Sehnsucht

Einmal nur dich wiedersehn,

Dir zu Füßen fallen,

Meine Blicke um dich wehn,

Blondeste von allen!

Daß dies Zimmer einmal noch

Meine Lust umschließe,

Seinen Schimmer einmal noch

Über mich ergieße,

Einmal noch dein goldener Gang

Mir vorüberschwebe

Und mein Herz im Überschwang

Einmal noch erbebe!

Daß dein Aug' noch einmal nur

Gold und Güte sprühe,

Einmal hinter deiner Spur

Noch mein Schritt erglühe!

Räume zwischen uns, vergeht!

Wirbelt uns zusammen,

Daß, was brünstig sie erfleht,

Seele mag entflammen!

Dein Gesang, der mir nicht tönt,

Wird mich mild umrauschen,

Daß ich, gütig und versöhnt,

Lauschen kann, nur lauschen.

Lächeln, das nicht mir erglüht,

Wird mich grün umranken,

Daß mein zitterndes Gemüt

Danken kann, nur danken.

Und dein Blick, der mir nicht gilt,

Mich zu Sternen heben,

Daß mein Herz, von Gott erfüllt,

Schweben kann, nur schweben!

Du nur

bist Licht und Luft und Element

Mein Herz schlägt desto feuriger nach dir,

Je dicker sich die Zeit ballt, die uns trennt,

Und bäumt sich in der Glut, die es verbrennt,

Empor aus dem verpesteten Revier.

Was nicht zu dir gehört, erscheint als Tier.

Du nur bist Licht und Luft und Element.

Und nur _dem_ Ton gebiet' ich, der _dich_ nennt,

Und _der_ nur loht und wird zu Kunst in mir.

Dein Herz, schon göttlich und Emblem der Güte,

Von meinen Strophen grenzenlos entfacht,

Ist doch dem Göttlichen nicht so vermählt,

Daß mich nicht auch dein Menschliches beseelt

Im Wirbel deines Blondes durch die Nacht,

Vor dem ich einst in Tau und Tränen kniete.

Die Entschwundene. I.

An M. S.

Dahin! Dahin! Du Leuchter des Altars,

Mädchen! auf ewig nun dahingesunken

Und ewig Blau des Blicks und Blond des Haars,

Darin ich lag, von Duft und Sonne trunken.

Ein anderer faßte diese zarte Hand,

Nicht glücklicher als ich und nicht beneidet,

Denn was ist zärtlicher als dieser Brand

Und diese sanfte Sehnsucht, welche leidet?

Dein Platz ist leer. -- Wenn ich ihn wiedersehe,

Wird Kälte aus der Leere auf mich schäumen

Und Sehnsucht sich nach deiner leichten Nähe

In meiner Seele auf zum Gotte bäumen

In milder Traurigkeit und dieses denken:

O dumpfe Qual des ewigen Entferntseins!

Es war so schön, dies selige Sich-versenken

Und diese Lust entbebtesten Besterntseins . . .

Doch was ist dies, dem ewigen Glück vergleichbar,

Das einst und immer noch mich süß durchquillt:

Bist du auch meinem _Auge_ unerreichbar,

Ist meine _Seele_ doch von dir erfüllt.

Denn dieses frag' ich wieder, immer wieder:

Was ist denn Wirklichkeit? Nichts ist sie, nichts!!

Vor dem _Erträumten_ stürzt die Seele nieder,

Erschüttert von der Größe des Gesichts.

Denn dies frag' ich: Was wären Worte, Sätze,

Und wenn sie tausendstrahlig mich bespülen,

Was gegen dieses ungeheure Fühlen,

Mit dem ich meine Seele jetzt benetze?

Da ich dich _sah_, wurdest du riesengroß

Und wuchsest blau im Feuer meiner Strophen

Und warfst dich, angefacht und grenzenlos,

Blonde! Flamme! in meiner Seele Ofen.

Als du _entfernt warst_, wurdest du Emblem

Von Güte, Mitleid, Wollust, Stern und Gold

Und wurdest von dem Wolken-Diadem

Des Gottes selbst durchrollt

Und ließest stählern mich in dir erhärten,

Denn deine Güte, deiner Stimme Gärten,

Denn deines Gangs befeuernde Gewalt,

Denn deine Blondheit ward in mir _Gestalt_.

Und ob ich dich auch niemals wiedersehe,

Mein Herz ist leicht und wie noch nie geschwellt,

Denn deine goldene, ungeheure Nähe

Braust stets in ihm und, wie sie es erhellt,

Stellt es in Feuer-Hymnen in die Welt.

Da du verloren, bist du erst gewonnen,

Auf immer mir entrückt, entrückst du mich,

Und meine Sehnsucht kreist wie tausend Sonnen

In nie erlebter Strahlen-Kraft um dich.

Aufloht dein Haar und Aug' und Kleid und Gang,

Schlägt brennend in das Blau, wird selbst zum Blau

Und löst sich auf in dem Triumph-Gesang

Entfachter Stärke und geballt im Klang

Von Härte, Locken, Mut und Morgen-Tau.

-- So sei gegrüßt und für die Fahrt gesegnet,

Mädchen! Für immer Stern aus meiner Krone,

Auf die, -- in Zärtlichkeit zu seinem Sohne --

Der Väterliche auf dem Wolken-Throne

Feurige Flut der letzten Güte regnet.

Die Entschwundene. II.

Ich denke manchmal, daß das keiner kennt:

Dies rasende Geglüh aus tausend Türen,

Und daß dies so gering ist, was uns trennt,

Und zu gering für mich, dich zu verlieren.

Ich denke manchmal, daß dies nie gefühlt:

Wie mich dies Zittern hoch und höher hebt,

Und dieses Dumpfe, das mich niederwühlt,

Mich plötzlich trägt und sanft mit mir entschwebt.

Wie ein Gesicht dies alles in mich wirft,

Kein Wort, kein Kuß, keine Vereinigung,

Nicht Nähe, die geheime Wollust schlürft

Und sich entfacht zu ungeheurem Schwung.

Nicht, daß ihr Kleid mich leise je gestreift,

Ich ihre Haut je im Gedräng' gespürt

Und ihre Hand, die in die Sterne greift,

Jemals die meine hat berührt:

Ein Lächeln nur, ein Blick, auf mich gerichtet,

(War er auf dich gerichtet? Träumst du nicht?)

Ein Auge, aus dem süßen Stoff gedichtet,

Der aus dem Auge meines Gottes bricht,

Beisammensein im gleichen hellen Raume,

Wo du mit deinem Blick sie überfielst,

Ein süßes, liebes Trostes-Wort im Traume,

Das du noch immer in dir brennen fühlst:

Das war Erleben, das noch nie erlebt,

Und war ein Beben, das noch nie gebebt

Und war ein Höher-zittern, Höher-schwellen

Und war ein Taumeln über goldene Wellen

Und war ein Überfließen und Sich-sehnen

Und war ein Stützen und ein Höher-wehn

Und war ein Abend-Glück in Lust und Tränen

Und war ein Morgen-Gang in Laub und Seen

Und ist dies heut in mir wie nie zuvor

Und reißt mich, schwingt mich wie noch nie empor

Und fährt noch einmal mit mir durch die Lüste,

Mit denen damals mich mein Dämon küßte.

Was heißt Verlieren? Gibt es ein Verlieren?

Entschwinden? Denn wo gibt es ein Entschwinden,

Da ja der Brand, den deine Genien schüren,

Sich dir wohl steigern kann, doch nicht entwinden?

Was heißt Entferntsein? Gibt es ein Entferntsein?

Ist sie denn nicht unendlich in der Nähe,

Damit sie dich wie Purpur überwehe

Und deiner Himmel nächtliches Besterntsein?

Ein Ruck, und die Gedanken sind beisammen,

In die du ihre Blondheit hast geballt

Und wie noch nie in solchen süßen Flammen

Erstrahlt dir ihre adlige Gestalt,

Ist da und überschwemmt dich mit Gezitter

Und wirft dich tiefer in das Meer der Lust.

Der Gott erklirrt aus Wolke und Gewitter,

Die Luft vergoldet sich, einstürzt das Gitter

Und über das Gestürzte: -- Fleisch und Flitter --

Strömt die erfüllte Sehnsucht in die Brust.

Ein Sonnenaufgang färbt das Firmament,

Da ist ihr Stuhl, und da geht sie entlang,

Wiegend, tanzend, in leicht' und goldenem Gang,

Betaut von Licht und rosenem Gesang,

Und sacht in dir den glühenden Überschwang,

Der selig donnert, daß dies keiner kennt.

Gedichte(#41353) · 第 23 / 25 题