Am 10. Juni 1915 kam ich nach Großenhain, um von dort aus an die Front
abgeschickt zu werden. Natürlich wollte ich recht schnell 'raus, denn
ich hatte Angst, ich könnte zu dem Weltkrieg zu spät kommen.
Flugzeugführer-Werden hätte drei Monate in Anspruch genommen. Bis dahin
konnten wir schon längst Frieden haben; also kam es nicht in Frage. Als
Beobachter mochte ich mich vielleicht in meiner Eigenschaft als
Kavallerist ganz gut eignen; denn nach vierzehn Tagen schickte man mich
bereits 'raus, zu meiner größten Freude an die einzige Stelle, wo wir
noch Bewegungskrieg hatten, nämlich nach Rußland.
Mackensen ging gerade seinen Siegeszug. Er war bei Gorlice
durchgebrochen, und ich kam dazu, wie wir Rawa Ruska nahmen. Ein Tag im
Armee-Flugpark, dann kam ich zu der famosen Abt. 69, wo ich mir als
Anfänger kolossal dämlich vorkam. Mein Führer war eine »Kanone« --
Oberleutnant Zeumer --, jetzt auch schon krumm und lahm. Von den übrigen
bin ich heute der einzige, der noch lebt.
Jetzt kommt eigentlich meine schönste Zeit. Sie hatte mit dem
Kavalleristischen recht große Ähnlichkeit. Jeden Tag, vor- und
nachmittags, konnte ich meine Aufklärung fliegen. Ich habe manche schöne
Meldung nach Hause gebracht.