Der passive Widerstand an der Ruhr war zusammengebrochen. Verzweiflung
über die würgende Not, die in den Hochsommermonaten eine phantastische
Höhe erreicht hatte, trieb die rettungslos im reißenden Malstrom der
Inflation versinkenden Arbeiter, Kleinbürger, Beamten, Angestellten zu
gewaltigen, spontanen Kundgebungen auf die Straße. Cuno ging und
Stresemann kam. Die Massen, die im ersten Anlauf eine Schlacht gewonnen
hatten, fluteten wieder zurück. Ihre Aktion, die sich im ersten
Augenblick so bedrohlich und gewaltig angelassen hatte, verpuffte. Die
Sozialdemokratie sprang in die Bresche, um den Erfolg des ersten
Treffens auszunutzen und als Teilhaber der Regierung Ruhe und Ordnung im
Lande wiederherzustellen und den „Ruhrkampf zu liquidieren“.
Hilferding, der neue Finanzminister, machte sich voll Eifer ans Werk. Es
galt, die ins Bodenlose gestürzte Mark wieder auf die Beine zu bringen,
die heillos zerrütteten Finanzen zu ordnen, die Teuerung einzudämmen,
während dem Innenminister Sollmann, von dem man erwartete, daß er als
Sozialdemokrat über den unerläßlichen Einfluß bei den erregten Massen
verfügte, die Aufgabe zufiel, in der Zwischenzeit für die
Aufrechterhaltung von Ordnung und Ruhe zu sorgen.
Hilferding hatte nicht nur einzelne Reformen im Auge, er brachte einen
wohldurchgearbeiteten Plan ins Ministerium mit. Die Arbeit begann. Die
Mark stürzte weiter. Die Teuerung wuchs, das Elend, die Verzweiflung,
Hunger und Not wuchsen mit. Innerhalb der Koalition spitzten sich die
Gegensätze von Tag zu Tag zu. Das Finanzministerium und die Reichsbank
arbeiteten aneinander vorbei, bald standen sie in offenem Kampf.
Hilferding forderte die Sperrung aller Kredite, der Reichsbankpräsident
Havenstein setzte die Kreditpolitik der Inflationszeit eigensinnig fort.
Bei dem Duell Hilferding-Havenstein blieb als Leidtragender der kleine
Mann auf dem Kampfplatz.
Die Sozialdemokratie machte Opposition, protestierte, drohte mit dem
Austritt aus der Koalition und merkte gar nicht, daß inzwischen
Deutschnationale und Volkspartei, Schwerindustrie und Agrarkapital sich
geeinigt hatten, zu einem gemeinsamen Aktionsprogramm gelangt waren. Die
Sozialdemokratie drohte, ihre außerparlamentarischen Machtmittel
einzusetzen und wußte, als einzige der politischen Parteien, nicht, daß
diese Machtmittel – infolge der wachsenden Unzufriedenheit und
Enttäuschung in der Mitgliedschaft – beträchtlich zusammengeschmolzen
waren. So beantworteten die bürgerlichen Koalitionsparteien die
Drohungen der Sozialdemokratie damit, daß sie sie beim Wort nahmen. Ehe
sich die Partei dessen versah, war sie durch die Schwerindustrie ohne
viel Federlesens aus der Regierung hinausmanövriert.
Bevor es aber die Deutsche Volkspartei zu einem offenen Bruch mit der
Sozialdemokratie kommen ließ, wollte sie gewisse unerläßliche Garantien
für die Zukunft schaffen. Auf dem Wege zur rein bürgerlichen Regierung
galt es, als erstes und wichtigstes Hindernis den roten Block zu
überwinden, der gerade in jenen Monaten zu einem bedrohlichen
revolutionären Pfeiler gegen die bürgerliche Regierungspolitik ausgebaut
worden war. Das Reichswehrministerium täuschte sich nicht darüber, daß
die Beseitigung der sozialistischen Regierungen in Sachsen und Thüringen
eine schwierige Aufgabe bedeutete und zu gefährlichen Auswirkungen
führen mußte, wenn nicht die Sozialdemokratie für die Teilnahme an
dieser Aktion gegen ihre Parteigenossen im sächsischen und thüringischen
Kabinett gewonnen werden konnte. Die letzte Tat der Koalitionsregierung
war denn auch die Liquidierung der mitteldeutschen Arbeiterregierungen.
Am 10. Oktober marschierte die Reichswehr in Sachsen und Thüringen ein,
setzte die sozialistischen Regierungen ab, vertrieb mit aufgepflanztem
Bajonett die kommunistischen und sozialdemokratischen Minister aus ihren
Ämtern und proklamierte den Ausnahmezustand, dessen Durchführung einem
eigenen Staatskommissar übertragen wurde.
Diese Reichswehraktion gegen Sachsen und Thüringen war nur ein Schachzug
in einem weit umfassenderen Plan. Am 27. September hatte die bayrische
Regierung den Ausnahmezustand verkündet und die vollziehende Gewalt in
Bayern dem Regierungspräsidenten von Oberbayern, Herrn von Kahr,
übertragen, der als Generalstaatskommissar mit diktatorischen
Vollmachten die Regierung übernahm. Begründung: Hitler hatte für Anfang
Oktober 14 Massenversammlungen in München angekündigt, die nach Ansicht
der bayrischen Regierung den Auftakt zu einem völkischen Putsch bilden
sollten, den zu vereiteln Herr von Kahr berufen wurde.
Die Reichswehraktion in Mitteldeutschland, die Berufung des Herrn von
Kahr – beide Ereignisse standen in innerem ursächlichen Zusammenhang.
Hier wie dort hatte man erkannt, daß man vorbauen mußte, wollte man
nicht von der weiteren Entwicklung überrannt werden. Die Bayrische
Volkspartei, das heißt die bodenständige, klerikale, besitzende Bürger-
und Bauernschaft Bayerns, wußte ganz genau, daß sie der lawinenartig
anwachsenden Bewegung des verelendeten Kleinbürgertums, Mittelstands
keinen offenen Widerstand entgegensetzen konnte, erkannte aber auch
ebenso klar, daß sie, diese Bewegung richtig auswertend, ihr eigenstes
Ziel – die Aufrichtung der uneingeschränkten Herrschaft der katholischen
Kirche in einem, der Fesseln der zentralistischen Reichsverfassung
ledigen, selbständigen bayerischen Staat als Vorbedingung für eine
Restauration der Wittelsbacher Monarchie und einen später zu
verwirklichenden separatistischen, süddeutschen Staatenbund – mit einem
Schlage gewaltig fördern könnte. Also hatte die Bayrische Volkspartei
Kahr vorgeschoben, dem es als Ehrenvorsitzenden der separatistisch
eingestellten Kampfverbände – vor allem der Organisation „Bayern und
Reich“ – gelingen sollte, auch die Hitlerschen Kampfbünde zu sich
herüberzuziehen, zu „binden“. Herr Kahr wieder betraute den
Kapitänleutnant Ehrhardt mit der schwierigen Aufgabe, die Mittlerrolle
zwischen den großdeutsch eingestellten Verbänden Hitler-Ludendorffs und
Kahr selbst zu spielen.
Ehrhardt hatte nachdem er aus dem Leipziger Untersuchungsgefängnis
entwichen war, in Bayern bei Herrn Kahr warme Aufnahme gefunden, der ihm
das Oberkommando über den „Abschnitt Koburg“, die Führung der an der
sächsischen und thüringischen Grenze sich versammelnden Formationen
übertrug. Kahrs Plan lief darauf hinaus, zwei Fliegen auf einen Schlag
zu treffen: einerseits sollte seine Herrschaft in Bayern mit Hilfe der
völkischen Verbände gesichert, anderseits die nicht ganz zuverlässigen
schwarzen Schafe möglichst aus der Mitte der weißen katholischen
Lämmlein entfernt werden. Herr Kahr hielt es nicht für klug, den
Tatendrang der Völkischen zu zügeln, wünschte aber, daß sie ihn
außerhalb Bayerns austobten. So fand die Hitlersche Parole: „Gegen
Berlin!“ bei Kahr und der Bayrischen Volkspartei beifällige Aufnahme.
Am 27. Oktober brachte die „Chronik des Faschismus“, eine damals in
Berlin erscheinende, über die Vorgänge im völkischen Lager sehr gut
informierte Zeitschrift, folgenden Situationsbericht aus München:
Daß Kahrs Kampfansage an den „marxistischen Norden“ ebenso nur ein
Manöver ist, wie seine Beschwerden gegen den Zentralismus der
Weimarer Verfassung, und daß der eigentliche Plan Kahrs und der
Bayrischen Volkspartei auf die völlige Separation Bayerns um jeden
Preis hinausläuft, zeigt ... die Tatsache, daß die Bayrische
Hauptstadt, bisher der Sammelpunkt aller faschistischen und
reaktionären Kondottieri von Ehrhardt bis Ludendorff, jetzt zum
Stelldichein viel höherer und höchster Herrschaften geworden ist.
Der Erzherzog Josef von Ungarn, der „Soldatenvater“, der seine
Kinder anno 14 in den Karpathen so energisch behandelte, daß sie zu
Zehntausenden elend im Schnee umkamen – dieser hohe Heerführer
eröffnete den Reigen als Vertreter Horthys. Mussolini zögerte nicht,
einen Delegierten zu senden. Herr Kahr ließ durch Mittelspersonen in
Paris anfragen, wie dort die Wiederherstellung der Donaumonarchie
aufgenommen werden würde, und als die Antwort so günstig ausfiel,
wie erwartet, eilten jetzt Zita aus Spanien und der König Ferdinand
von Bulgarien höchstselbst nach München zum Rendezvous.
Inzwischen wußte „Der Abend“ in Wien zu melden:
„Die derzeitige politische Lage in Deutschland hat den Vatikan
veranlaßt, die bayrischen Bischöfe, den Erzbischof von Bamberg und
die Bischöfe von Speyer und Passau zu einer Beratung nach Rom zu
berufen. Der Vatikan will offenbar den jetzigen Augenblick der
allgemeinen Verwirrung dazu benutzen, um den alten Plan der
Errichtung eines katholischen Donaustaates auszuführen.“
Doch bei all dem vergaß Herr von Kahr nicht, daß ein Kampf nach zwei
Fronten – gegen Berlin und gegen Hitler – die große Gefahr barg, in ein
Kreuzfeuer zu geraten, im entscheidenden Augenblick völlig isoliert zu
werden. Während er sich den Völkischen gegenüber sicher und stark genug
fühlte, war er über die letzten Pläne und Absichten der Reichsregierung,
das heißt des von Präsident Ebert mit den unumschränkten Vollmachten
eines Diktators zum Inhaber der vollziehenden Gewalt bestellten Generals
von Seeckt, des Oberbefehlshabers der Reichswehr, nicht im klaren.
Gewiß, in Einzelheiten gab es Differenzen – aber bestanden nicht solche
auch zwischen Kahr und Hitler, ohne daß sie ein Zusammenarbeiten für das
gemeinsame Ziel des reaktionären Umsturzes ausschlossen? Und vor allem:
würde General von Seeckt nicht im richtigen Augenblick bereit sein,
Kahrs Stichwort aufzunehmen? Separatismus und Großdeutschland –
Hohenzollern oder Wittelsbach – das waren doch Fragen, die erst später
nach dem Sturz der Republik brennend wurden. Vorläufig galt es, die
Schlacht zu schlagen. Sollte da nicht General von Seeckt ein geheimer
Verbündeter sein, der es vorläufig nur noch nicht als geraten ansah,
seine republikanische, ihm selbst gewiß am meisten lästige Maske
abzuwerfen?
Kahrs Rechnung schien zu stimmen. Seine Vorstöße, die er zur Klärung des
Gefechtsfeldes unternahm, trafen wenigstens nur auf eine sehr
schwächliche Abwehr des Generals von Seeckt und des Berliner Kabinetts,
eine Abwehr, die beinahe wie ein Manöver aussah. Ja, während sich die
völkischen Verbände unter den Augen und mit der wohlwollenden
Unterstützung des Herrn von Kahr an der thüringischen Grenze zum Marsch
gegen Berlin sammelten, trat der Oberbefehlshaber der Reichswehr mit dem
bayrischen Generalstaatskommissar in Verhandlungen ein, um die Teilnahme
der bayrischen Reichswehrformationen und auch der völkischen
Kampfverbände an der Aktion gegen Sachsen und Thüringen zu vereinbaren.
Selbst in den ersten Novembertagen noch lagen die letzten Absichten
Seeckts in mystisches Dunkel gehüllt.
Dieses zu erhellen sollte ein Flugblatt dienen, das die Völkischen im
Dezember 1923 in München insgeheim verbreiteten, um nachzuweisen, daß
Hitlers Putsch nur die logische, im ursprünglichen Programm vorgesehene
Fortsetzung einer von ganz anderer Seite beabsichtigten Aktion war.
Dies Flugblatt gab einen Reichswehrbefehl vom 3. November wieder und
enthielt folgende Absätze:
Aus dem Befehl, der unter der Überschrift „Ue...“ ausgegeben wurde,
ergibt sich, daß die Reichswehr „für Auffüllung ihrer Bestände am
ersten Tag der Herbstübung 1923 ihre Fehlstellen aus den jetzigen
Hilfsmannschaften decken soll“. Danach werden die einzeln
angeführten Kompagnien einer nicht genannten Division durch
Kompagnien der Nationalsozialisten, des „Hermannbundes“, des
„Oberland“ und von „Bayern und Reich“ verstärkt. Es heißt dann in
diesem Befehl wörtlich:
„Verpflegung und Gebühren: Es dürfen nur unbedingt verläßliche Leute
zur Einstellung kommen, für die Feldtruppe nur voll ausgebildete.
Gebühren und Versorgung wie Angehörige der Reichswehr.
Studenten der Hochschule wird die verlorene Studienzeit voll
angerechnet. Beamten, Angestellten, Arbeitern wird die Rückkehr zu
ihren früheren Stellungen ohne Dienstzeitverlust zugesichert.
Während der Operationen ruht das Recht der Kündigungen seitens der
Freiwilligen.“
Endlich seien noch nachstehende Geheimdokumente der Organisation
„Stahlhelm“ wiedergegeben. Auch sie wurden von den Völkischen zum Beweis
herangezogen, daß Hitlers Putschpläne bis Anfang November nicht nur bei
Kahr, sondern auch bei General von Seeckt Verständnis und Billigung
gefunden hatten, und die Verteidigung suchte später daraus den Schluß
abzuleiten, daß unter solchen Umständen von einem Hochverrat Hitlers
nicht gesprochen werden könnte – es sei denn, man wollte neben ihm auch
Herrn von Kahr, General von Seeckt und verschiedene andere Mitglieder
der Reichsregierung unter dieselbe Anklage stellen.
An alle Gauführer!
Magdeburg, den 11. November 1923.
Vertraulich!
Kurzer Lagebericht.
Am Sonntag, den 4. d. M., tagte die Bundesleitung in Magdeburg zur
Besprechung der Lage. Das Ergebnis wurde in ultimativer Form als
Kundgebung dem Reichskanzler Dr. Stresemann überreicht, sowie der
Presse übergeben. Die Entschließung hat in der Presse und in der
Öffentlichkeit lebhafte Besprechungen hervorgerufen, zum größten
Teil sehr anerkennend, von gewisser halbrosaer Seite erbittert, mit
dem Versuch niederzureißen, von sozialdemokratischer Seite fragend,
was der Stahlhelm mit der Forderung der nationalen Diktatur
beabsichtige.
Die gedrängte Stellungnahme ist aus folgendem kurzen Entschluß zu
ersehen, sowie aus der Mitteilung, daß der Bundesvorsitzende seit
der Zeit vom 5. d. M. bis heute _dreimal nach Berlin zum
Reichskanzler gerufen wurde_. Der Unterzeichnete hat dem
Reichskanzler, der Reichsregierung und dem Oberbefehlshaber in
klaren Worten die Stellung und Forderung des Stahlhelms überreicht.
Er gewann jedoch den Eindruck, daß der jetzige Reichskanzler nicht
der Mann ist, um die nötige Entschlußhärte zur Führung sowohl der
nationalen Diktatur als auch der Reichsregierung und letzten Endes
von Preußen aufzubringen. Vor Forderungen wie Nachhauseschicken des
Reichstags, Ausbooten der Sozialdemokratie in der preußischen
Regierung, rücksichtslose Einführung und schnellste Erledigung der
wertbeständigen Zahlung und der Ernährungsfrage wich der Kanzler
zurück.
_Infolgedessen trug der Unterzeichnete dem Oberbefehlshaber die
Entschließung und die Stellungnahme des Stahlhelms vor._
Die durch den Putsch Ludendorff-Hitler gebrachte Spannung der Lage
ergab, daß der Bundesvorsitzende den Gaugruppen übermittelte, daß
der Bundesführer in diktatorischer Weise von jetzt ab handeln muß.
Gleichzeitig ergibt die Spannung der Lage, daß die gesamte Stellung
des Stahlhelms auf eine präzise Formel gebracht werden muß. Sie
lautet: „Der Stahlhelm steht zur Reichswehr!“
Von Berlin nach dreimaligem Besuch und umfangreicher Arbeit in den
verschiedenen Ministerien zurück, traf den Unterzeichneten der
persönliche Besuch des Führers des Jungdeutschen Ordens, des Herrn
Marauhn. Der Jungdeutsche Orden, eine der stärksten norddeutschen
Korporationen, zählt etwa zirka 6000 Ortsgruppen. Die ideale
Einstellung des Jungdo ist dem Stahlhelm verwandt. Der Großmeister
Marauhn legte seinen ganzen Nachdruck auf die Vorbereitung des
Siedlungswerkes und Erschließung von Ödland, in der ideellen
Ertüchtigung der deutschen Männer und männlicher Jugend und der
Unterstützung der Reichswehr durch wehrhafte Männer.
Der Bundesvorsitzende des Stahlhelms nahm nach sorgfältiger
Besprechung das Angebot des Jungdoführers an, was den beiliegenden
Wortlaut hat. Der Stahlhelm erfährt durch das Bündnis mit dem
Jungdo, das jedem Verbande seine Eigenart läßt, eine Stärkung in der
heutigen Zeit. Die Gau- und Ortsgruppenführer haben daher Sorge zu
tragen, daß das Einvernehmen mit dem Jungdo unter Bezugnahme auf
dieses Bündnis das denkbar beste ist, und der eine Bund den andern
kameradschaftlich und brüderlich unterstützt.
Gleichzeitig melden die Gau- und Ortsgruppen, mit welchen anderen
Verbänden oder Bünden nähere Beziehungen bzw. Verabredungen auf
gegenseitige Hilfeleistungen bestehen.
Der Bundesvorsitzende wird morgen nochmals nach Berlin fahren, um
mit den dortigen maßgebenden Stellen zwecks Klärung der Lage zu
sprechen und in ultimativer Form die Errichtung der nationalen
Diktatur weiter zu fordern.
Der Gesamtgang der künftigen Ereignisse ist angesichts der
verschiedenen Strömungen in der Regierung noch nicht auf Zeiten
festzulegen. Es muß aber heute schon gesagt werden, daß es eine
andere Lösung als die möglichst schnelle Errichtung einer nationalen
Diktatur heute nicht mehr gibt.
Mit kameradschaftlichem Gruß
gez. Fr. Seldte, 1. Bundesvorsitzender.
Entwurf.
Ohne juristische Abfassung.
1. Der Herr Reichspräsident hat mich angesichts der Möglichkeit
weiterer Umsturzversuche und angesichts der drohenden Hungersnot zum
Reichsverweser mit diktatorischer Gewalt für begrenzte Zeit ernannt.