(25. April 1917)
Die Engländer hatten sich einen famosen Witz ausgedacht, nämlich mich zu
fangen oder abzuschießen. Zu diesem Zwecke hatten sie tatsächlich ein
besonderes Geschwader aufgestellt, das in dem Raum flog, in dem wir uns
meistens 'rumtrieben. Wir erkannten es daran, daß es hauptsächlich gegen
unsere roten Flugzeuge offensiv wurde.
Ich muß bemerken, daß wir unsere _ganze_ Jagdstaffel rot angemalt
hatten, da den Brüdern doch allmählich klar geworden war, daß ich in
dieser knallroten Kiste säße. So waren wir jetzt alle rot, und die
Engländer machten recht große Augen, wie sie statt der einen ein ganzes
Dutzend solcher Kisten sahen. Das hielt sie aber nicht ab, den Versuch
zu machen, uns zu attackieren. Es ist mir ja viel lieber, die Kundschaft
kommt zu mir, als daß ich zu ihr hingehen muß.
Wir flogen an die Front, in der Hoffnung, unsere Gegner zu finden. Nach
etwa zwanzig Minuten kamen die ersten an und attackierten uns
tatsächlich. Das war uns schon seit langer Zeit nicht mehr passiert. Die
Engländer hatten ihren berühmten Offensivgeist doch etwas eingeschränkt,
da er ihnen wohl etwas zu teuer zu stehen gekommen war. Es waren drei
Spad-Einsitzer, die sich infolge ihrer guten Maschinen uns sehr
überlegen glaubten. Es flogen zusammen: Wolff, mein Bruder und ich. Drei
gegen drei, das paßte also ganz genau. Gleich zu Anfang wurde aus dem
Angriff eine Verteidigung. Schon hatten wir überhand. Ich kriegte meinen
Gegner vor und konnte noch schnell sehen, wie mein Bruder und Wolff sich
jeder einen dieser Burschen vorbanden. Es begann der übliche Tanz, man
kreist umeinander. Der gute Wind kam uns zu Hilfe. Er trieb uns
Kämpfende von der Front weg, Richtung Deutschland.
Meiner war der erste, der stürzte. Ich hatte ihm wohl den Motor
zerschossen. Jedenfalls entschloß er sich, bei uns zu landen. Pardon
kenne ich nicht mehr, deshalb attackierte ich ihn noch ein zweites Mal,
worauf das Flugzeug in meiner Geschoßgarbe auseinanderklappte. Die
Flächen fielen wie ein Blatt Papier, jede einzeln, und der Rumpf sauste
wie ein Stein brennend in die Tiefe. Er fiel in einen Sumpf. Man konnte
ihn nicht mehr ausgraben. Ich habe nie erfahren, wer es war, mit dem ich
gekämpft habe. Er war verschwunden. Bloß noch die letzten Reste des
Schwanzes verbrannten und zeigten die Stätte, wo er sich selbst sein
Grab gegraben hatte.
Gleichzeitig mit mir hatten Wolff und mein Bruder ihre Gegner
angegriffen und nicht weit von dem meinigen zur Landung gezwungen.
Wir flogen sehr vergnügt nach Hause und meinten: »Hoffentlich kommt
recht oft das Anti-Richthofen-Geschwader.«