die er ins Jenseits mitnehmen soll, umgeben, in
sitzender Stellung gegen die Wand der Hütte gelehnt.]
Es erübrigt sich noch der +Moro+ (Abb. 346) zu gedenken, Malaien
mohammedanischen Glaubens, die ursprünglich Bewohner der Nordküste
Borneos waren, wo sie unter der Bezeichnung Bajau oder Seezigeuner
bekannt sind und erhebliche Kreuzungen mit Arabern eingegangen sind.
Kurz vor der Entdeckung der Philippinen durch die Spanier nahmen sie
von den Suluinseln Besitz und wurden von hier aus durch ihre Raubzüge
zur See zu Anfang des vorigen Jahrhunderts eine ständige Quelle des
Schreckens für die Bewohner der umliegenden Inseln, deren Besitztum
und Frauen ihre Bedürfnisse befriedigen. Daher bekunden sie auch eine
Abneigung gegen die Arbeit, zumal sie von früher Jugend ab bereits
an die Waffen und die Seeräuberei gewohnt werden. Durch diese ihre
Beschäftigung sind sie kriegerisch und furchtlos, selbst grausam
geworden, trotzdem heutzutage wenig Gelegenheit für die Ausübung ihres
Handwerks sich ihnen bietet, da man sehr auf sie acht gibt. Um ihrem
Gewerbe leicht nachgehen zu können, haben sie ihre Wohnungen an der
Küste auf Pfählen errichtet; im gegebenen Augenblick können sie von
hier aus sofort in ihre Boote gelangen, die dicht vor der Tür vor Anker
liegen. Es bedarf keines Hinweises, daß sie tüchtige Seeleute und des
Schwimmens kundig sind.
[Illustration:
Phot. Bureau of Science, Manila.
Abb. 342. Eine Frau der Bontokigorroten in ihrem Leichenstaat.
Die Igorroten nehmen den Tod sehr gelassen auf und klagen weder, noch
trauern sie lange um einen Verstorbenen, am wenigsten um eine bejahrte
Person. Trotzdem dauern die Trauerzeremonien zwei bis acht Tage, je
nach dem Rang des Verstorbenen.]
Die Moro sind von kleiner Gestalt, schlank gebaut und doch muskulös;
sie sind sehr beweglich und zeigen sehr lebhafte Augen unter einer
niederen Stirn in einem kleinen Gesicht. Der Sultan von Sulu ist
nominell der Herrscher aller Moro, doch wird seine Autorität auf den
außenliegenden Inseln nicht immer anerkannt von denen, die ihm
untergeordnete Vertrauensstellen innehaben. In jedem Dorfe nämlich
liegt die Führung der Gemeinde in den Händen eines Datu oder Pangiran;
daneben aber kommt auch dem Priester eine gewisse Macht zu. Mit der
+Religiosität+ des Moro ist es nicht weit her; sie tritt meistens
nur dann in Erscheinung, wenn er, vom Leben angewidert oder um ein
Gelübde zu erfüllen, Amok läuft und möglichst viele Ketzer umbringt,
ehe er mit dem eigenen Leben die Strafe seiner Begeisterung bezahlt.
Die Moscheen der Moro sind in schlechtem Zustand, die vorgeschriebenen
Fasten werden unregelmäßig eingehalten und sonstige Enthaltsamkeit, die
der Islam vorschreibt, wird wenig beachtet, sofern man annehmen kann,
daß diese Übertretung nicht bemerkt wird. Der Moro zollt zwar dem Koran
große Verehrung, hat aber fast keine Ahnung von seinem Inhalt.
[Illustration:
Phot. Bureau of Science, Manila.