Abb. 294. Javanische Krieger.]

[Illustration:

Phot. Ch. Hose.

Abb. 295. Dajakkrieger vom Baramdistrikt.

Die Bekleidung besteht aus Ziegenfell; sein Schild ist mit erbeutetem

Menschenhaar geschmückt; in der Hand hält er das Nationalschwert, den

Kris.]

Wie wir es bereits bei anderen Völkern sahen, so schreiben auch

die Malaien die +Entstehung von Krankheiten+, im besonderen den

Wahnsinn, dem Einfluß der bösen Dämonen zu; dementsprechend ist

ihre Austreibung aus dem Körper das übliche Heilverfahren. Droht

dem Kranken ein tödlicher Ausgang, so nimmt man an, daß seine Seele

den Körper verlassen habe, und daß man sie durch irgend ein Mittel

wieder zur Rückkehr bewegen müsse. Dies geschieht bei den Kajandajak

mit Hilfe eines Seelenfängers, des Dajong (Abb. 302 und 303), in den

meisten Fällen einer Frau, der durch einen höheren Willen im Traume

offenbar geworden ist, diesen Beruf zu ergreifen. Bei der Ausübung

ihrer Tätigkeit verfällt diese Person zunächst in einen Trancezustand,

damit ihre Seele der anderen Seele, die inzwischen schon eine gute

Strecke Weges zu dem Aufenthaltsorte der heimgegangenen Geister

zurückgelegt hat, nachgehe und sie zu der Rückkehr überrede. Zu diesem

Zwecke wird der Kranke auf der langen Galerie des Hauses inmitten

seiner Verwandten und Freunde niedergelegt und die Dajong beginnt ihr

Werk. Sie geht mit geschlossenen Augen auf und ab und murmelt dabei in

Absätzen Lieder und bestimmte Gebetsformeln an die Gottheiten. Ihre

lebhaften Bewegungen und Aussprüche während dieser feierlichen Handlung

sollen ihre, beziehungsweise des Kranken eigene Seelenwanderungen und

Kümmernisse wiedergeben. Von Zeit zu Zeit stellt sich die Dajong so,

als ob sie ihrer Aufgabe nicht gewachsen sei und den Versuch, die Seele

zurückzurufen, aufgeben müsse; dann versprechen ihr die Versammelten

gewöhnlich noch mehr Geschenke, damit sie ihre Aufgabe erfüllen kann;

manchmal gelingt es ihr auch. Wenn die Seele daraufhin zurückgewonnen

ist, besteht die nächste Schwierigkeit darin, sie zu überreden, daß sie

auch wieder in den Körper einzieht. Um dies zu ermöglichen, schwingt

die Dajong ein Schwert und starrt darauf hin, um einen flüchtigen

Blick der Seele in ihm aufzufangen. Hiermit endet der Trancezustand.

Die Dajong legt nun irgendeinen kleinen Gegenstand, zum Beispiel eine

Reisflocke vor, die die Seele enthalten soll. Diese wird dem Kranken

auf den Kopf gedrückt, und ihm ein Palmblattstreifen um das Handgelenk

gebunden, in der merkwürdigen Absicht, dadurch die Seele zu hindern,

daß sie den Körper von neuem verläßt. Im Anschluß hieran wird ein Huhn

geopfert, in schlimmen Fällen ein Schwein, und das Blut des Tieres über

das Palmblattarmband gestrichen. Schließlich werden dem Kranken noch

gewisse Tabu auferlegt. Das ganze Verfahren ist wohl geeignet, in ihm

Vertrauen zu sich selbst zu erwecken und einen günstigen Einfluß auf

sein Leiden auszuüben.

[Illustration:

Phot. Edward Elven.

Abb. 296. Handgriffe von malaiischen Kris,

von denen der mittlere, balinesischen Ursprungs, mit bunten

Glasstückchen ausgelegt ist, während die beiden anderen aus Bein

geschnitzt sind.]

[Illustration:

Aus: de Wit, Java.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 135 / 207 题