VII.

Auf hohen Terrassen erhob sich vor ihm das "Schloß", ein massives,

altes Gebäude mit vielen Anbauten aus neuerer Zeit. Uralter Efeu

hing an den Mauern nieder, von einem Garten in den anderen, bis er

die Dächer der Häuser an ihrem Fuße fast berührte.

Das Schloß hatte keine Bestimmung mehr. Seine einzelnen Stockwerke

mit ihren vielen Flügeln und unzähligen Zimmern waren an einige

Familien vermietet, an die reichsten der "Alldahiesigen" und

"Hiesigen", welche keine eigenen Häuser besaßen.

Der Fremde, der hier nicht fremd war, stieg langsam den steilen Weg

hinauf, der an der alten, düsteren Kirche--sie stand in seltsamen

unterirdischen Gängen, die längst verschüttet waren, mit dem

Schlosse in Verbindung--zu dem weiten, totenstillen Platze hinauf,

der die Flügel des Schlosses gleichsam bis an die Ränder der Anhöhe

auseinandergedehnt hatte. Gras, das eine glühende Sonne gelb sengte,

wucherte hier zwischen den plumpen, unregelmäßigen Pflastersteinen;

nie spielte hier die Jugend der Stadt, auf diesem weiten Platze, der

wie geschaffen war zum Umhertummeln. Zuweilen nur bewegte sich eine

der weißen Gardinen hinter den hohen Fenstern, und ein behaubter

Kopf lugte zwischen ihnen durch, um bald wieder zu verschwinden,

denn die leere Oede dieses weiten Raumes wurde selten unterbrochen

durch eine Gestalt, die ihren Weg über ihn hinweg nahm, um die

andere Seite zu erreichen. Die meisten gingen an den langen Fluchten

entlang, um plötzlich in einer der Türen zu verschwinden, öfter

während des Tages, in den Nachmittagsstunden geschah es, daß Wagen--

moderne, elegante Geschirre mit vortrefflichen Pferden--an den

Toren hielten.

Und wieder mußte Grach lächeln, als er diesen weiten, toten Platz

überschritt, auf dem die Sonne ungestört die Spiele ihrer Schatten

trieb, den er als Kind nie betreten hatte und von dem er nie

geglaubt hätte, daß er ihn je betreten würde.

Aber hier mußte sie--der Adresse in ihrem Briefe nach--jetzt

wohnen.

Er ging langsam. Und doch war er neugierig geworden auf das

Wiedersehen. So lange war es her, daß er keine Blicke mehr in das

Heimwesen deutschen Bürgertums getan hatte. Er ein Fremder--und

alles ihm fremd geworden, was von dorther kam . . .

Die Menschen der Ehe · 第 11 / 28 题