Klubhaus der Palauinsulaner.]

[Illustration:

Phot. A. J. Iles.

Abb. 43. Eine natürliche Küche auf Neuseeland.

Die heißen Quellen dieses an Geisern so reichen Landes liefern seinen

Bewohnern Wasser in allen Wärmegraden, das zum Kochen wie zum Baden

verwendet wird.]

Das +Feuer+ wird durch Reiben zweier Hölzer, von denen das eine hart,

das andere weich sein muß, gewonnen. Man reibt das harte angespitzte

Stück mit starkem Druck in einer Rille auf der Unterlage hin und her,

bis die durch Reibung erzeugte Hitze den dabei entstehenden feinen

Staub zum Glühen bringt, und entfacht diesen durch Anblasen und

Auffangen mittels trockenen Grases zu einer Flamme. -- Die +Nahrung+

der Polynesier besteht in den Früchten der Kokos- und Pandanuspalme,

des Brotfruchtbaumes, den Wurzelknollen des Tarogewächses -- auf Hawai

ist Poi (Abb. 1) eine daraus hergestellte sehr beliebte teigartige

Speise --, in Schweinen, Hühnern und den Erzeugnissen des Meeres

(Fischen, Krebsen, Muscheln und Schildkröten). Ein Hauptleckerbissen

der Samoaner ist der Palolo, ein Wurm der Eunicegattung, der zu

bestimmten Zeiten in großen Massen unter Festlichkeiten gesammelt

wird. Eine andere eigenartige Speise bereiten die Marshallinsulaner

aus Pandanusnüssen. Man kocht diese, preßt den Saft heraus,

nachdem die Frucht mit der Schale geschrappt worden ist, und setzt ihn

der Sonnenhitze zum Eintrocknen aus, wodurch eine Art Teig in Form

von Eierkuchen entsteht. Eine Anzahl dieser Kuchen wird lagenweise

aufeinander gelegt und bildet so eine große Wurst, die mit Blättern

umwickelt und fest verschnürt wird. Solche Rollen haben manchmal eine

Länge von fast drei und einen Umfang von nahezu zwei Meter (Abb. 44).

Sie halten sich sehr lange Zeit, und je nach Bedarf werden Stücke davon

abgeschnitten.

[Illustration:

Aus: Kraemer, Samoainseln.

Abb. 44. Eine große Rolle mit konservierten Lebensmitteln,

wie sie auf den Marshallinseln aus Pandanusnüssen bereitet werden.

Diese Rollen werden aufbewahrt und dienen als Proviant für längere

Reisen.]

[Illustration:

Phot. J. W. Walters.

Abb. 45. Zubereitung der Kava.

Die Wurzel des Rauschpfeffers wird zerstoßen oder gekaut, dann wird die

Masse mit Wasser gemischt und hierauf durch ein Faserbündel geseiht.]

Eine eingehendere Behandlung erfordern die +Zubereitung der Kava+ (Abb.

45), des Nationalgetränkes der Polynesier, sowie die Zeremonien des

Kavatrinkens. Die Gewohnheit des Kavatrinkens erstreckt sich nicht nur

über ganz Polynesien, mit Ausnahme der südlichen Gebiete von Neuseeland

und die Chataminseln, und Mikronesien (Karolinen), sondern kommt auch

auf Neuguinea und verschiedenen anderen Inseln Melanesiens vor. Der

Kavatrank wird aus der Wurzel einer Pfefferart, des Rauschpfeffers

(~Piper methysticum For.~) gewonnen. Die ursprüngliche Methode der

Zubereitung bestand darin, daß man die zerkleinerte Wurzel vollständig,

etwa zehn Minuten lang, zerkaute, sie mit dem dabei angesammelten

Speichel, von dem nichts verschluckt werden durfte, in ein Gesäß

ausspie und das Ganze hierin mit Wasser oder auch Kokosmilch verdünnte.

Auf den Tonga- und Marquesasinseln, auch auf Fidschi waren es Jünglinge

oder Knaben mit guten Zähnen und gesunder Mundhöhle, die das Kauen

der Wurzel besorgten, auf Samoa und Tahiti aber junge Mädchen, die

sich vorher die Hände waschen und den Mund ausspülen mußten. Auf

Samoa im besonderen fiel dieses Amt einer Häuptlingstochter, der

Dorfjungfrau oder Taupu zu (Abb. 46), die allgemein ein großes Ansehen

genießt. Schon in der frühesten Jugend wird eine Häuptlingstochter

für diesen Posten ausgewählt, den sie bis zu ihrer Verheiratung

ehrenamtlich bekleidet. Sie wird bis ins kleinste hinein in allen

geselligen Talenten, besonders im Tanzen, ausgebildet; auf ihre äußere

Erscheinung wird großer Wert gelegt und nirgends geht sie hin, ohne von

zwei Anstandsdamen begleitet zu sein, denn ihr guter Ruf muß sorgfältig

behütet werden. Natürlich ist sie von aller anstrengenden Arbeit

befreit. Zur Reifezeit nimmt sie ihre gesellschaftlichen Pflichten auf,

die darin bestehen, daß sie, wenn großer Besuch ins Dorf kommt, die

Wirtin macht, die Gäste begrüßt und bei festlichen Gelegenheiten die

Kavabowle darreicht (früher auch vorher kaute), sowie den Tanz anführt.

-- Die Sitte des Kavakauens ist jetzt vielfach abgekommen zugunsten des

Reibens mit Steinen. Auf Samoa benutzt man auch Maschinen.

[Illustration: Aus: Hesse-Wartegg, Samoa.

Abb. 46. Samoanische Taupu im Blumenschmuck und mit einem Halsband aus

Walfischzähnen.]

Das +Kavatrinken+ spielt bei den meisten Zeremonien (Abb. 48) eine

sehr große Rolle und ist das unvermeidliche Vorspiel für alle

Erörterungen politischer Angelegenheiten. Auf Tonga setzen sich bei

einer solchen Zeremonie alle diejenigen, deren Rang es zuläßt, in

einem Oval nieder, das eine Ende nimmt der erste Häuptling ein, das

andere aber bleibt offen, denn hier steht die große hölzerne Schüssel

für die Zubereitung der Kava, und hinter ihr sitzt, dem präsidierenden

Häuptlinge gegenüber, der Zubereiter und an jeder Seite ein Gehilfe,

der eine mit einem Fächer bewaffnet, um die Fliegen fernzuhalten, der

andere mit mehreren großen Schalen Wassers. Hinter ihnen kauern die

Zuschauer, deren Rang nicht gestattet, in dem Kreise der Auserwählten

Platz zu nehmen. Die zerkleinerte Wurzel wird in die Schüssel getan;

diese Tatsache kündet der Zubereiter mit einer stereotypen Phrase an,

worauf einer der dem präsidierenden Häuptlinge zur Seite sitzenden

Matabule, das ist Knappen, ihm mit dem Worte „Mische“ antwortet. Ein

Gehilfe gießt nun Wasser auf, und der Zubereiter knetet die Masse mit

beiden Händen, bis sie die erforderliche Festigkeit angenommen hat.

Die Flüssigkeit wird dann durch ein Büschel aus Hibiskusfasern mittels

Auswindens filtriert und das Getränk ist mundfertig. Die Gehilfen

füllen nun die aus halben, dünn geschliffenen und fein geglätteten

Kokosschalen hergestellten Trinkbecher an und der Matabule ruft die

Namen derjenigen auf, denen sie gebracht werden sollen, wobei sehr

wichtig ist, daß die Reihenfolge in der anerkannten Rangfolge gewahrt

wird. Der Empfänger klatscht in die Hände, um zu zeigen, wo er seinen

Platz hat. -- Auf Samoa, wo die Eingeborenen mit großer Hartnäckigkeit

an der alten Sitte des Kavatrinkens festhalten, spielt sich die

Zeremonie in ziemlich der gleichen Weise ab. Bei der Verteilung des

Trankes an hohe Häuptlinge wird indessen nicht ihr Name, sondern

der ihres Bechers ausgerufen. In früheren Tagen war die Zeremonie

des Kavatrinkens noch mit religiösen Riten verbunden. Sobald das

Kavatrinken einen offiziellen Anstrich hat, sind überall die Frauen

von der Teilnahme ausgeschlossen, sonst aber nehmen sie dieses Getränk

sehr gern zu sich, und auf Viti Lewu und Tonga soll es wirkliche

Kavakränzchen geben, die ausschließlich von Frauen besucht werden. --

In kleinen Mengen oder in schwacher Lösung getrunken, bildet die Kava

ein ungemein erfrischendes und kühlendes Anregungsmittel, in größeren

Mengen übt sie eine leicht narkotisierende Wirkung aus, die das Gefühl

von Behaglichkeit, Zufriedenheit und Glückseligkeit schafft.

Großen Fleiß und peinliche Sorgfalt verwenden die Polynesier auf den

Bau ihrer +Wohnstätten+, namentlich auf den ihrer Klubhäuser (siehe die

Kunstbeilage), die sie kunstvoll verzieren, eine bedeutende Leistung in

Anbetracht der primitiven (Stein-)Werkzeuge, die ihnen vor Einführung

der Metallinstrumente hiefür zur Verfügung standen.

[Illustration: Phot. Freih. v. Rummler.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 45 / 207 题