Sie war schon weg. -- --

Sollte ich ins Café gehen, mit einem Buche? Am Nachmittag war im Café de la

Métempsychose eine helle Dame gewesen -- o: in den zarten Farben des späten

Renoir. Sicherlich war sie würdig angebetet zu werden. Schon hatten meine

Nerven in den großen Rausch jagen wollen; aber ich zügelte sie: ein

erfahrener Bereiter. Kalt sei, wer das Chaos genießen will. Man präpariere

jeglichen Taumel, wie die Compagnie Générale du Travail einen Streik. Die

Hände dieser Dame besagten, daß sie die Tochter eines Eisenbahnkönigs sei.

Sie mußte viele reizende und nachahmenswerte Irrtümer begangen haben. Und

auf die Frage ob sie an Gott glaube würde sie geantwortet haben: »Das hängt

davon ab, ob Gott an mich glaubt.« Vielleicht würde ich diese Milliardärin

wiederfinden und ihr, aus anregender Entfernung, Hübsches in den Mund legen

dürfen. -- --

Ich ging nicht ins Café. Spät in dieser Nacht kam Mama zurück. Begleitet.

»Liebling, ich habe Dir . . .«

Ich ergänzte (denn soviel wußten meine Nerven vorher): -- »einen neuen

Vater vorzustellen.«

»Ja.«

Wie war sie süß.

Eine korrekte Verbeugung des Gehrocks da, fast schon eingesetzt in große

Rechte. Wohl ein Beamter, ein Philosoph, ein Präger notwendiger Worte über

Schmach und Nationalismus und traditionelle Tüchtigkeit.

Was jetzt geschehen würde, mußte ja das Heiligste sein -: das, was ich

_kannte und zurücknahm_, -- wiegleich ein Schöpfer seine Welt in sich

_zurücksöge_. --

. . . . Aber hier spaltet sich diese wahre Erzählung in zwei Geleise. Die

abstoßendere Lesart läßt Schüsse fallen von irgendwo, Mama ist tot. Ein

Drahtgerippe hat (in einem Rest von Höflichkeit) ihre Formen bewahrt und

prononciert meine leer tastende Verzweiflung. Mama ist tot für den Gehrock

und in den besten Beziehungen auch für mich, das war ja vorauszusehen. --

Gegen dem über steht ein Idyll, als freundlichere, deutschere Fassung der

Legende. Er ward mir der liebevollste Papa. Jeden Wunsch las er meiner Mama

von den (längst nicht mehr geschminkten) Lippen ab. Gelegentlich neigte sie

ihr Köpfchen schelmisch zu ihm und flüsterte süße Geheimnisse in sein immer

selbes Ohr. Dann barg er die Errötende an seine feste Brust. Und

expropriiert ward nach und nach meine Alleinherrschaft durch eine Schar

zahlreicher, allerdings blutarmer Geschwister.

Lesestücke · 第 39 / 51 题