XVIII.

Sie verließen den Garten.

Sie sprachen nicht mehr. Schweigend gingen sie hin.

Aber als sie eine helle Kinderstimme singen hörten--grell und

falsch, doch unbekümmert klang es von den Lippen:

"Nur einmal blüht im Jahr der Mai--

"Nur einmal--im Leben--die--Lie--be!--"

sahen sie sich an und lächelten.

"Es ist nicht wahr--" sagten sie sich mit diesem Lächeln,

"hundertmal blühen sie, und immer von neuem, oft zusammen, oft der

eine ohne die andere . . ."

Und sie sagten sich:

"Aber nie hat sie uns so schön geblüht, wie dieses Mal . . ."

Wieder hörten sie die Stimme und die Worte.

"Es ist nicht wahr--"

"Es ist ewig nicht wahr--"

An dem Kreuzwege blieb sie stehen. Laut sagte sie ihm:

"Ich gehe jetzt nach Hause. Ich komme schneller dahin, wenn ich

allein gehe.--Um zehn Uhr bin ich auf dem Bahnhofe."

Sie gab ihm nicht die Hand, sie grüßte ihn nur mit dem Neigen ihrer

Stirn.

Er verstand sie. Er hatte den Hut abgenommen und er verbeugte sich,

als sie ging. Er verstand sie: es war nicht Feigheit, daß sie nicht

in den Gassen der Stadt mit ihm zusammen gesehen sein wollte. Nur

_jetzt_ wollte sie unbehelligt bleiben von den frechen Blicken der

Neugier, deren Worte sie von nun an nicht mehr berühren, deren Taten

sie von nun an nicht mehr hindern konnten . . .

Aber er konnte sich nicht enthalten, ihr nachzusehen. Nur eine ging

so: sie. Ohne das Wiegen der Hüften, das Schwanken der Schultern,

ging sie stets mit denselben ruhigen, auch in der Eile, wie jetzt,

noch gleichmäßigen, festen, kühnen Schritten die mehr als alles die

Gesundheit ihres Wesens zeichneten.

Die steile Straße abwärts führten sie diese Schritte; dann verbarg

ihren Kopf der hängende Zweig eines Baumes und gleich darauf ein

Haus ihre Gestalt, die der dämmernde Schatten des Abend bereits

verwischte.

So lange seine Augen sie noch faßten, sah er ihr nach. Nicht eher

ließ er los, was er leibhaftig mit den Sinnen zu fühlen noch

vermochte.

Auch durch die Dunkelheit der Entfernung hin versuchte er ihr noch

zu folgen.

Aber er war bereits lange allein.

Die Menschen der Ehe · 第 25 / 28 题