I.

Der Dunst der brennenden Kohle erfüllte die Luft weithin. Aus

tausend Schloten qualmte der Rauch, gelb, schwarz, grau und weiß,

empor, und all' diese dicken Wolken lösten sich unmerklich auf in

die ungeheure Dunstwelle welche unablässig auf Meilen hin das

Flußtal in seiner ganzen Breite beschattete.

Ueber der kleinen Stadt lag sie wie ein dünner Schleier. Zuweilen

lüftete diesen Schleier ein frischerer Windhauch, der von Süden das

Tal heraufzog. Aber es dauerte nicht lange und er war wieder

herniedergefallen auf die reizlosen Züge, die er wie in Mitleid

verhüllte.

Eigentlich waren es zwei Städte, die hier zusammenlagen. Aber nur

der Fluß, ein träger, gelber Fluß, trennte sie, und zwei Brücken

verbanden sie: eine alte massive aus Stein, mit mächtigen Pfeilern

und Quadern, die noch alles lautlos ertragen hatte, was über sie

hinweggezogen war, und eine neue aus modernem Eisen, welche ächzte

und bebte, wenn die großen Lastwagen über sie hin fuhren, und

gräßliche Massen Staub unter den schweren Rädern hervorhustete.

Der Fremde, der auf den Höhen des Tales hinwandernd die roten und

schwarzen Giebel zu seinen Füßen sah, glaubte nicht anders, als sie

gehörten alle zu dem Bezirke einer Stadt. Aber die, welche unter

diesen Giebeln wohnten, waren anderer Meinung. Und auf sie kam es

doch an.

Seit undenklichen Zeiten lagen die Schwesterstädte einander in den

Haaren. Die kleinen Reibereien endeten nie; die letzten Wahrzeichen

der großen entscheidenden Schlachten aber waren die leeren

Augenhöhlen der Gaslaternen auf der "alten" Brücke--: unter den

Steinwürfen der den Alten nachzwitschernden, nein, nachheulenden

Jugend beider Städte waren sie dahingesunken, unter Würfen, die ihre

edleren Ziele leider verfehlt hatten.

In Dialogen von gleich klassischer Kürze und Schönheit endeten diese

Kämpfe:

"Wart' nur, ich sahns abber meinem Vatter!" der eine.

"Und ich sahns meiner Mutter, die packt dei Mutter!" der andere.

"Aber mei Vatter is stärker wie dei Vatter."

"O du Dürmel, kumm nure nit dohär . . ."

Die Menschen der Ehe · 第 5 / 28 题