Um dieses weiß man wohl: wenn erwünschter Halbschlaf, eine in Tiefen, wie
durch Mokka angeregte Betäubung, mit einem Ruck, brüsk, der Bewußtheit
näher-springt? wenn wir höher, dem Lichten zu leider geschnellt werden?
Lind immer noch ist das Bett und das Gelöstsein; doch den Verantwortungen
sind wir weniger entfernt, das entsetzt uns leise, denn wir fühlen, daß wir
in jene imaginären Couloirs (o: die comfortabelsten!) nicht zurückschlüpfen
können. Jener Luxus gab sich ohne Befehl, ohne Bezahlung. Der ist verloren.
Noch sind wir unterhalb des Erwachens --: selbst dieses Äußerste steht
bevor. Ein Gedanke, allzu besorgt, nicht zu verabschiedend, hat diese
Ent-Täuschung, Ent-Zückung, diesen désenchantement verschuldet.
Dann erwachte ich. Weit geöffnet das Fenster, jenseits einer Wildnis von
Frauenkleidern. Von draußen drang wohl Mondlicht ein, crême und grün, und
sanfte Ballen dieser Düfte: Myrrhen, die den Boulevardbäumen abends der
Regen abgeschmeichelt hatte; eine erotische Art von Benzin, die gewisse
Auto-Sorten treibt; all die Gemüse des atmenden Bodens; die naive Penetranz
der Straße; innere Mysterien der Frauen; und die lautlosen
Vorpostengefechte der Angst. Doch im Schlafzimmer gute Parfums beruhigten
mich und die weißen Spiegel, zart-gelbe Kissen, viel verwöhnendes Kostbare,
doch wie verboten und bezahlt aus Entschlossenheiten, die niemand
anerkennen würde, auch Ihr, Entwurzelte, kaum . . . Holdest gespiegelt in
dem englisch kreidigen Rahmen erblickte ich Mama.
»Frühe Nacht, und Du erwachst schon, Liebling?« sagte sie.
Nicht sofort ward alles kenntlich. Jeder Schlaf fälscht die Welt neu --
oder (weniger lügnerisch:) mancher Schlaf summiert, mancher beseitigt das
Ge-Wachte. Mama stand da, fast völlig angekleidet, aber so wenig wieder auf
der Brust, und draußen würde es frisch sein, -- der lange Sammetmantel, der
keinen Besatz hatte, noch über die Stuhllehne geschmiegt, so hinfällig, so
bewußt dessen, was erreicht werden mußte. Mama tupfte die Quaste in die
Puderdose, die silberne --, und Stift und Schminke mußten dies Antlitz
verdächtigen: diese Bühne unendlicher Liebe.
An diesem Punkte begriff ich meine Ermattung, das Deplazierte auch der
Lyrismen. Ja, müde durfte ich --, _ich_ sein zu aller Zeit. Sie je schöner,
ich gequälter . . . Doch das kannte ich ja, es hatte mir nichts an, ich
wies es weg. Betriebsqualen. Kein Fieber entzöge mich der Pflicht noch, und
der Erkenntnis von Sensationen aus dieser Haltung. Mit Kolportageschrecken
hatten Bürger, Ärzte, Dramatiker, Parlamentarier etliche Provinzen
gepflastert. Das lehnte ich ab.
Erdbeerfarben blühten die Lippen von Mama. Ihr Blick glomm aus blauem Eise.
Sie kam (ach) aus dem Winter, längst war Frühling. Ein Reh. Ich liebte sie
unendlich.
»Und Du versprichst mir --«, sagte ich.
Sie, halb in der Tür: »-- daß ich nichts empfinden werde? Aber, Liebling,
das weißt Du doch, ein für alle Mal.«