Abb. 137. Kokosnußfest auf Ruo (Neuguinea).]

[Illustration:

Phot. J. W. Beattie, Hobart.

Abb. 138. Kanu von Santa Cruz,

das sich durch die lange Plattform und die auf einem Ausleger ruhende

Hütte von der Bauart der Boote im übrigen Melanesien wesentlich

unterscheidet. Für lange Reisen werden scherenförmige Segel aufgesetzt.]

Ein Brauch der Koita sei noch erwähnt, der eines gewissen Humors

nicht entbehrt, nämlich des +Wettbewerbes zweier führenden Männer+

verschiedener Sippen, von denen der eine behauptet, er wäre größer und

reicher als der andere, besäße zum Beispiel einen größeren Garten,

ernte mehr ein und ähnliches. Der andere, der sich durch solche

Behauptung benachteiligt fühlt, fordert ihn daher zum Wettbewerb auf,

bei dem ein jeder mit Hilfe der Genossen seiner Sippe soviel wie

möglich herbeizuschaffen sich bemüht. Tagelang beschenkt der eine bei

allen nur sich darbietenden Gelegenheiten den anderen mit Eßwaren,

wofür dieser sich verpflichtet fühlt, möglichst bald ein Gegengeschenk

zu machen, das aber der erhaltenen Gabe an Menge und Güte gleichkommen

muß; der Empfänger und seine Familie verzehren das ihnen Dargebotene.

An einem festgesetzten Tage wird nun auf der einen Dorfseite entlang

eine Reihe vertikaler Stangen aufgestellt, und diese durch horizontale

Stangen miteinander verbunden. An ihnen hängt jede Partei, die eine

an dem einen, die andere an dem anderen Ende beginnend, die sowohl

in den eigenen Gärten, wie auch in denen ihrer Freunde gesammelten

Bananen der Reihe nach auf. Da jeder die allgemeine Unterstützung

seiner Clangenossen findet, so werden die Dorfgärten in Wahrheit

ausgeplündert. Jetzt kommt das eigentliche Fest, zu dem jeder der

beiden Wetteifernden alle seine Bananen und möglichst viel Zuckerrohr

zu einem mächtigen Stoß aufstapelt. Wieder fängt das gegenseitige

Beschenken an, wobei einer den anderen zu überbieten sucht, aber

dieses Mal handelt es sich nicht um Eßwaren, sondern um wertvolle

Geschenke. Fällt nun die relative Größe der aufgebauten Früchtehaufen

auf beiden Seiten gleich aus, dann ist der Ehre Genüge geschehen und

der Wettstreit beendigt; wenn nicht, so fängt er von neuem an, und

erforderlichenfalls schließen sich diesem noch andere an, ehe eine

Gleichmäßigkeit erreicht wird.

[Illustration:

Phot. C. G. Seligmann.

Abb. 139. Ein Mekeogeck im Tanzschmuck,

mit einer unter den Mekeo als elegant geltenden Wespentaille.]

[Illustration:

Aus: Parkinson, Dreißig Jahre in der Südsee.

Abb. 140. Schön geschnitztes und verziertes Segelboot von den

Hermitinseln, das für längere Reisen bestimmt ist.

Die Muster an den Bootswänden sind braun und weiß gemalt, an den

einwärts gebogenen Enden des Kiels am Bug und Heck hängen Federbüschel

herab.]

Die +religiösen Ansichten+ der Melanesier sind ziemlich unklare,

wenigstens für uns, zumal sich die bisherigen Forschungen nur auf

wenige Stämme erstrecken. So viel scheint aber festzustehen, daß

ein Glaube an ein einzelnes höheres Wesen bei ihnen nicht besteht.

Hauptsächlich beruht ihre religiöse Anschauung auf der Macht der

Seelen Verstorbener sowie der Geister, das heißt solcher überirdischer

Kräfte, die keine bestimmte Form angenommen haben. Der Untergedanke,

der dieser Auffassung zugrunde liegt, ist der an eine +übernatürliche

Macht+, an das +Mana+, die zunächst den Geistern und Seelen der

Abgeschiedenen innewohnt, aber auch auf gewisse Menschen und andere

lebende Wesen, ja selbst leblose Gegenstände übergehen kann. Beim

Menschen äußert sich das Mana in besonderer physischer Kraft oder in

sonstiger Überlegenheit und Vortrefflichkeit, überhaupt in solchen

Eigenschaften, die die Macht des gewöhnlichen Sterblichen übersteigen,

die außerhalb des natürlichen Verlaufs der Dinge liegen. Hat ein Mann

zum Beispiel im Kampfe ein besonderes Glück, so ist dies nicht etwa

seinen persönlichen Fähigkeiten zuzuschreiben, sondern das Mana eines

Geistes oder verstorbenen Kriegers hat ihm die Macht dazu verliehen,

vielleicht durch irgend ein Amulett (Stein), das er am Halse trug,

oder ein Blätterbüschel, das er im Gürtel stecken hatte, oder einen

Zahn am Finger der Hand, die den Bogen führte, oder auch nur durch

eine Formel, kraft deren er sich übernatürliche Kräfte zu verschaffen

wußte. Stirbt ein solcher mit Mana ausgerüsteter Mann, so lebt seine

übernatürliche Kraft nach seinem Tode in seiner Seele in verstärktem

Maße und mit größerer Bewegungsfreiheit weiter fort. Aber, wie schon

gesagt, kann Mana auch auf Tiere, Pflanzen und sogar leblose Dinge

übergehen. Findet ein Mann einen seltsam geformten Stein, der ganz

anders aussieht als die, die er bisher kannte, der vielleicht einer

Yamsknolle oder einer Kokosnuß gleicht, so ist er überzeugt, daß diesem

Gebilde Mana innewohnen muß; er nimmt daher den Stein mit sich und

vergräbt ihn in seinem Garten oder auf seinem Acker, damit er hier

Wirksamkeit entfalte. Stellt sich daraufhin wirklich eine reichliche

Ernte ein, dann erblickt er hierin eine Bestätigung seiner Annahme.

In letzter Linie scheint das Mana von den Geistern herzurühren, die

seine Quelle vorstellen und es durch Übertragung in andere lebende und

leblose Wesen ausstrahlen lassen. Jede Person oder jedes Ding, das Mana

aufzuweisen hat, kann es dann wieder weiter übertragen, also auch auf

Steine und andere Dinge. Mana selbst ist etwas Unpersönliches, doch ist

es in seiner Wirkung stets mit einem persönlichen Wesen verknüpft. Ein

Stein zum Beispiel besitzt Mana, weil ein Geist sich mit ihm verbunden

hat, oder ein Knochen eines Toten ist damit ausgestattet, weil des

Betreffenden Seele bei ihm weilt, oder ein ausgesprochener Zauber hat

Kraft, weil der Name einer Seele oder eines Geistes, der in der Formel

ausgedrückt wird, ihm diese Macht überträgt. Jeder sichtbare Erfolg

eines Menschen beweist, daß er Mana besitzen muß, und je größer dieser

Erfolg ausfällt, um so größer muß auch sein Gehalt an Mana sein.

[Illustration:

Phot. British Museum.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 81 / 207 题