Mit Revolverschüssen, Korsettgekrach und Schädelspalten, mit dem Feixen
irrer Clowns und dem größenwahnsinnigen Rasseln eines Dutzends Motorräder,
die, auf der steilschrägen Innenfläche einer Holzschwellen-Kreisbahn, um
die Wette wirbeln, ist uns eine Viertelstunde Nervenruhe nicht zu teuer
erkauft. Hei -- unsere fröhliche, zerkrampfte Hetzjagd nach der Ruhe, nach
der hehren, hochheiligen Stille, da wir den Willen abdanken (den
verständigen, blöden!), da die Ängste schlafen gehen und die Begierden all,
eingelullt, ihre schlanken, sehr biegsamen Katzenrücken niederstrecken zu
blinzelnder Apathie! Dann stiehlt sich von fernher, aus der nebligen Nacht
am See, ein ganz matter Lichtstrahl auf die dunkle Weide unseres Traums,
ein gelber, feuchter, verschwommener Lichtstrahl, den die dürstende Lunge
einsaugt als ein unendlich Kühlendes, Tröstliches und Kindliches. Über den
See braust, von Westen, der Sturm; in jedem Gertenast der Weiden wacht,
gepeitscht und peitschend, eine uralte Zärtlichkeit auf; und wir -- Pola,
meine Schwester: du und ich -- sind starr geneigt gegen den Weststurm,
bieten ihm, mit dem gellenden Schrei der Erlösung, die Brust dar. Dein
Haar, eine Seelenflut, jauchzt schwarzwellig in Lüften, dein Antlitz,
wachsam und glücklich, springt vor zum gespannten Profil, aus Zisternen
herrschen nächtig deine Augen --, und wir trotzen, herrisch, majestätisch,
in tief-ewiger Ruhe, dieser Empörung, dem Chaos, daraus wir entsprungen
sind auf langer, todesschmerzlicher Reise, und das wir lieben mit schmaler,
gepreßter, unabänderlicher Anbetung . . . Die Rebellion wollen wir: denn
sie ist unsere Ruhe; die Erregung um jeden Preis wollen wir: denn sie ist
unsere Heilung. Willkommen: ihr Sturmgeheul und Orgelgedröhn, ihr Schauer
in den Katakomben der Zerrüttung, Revolverschüsse, Feuersbrünste des
Atropins und ihr disziplinierten Verwirrungen Cancan tanzender Dessous!
Notre Dame und Folies Bergère -- ihr Sanatorien der Gipfel! Ihr
transzendentalen Räusche! Ihr Kultstätten, da eine harte Inbrunst
raffiniert geworden ist und sich präzisiert hat in unerbittlich
triumphierenden Formen! Das in mittelalterlicher Zähigkeit gehäkelte
Spitzenwerk gotischer Domtürme und das freche Eisengerippe des Eiffelturms
-- schießen sie nicht mit der gleichen nachtwandlerischen Mathematik in den
Äther? Randleisten aber dieses Bildes, zeichnen schwarze Fabrikschlöte die
schamlosen Linien des Satans und Seurats gegen den fahlen Horizont. In
geeinter Lust dürfen wir all das genießen. Denn brüsk und beseligend, wird
das Brüllen der Glocken, das Schmettern der Carmagnole und die rhythmische
Barbarei der Dampfhämmer übertönt von der einen, harmonisierenden,
idiotischen Melodie: Tarara -- bumdiäh! Das Variété, ein Narkotikum, bringt
die Versöhnung . . .