OKTOBER

Der passive Widerstand an der Ruhr war zusammengebrochen. Verzweiflung

über die würgende Not, die in den Hochsommermonaten eine phantastische

Höhe erreicht hatte, trieb die rettungslos im reißenden Malstrom der

Inflation versinkenden Arbeiter, Kleinbürger, Beamten, Angestellten zu

gewaltigen, spontanen Kundgebungen auf die Straße. Cuno ging und

Stresemann kam. Die Massen, die im ersten Anlauf eine Schlacht gewonnen

hatten, fluteten wieder zurück. Ihre Aktion, die sich im ersten

Augenblick so bedrohlich und gewaltig angelassen hatte, verpuffte. Die

Sozialdemokratie sprang in die Bresche, um den Erfolg des ersten

Treffens auszunutzen und als Teilhaber der Regierung Ruhe und Ordnung im

Lande wiederherzustellen und den „Ruhrkampf zu liquidieren“.

Hilferding, der neue Finanzminister, machte sich voll Eifer ans Werk. Es

galt, die ins Bodenlose gestürzte Mark wieder auf die Beine zu bringen,

die heillos zerrütteten Finanzen zu ordnen, die Teuerung einzudämmen,

während dem Innenminister Sollmann, von dem man erwartete, daß er als

Sozialdemokrat über den unerläßlichen Einfluß bei den erregten Massen

verfügte, die Aufgabe zufiel, in der Zwischenzeit für die

Aufrechterhaltung von Ordnung und Ruhe zu sorgen.

Hilferding hatte nicht nur einzelne Reformen im Auge, er brachte einen

wohldurchgearbeiteten Plan ins Ministerium mit. Die Arbeit begann. Die

Mark stürzte weiter. Die Teuerung wuchs, das Elend, die Verzweiflung,

Hunger und Not wuchsen mit. Innerhalb der Koalition spitzten sich die

Gegensätze von Tag zu Tag zu. Das Finanzministerium und die Reichsbank

arbeiteten aneinander vorbei, bald standen sie in offenem Kampf.

Hilferding forderte die Sperrung aller Kredite, der Reichsbankpräsident

Havenstein setzte die Kreditpolitik der Inflationszeit eigensinnig fort.

Bei dem Duell Hilferding-Havenstein blieb als Leidtragender der kleine

Mann auf dem Kampfplatz.

Die Sozialdemokratie machte Opposition, protestierte, drohte mit dem

Austritt aus der Koalition und merkte gar nicht, daß inzwischen

Deutschnationale und Volkspartei, Schwerindustrie und Agrarkapital sich

geeinigt hatten, zu einem gemeinsamen Aktionsprogramm gelangt waren. Die

Sozialdemokratie drohte, ihre außerparlamentarischen Machtmittel

einzusetzen und wußte, als einzige der politischen Parteien, nicht, daß

diese Machtmittel – infolge der wachsenden Unzufriedenheit und

Enttäuschung in der Mitgliedschaft – beträchtlich zusammengeschmolzen

waren. So beantworteten die bürgerlichen Koalitionsparteien die

Drohungen der Sozialdemokratie damit, daß sie sie beim Wort nahmen. Ehe

sich die Partei dessen versah, war sie durch die Schwerindustrie ohne

viel Federlesens aus der Regierung hinausmanövriert.

Bevor es aber die Deutsche Volkspartei zu einem offenen Bruch mit der

Sozialdemokratie kommen ließ, wollte sie gewisse unerläßliche Garantien

für die Zukunft schaffen. Auf dem Wege zur rein bürgerlichen Regierung

galt es, als erstes und wichtigstes Hindernis den roten Block zu

überwinden, der gerade in jenen Monaten zu einem bedrohlichen

revolutionären Pfeiler gegen die bürgerliche Regierungspolitik ausgebaut

worden war. Das Reichswehrministerium täuschte sich nicht darüber, daß

die Beseitigung der sozialistischen Regierungen in Sachsen und Thüringen

eine schwierige Aufgabe bedeutete und zu gefährlichen Auswirkungen

führen mußte, wenn nicht die Sozialdemokratie für die Teilnahme an

dieser Aktion gegen ihre Parteigenossen im sächsischen und thüringischen

Kabinett gewonnen werden konnte. Die letzte Tat der Koalitionsregierung

war denn auch die Liquidierung der mitteldeutschen Arbeiterregierungen.

Am 10. Oktober marschierte die Reichswehr in Sachsen und Thüringen ein,

setzte die sozialistischen Regierungen ab, vertrieb mit aufgepflanztem

Bajonett die kommunistischen und sozialdemokratischen Minister aus ihren

Ämtern und proklamierte den Ausnahmezustand, dessen Durchführung einem

eigenen Staatskommissar übertragen wurde.

Diese Reichswehraktion gegen Sachsen und Thüringen war nur ein Schachzug

in einem weit umfassenderen Plan. Am 27. September hatte die bayrische

Regierung den Ausnahmezustand verkündet und die vollziehende Gewalt in

Bayern dem Regierungspräsidenten von Oberbayern, Herrn von Kahr,

übertragen, der als Generalstaatskommissar mit diktatorischen

Vollmachten die Regierung übernahm. Begründung: Hitler hatte für Anfang

Oktober 14 Massenversammlungen in München angekündigt, die nach Ansicht

der bayrischen Regierung den Auftakt zu einem völkischen Putsch bilden

sollten, den zu vereiteln Herr von Kahr berufen wurde.

Die Reichswehraktion in Mitteldeutschland, die Berufung des Herrn von

Kahr – beide Ereignisse standen in innerem ursächlichen Zusammenhang.

Hier wie dort hatte man erkannt, daß man vorbauen mußte, wollte man

nicht von der weiteren Entwicklung überrannt werden. Die Bayrische

Volkspartei, das heißt die bodenständige, klerikale, besitzende Bürger-

und Bauernschaft Bayerns, wußte ganz genau, daß sie der lawinenartig

anwachsenden Bewegung des verelendeten Kleinbürgertums, Mittelstands

keinen offenen Widerstand entgegensetzen konnte, erkannte aber auch

ebenso klar, daß sie, diese Bewegung richtig auswertend, ihr eigenstes

Ziel – die Aufrichtung der uneingeschränkten Herrschaft der katholischen

Kirche in einem, der Fesseln der zentralistischen Reichsverfassung

ledigen, selbständigen bayerischen Staat als Vorbedingung für eine

Restauration der Wittelsbacher Monarchie und einen später zu

verwirklichenden separatistischen, süddeutschen Staatenbund – mit einem

Schlage gewaltig fördern könnte. Also hatte die Bayrische Volkspartei

Kahr vorgeschoben, dem es als Ehrenvorsitzenden der separatistisch

eingestellten Kampfverbände – vor allem der Organisation „Bayern und

Reich“ – gelingen sollte, auch die Hitlerschen Kampfbünde zu sich

herüberzuziehen, zu „binden“. Herr Kahr wieder betraute den

Kapitänleutnant Ehrhardt mit der schwierigen Aufgabe, die Mittlerrolle

zwischen den großdeutsch eingestellten Verbänden Hitler-Ludendorffs und

Kahr selbst zu spielen.

Ehrhardt hatte nachdem er aus dem Leipziger Untersuchungsgefängnis

entwichen war, in Bayern bei Herrn Kahr warme Aufnahme gefunden, der ihm

das Oberkommando über den „Abschnitt Koburg“, die Führung der an der

sächsischen und thüringischen Grenze sich versammelnden Formationen

übertrug. Kahrs Plan lief darauf hinaus, zwei Fliegen auf einen Schlag

zu treffen: einerseits sollte seine Herrschaft in Bayern mit Hilfe der

völkischen Verbände gesichert, anderseits die nicht ganz zuverlässigen

schwarzen Schafe möglichst aus der Mitte der weißen katholischen

Lämmlein entfernt werden. Herr Kahr hielt es nicht für klug, den

Tatendrang der Völkischen zu zügeln, wünschte aber, daß sie ihn

außerhalb Bayerns austobten. So fand die Hitlersche Parole: „Gegen

Berlin!“ bei Kahr und der Bayrischen Volkspartei beifällige Aufnahme.

Am 27. Oktober brachte die „Chronik des Faschismus“, eine damals in

Berlin erscheinende, über die Vorgänge im völkischen Lager sehr gut

informierte Zeitschrift, folgenden Situationsbericht aus München:

Daß Kahrs Kampfansage an den „marxistischen Norden“ ebenso nur ein

Manöver ist, wie seine Beschwerden gegen den Zentralismus der

Weimarer Verfassung, und daß der eigentliche Plan Kahrs und der

Bayrischen Volkspartei auf die völlige Separation Bayerns um jeden

Preis hinausläuft, zeigt ... die Tatsache, daß die Bayrische

Hauptstadt, bisher der Sammelpunkt aller faschistischen und

reaktionären Kondottieri von Ehrhardt bis Ludendorff, jetzt zum

Stelldichein viel höherer und höchster Herrschaften geworden ist.

Der Erzherzog Josef von Ungarn, der „Soldatenvater“, der seine

Kinder anno 14 in den Karpathen so energisch behandelte, daß sie zu

Zehntausenden elend im Schnee umkamen – dieser hohe Heerführer

eröffnete den Reigen als Vertreter Horthys. Mussolini zögerte nicht,

einen Delegierten zu senden. Herr Kahr ließ durch Mittelspersonen in

Paris anfragen, wie dort die Wiederherstellung der Donaumonarchie

aufgenommen werden würde, und als die Antwort so günstig ausfiel,

wie erwartet, eilten jetzt Zita aus Spanien und der König Ferdinand

von Bulgarien höchstselbst nach München zum Rendezvous.

Inzwischen wußte „Der Abend“ in Wien zu melden:

„Die derzeitige politische Lage in Deutschland hat den Vatikan

veranlaßt, die bayrischen Bischöfe, den Erzbischof von Bamberg und

die Bischöfe von Speyer und Passau zu einer Beratung nach Rom zu

berufen. Der Vatikan will offenbar den jetzigen Augenblick der

allgemeinen Verwirrung dazu benutzen, um den alten Plan der

Errichtung eines katholischen Donaustaates auszuführen.“

Doch bei all dem vergaß Herr von Kahr nicht, daß ein Kampf nach zwei

Fronten – gegen Berlin und gegen Hitler – die große Gefahr barg, in ein

Kreuzfeuer zu geraten, im entscheidenden Augenblick völlig isoliert zu

werden. Während er sich den Völkischen gegenüber sicher und stark genug

fühlte, war er über die letzten Pläne und Absichten der Reichsregierung,

das heißt des von Präsident Ebert mit den unumschränkten Vollmachten

eines Diktators zum Inhaber der vollziehenden Gewalt bestellten Generals

von Seeckt, des Oberbefehlshabers der Reichswehr, nicht im klaren.

Gewiß, in Einzelheiten gab es Differenzen – aber bestanden nicht solche

auch zwischen Kahr und Hitler, ohne daß sie ein Zusammenarbeiten für das

gemeinsame Ziel des reaktionären Umsturzes ausschlossen? Und vor allem:

würde General von Seeckt nicht im richtigen Augenblick bereit sein,

Kahrs Stichwort aufzunehmen? Separatismus und Großdeutschland –

Hohenzollern oder Wittelsbach – das waren doch Fragen, die erst später

nach dem Sturz der Republik brennend wurden. Vorläufig galt es, die

Schlacht zu schlagen. Sollte da nicht General von Seeckt ein geheimer

Verbündeter sein, der es vorläufig nur noch nicht als geraten ansah,

seine republikanische, ihm selbst gewiß am meisten lästige Maske

abzuwerfen?

Kahrs Rechnung schien zu stimmen. Seine Vorstöße, die er zur Klärung des

Gefechtsfeldes unternahm, trafen wenigstens nur auf eine sehr

schwächliche Abwehr des Generals von Seeckt und des Berliner Kabinetts,

eine Abwehr, die beinahe wie ein Manöver aussah. Ja, während sich die

völkischen Verbände unter den Augen und mit der wohlwollenden

Unterstützung des Herrn von Kahr an der thüringischen Grenze zum Marsch

gegen Berlin sammelten, trat der Oberbefehlshaber der Reichswehr mit dem

bayrischen Generalstaatskommissar in Verhandlungen ein, um die Teilnahme

der bayrischen Reichswehrformationen und auch der völkischen

Kampfverbände an der Aktion gegen Sachsen und Thüringen zu vereinbaren.

Selbst in den ersten Novembertagen noch lagen die letzten Absichten

Seeckts in mystisches Dunkel gehüllt.

Dieses zu erhellen sollte ein Flugblatt dienen, das die Völkischen im

Dezember 1923 in München insgeheim verbreiteten, um nachzuweisen, daß

Hitlers Putsch nur die logische, im ursprünglichen Programm vorgesehene

Fortsetzung einer von ganz anderer Seite beabsichtigten Aktion war.

Dies Flugblatt gab einen Reichswehrbefehl vom 3. November wieder und

enthielt folgende Absätze:

Aus dem Befehl, der unter der Überschrift „Ue...“ ausgegeben wurde,

ergibt sich, daß die Reichswehr „für Auffüllung ihrer Bestände am

ersten Tag der Herbstübung 1923 ihre Fehlstellen aus den jetzigen

Hilfsmannschaften decken soll“. Danach werden die einzeln

angeführten Kompagnien einer nicht genannten Division durch

Kompagnien der Nationalsozialisten, des „Hermannbundes“, des

„Oberland“ und von „Bayern und Reich“ verstärkt. Es heißt dann in

diesem Befehl wörtlich:

„Verpflegung und Gebühren: Es dürfen nur unbedingt verläßliche Leute

zur Einstellung kommen, für die Feldtruppe nur voll ausgebildete.

Gebühren und Versorgung wie Angehörige der Reichswehr.

Studenten der Hochschule wird die verlorene Studienzeit voll

angerechnet. Beamten, Angestellten, Arbeitern wird die Rückkehr zu

ihren früheren Stellungen ohne Dienstzeitverlust zugesichert.

Während der Operationen ruht das Recht der Kündigungen seitens der

Freiwilligen.“

Endlich seien noch nachstehende Geheimdokumente der Organisation

„Stahlhelm“ wiedergegeben. Auch sie wurden von den Völkischen zum Beweis

herangezogen, daß Hitlers Putschpläne bis Anfang November nicht nur bei

Kahr, sondern auch bei General von Seeckt Verständnis und Billigung

gefunden hatten, und die Verteidigung suchte später daraus den Schluß

abzuleiten, daß unter solchen Umständen von einem Hochverrat Hitlers

nicht gesprochen werden könnte – es sei denn, man wollte neben ihm auch

Herrn von Kahr, General von Seeckt und verschiedene andere Mitglieder

der Reichsregierung unter dieselbe Anklage stellen.

An alle Gauführer!

Magdeburg, den 11. November 1923.

Vertraulich!

Kurzer Lagebericht.

Am Sonntag, den 4. d. M., tagte die Bundesleitung in Magdeburg zur

Besprechung der Lage. Das Ergebnis wurde in ultimativer Form als

Kundgebung dem Reichskanzler Dr. Stresemann überreicht, sowie der

Presse übergeben. Die Entschließung hat in der Presse und in der

Öffentlichkeit lebhafte Besprechungen hervorgerufen, zum größten

Teil sehr anerkennend, von gewisser halbrosaer Seite erbittert, mit

dem Versuch niederzureißen, von sozialdemokratischer Seite fragend,

was der Stahlhelm mit der Forderung der nationalen Diktatur

beabsichtige.

Die gedrängte Stellungnahme ist aus folgendem kurzen Entschluß zu

ersehen, sowie aus der Mitteilung, daß der Bundesvorsitzende seit

der Zeit vom 5. d. M. bis heute _dreimal nach Berlin zum

Reichskanzler gerufen wurde_. Der Unterzeichnete hat dem

Reichskanzler, der Reichsregierung und dem Oberbefehlshaber in

klaren Worten die Stellung und Forderung des Stahlhelms überreicht.

Er gewann jedoch den Eindruck, daß der jetzige Reichskanzler nicht

der Mann ist, um die nötige Entschlußhärte zur Führung sowohl der

nationalen Diktatur als auch der Reichsregierung und letzten Endes

von Preußen aufzubringen. Vor Forderungen wie Nachhauseschicken des

Reichstags, Ausbooten der Sozialdemokratie in der preußischen

Regierung, rücksichtslose Einführung und schnellste Erledigung der

wertbeständigen Zahlung und der Ernährungsfrage wich der Kanzler

zurück.

_Infolgedessen trug der Unterzeichnete dem Oberbefehlshaber die

Entschließung und die Stellungnahme des Stahlhelms vor._

Die durch den Putsch Ludendorff-Hitler gebrachte Spannung der Lage

ergab, daß der Bundesvorsitzende den Gaugruppen übermittelte, daß

der Bundesführer in diktatorischer Weise von jetzt ab handeln muß.

Gleichzeitig ergibt die Spannung der Lage, daß die gesamte Stellung

des Stahlhelms auf eine präzise Formel gebracht werden muß. Sie

lautet: „Der Stahlhelm steht zur Reichswehr!“

Von Berlin nach dreimaligem Besuch und umfangreicher Arbeit in den

verschiedenen Ministerien zurück, traf den Unterzeichneten der

persönliche Besuch des Führers des Jungdeutschen Ordens, des Herrn

Marauhn. Der Jungdeutsche Orden, eine der stärksten norddeutschen

Korporationen, zählt etwa zirka 6000 Ortsgruppen. Die ideale

Einstellung des Jungdo ist dem Stahlhelm verwandt. Der Großmeister

Marauhn legte seinen ganzen Nachdruck auf die Vorbereitung des

Siedlungswerkes und Erschließung von Ödland, in der ideellen

Ertüchtigung der deutschen Männer und männlicher Jugend und der

Unterstützung der Reichswehr durch wehrhafte Männer.

Der Bundesvorsitzende des Stahlhelms nahm nach sorgfältiger

Besprechung das Angebot des Jungdoführers an, was den beiliegenden

Wortlaut hat. Der Stahlhelm erfährt durch das Bündnis mit dem

Jungdo, das jedem Verbande seine Eigenart läßt, eine Stärkung in der

heutigen Zeit. Die Gau- und Ortsgruppenführer haben daher Sorge zu

tragen, daß das Einvernehmen mit dem Jungdo unter Bezugnahme auf

dieses Bündnis das denkbar beste ist, und der eine Bund den andern

kameradschaftlich und brüderlich unterstützt.

Gleichzeitig melden die Gau- und Ortsgruppen, mit welchen anderen

Verbänden oder Bünden nähere Beziehungen bzw. Verabredungen auf

gegenseitige Hilfeleistungen bestehen.

Der Bundesvorsitzende wird morgen nochmals nach Berlin fahren, um

mit den dortigen maßgebenden Stellen zwecks Klärung der Lage zu

sprechen und in ultimativer Form die Errichtung der nationalen

Diktatur weiter zu fordern.

Der Gesamtgang der künftigen Ereignisse ist angesichts der

verschiedenen Strömungen in der Regierung noch nicht auf Zeiten

festzulegen. Es muß aber heute schon gesagt werden, daß es eine

andere Lösung als die möglichst schnelle Errichtung einer nationalen

Diktatur heute nicht mehr gibt.

Mit kameradschaftlichem Gruß

gez. Fr. Seldte, 1. Bundesvorsitzender.

Entwurf.

Ohne juristische Abfassung.

1. Der Herr Reichspräsident hat mich angesichts der Möglichkeit

weiterer Umsturzversuche und angesichts der drohenden Hungersnot zum

Reichsverweser mit diktatorischer Gewalt für begrenzte Zeit ernannt.

Der Hitler-Ludendorff-Prozeß · 第 12 / 27 题