und zum Aufhängen der erbeuteten Schädel dienen. Die Pfosten sind dem
Gotte Bali Flaki zu Ehren, der dem Beutezug gute Vorbedeutung gab,
errichtet. Schmale Streifen Fleisch von den enthaupteten Körpern werden
als Opfergabe an den Pflöcken der Pfosten aufgehängt.]
[Illustration:
Phot. Ch. Hose.
Abb. 282. Bestimmung der Zeit der Aussaat mittels einer Art Sonnenuhr
bei den Kenjah.
Sie wird durch einen Eingeborenen vorgenommen, der dieses Amt
ausschließlich ausübt. Er verläßt sich dabei nur auf die Sonnenhöhe und
verwendet zu seiner Bestimmung einen der Sonnenuhr gleichenden Apparat.
Wenn der Schatten mittags eine bestimmte Kürze erreicht, die ihn seine
Erfahrung als günstigen Zeitpunkt lehrte, so zeigt er diesen als zum
Aussäen geeignet an.]
[Illustration:
Aus: Hose, Pagan Tribes.
Abb. 283. Dankopfer eines Klemantanen für überstandene Krankheit in
Gestalt eines Eies an die Weissagevögel.
Dieselbe Gabe bringen auch Kinder den Geistern dar, wenn sie einen Fluß
zum ersten Male betreten, um deren Gunst zu erlangen.]
Die +Kopfjagden+ sind so weit verbreitet, als Malaien wohnen, von Assam
an über die Sundainseln bis nach den Molukken und den Philippinen
hinauf. Die Beweggründe für das Heimbringen von Köpfen der erschlagenen
Opfer sind mehrfache. Zunächst gilt derjenige, der möglichst viele
Köpfe erbeutet hat, für einen großen Krieger und erfreut sich
besonderer Achtung unter seinen Dorfgenossen; ein Jüngling, der ein
solches Zeichen der Tapferkeit noch nicht aufzuweisen hat, findet
bei seiner Schönen kein Gehör. Außerdem pflegt man die Handgriffe
der Schwerter und die Schilde mit Menschenhaar zu schmücken (Abb.
278). Je mehr Köpfe ein Mann von seinem Kriegszuge nach Hause bringt,
um so höheres Ansehen genießt er. Auf den Mentaweiinseln wird seine
Tatauierung mit jedem erbeuteten Kopfe reicher, und an der Kleidung
der Naga in Assam macht sich in gleicher Weise die Zahl der erbeuteten
Köpfe in bestimmten Abzeichen bemerkbar. Ferner erfordert der Brauch,
daß beim Bau eines neuen Hauses menschliche Opfer dargebracht werden;
man begnügt sich mit menschlichen Köpfen, die unter den Pfeilern
eingegraben werden, und wählt dazu die Köpfe der Feinde aus. --
Zieht man zur Erlangung von Köpfen aus, dann geschieht dies meistens
ganz verstohlen bei Tagesanbruch. Man umzingelt ein bestimmtes Haus,
steckt es in Brand und sucht die herausstürmenden Menschen im Kampfe
niederzuschlagen. Nachdem den Gefallenen die Köpfe abgehauen worden
sind, tritt man in großer Eile den Rückzug an aus Furcht, aufgelauert
oder verfolgt zu werden. Ein Gefangener wird für gewöhnlich nicht
getötet; nur wenn man keinen Kopf eines Erschlagenen erbeuten konnte,
haut man einem schwerverwundeten Gefangenen den seinen ab. Hat man
auf der Expedition Erfolg gehabt, dann schmückt man die Boote bei
der Heimfahrt mit Palmblättern; die erbeuteten Köpfe werden leicht
angeräuchert und am Heck des Bootes untergebracht. Vor jedem Dorfe,
bei dem man vorbeikommt, wird ein lauter Kriegsgesang angestimmt,
und diejenigen, die einen Kopf sich verschafften, stehen im Boote
auf. Im Heimatdorfe findet eine große Jubelfeier statt, an der sich
alle Dorfbewohner beteiligen. Die Köpfe werden in besonderen Hütten
geräuchert und sodann unter Absingen von Kriegsgesängen und Darbringung
von Opfern ins Haus überführt (Abb. 281). Hieran schließt sich ein
allgemeiner Freudentaumel, bei dem die Frauen die Köpfe ergreifen und
phantastische Tänze aufführen (Abb. 280 und farbige Kunstbeilage);
das gleiche tun die Männer in vollem Kriegsschmuck. Schließlich
werden die Köpfe sorgfältig mit Rotang umwunden und neben den bereits
früher erbeuteten aufgehängt (Abb. 247). Im Anschluß hieran wird noch
ein großes Festessen veranstaltet, bei dem man den Köpfen ein Stück
Schweinefleisch in den Mund steckt und das aus Reis hergestellte
Nationalgetränk, Borak, in einen daneben hängenden Bambusbecher
füllt. Man nimmt an, daß die mit den Köpfen verbundenen Geister diese
Opfergaben verzehren, wenn auch nicht direkt, so doch deren Seele.
Ein Feuer brennt beständig unter den Köpfen, damit diese sich warm
und behaglich fühlen, überhaupt erweist man ihnen die größte Achtung.
Denn man nimmt von ihnen an, daß sie dem Haushalte nützlich sind und
ihn beschirmen, sofern man ihnen nur die geziemende Verehrung zollt,
und daß sie nur, wenn sie vernachlässigt oder mißachtet werden, sich
beleidigt fühlen und Unheil anrichten.
[Illustration: Dajakfrauen mit Menschenschädeln in den Händen, zu einem
Tanze versammelt.
Einige Tage nach der Rückkehr einer erfolgreichen Kopfjägerexpedition
werden die abgehackten Köpfe im Triumph ins Haus gebracht. Darauf folgt
eine Zeit von Festfreuden, nach welcher die Schädel, nachdem sie von
den eingeborenen Frauen zu einem phantastischen Tanz benutzt wurden,
neben die alten gehängt werden. Das Vorhandensein von Schädeln in einem
Hause soll das Wohlwollen der Geister, die es umgeben, herbeiführen,
vorausgesetzt, daß sie genügend beachtet werden.]
Neben diesen Geistern der Köpfe gibt es aber in der Natur noch eine
Unmasse anderer, wie die der Flüsse, Berge, Gräber, Höhlen und so
weiter. In der Tat besitzt nach dem Glauben der Malaien eine jede
Örtlichkeit ihren Geist, und das Volk ist darauf bedacht, alle
erforderlichen Vorschriften und Gebräuche zu erfüllen, um sich ihrer
Gunst zu versichern. Je entlegener ein Ort ist, desto mehr ist sein
Geist zu fürchten; die Menschen, die sich zum ersten Male dorthin
begeben, achten wohl darauf, daß sie genau die vorgeschriebenen
Zeremonien erfüllen, die ganz besonderer Art sind. Auch Kinder tun
dies; kommen sie zum ersten Male in eine unbekannte Gegend, dann
stecken sie zum Beispiel ein Ei in das Ende eines Bambusstockes, um
sich den Ortsgeist geneigt zu machen (Abb. 283).
Wir knüpfen hieran einige andere +Gebräuche+ der Dajak, im besonderen
des Kenjahstammes. Wird ein +neues Haus bezogen+, so überführt man die
Köpfe aus dem alten mit dem gleichen Gepränge, wie es bei der Heimkehr
der triumphierenden Krieger üblich ist. Da man aber nicht liebt, mehr
als dreißig Köpfe in seinem Hause zu beherbergen, so benutzen die
Kenjah diese Gelegenheit, sich der überflüssigen Köpfe zu entledigen.
Sie schlagen eine besondere Hütte für diese auf und bringen darin
diejenigen, die sie los werden wollen, unter. Damit die Geister aber
nicht merken, daß man sie im Stiche gelassen hat, unterhält man an dem
neuen Aufbewahrungsort ein schwelendes Feuer und glaubt, daß, wenn
dieses erlischt, die Geister, auch wenn sie kommen wollten, sich zu
rächen, hierzu nicht mehr imstande sind.
[Illustration:
Phot. A. W. Nieuwenhuis.
Abb. 284. Tabuzeichen,
das über einen Fluß gespannt ist, um aus irgend einem Grunde den Zugang
zu verbieten. Jedes an dem Seile hängende Stück hat seine besondere
Bedeutung, die den Leuten bekannt ist.]
Ganz eigenartig ist die +Art und Weise+, wie die Dajak +einen
gewichtigen Gast empfangen+. Dieser läßt zuvor auskundschaften, ob etwa
auf dem Hause, das er zu besuchen beabsichtigt, ein Tabu ruht. Nach
günstigem Bescheid begibt er sich mit seiner Umgebung zur Galerie des
Hauses, spricht und sieht eine Minute lang seinen Gastgeber aber nicht
an, der sich übrigens auch um ihn nicht kümmert; im Gegenteil, er macht
sich mit seiner Zigarette zu schaffen und blickt auf die Erde. Der
Gast seinerseits räuspert sich höchstens oder hüstelt; darauf bringt
ihm jemand eine Zigarette, worauf erst der Gastgeber die Unterhaltung
aufnimmt mit der üblichen Frage nach der Herkunft und der Zeit des
Aufbruchs des Fremden. Wenn nach etwa einer Stunde etwas zu essen
gereicht wird, Reis oder Schweinefleisch, läßt der Gast einen Rest
davon auf seinem Teller zurück, um anzuzeigen, daß er nicht gierig
nach der Speise ist; außerdem erfordert es die gute Erziehung, daß
er seine Zufriedenheit mit der Mahlzeit ausdrückt, indem er langsam
und laut durch die Nase ausatmet. Darauf spült er sich den Mund mit
Wasser, speit es zwischen die Fußbodenbretter aus, putzt sich die
Zähne mit dem Zeigefinger und wäscht sich die Hände. Beim Abendessen
wird Reisschnaps vorgesetzt und ein voller Becher zuerst dem Gastgeber
gereicht, der den Weissagevögeln und anderen geneigten Geistern ein
Trankopfer hinschüttet und sodann trinkt. Ein zweiter Becher wird dem
Ehrengast kredenzt, der mit den Lippen schnalzt und grunzt, um dadurch
seine Anerkennung zum Ausdruck zu bringen. Bei der Mahlzeit werden
Trinklieder angestimmt, in deren Endreim alle Anwesenden einstimmen.
[Illustration:
Phot. Ch. Hose.
Abb. 285. Dajak auf der Lauer nach Vorzeichen.
Die von dem Flug oder dem Pfeifen der Vögel erhaltenen Vorzeichen
werden vor der Hütte mit einem Pflocke angemerkt so lange, bis die
guten Vorbedeutungen mit der Zahl fünf überwiegen. Die Männer dürfen
nicht mit etwa Vorbeigehenden sprechen.]
[Illustration:
Phot. A. W. Nieuwenhuis.
Abb. 286. Klemantanenfrauen beim Erntefest.