[Illustration:
Aus: Parkinson, Dreißig Jahre in der Südsee.
Abb. 115. Knieender Maskenträger von den Französischen Inseln
(Bismarckarchipel).]
[Illustration:
Aus: Parkinson, Dreißig Jahre in der Südsee.
Abb. 116. Geistermasken eines alten, nunmehr vergessenen Brauches auf
der Gazellehalbinsel.
Obgleich die jetzigen Eingeborenen nicht mehr wissen, welche Geister
diese Masken darstellen, halten sie noch an den alten Geistertänzen
fest, bei denen diese Masken getragen werden.]
[Illustration:
Phot. C. M. Woodford.
Abb. 117. Salomoinsulaner beim Fadenspiel,
das sehr beliebt ist. Sie besitzen darin große Gewandtheit, machen alle
mögliche, oft schwierige Figuren, ahmen mit Hilfe der Fäden Menschen,
Tiere und andere, selbst in Bewegung befindliche Dinge, wie kämpfende
Männer, nach.]
[Illustration:
Aus: Meyer-Parkinson, Papua-Album II.
Abb. 118. Eingeborene mit Panflöten.
Diese Instrumente, mit denen die Insulaner eine ganz gute musikalische
Wirkung erzielen, werden in Melanesien häufig angetroffen.]
In den Hochzeitszeremonien kehren verschiedentlich Anklänge an
die Raubehe wieder. So umzingeln, um ein Beispiel anzuführen, im
Rorogebiet (Britisch-Neuguinea) am Hochzeitstage eine Anzahl Freunde
des Bräutigams das elterliche Haus des Mädchens und nehmen von ihm
durch einen Scheinangriff unter viel Lärm und Toben Besitz. Das Mädchen
entkommt dabei, wird aber verfolgt und wieder eingefangen, trotzdem
es sich gegen seine Feinde mit Händen, Füßen und Zähnen verteidigt.
Währenddessen spielt sich in seines Vaters Haus der Kampf weiter ab.
Seine Mutter schlägt jeden leblosen Gegenstand ihrer Umgebung mit
einer Keule oder einer Waffe und stößt dabei gegen die Räuber ihrer
Tochter Flüche aus, schließlich bricht sie zusammen und verfällt ins
Weinen, in das andere Frauen aus dem Dorf mit einstimmen. Ihre Klagen
dauern drei Tage lang. Nachdem das Mädchen eingefangen ist, wird es in
das väterliche Haus des Knaben geführt und auf die Verandaplattform
gesetzt. Sobald der Jüngling sie ankommen sieht, läuft er seinerseits
weg und versteckt sich, wird aber schleunigst von seinen Freunden
wieder eingefangen, angemalt und geschmückt; dabei leistet er immer
noch Widerstand. Endlich bringen sie ihn doch in das väterliche
Haus, wo er sich neben das Mädchen setzen muß. Sodann wird die Ehe
als vollzogen verkündet, aber das Paar nimmt nicht die geringste
Notiz voneinander; es tut so, als ob es sich nicht kennt. Am nächsten
Morgen muß der Vater des jungen Mannes eine Flut von Schimpfreden
von dem Vater des jungen Mädchens über sich ergehen lassen, die ihr
Ende nur durch ein Sühnegeschenk in Gestalt eines geschlachteten
Hundes findet. Am Nachmittag wird die junge Frau von den Verwandten
des jungen Mannes geschmückt, und das Paar wiederum auf derselben
Plattform zusammengebracht. Auch jetzt ignoriert es einander wieder
vollständig. Indessen bei der Wiederholung am dritten Tage kommt
gewöhnlich eine Aussöhnung zustande. Das Mädchen reicht dem Jüngling
Betel, dieser nimmt ihn und kaut ihn. Endlich kommt die Mutter des
Mädchens, die sich bisher von allen diesen Zusammenkünften ferngehalten
hat, und besucht ihre Tochter, über die sie weint und klagt, bis ein
geschlachtetes Schwein ihr als Sühne angeboten wird. Der zweite Teil
der Hochzeitszeremonie findet etwa drei bis acht Wochen später statt;
vordem darf die Braut weder ihres Vaters Dorf besuchen, noch etwas von
dorther essen. Auf die Einladung der Verwandten der jungen Frau hin
wandern die Angehörigen des Mannes in das Dorf, in dem ihr Vater wohnt,
und bringen sie, reich geschmückt an der Spitze des Zuges einhergehend,
mit. Man trägt an einem Stock aufgehängte Schweine und wertvollen
Federkopfputz (Abbild. 126); alles dieses erhält der Vater der jungen
Frau. Hiernach wird ihr aller Schmuck abgenommen und ebenfalls ihrem
Vater überreicht, der als Gegengabe an die Familie des jungen Mannes
Fische und Bananen gibt. Diese nimmt sie ins Dorf mit und verteilt sie
unter die Freunde, die zu dem Kaufpreis beigesteuert haben. Einige
Tage später besucht das Paar wieder das Dorf der jungen Frau und
erhält hier Geschenke. Man sieht, Geschenke und Festessen machen in
der Hauptsache überall die Hochzeitsfeierlichkeiten aus, die nur hie
und da ihre örtlichen Verschiedenheiten aufweisen. So wird auf den
Torresstraßeninseln, wo übrigens die Hochzeit mit einer Entführung
des Mädchens durch den Jüngling in der Nacht vorher ihre Einleitung
erfährt, die Braut mit einem Rock nach dem anderen behängt, bis die
Last sie so sehr beschwert, daß sie nicht mehr stehen kann, sondern
von zwei Frauen aufrecht gehalten werden muß. Auf solche Weise schwer
belastet, muß sie unter strenger Aufsicht einen Monat lang verharren,
dann erst werden ihr die Röcke wieder abgenommen. Die weitere Feier
liefert Stoff zu mancherlei Scherzen.
[Illustration:
Aus: Parkinson, Dreißig Jahre in der Südsee.
Abb. 119. Hahnenmaske von der Gazellehalbinsel, die nur von Knaben
gemacht und von ihnen beim Tanz getragen wird. Bei einer der vielen
Zeremonien auf dieser Landzunge geben angesehene Eingeborene ihren
Nachbarn ein Fest, bei dem jede Familie tanzt. Es wird von letzteren
erwartet, daß sie die Geschenke, die der Gastgeber vordem verabreichte,
vergüten. Die Knaben tanzen in ihren Masken und verlangen dafür Geld
von den Zuschauern.]
Wir schließen die Hochzeitszeremonien mit der Schilderung eines solchen
Festes, das in einem Dorfe von Holländisch-Neuguinea vor sich ging.
Es begann am Abend vorher mit dem Jammern der Frauen, die der Braut
das Geleite aus ihrem Dorfe in das ihres Bräutigams gegeben hatten
und nun den Verlust beklagten. Diese Klagen glichen vollkommen einem
Klagelied bei einem Begräbnis. Jede Strophe setzte laut und in hoher
Tonlage ein, ließ dann an Stärke nach und endete mit tiefen gedämpften
Tönen. Die Stimmenzahl mehrte sich allmählich während der ganzen
Nacht, und bis drei Uhr morgens war die Luft von den schrillen Tönen
erfüllt. Bei Tagesanbruch, als die Braut sich fertig machte, um sich
dem Brautzug anzuschließen, stieg der Lärm aufs höchste. Kaum war die
Sonne aufgegangen, so setzte sich der Zug unter großem Andrang in
Bewegung. Voran ging die mit Blumen und Schmucksachen im Haar reich
gezierte und mit einem langen weißen Rindenrocke bekleidete Braut;
sie hielt die Augen geschlossen und die Arme nach oben und etwas nach
vorn ausgebreitet; an jeder Seite von ihr ging ein alter Mann, der sie
am Oberarm zu führen schien, hinter ihnen folgten unter Wehklagen die
Frauen ihres eigenen Dorfes, nach denen die Frauen aus dem Dorfe des
Bräutigams kamen. Der Zug bewegte sich durch das Dorfgemeindehaus,
dessen Fußboden ungefähr einen Meter höher lag als der Erdboden; die
Braut mußte sich dabei vorwärts tasten, als sie den hinaufführenden
schmalen Balken hinanschritt. Die Männer saßen umher und kümmerten sich
anscheinend nicht um diesen Zug, an dem fast nur Frauen teilnahmen. Vor
dem Hause des Häuptlings, dessen Sohn die Hochzeit feierte, gingen die
Teilnehmer des Zuges auseinander; von weiteren Festlichkeiten merkte
der Berichterstatter nichts.
[Illustration:
Phot. E. v. Hesse-Wartegg.