Arbor 1-50-pedalis trunco a basi ramoso ligno albido coma umbelliformi
cortice griseo-albido in trunco vetusto rimoso, saepissime laevi, in
ultimis ramis fusco-sub-purpurascente tomentoso; spinis valde variis
horizontaliter patentibus albis subteretibus vel leviter canaliculatis,
modo 1-2-pollicaribus rectissimis modo unguiformibus brevissimis hamato-
recurvis alternantibus, omnibus brevissime dense-tomentosis; foliis
hirsuto-tomentosis; pinnis 5-10-jugis foliolis 10-15-jugis, parvulis
longitudine latitudinem 3-4 superantibus interdum glabratis
acutiusculis, petiolo communi breviter canaliculato basi 1-glanduloso;
inflorescentia praecoce vel coaetanea pedunculis in axillis 1-5
fasciculatis semipollicaribus hirsuto-tomentosis irregulariter plerumque
infra medium bracteatis, capitulis globosis albidis; leguminibus inter
semina constrictis inflatis striato-venosis dense tomentosis pallidis
subcoriaceis varie contorto-flexuosis, explicatis 2-6-uncialibus,
seminibus 4-12 fusco-olivaceis, crassis.
A. Var. α. _minor_.
Saepe frutescens 1-20-pedalis, spinis -1-pollicaribus, foliorum pinnis
5-jugis foliolis 10, inflorescentia praecoce, capitulis minutis,
leguminibus 2-pollicaribus, 4-spermis coriaceo-membranaceis.
_Nomen vern._: arabice Ssāmmor, lingua Bega Ssanganēb, Ssāgga.
_Habitat_: Deserta Nubiae et Aegypti superioris, ad oras Maris Erythraei
(in Arabia usque ad urbem Moïlah 27° 40′ lat. sept., in Aegypto usque ad
Ras Mrehk 25° 44′ lat. sept.).
Aprili florens, Junio fructifera.
B. Var. β. _major_.
Arbor 20-50-pedalis, spinis -2½-pollicaribus, foliorum pinnis
5-10-jugis, inflorescentia coaetanea, capitulis majusculis leguminibus
4-6-pollicaribus coriaceis 8-spermis.
_Nom. vern._: Ssāmmor, interdum Sejal ab incolis vocatur.
_Habitat_: Convalles Abyssiniae, Nubiae australioris, provinciarum Taka,
Sennaar et Kordofan.
Martio, Aprili florens. Aprili fructifera.
Diese Art ist fast stammlos, d.h. der Stamm ist unmittelbar an der Basis
pseudo-dichotom getheilt, so dass die schirmförmige Krone auf 2-4 Aesten
zu ruhen scheint. Die Rinde ist nur an den ältesten Aesten längsrissig
aufgespalten. An den übrigen Aesten ist sie fest, von sehr heller,
weisslicher Färbung, aber rauh und mit zahlreichen erhabenen,
quergestellten Lenticellen dicht bedeckt, was den Aesten ein
coniferenartiges Aussehen ertheilt. Die jüngeren Zweige sind röthlich
braun und stets flaumhaarig, seltener kahl werdend.
Der Blattstiel trägt nur unter dem untersten Fiederjoche eine Drüse,
welche oft fehlen kann.
Die Blüthen stehen bei der Var. α. _minor_ zu 25 in einem Köpfchen, das
5-6 Millim. im Durchmesser nicht übersteigt; bei der Var. β. _major_ zu
45 in einem Köpfchen, dessen Durchmesser 9-10 Millim. beträgt. Der Kelch
ist breit trichterförmig, hat 5 rundliche, stark gewimperte, gelbliche
Zähne und 10 gelbliche Nerven. Die noch einmal so lange Blumenkrone hat
eiförmig-spitze, gelbliche Zipfel, die nicht ohne kurze Franzen sind.
Die Staubfäden, doppelt so lang als die Blumenkrone, sind 35-40 an der
Zahl und farblos weiss. Der Griffel ist etwas länger als die Staubfäden.
Der Blüthenboden erscheint nach Abfall der Blüthen dicht mit
spathelförmigen, an der Spitze löffelartig geformten, behaarten und
langgewimperten Deckblättchen, welche so lang sind als der Kelch,
besetzt. Der fest am Stiel angewachsene, bräunliche Bracteenring hat 2-4
Zähne und sitzt meist am unteren Viertel desselben.
Die Hülsen sind bei Var. β. _major_ an den Einschnürungen 4-5, über den
Samen 7-8 Millim. breit; bei var. α. _minor_ an den Einschnürungen 2-3
und über den Samen 4 Millim. breit. Die elliptischen, dunkel-
olivengrünen Samen sind bei Var. β. _major_ 7 Millim. lang, 4 Millim.
breit und 2 Mill. dick; bei Var. α. _minor_ 5½ Mill. lang, 3 Mill. breit
und ½ Mill. dick.
Obgleich sich beide Varietäten durch auffallende und anscheinend
constante Merkmale unterscheiden, so erscheint doch kein Zweifel über
ihre Zusammengehörigkeit zu einer Art zulässig, vielmehr geben sich bei
Berücksichtigung der klimatischen Verhältnisse alle Unterschiede nur als
die Folge derselben zu erkennen.
Innerhalb der Region der Tropenregen im südlichen Nubien, in Abyssinien
u.s.w. entwickelt sich die Var. β. _major_ in den stets mit reichlicher
Grundfeuchtigkeit versehenen Thälern und Niederungen der periodischen
Wasserläufe (arabisch Chor genannt) zu einem ansehnlichen Baum, welcher
fast das ganze Jahr hindurch mit reichlichem Laubschmucke geziert
erscheint, eine schirmförmige, aber mehr abgerundete, etwas
unregelmässigere Krone entfaltet, und durch längere Dornen, grössere,
mehrjochige Blätter, grössere Blüthenköpfe und dickere, mehrsamige und
längere Hülsen von der kleineren Spielart verschieden erscheint.
Letztere, die Var. α. _minor_, bewohnt die dürren Wüstenthäler Nubiens
und Ober-Aegyptens bis zum 25° n.Br. ungefähr, und ist daselbst das
allverbreitete Charakter-Gewächs dieser Flora. Sie wird selten höher als
20 Fuss, bildet oft nur kleine Sträucher, entwickelt aber stets eine
durch täuschend regelmässige Dichotomie ihrer Verzweigung
hervorgerufene, schirmförmige Krone, die oben wie geschoren eine Fläche
darstellt, den grössten Theil des Jahres entlaubt dasteht und nur selten
an Stellen reichlicher Grundfeuchtigkeit auch in den dürresten Monaten
mit Blättern auftritt.
Ich würde keinen Anstand nehmen, die Var. _minor_ mit der indischen _A.
planifrons_ W. Arn. zu identificiren, wenn mir von letzterer eine
vollständige Suite von Exemplaren zu Gebote stände. Da ich die Frucht
dieser Art nicht gesehen habe und die constant kahle Beschaffenheit
aller Theile der _A. planifrons_ (bei der _A. spirocarpa_ H. fehlt
ausnahmsweise nur an den Zweigen, aber selten vollständig die Behaarung)
Unterschiede andeutet, so wage ich es vor der Hand nicht, hierüber ein
Urtheil zu fällen. Erwähnung verdient noch, dass der schirmförmige Wuchs
auch für die _A. planifrons_ genau so angegeben wird, als derselbe bei
der _A. spirocarpa_ vorkommt. Die am entblätterten Zweige befindlichen
Blüthen, die Dornen u.s.w. der Var. _minor_ weichen, abgesehen von der
Behaarung, durch nichts von den mir zu Gebote stehenden Exemplaren aus
Mysore ab.
Die Ssāmmor-Acacie ist nahe verwandt mit der _A. tortilis_ Hayne, von
dieser aber leicht durch den stammlosen, schirmförmigen Wuchs, etwas
hellere Rinde, kleinere Blättchen und die dichtflaumhaarige Bekleidung
der Zweige, Dornen, Blätter und Hülsen zu unterscheiden. Aus dem sehr
festen und zähen weisslichen Baste verfertigen sich die Eingeborenen die
nöthigen Stricke und Bänder für ihren Hausrath. _A. gummifera_ Del.
(Centurie de pl. rec. par. Cailliaud pag. 21, 22), ein Name, welcher
übrigens bereits früher durch WILLDENOW vergehen wurde, scheint nach der
allerdings sehr ungenügenden Beschreibung mit dieser Art identisch zu
sein.
_Erklärung der Abbildungen._
Taf. IV. Var. α. _minor_. 1. Fruchttragender Zweig. 2. Blüthentragendes
Zweigstück. 3. Hülsen (alle nat. Gr.). 4. Blüthe nebst Fruchtknoten. 5.
Blüthenköpfchen nebst Stiel. 6. Vierzähniger Bracteenring. 7.
Deckblättchen (vergr.)
Taf. V. Var. β. _major_. 1. Blühender Zweig. 2. u. 3. Hülsen. 4. Samen
(alle nat. Gr.).
Taf. VI. Ein 15′ hohes Bäumchen, nebst kleineren im Hintergrunde, von
Var. α. _minor_, von der nubischen Küste.
3. =Acacia tortilis= Hayne. (= _A. Raddiana_ C. Savi. = _A. fasciculata_
G. P. R.)
Arbor coma irregulari trunco erecto cortice longitudinaliter rimoso
fusco in ramis rubente vel pallidiore glaberrimo striato; spinis validis
pollicaribus horizontaliter patentibus rectissimis teretibus eburneis
abortivis hinc inde alternantibus parvulis recurvis pallide fuscis
praesertim in ramis floriferis omnibus unguiformibus semper glaberrimis;
foliis viridibus glabratis pollicaribus pinnis 2-6-jugis, foliolis
oblongo-linearibus 5-12-jugis obtusis vel acutiusculis longitudine
latitudinem 3-4-superantibus petiolo communi infra singula juga glandula
minima instructo; inflorescentia subcoaetanea capitulis globosis
parvulis albidis, pedunculis in axillis 1-2, rarius 5-aggregatis,
½-pollicaribus medio bracteatis puberulis, leguminibus 1-5-fasciculatis
linearibus torulosis compressis coriaceis marginibus parallelis nervosis
longitudinaliter venosis plus minus spiraliter vel contorto flexuosis
junioribus interdum puberulis maturis fuscis glaberrimis 10-12-spermis
3-pollicaribus, seminibus ovalibus crassis griseo-olivaceis linea ovali
pallidiore basi aperta notatis.
_Nomen vern._: arabice Sejal.
_Habitat_: Aegypti totius deserta parte tam libyca quam arabica; ad oras
Nubiae in montibus Soturba; ad vallem niloticam a 14° usque ad 25° lat.
sept. (in provincia Kordofan parte sept., in Nubiae agro Matammensi,
Berberensi, Dongolensi et Sukkotensi, usque ad urbem Syenam); ad montem
Sinai et in Arabia petraea usque ad 31° lat. sept.; in Arabia felici; in
Senegalia.
Diese weit verbreitete Art bildet in den Wüstenthälern Arabiens,
Aegyptens und Nubiens Bäume, welche 30-40 Fuss an Höhe nicht
übersteigen. Der Stamm ist stets entwickelt, aufrecht, verhältnissmässig
hoch und 2-3 Fuss dick. Die Baumkrone ist unregelmässig verzweigt und
von mehr oder minder abgerundeter Gestalt. Mit der _A. spirocarpa_ hat
sie die Eigenthümlichkeit gemein, dass zwischen den normal entwickelten
geraden Dornen auch kleinere verkümmerte und hakig zurückgebogene
auftreten, welche an den blühenden Zweigen fast ausschliesslich Platz
greifen. Die Farbe der Rinde unterscheidet sie nebst der
Wachsthumsverschiedenheit und fehlenden Behaarung zur Genüge von
letzterer.
_A. fasciculata_ stimmt sowohl nach der in der Flora des Senegals (S.
252) bereits 1830 gegebenen Beschreibung, als auch nach den mir
vorliegenden Exemplaren völlig mit der _A. tortilis_ überein, und
scheint, wie diese, einen kalkreichen Boden zu bevorzugen.
Herr Prof. P. SAVI in Pisa hatte die besondere Güte, mir einige
Originalproben der von seinem Vater 1830 ausführlich beschriebenen und
auch abgebildeten _A. Raddiana_ („sopra alcune Acacie egiziane“) zu
übersenden, welche eine völlige Identität mit der _A. tortilis_
nachwiesen.
Ob die von HAYNE im 9. Bande seiner Arzneigewächse (Taf. 31.) zuerst
beschriebene und abgebildete _A. tortilis_ mit der _Mimosa tortilis_
FORSKÅL’s (flor. aeg.-arab. 176) identisch sei, lässt sich ohne
Original-Exemplare nicht entscheiden, da, nach der Beschreibung zu
urtheilen, unter diesem Namen ebenso gut die Var. α. der _Acacia
spirocarpa_ gemeint sein könnte.