Zwei Mädchen aus Tutuila.]

[Illustration:

Phot. A. J. Iles.

Abb. 10. Eine Maorimutter mit einer Feder des Huiavogels im Haar.

Sie trägt ihr Kind in altgewohnter Weise in ihrem Mantel, der aus

Flachsblättern und Kiwifedern besteht. Vielfach sind die Maorifrauen um

Kinn und Lippen tatauiert, wie dies früher alle Frauen von Rang dieses

Volkes waren.]

Eine hundertjährige Berührung mit den Europäern hat fast alle

ursprünglichen Gebräuche und Sitten der Polynesier zerstört; nicht

zum mindesten hat dazu ihre Bekehrung zum Christentum beigetragen.

Da beinahe alle ihre Gebräuche und besonders ihre politischen

Einrichtungen auf ihrer alten Religion aufgebaut waren, so hat das

Aufhören der letzteren das Verschwinden der ersteren, wenigstens

zum größten Teile, zur Folge gehabt. Mit Mikronesien ist es in dieser

Hinsicht weniger schlecht bestellt; wir finden dort noch viele

Überreste der ursprünglichen Lebensweise, und obgleich das Christentum

hier ebenfalls bedeutende Fortschritte zu verzeichnen hat, so können

wir doch noch den Spuren des alten Glaubens, besonders auf den

entfernteren Inseln, vielfach begegnen.

[Illustration:

Phot. Josiah Martin.

Abb. 11. Tiki-Tiki der Maori aus Jadeit,

das gewöhnlich von dem Familienoberhaupt getragen wird.]

[Illustration: Abb. 12. Festgewänder der Eingeborenen auf Tahiti.]

Der Aberglauben der Polynesier setzt bereits vor der Geburt des Kindes

ein. Das erste Anzeichen der +Schwangerschaft+ wird auf Samoa mit

einem kleinen Fest gefeiert. Auf den Gilbertinseln wird damit, wenn es

die erste Schwangerschaft ist, eine umständliche Zeremonie verbunden.

Gegen Ende des zweiten Monats wird von einer alten weisen Frau aus den

Schalen von ungefähr fünfzig Kokosnüssen eine Pyramide aufgebaut und

in deren Spitze das Herzblatt einer Kokospalme gesteckt. Darauf heißt

sie die Schwangere sich auf einer Matte daneben setzen, nimmt von einem

dazu besonders bereiteten Brote aus Taroknollen und Kokosnußkernen ein

ungefähr einen Fuß langes Stück, rollt es zwischen den Händen, berührt

damit die angehende Mutter an verschiedenen Körperstellen und murmelt

gleichzeitig Gebete an die Göttin Eibong des Inhaltes, daß das zu

erwartende Kind schön und wohlgestaltet ankäme und, wenn es ein Knabe

sei, dieser später die Liebe und Zuneigung junger Mädchen gewinne,

oder, wenn es ein Mädchen sein sollte, dieses die Liebe eines reichen

Mannes oder eines tapferen Kriegers finden möge. Darauf bricht sie

ein Stück von dem Gebäck ab, reicht es der jungen Frau und den Rest

dem jungen Ehemanne zum essen. Bis zum Morgen am vierten Tage schläft

die Alte dann mit der Schwangeren jede Nacht neben der Kokospyramide.

Jetzt melden sich Adoptiveltern für das Kind, da es Sitte ist, dieses

nach Beendigung der Säugezeit anderen Eltern zu übergeben. Am Ende des

dritten Monats begibt sich das junge Paar mit seinen Verwandten und

der weisen Frau an einen unbewohnten Ort. Letztere stellt hier Speisen

und Getränke unter einem Baum auf, um den der Adoptivvater des Gatten

der Schwangeren mit ihr dreimal herumgeht; dann nehmen beide unter

dem Baume Platz und werden von der alten Frau mit Speise versorgt.

Hieran schließt sich ein allgemeiner Schmaus mit Tanz und Gesang. Am

Schluß des vierten Monats endlich geht die Alte mit der Schwangeren

und dem Adoptivvater ihres Mannes zu einem Kreuzwege. Hier nimmt sie

der jungen Frau die Bekleidung ab und verbrennt sie. Dafür legt sie

ihr eine neue um die Hüfte, die der Schwiegervater mitgebracht hat.

Gleichzeitig wird ihr gesagt, daß sie mit dem Ablegen des Kleides ihrer

Kindheit nun zu den Frauen gerechnet werde, und daß sie ihrem Manne

sich recht angenehm erweisen und vor allen Dingen ihm treu bleiben

müsse. Hierauf gehen sie nach Hause, wo wiederum ein Schmaus mit den

Verwandten stattfindet. Außerdem läßt sich die Schwangere von dem

Augenblick an, in dem sie sich guter Hoffnung fühlt, ihr bis dahin kahl

geschorenes Kopfhaar wachsen und schneidet es erst wieder ab, wenn das

Kind ungefähr ein Jahr alt geworden ist.

[Illustration:

Aus: Kraemer, Hawaï.

Abb. 13. Marshallinsulanerin (Ralikgruppe) in alter Mattentracht.

Die Sitten der Völker, Erster Band Liebe, Ehe, Heirat, Geburt, Religion, Aberglaube, Lebensgewohnheiten, Kultureigentümlichkeiten, Tod und Bestattung bei allen Völkern der Erde · 第 39 / 207 题