Acht war zu Boelckes Zeiten eine ganz anständige Zahl. Jeder, der
heutzutage von den kolossalen Zahlen der Abschüsse hört, muß zu der
Überzeugung kommen, daß das Abschießen leichter geworden ist. Ich kann
ihm nur eins versichern, daß dieses von Monat zu Monat, ja, von Woche zu
Woche schwieriger wird. Natürlich bietet sich die Gelegenheit jetzt
öfters, abzuschießen; aber leider wird die Möglichkeit, selbst
abgeschossen zu werden, ebenfalls größer. Die Bewaffnung des Gegners
wird immer besser, seine Zahl immer größer. Als Immelmann seinen ersten
abschoß, hatte er sogar das Glück, einen Gegner zu finden, der gar kein
Maschinengewehr bei sich hatte. Solche Häschen findet man jetzt
höchstens noch über Johannisthal. Am 9. November 1916 flog ich mit
meinem kleinen Kampfgenossen, dem achtzehnjährigen Imelmann, gegen den
Feind. Wir waren zusammen bei der Jagdstaffel Boelcke, kannten uns schon
vorher und hatten uns immer sehr gut vertragen. Kameradschaft ist die
Hauptsache. Wir zogen los. Ich hatte schon sieben, Imelmann fünf. Für
damalige Zeiten eine ganze Menge.
Wir sind ganz kurze Zeit an der Front, da sehen wir ein
Bombengeschwader. Es kommt sehr frech geflogen. In ungeheurer Zahl
kommen sie natürlich wieder an, wie überhaupt immer während der
Somme-Schlacht. Ich glaube, in dem Geschwader waren etwa vierzig bis
fünfzig, genau kann ich die Zahl nicht angeben. Sie hatten sich gar
nicht weit weg von unserem Flughafen ein Ziel für ihre Bomben
ausgesucht. Kurz vor dem Ziel erreichte ich den letzten der Gegner. Wohl
gleich meine ersten Schüsse machten den Maschinengewehrschützen im
feindlichen Flugzeug kampfunfähig, mochten wohl auch den Piloten etwas
gekitzelt haben, jedenfalls entschloß er sich zur Landung mitsamt seinen
Bomben. Ich brannte ihm noch einige auf den Bast, dadurch wurde das
Tempo, in dem er die Erde zu erreichen suchte, etwas größer, er stürzte
nämlich ab und fiel ganz in die Nähe unseres Flughafens Lagnicourt.
Imelmann war zur selben Zeit gleichfalls in einen Kampf mit einem
Engländer verwickelt und hatte auch einen Gegner zur Strecke gebracht,
gleichfalls in derselben Gegend. Schnell flogen wir nach Hause, um uns
unsere abgeschossenen Maschinen ansehen zu können. Wir fahren im Auto
bis in die Nähe meines Gegners und müssen dann sehr lange durch tiefen
Acker laufen. Es war sehr heiß, deshalb knöpfte ich mir alles auf, sogar
das Hemd und den Kragen. Die Jacke zog ich aus, die Mütze ließ ich im
Auto, dafür nahm ich einen großen Knotenstock mit, die Stiefel waren
bis an die Knie voll Schmutz. Ich sah also wüst aus. So komme ich in die
Nähe meines Opfers. Natürlich hat sich schon eine Unmenge Menschen
drumrum angesammelt.
Eine Gruppe von Offizieren steht etwas abseits. Ich gehe auf sie zu,
begrüße sie und frage den ersten besten, ob er mir nicht erzählen
könnte, wie der Luftkampf ausgesehen habe, denn es interessiert
hinterher immer sehr, von den anderen, die von unten zugesehen haben, zu
erfahren, wie der Luftkampf ausgesehen hat. Da erfahre ich, daß die
Engländer Bomben geworfen haben und dieses Flugzeug noch seine Bomben
bei sich hatte. Der betreffende Herr nimmt mich am Arm, geht auf die
Gruppe der anderen Offiziere zu, fragt noch schnell nach meinem Namen
und stellt mich den Herren vor. Es war mir nicht angenehm, denn ich
hatte, wie gesagt, meine Toilette etwas derangiert. Und die Herren, mit
denen ich jetzt zu tun hatte, sahen alle totschick angezogen aus. Ich
wurde einer Persönlichkeit vorgestellt, die mir nicht so ganz geheuer
erschien. Generalshosen, einen Orden zum Hals heraus, dafür aber ein
verhältnismäßig jugendliches Gesicht, undefinierbare Achselstücke -- kurz
und gut, ich wittere etwas Außerordentliches, knöpfe mir im Laufe der
Unterhaltung Hose und Kragen zu und nehme eine etwas militärischere Form
an. Wer es war, wußte ich nicht. Ich verabschiede mich wieder, fahre
nach Hause. Abends klingelt das Telephon, und ich erfahre nun, daß dies
Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Sachsen-Koburg-Gotha war. Ich
werde zu ihm befohlen. Es war bekannt, daß die Engländer die Absicht
hatten, auf seinen Stab Bomben zu werfen. So hätte ich dazu beigetragen,
ihm die Attentäter vom Leibe zu halten. Dafür bekam ich die
Sachsen-Koburg-Gothaische Tapferkeitsmedaille.
Sie macht mir jedesmal Spaß, wenn ich sie sehe.