Der Dunst der brennenden Kohle erfüllte die Luft weithin. Aus
tausend Schloten qualmte der Rauch, gelb, schwarz, grau und weiß,
empor, und all' diese dicken Wolken lösten sich unmerklich auf in
die ungeheure Dunstwelle welche unablässig auf Meilen hin das
Flußtal in seiner ganzen Breite beschattete.
Ueber der kleinen Stadt lag sie wie ein dünner Schleier. Zuweilen
lüftete diesen Schleier ein frischerer Windhauch, der von Süden das
Tal heraufzog. Aber es dauerte nicht lange und er war wieder
herniedergefallen auf die reizlosen Züge, die er wie in Mitleid
verhüllte.
Eigentlich waren es zwei Städte, die hier zusammenlagen. Aber nur
der Fluß, ein träger, gelber Fluß, trennte sie, und zwei Brücken
verbanden sie: eine alte massive aus Stein, mit mächtigen Pfeilern
und Quadern, die noch alles lautlos ertragen hatte, was über sie
hinweggezogen war, und eine neue aus modernem Eisen, welche ächzte
und bebte, wenn die großen Lastwagen über sie hin fuhren, und
gräßliche Massen Staub unter den schweren Rädern hervorhustete.
Der Fremde, der auf den Höhen des Tales hinwandernd die roten und
schwarzen Giebel zu seinen Füßen sah, glaubte nicht anders, als sie
gehörten alle zu dem Bezirke einer Stadt. Aber die, welche unter
diesen Giebeln wohnten, waren anderer Meinung. Und auf sie kam es
doch an.
Seit undenklichen Zeiten lagen die Schwesterstädte einander in den
Haaren. Die kleinen Reibereien endeten nie; die letzten Wahrzeichen
der großen entscheidenden Schlachten aber waren die leeren
Augenhöhlen der Gaslaternen auf der "alten" Brücke--: unter den
Steinwürfen der den Alten nachzwitschernden, nein, nachheulenden
Jugend beider Städte waren sie dahingesunken, unter Würfen, die ihre
edleren Ziele leider verfehlt hatten.
In Dialogen von gleich klassischer Kürze und Schönheit endeten diese
Kämpfe:
"Wart' nur, ich sahns abber meinem Vatter!" der eine.
"Und ich sahns meiner Mutter, die packt dei Mutter!" der andere.
"Aber mei Vatter is stärker wie dei Vatter."
"O du Dürmel, kumm nure nit dohär . . ."