Somme-Schlacht

Ich habe in meinem ganzen Leben kein schöneres Jagdgefilde kennengelernt

als in den Tagen der Somme-Schlacht. Morgens, wenn man aufgestanden,

kamen schon die ersten Engländer, und die letzten verschwanden, nachdem

schon lange die Sonne untergegangen war. »Ein Dorado für die

Jagdflieger«, hat Boelcke einmal gesagt. Es ist damals die Zeit gewesen,

wo Boelcke in zwei Monaten mit seinen Abschüssen von zwanzig auf vierzig

gestiegen war. Wir Anfänger hatten damals noch nicht die Erfahrung wie

unser Meister und waren ganz zufrieden, wenn wir nicht selbst Senge

bezogen. Aber schön war es! Kein Start ohne Luftkampf. Oft große

Luftschlachten von vierzig bis sechzig Engländern gegen leider nicht

immer so viele Deutsche. Bei ihnen macht es die Quantität und bei uns

die Qualität.

Aber der Engländer ist ein schneidiger Bursche, das muß man ihm lassen.

Er kam ab und zu in ganz niedriger Höhe und besuchte Boelcke auf seinem

Platz mit Bomben. Er forderte zum Kampf förmlich heraus und nahm ihn

auch stets an. Ich habe kaum einen Engländer getroffen, der den Kampf

verweigert hätte, während der Franzose es vorzieht, jede Berührung mit

dem Gegner in der Luft peinlichst zu vermeiden.

Es waren schöne Zeiten bei unserer Jagdstaffel. Der Geist des Führers

übertrug sich auf seine Schüler. Wir konnten uns blindlings seiner

Führung anvertrauen. Die Möglichkeit, daß einer im Stich gelassen wurde,

gab es nicht. Der Gedanke kam einem überhaupt nicht. Und so räumten wir

flott und munter unter unseren Feinden auf.

An dem Tage, an dem Boelcke fiel, hatte die Staffel schon vierzig. Jetzt

hat sie weit über hundert. Der Geist Boelckes lebt fort unter seinen

tüchtigen Nachfolgern.

Der rote Kampfflieger · 第 74 / 105 题