[Illustration:
Phot. J. W. Beattie, Hobart.
Abb. 138. Kanu von Santa Cruz,
das sich durch die lange Plattform und die auf einem Ausleger ruhende
Hütte von der Bauart der Boote im übrigen Melanesien wesentlich
unterscheidet. Für lange Reisen werden scherenförmige Segel aufgesetzt.]
Ein Brauch der Koita sei noch erwähnt, der eines gewissen Humors
nicht entbehrt, nämlich des +Wettbewerbes zweier führenden Männer+
verschiedener Sippen, von denen der eine behauptet, er wäre größer und
reicher als der andere, besäße zum Beispiel einen größeren Garten,
ernte mehr ein und ähnliches. Der andere, der sich durch solche
Behauptung benachteiligt fühlt, fordert ihn daher zum Wettbewerb auf,
bei dem ein jeder mit Hilfe der Genossen seiner Sippe soviel wie
möglich herbeizuschaffen sich bemüht. Tagelang beschenkt der eine bei
allen nur sich darbietenden Gelegenheiten den anderen mit Eßwaren,
wofür dieser sich verpflichtet fühlt, möglichst bald ein Gegengeschenk
zu machen, das aber der erhaltenen Gabe an Menge und Güte gleichkommen
muß; der Empfänger und seine Familie verzehren das ihnen Dargebotene.
An einem festgesetzten Tage wird nun auf der einen Dorfseite entlang
eine Reihe vertikaler Stangen aufgestellt, und diese durch horizontale
Stangen miteinander verbunden. An ihnen hängt jede Partei, die eine
an dem einen, die andere an dem anderen Ende beginnend, die sowohl
in den eigenen Gärten, wie auch in denen ihrer Freunde gesammelten
Bananen der Reihe nach auf. Da jeder die allgemeine Unterstützung
seiner Clangenossen findet, so werden die Dorfgärten in Wahrheit
ausgeplündert. Jetzt kommt das eigentliche Fest, zu dem jeder der
beiden Wetteifernden alle seine Bananen und möglichst viel Zuckerrohr
zu einem mächtigen Stoß aufstapelt. Wieder fängt das gegenseitige
Beschenken an, wobei einer den anderen zu überbieten sucht, aber
dieses Mal handelt es sich nicht um Eßwaren, sondern um wertvolle
Geschenke. Fällt nun die relative Größe der aufgebauten Früchtehaufen
auf beiden Seiten gleich aus, dann ist der Ehre Genüge geschehen und
der Wettstreit beendigt; wenn nicht, so fängt er von neuem an, und
erforderlichenfalls schließen sich diesem noch andere an, ehe eine
Gleichmäßigkeit erreicht wird.
[Illustration:
Phot. C. G. Seligmann.
Abb. 139. Ein Mekeogeck im Tanzschmuck,
mit einer unter den Mekeo als elegant geltenden Wespentaille.]
[Illustration:
Aus: Parkinson, Dreißig Jahre in der Südsee.
Abb. 140. Schön geschnitztes und verziertes Segelboot von den
Hermitinseln, das für längere Reisen bestimmt ist.
Die Muster an den Bootswänden sind braun und weiß gemalt, an den
einwärts gebogenen Enden des Kiels am Bug und Heck hängen Federbüschel
herab.]
Die +religiösen Ansichten+ der Melanesier sind ziemlich unklare,
wenigstens für uns, zumal sich die bisherigen Forschungen nur auf
wenige Stämme erstrecken. So viel scheint aber festzustehen, daß
ein Glaube an ein einzelnes höheres Wesen bei ihnen nicht besteht.
Hauptsächlich beruht ihre religiöse Anschauung auf der Macht der
Seelen Verstorbener sowie der Geister, das heißt solcher überirdischer
Kräfte, die keine bestimmte Form angenommen haben. Der Untergedanke,
der dieser Auffassung zugrunde liegt, ist der an eine +übernatürliche
Macht+, an das +Mana+, die zunächst den Geistern und Seelen der
Abgeschiedenen innewohnt, aber auch auf gewisse Menschen und andere
lebende Wesen, ja selbst leblose Gegenstände übergehen kann. Beim
Menschen äußert sich das Mana in besonderer physischer Kraft oder in
sonstiger Überlegenheit und Vortrefflichkeit, überhaupt in solchen
Eigenschaften, die die Macht des gewöhnlichen Sterblichen übersteigen,
die außerhalb des natürlichen Verlaufs der Dinge liegen. Hat ein Mann
zum Beispiel im Kampfe ein besonderes Glück, so ist dies nicht etwa
seinen persönlichen Fähigkeiten zuzuschreiben, sondern das Mana eines
Geistes oder verstorbenen Kriegers hat ihm die Macht dazu verliehen,
vielleicht durch irgend ein Amulett (Stein), das er am Halse trug,
oder ein Blätterbüschel, das er im Gürtel stecken hatte, oder einen
Zahn am Finger der Hand, die den Bogen führte, oder auch nur durch
eine Formel, kraft deren er sich übernatürliche Kräfte zu verschaffen
wußte. Stirbt ein solcher mit Mana ausgerüsteter Mann, so lebt seine
übernatürliche Kraft nach seinem Tode in seiner Seele in verstärktem
Maße und mit größerer Bewegungsfreiheit weiter fort. Aber, wie schon
gesagt, kann Mana auch auf Tiere, Pflanzen und sogar leblose Dinge
übergehen. Findet ein Mann einen seltsam geformten Stein, der ganz
anders aussieht als die, die er bisher kannte, der vielleicht einer
Yamsknolle oder einer Kokosnuß gleicht, so ist er überzeugt, daß diesem
Gebilde Mana innewohnen muß; er nimmt daher den Stein mit sich und
vergräbt ihn in seinem Garten oder auf seinem Acker, damit er hier
Wirksamkeit entfalte. Stellt sich daraufhin wirklich eine reichliche
Ernte ein, dann erblickt er hierin eine Bestätigung seiner Annahme.
In letzter Linie scheint das Mana von den Geistern herzurühren, die
seine Quelle vorstellen und es durch Übertragung in andere lebende und
leblose Wesen ausstrahlen lassen. Jede Person oder jedes Ding, das Mana
aufzuweisen hat, kann es dann wieder weiter übertragen, also auch auf
Steine und andere Dinge. Mana selbst ist etwas Unpersönliches, doch ist
es in seiner Wirkung stets mit einem persönlichen Wesen verknüpft. Ein
Stein zum Beispiel besitzt Mana, weil ein Geist sich mit ihm verbunden
hat, oder ein Knochen eines Toten ist damit ausgestattet, weil des
Betreffenden Seele bei ihm weilt, oder ein ausgesprochener Zauber hat
Kraft, weil der Name einer Seele oder eines Geistes, der in der Formel
ausgedrückt wird, ihm diese Macht überträgt. Jeder sichtbare Erfolg
eines Menschen beweist, daß er Mana besitzen muß, und je größer dieser
Erfolg ausfällt, um so größer muß auch sein Gehalt an Mana sein.
[Illustration:
Phot. British Museum.