Patrouillenritt mit Loen

Die Schlacht von Virton war im Gange. Mein Kamerad Loen und ich hatten

wieder einmal durch eine Patrouille festzustellen, wo der Feind

geblieben war. Den ganzen Tag ritten wir hinter dem Feinde her,

erreichten ihn schließlich und konnten eine ganz ordentliche Meldung

verfassen. Abends war nun die große Frage: Wollen wir die Nacht

durchreiten, um zu unserer Truppe zurückzukommen, oder unsere Kräfte

schonen und uns für den nächsten Tag ausruhen? Das ist ja gerade das

Schöne, daß der Kavalleriepatrouille vollständig freies Handeln

überlassen sein muß.

So entschlossen wir uns, die Nacht am Feinde zu bleiben und am nächsten

Morgen weiterzureiten. Unseren strategischen Blicken nach war der Gegner

auf Rückmarsch, und wir drängten ihm nach. Folglich konnten wir die

Nacht mit ziemlicher Ruhe verbringen.

Gar nicht weit vom Gegner lag ein wunderbares Kloster mit großen

Ställen, so daß wir sowohl Loen als auch meine Patrouille einquartieren

konnten. Allerdings saß der Gegner gegen Abend, wie wir dort unterzogen,

noch so nahe dran, daß er uns mit Gewehrkugeln die Fensterscheiben hätte

einschießen können.

Die Mönche waren überaus liebenswürdig. Sie gaben uns zu essen und zu

trinken, so viel wir haben wollten, und wir ließen es uns gut schmecken.

Die Pferde wurden abgesattelt und waren auch ganz froh, wie sie nach

drei Tagen und drei Nächten zum erstenmal ihre achtzig Kilo totes

Gewicht von ihren Rücken loswurden. Mit anderen Worten, wir richteten

uns so ein, als ob wir im Manöver bei einem lieben Gastfreund zu Abend

wären. Nebenbei bemerkt, hingen drei Tage darauf mehrere von den

Gastgebern an dem Laternenpfahl, da sie es sich nicht hatten verkneifen

können, sich an dem Krieg zu beteiligen. Aber an dem Abend waren sie

wirklich überaus liebenswürdig. Wir krochen in Nachthemden in unsere

Betten, stellten einen Posten auf und ließen den lieben Herrgott einen

guten Mann sein.

Nachts reißt plötzlich jemand die Tür auf, und die Stimme des Postens

ertönt: »Herr Leutnant, die Franzosen sind da.« Ich war zu verschlafen,

um überhaupt Antwort geben zu können. Loen ging es so ähnlich, und er

stellte nur die geistreiche Frage: »Wieviel sind es denn?« Die Antwort

des Postens, sehr aufgeregt: »Zwei haben wir schon totgeschossen;

wieviel es sind, können wir nicht sagen, denn es ist stockfinster.« Ich

höre Loen noch ganz verschlafen antworten: »Wenn also mehr kommen, dann

weckst du mich.« Eine halbe Minute später schnarchten wir weiter.

Am nächsten Morgen stand die Sonne schon recht hoch, als wir von

unserem gesunden Schlaf erwachten. Nach einem reichlichen Frühstück ging

die Reise wieder los.

Tatsächlich waren nachts an unserem Schloß die Franzosen

vorbeimarschiert, und unsere Posten hatten während dieser Zeit einen

Feuerüberfall auf sie gemacht. Da es aber stockfinster war, hatte sich

keine größere Schlacht daraus entspinnen können.

Bald ging's in einem munteren Tal weiter. Wir ritten über das alte

Schlachtfeld unserer Division und stellten mit Erstaunen fest, daß statt

unserer Leute nur französische Sanitäter zu sehen waren. Französische

Soldaten sah man auch noch ab und zu. Sie machten aber ebenso dumme

Gesichter wie wir. An Schießen hatte keiner gedacht. Wir machten uns

dann möglichst rasch dünne; denn wir kamen so sachte dahinter, daß wir,

statt vorwärts zu gehen, uns etwas rückwärts konzentriert hatten. Zum

Glück war der Gegner nach der anderen Seite ausgerissen, sonst säße ich

jetzt irgendwo in Gefangenschaft.

Wir kamen durch das Dorf Robelmont, wo wir am Tage zuvor unsere

Infanterie zum letztenmal in Stellung gesehen hatten. Dort trafen wir

einen Einwohner und fragten ihn nach dem Verbleib unserer Soldaten. Er

war sehr glücklich und versicherte mir, die Deutschen wären #»partis«#.

Wir kamen um eine Ecke und waren Zeugen von folgendem komischem Bilde.

Vor uns wimmelte es von roten Hosen -- ich schätzte etwa fünfzig bis

hundert --, die eifrigst bemüht waren, an einem Eckstein ihre Gewehre zu

zerschlagen. Daneben stehen sechs Grenadiere, die, wie es sich

herausstellte, die Brüder gefangengenommen hatten. Wir halfen ihnen

noch, die Franzosen abzutransportieren, und erfuhren durch die sechs

Grenadiere, daß wir nachts eine rückwärtige Bewegung angetreten hatten.

Am späten Nachmittag erreichte ich mein Regiment und war ganz zufrieden

mit dem Verlauf der letzten vierundzwanzig Stunden.

Der rote Kampfflieger · 第 57 / 105 题