Die nachstehend geschilderten typischen Begräbnisszenen aus den
verschiedenen Teilen Melanesiens sind heutigentags vielfach im
Verschwinden begriffen, da die Missionare die Eingeborenen mehr und
mehr veranlassen, ihre Toten nach den Gebräuchen der christlichen
Kirche zu bestatten. Nach dem Tode eines Koita auf Neuguinea
malt man auf sein Gesicht rote Farbstriche und sein Körper wird
reich geschmückt. Die Dorfbewohner treten nun an den Toten heran,
berühren sein Gesicht mit ihrer Nase, was etwa unserem Abschiedskuß
gleichkommen dürfte, und wachen und jammern bei der Leiche die ganze
Nacht hindurch, ohne Nahrung zu sich zu nehmen. Sodann wird der Tote
auf einen Totenstuhl (Abb. 164), das heißt ein rohes Holzgestell,
dessen Sitzbrett für drei Personen Raum bietet, gesetzt, neben ihm
nehmen zwei Lebende, etwa seine Frau und sein ältester Sohn, Platz.
Eine Stunde lang ertönen Trommelschlag und Totenlieder, dann werden
des Verstorbenen Besitzgegenstände zerschlagen und an der Seite des
Stuhles ausgelegt. Hierauf nimmt man dem Toten fast seinen ganzen
Schmuck wieder ab, „küßt“ ihn noch einmal, rollt ihn in eine Matte
und trägt ihn auf einer Stange zu Grabe. In den nächsten Tagen folgt
nun ein Leichenschmaus dem anderen. Hierauf muß die Witwe, die von
Kopf bis zu Fuß schwarz bemalt und am Haupthaar geschoren wird, einen
bestimmten Trauerschmuck tragen. Die Trauer um ihren Gatten dauert
sechs Monate, und während dieser Zeit ist sie verschiedenen Tabu
unterworfen. Nach Ablauf dieser Frist wird wieder ein Fest gefeiert,
an dem die Witwe endlich ihre Trauer ablegt; die schwarze Farbe wird
mit dem Saft unreifer Kokosnüsse von ihrem Körper abgewaschen. Bei den
Roro wird der Tote, nachdem man ihn ins Grab versenkt hat, zweimal mit
einem Baumzweige von Kopf bis zu Fuß gestreichelt, um seinen Geist
zu vertreiben. Ein oder zwei Monate lang nach dem Begräbnis brennt
nachtsüber ein Feuer auf seinem Grabe, um „den Toten zu wärmen“.
Im Mekeogebiet legen, wenn ein Mann gestorben ist, alle Verwandten
Trauer an; sie enthalten sich außerdem des Tanzens, Singens und
der lauten Lustbarkeiten. Beim Bemalen ihres Körpers verwenden sie
keine rote Farbe; die männlichen Verwandten dürfen überhaupt nichts
Bemaltes tragen und die Frauen vertauschen ihren mit Grasfransen
besetzten Rock, der sich eng um ihren ganzen Körper schmiegt, gegen
einen viel kleineren und kürzeren, der nur vorn und hinten wie eine
Schürze herunterhängt und die Seiten unbedeckt läßt. Der Tote wird im
Gemeindehaus oder auf einem besonders dazu erbauten Gerüste aufgestellt
und unter Weinen und Wehklagen, in eine Palmenblattmatte gehüllt, in
die Erde versenkt. Sobald der Tote von einer dünnen Erdschicht bedeckt
ist, wirft sich der nächste Angehörige in das Grab hinein und verharrt
hier weinend so lange, bis das Grab vollgeschaufelt ist. Nachdem das
Begräbnis vorüber ist, läßt sich dieser nächste Verwandte vor den
anderen nicht wieder sehen; nur mit einer rohen Rindenhülle bekleidet
(Abb. 177), muß er die Tage im verborgenen und die Nächte weinend auf
dem Grabe zubringen. Zur Nachtzeit wandert er auch wohl an den Orten
umher, die der Verstorbene besucht hat, und ruft ihn. Dies dauert so
lange, bis die formelle Anlegung des Trauerschmuckes vor sich geht.
Ganz im Gegensatz zu diesem Brauch tiefster Trauer geben die Männer,
die den Begräbnisritus ausgeführt haben, sich einem heiteren Feste hin,
das mit einem Spiel endigt, bei dem sie nach einem hängenden Eber- oder
Känguruhschenkel schnappen.
[Illustration:
Phot. R. W. Williamson.