Abb. 166. Totentänzer der Torresstraßeinseln.]

Die nachstehend geschilderten typischen Begräbnisszenen aus den

verschiedenen Teilen Melanesiens sind heutigentags vielfach im

Verschwinden begriffen, da die Missionare die Eingeborenen mehr und

mehr veranlassen, ihre Toten nach den Gebräuchen der christlichen

Kirche zu bestatten. Nach dem Tode eines Koita auf Neuguinea

malt man auf sein Gesicht rote Farbstriche und sein Körper wird

reich geschmückt. Die Dorfbewohner treten nun an den Toten heran,

berühren sein Gesicht mit ihrer Nase, was etwa unserem Abschiedskuß

gleichkommen dürfte, und wachen und jammern bei der Leiche die ganze

Nacht hindurch, ohne Nahrung zu sich zu nehmen. Sodann wird der Tote

auf einen Totenstuhl (Abb. 164), das heißt ein rohes Holzgestell,

dessen Sitzbrett für drei Personen Raum bietet, gesetzt, neben ihm

nehmen zwei Lebende, etwa seine Frau und sein ältester Sohn, Platz.

Eine Stunde lang ertönen Trommelschlag und Totenlieder, dann werden

des Verstorbenen Besitzgegenstände zerschlagen und an der Seite des

Stuhles ausgelegt. Hierauf nimmt man dem Toten fast seinen ganzen

Schmuck wieder ab, „küßt“ ihn noch einmal, rollt ihn in eine Matte

und trägt ihn auf einer Stange zu Grabe. In den nächsten Tagen folgt

nun ein Leichenschmaus dem anderen. Hierauf muß die Witwe, die von

Kopf bis zu Fuß schwarz bemalt und am Haupthaar geschoren wird, einen

bestimmten Trauerschmuck tragen. Die Trauer um ihren Gatten dauert

sechs Monate, und während dieser Zeit ist sie verschiedenen Tabu

unterworfen. Nach Ablauf dieser Frist wird wieder ein Fest gefeiert,

an dem die Witwe endlich ihre Trauer ablegt; die schwarze Farbe wird

mit dem Saft unreifer Kokosnüsse von ihrem Körper abgewaschen. Bei den

Roro wird der Tote, nachdem man ihn ins Grab versenkt hat, zweimal mit

einem Baumzweige von Kopf bis zu Fuß gestreichelt, um seinen Geist

zu vertreiben. Ein oder zwei Monate lang nach dem Begräbnis brennt

nachtsüber ein Feuer auf seinem Grabe, um „den Toten zu wärmen“.

Im Mekeogebiet legen, wenn ein Mann gestorben ist, alle Verwandten

Trauer an; sie enthalten sich außerdem des Tanzens, Singens und

der lauten Lustbarkeiten. Beim Bemalen ihres Körpers verwenden sie

keine rote Farbe; die männlichen Verwandten dürfen überhaupt nichts

Bemaltes tragen und die Frauen vertauschen ihren mit Grasfransen

besetzten Rock, der sich eng um ihren ganzen Körper schmiegt, gegen

einen viel kleineren und kürzeren, der nur vorn und hinten wie eine

Schürze herunterhängt und die Seiten unbedeckt läßt. Der Tote wird im

Gemeindehaus oder auf einem besonders dazu erbauten Gerüste aufgestellt

und unter Weinen und Wehklagen, in eine Palmenblattmatte gehüllt, in

die Erde versenkt. Sobald der Tote von einer dünnen Erdschicht bedeckt

ist, wirft sich der nächste Angehörige in das Grab hinein und verharrt

hier weinend so lange, bis das Grab vollgeschaufelt ist. Nachdem das

Begräbnis vorüber ist, läßt sich dieser nächste Verwandte vor den

anderen nicht wieder sehen; nur mit einer rohen Rindenhülle bekleidet

(Abb. 177), muß er die Tage im verborgenen und die Nächte weinend auf

dem Grabe zubringen. Zur Nachtzeit wandert er auch wohl an den Orten

umher, die der Verstorbene besucht hat, und ruft ihn. Dies dauert so

lange, bis die formelle Anlegung des Trauerschmuckes vor sich geht.

Ganz im Gegensatz zu diesem Brauch tiefster Trauer geben die Männer,

die den Begräbnisritus ausgeführt haben, sich einem heiteren Feste hin,

das mit einem Spiel endigt, bei dem sie nach einem hängenden Eber- oder

Känguruhschenkel schnappen.

[Illustration:

Phot. R. W. Williamson.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 87 / 207 题