mit schön geschnitzter Speiseschüssel und geschnitzten Fregattenvögeln
auf dem Dachgiebel.]
Wir erwähnten bereits öfter die +Klubhäuser+, jene Gebäude, die im
Grunde genommen den Mittelpunkt des ganzen geselligen Lebens der
männlichen Dorfbewohner bilden, insofern als hier nicht nur die
Junggesellen, zu bestimmten Zeiten auch die verheirateten Männer
wohnen, sondern auch alle wichtigen Fragen gemeinsam auf der Plattform
besprochen werden und Besucher des Dorfes gastliche Aufnahme finden
(Abb. 128), ferner die Masken und andere Zeremonialgeräte aufbewahrt
werden (Abb. 130 und 131). In manchen Küstengegenden, besonders in den
alten Kopfjägerbezirken, waren die großen Kanuhäuser, in denen die
Kriegsboote aufbewahrt wurden, gleichzeitig Klubhäuser; diese haben
indessen heutzutage ihre kriegerische Bedeutung durch die Einhalt
gebietende Hand des Weißen verloren. Es bedarf wohl keiner weiteren
Begründung, daß die +Einweihung so wichtiger Gebäude+ zumeist mit
mehr oder weniger Feierlichkeiten begangen wird. Zwar sind die alten
Gebräuche, die sich an die Fertigstellung eines Kanuhauses (siehe
die Kunstbeilage) knüpften und, wie auf den Salomonen, Neuhebriden
und anderen Inseln, früher mit Menschentötung und Kannibalismus
einhergingen, durch das Verbot der zuständigen Regierung meistens
geschwunden, aber in entlegenen Gegenden dürften sie doch hin und
wieder noch ihr Dasein fristen. Jetzt sind die Zeremonien viel
harmloserer Natur. In der Rorogegend wird die Front eines neuerbauten
Klubhauses vor der Einweihungsfeier, zu der die befreundeten Dörfer
von den Häuptlingen persönlich durch Überreichung einer Arekanuß,
das anerkannte Zeichen der Freundschaft, eingeladen werden, häufig
mit Kokosmatten verhängt und die Umgebung durch Nahrungsmittel
sowie Palmenblätterfahnen, die an Bambusstangen befestigt sind,
ausgeputzt. Von jedem Häuptling, der mit seinen Leuten der Einladung
Folge leistet, wird erwartet, daß er ganze Büschel von Bananen
als Gegengabe für die Beköstigung mitbringt. Die Besucher kommen
abends an und werden zunächst mit einem kleinen, zwanglosen Tanz der
Dorfbewohner unterhalten. Bei einbrechender Dunkelheit werden die
Matten vor dem Klubhaus entfernt, die Häuptlinge, deren Leuten das
Haus gehört, halten Reden von seiner Plattform herab, worauf auch
die Schnitzereien am Bau von ihren Hüllen befreit werden. Dann setzt
der große feierliche Tanz ein, der bis in den Morgen hinein oder
noch länger andauert. Die Bewohner rivalisierender Dörfer oder Clans
wetteifern oft miteinander, wer dabei wohl am längsten aushält; so
soll einst ein solcher Tanz sechsundzwanzig Stunden gedauert haben.
Nach dem Tanze gibt es ein Festessen. Bei den Koita vertritt der
+Dubu+ (Abb. 129) das sonst mehr übliche Klubhaus; es ist dies aber
nur ein offener Plattformbau, der nicht zum Schlafen, sondern nur zu
geselligen und festlichen Zusammenkünften benutzt wird. Dem Feste
gehen Spiele voraus, zum Beispiel ein Ringkampfspiel der Männer gegen
die Frauen oder ein Spiel, bei dem die eine Gruppe durch die andere
hindurchzukommen trachtet. Auf eine provisorisch erbaute Plattform,
auf der gekochte Yamswurzeln sowie Bananen aufgespeichert liegen,
klettert eine Anzahl Männer und unverheirateter Mädchen; die letzteren
führen einen Tanz auf, bei dem sie ihre Grasröcke von einer Seite zur
anderen schwenken, indem sie den Körper von den Hüften aus biegen und
drehen. Diese Aufführung, an die sich noch andere Tänze anschließen,
ist in Wirklichkeit nur die öffentliche Ankündigung dafür, daß die
große Zeremonie bevorsteht. Wenn der wirkliche Dubu vorbereitet ist,
wird er geschmückt und so hoch wie möglich mit Eßwaren beladen; die
Eingeborenen fällen junge Bäume, schlagen ihre Äste ab und pflanzen sie
dann wieder in den Boden ein. Jeder von ihnen erhält eine Umzäunung aus
Zuckerrohrstangen, wobei die Stangen dicht aneinander gefügt werden,
so daß gleichsam große vertikale Behälter entstehen. Diese werden
wieder mit Yamswurzeln, Bananenbüscheln und Kokosnüssen angefüllt; die
gleichen Früchte werden auf und unter die Plattform sowie zu beiden
Seiten der nach oben führenden Leiter aufgestapelt. Am Festmorgen
endlich werden noch Schweine auf die Plattform gebracht. Nach diesen
Vorbereitungen waschen sich die Leute in der See, schmücken sich und
versammeln sich auf dem Dubu, wo sie ihre Mahlzeit in Schweinefleisch
einnehmen und die Gäste erwarten. Diese sind inzwischen aus den
umliegenden Dörfern eingetroffen, und zwar bewaffnet, und versammeln
sich im Busch ums Dorf. Auf ein mit einer Seemuschel vom Dubu aus
gegebenes Zeichen stürzen dann alle Männer in das Dorf, und schwingen
die Speere und Keulen unter Trommelschlag. Früher gab dieser Überfall
oft Anlaß zu einem Kampf, indessen trat man den Gästen paarweise mit
Zuckerrohrbündeln entgegen und schlug damit die Speere und Keulen der
Besucher nieder; es galt als unhöflich, den Streit dann noch weiter
fortzusetzen. Hinter den Männern kommen eine Anzahl Frauen, die ihre
Röcke schwenken, jede einzelne trägt zwei große Yamswurzeln, die sie
Eingeborenen von Rang schenken. Und nun klettert eine Anzahl Mädchen
auf die Pfosten des Dubu, stellt sich auf die Querbalken und schwenkt
eifrig die Röcke. Während all dieser Vorgänge bleiben die Männer der
Sippe, die das Fest gibt, zunächst ruhig auf dem Dubu sitzen, sobald
sich die allgemeine Aufregung gelegt hat, steigen sie von ihm herab,
setzen sich zu den Besuchern und rauchen dabei oder kauen Betel. Die
weiblichen Gäste werden auch herbeigeholt und erhalten ihre Handtaschen
mit Yamswurzeln angefüllt. Darauf besteigen die festgebenden Männer
wieder den Dubu, die Eßwaren werden nun allgemein unter die Besucher
verteilt, und der Tanz beginnt.
[Illustration:
Aus: Seligmann, The Melanesians.
Abb. 129. Dubuplattform der Koita (Neuguinea) zur Abhaltung von
Zeremonien. Sie ist heilig und die Geister der Toten sollen nach dem
Glauben der Koita zu gewissen Zeiten auf sie zurückkehren.]
Auf Neuguinea knüpfen sich auch an die +Verleihung der Häuptlingswürde+
gewisse Zeremonien. Bei den Mekeo zum Beispiel besteht die Sitte,
daß ein Häuptling noch bei Lebzeiten einen Mann der gleichen Sippe
zu seinem Nachfolger bestimmt und die Einweihung sogleich vornimmt.
Dieser Vorgang gestaltet sich zu einem großartigen Fest, denn es werden
viele Häuptlinge aus anderen Sippen eingeladen, von denen jeder wieder
seine Freunde mitbringt. Die Vorbereitungen zu dem mit diesem Fest
verbundenen Schmaus erfordern viele wilde Schweine, Känguruhe und Emue.
Alle eingeladenen Häuptlinge nehmen nach ihrer Ankunft auf der großen
Verandaplattform des Gemeindehauses der Sippe, deren Häuptling die
Zeremonie leitet, Platz. Dann betritt der alte Häuptling, mit dem
Abzeichen seiner Würde bekleidet, das bei den Roro in einem auf der
Brust ruhenden Schmuckstück aus dünnen Plättchen abgeschliffener Hauer
des Ebers besteht (siehe die farbige Kunstbeilage), in Begleitung
seines voraussichtlichen Nachfolgers die Plattform; er trägt dabei in
der Hand einen Kürbis mit Kalkpaste (Abb. 132), die als Würze beim
Betelkauen dient, und hält eine Ansprache an die anderen Amtsgenossen,
in der er ihnen das Recht der Nachfolge, das der Vorgeschlagene
besitzt, auseinandersetzt. Hierauf klappert er mit dem Kalkspatel an
seinen Kürbis und reicht diesen seinem Nachfolger, der gleichfalls mit
dem Spatel daran schlägt und dann den Kürbis wieder zurückgibt. Damit
ist die Amtsverleihung vollzogen.
[Illustration:
Phot. H. M. Dauncey.
Abb. 130. Inneres eines Klubhauses der Roro.
Bemerkenswert sind die beiden geschnitzten Pfosten mit Darstellungen
eines Krokodils und eines menschlichen Kopfes.]
[Illustration:
Phot. Donald Mackay.
Abb. 131. Inneres eines Klubhauses auf Toripi mit Waffen, Masken,
Zauberzeichen und Menschenschädeln.]
In manchen Gegenden Melanesiens gibt es auch +Erntefeste+. Wenn in
dem südöstlichen Gebiet von Neuguinea die Ernte eingebracht, und im
besonderen die Yamswurzel im Yamshause geborgen ist, so bindet der
Häuptling, der bereits schon Tage vorher unter Nahrungsbeschränkung
gestanden hat, ein Stück präparierter Faser um einen Pfosten jedes
Yamshauses; dadurch wird es tabu, das heißt es darf von niemand
angefaßt werden (Abb. 135). Außerdem werden auf einer kleinen
Plattform Armringe, einheimisches Geld und andere Schätze ausgelegt.
Hieran schließen sich Schmaus und Tanz viele Tage lang (Abbild. 133).
Weiterhin versammeln sich die Männer, gehen im Dorf umher, schreien,
schlagen an die Pfähle der Häuser und werfen alles um, worin sie einen
Geist verborgen vermuten. Damit endigt diese sonderbare Zeremonie, der
offenbar der Gedanke zugrunde liegt, daß die Geister, nachdem sie an
dem Feste teilgenommen, nämlich die Tänze mit angesehen, die Lieder
gehört, sowie Yamswurzeln und die zur Schau gelegten Sachen angeboten
erhalten haben, reich und gut versorgt seien und daher nunmehr
vertrieben werden müßten, um kein Unheil anzurichten.
[Illustration:
Aus: Seligmann, The Melanesians.
Abb. 132. Kalkbüchse eines Häuptlings aus einem Kürbis,
zum Gebrauch beim Betelkauen.]
[Illustration:
Aus: Brown, Melanesians and Polynesians.