Vor der Wohnung der Geliebten

Ich kam in die Straße voll dumpfen und engen Geruches,

Mit niederen Häusern und schmalem und dunklem Fußweg

Wo an der Ecke das Haus steht, in dem die Geliebte

Wohnt. -- Und es erhebt sich nicht über die Nachbarn

Und stürmt nicht in Wonne über die andern hinaus?

O unbegreifliches Wunder! O trostloses Schicksal!

O Unsinn des Lebens! Und wächst nicht in Glorie und Süße

Aufgereckten Bewußtseins und brennenden Stolzes

Zum Himmel und rührt nicht die Sterne mit seinem Dach?

Und ich sehe die Mauern, die grau sind vom Schmutze der Zeiten

Und weiß (o zerreißende Schauer!), daß sie umschließen

Den lachenden Fluß deines Leibes und die erhabene

Musik deiner Seele und das beschwingte Gold deiner Stimme.

Sonne umstrahlt mich und unsagbare Seligkeit,

Wonnestürme umrauschen mich und ich sinke

Auf die Schwelle und küsse die Steine und fühle

Das Holz der Treppe, das deine Füße berührten.

Und greife die Klinke der Türe, die deine Hände

Umklammerten und fühle, wie die Gerüche

Deines gebadeten Leibes und deines durchglänzten Haares

Über mich fließen und meine Gefühle besternen.

Geliebte! Gefäß aller Gnade! Antrieb zum glühendsten Denken!

Wandelnde Anmut! Gewährerin! Schenkendes Leben!

Ewig blühender Baum im Wechsel der seligen Jahre!

Süßestes Schicksal im Dunkel zerstörenden Daseins! . . .

Ich ging berauscht und betäubt vom Dufte der Stunden,

Und entschwindenden Blicks noch umfaßt' ich das göttliche Haus.

Und sank in Betten, in denen Weiche und Güte

Die gedrückten Gefühle des engen Lebens ersticken.

Gedichte(#41353) · 第 15 / 25 题