fängt an, wärmer zu werden; schon daß er nach dem Preis des Khrises
fragte, wo er oben im Auctionszimmer die anderen wirklich schönen Waffen
keines Gebots gewürdigt hatte, ist ein gutes Zeichen; wir wollen ihm da
nicht vorgreifen und uns selber die Hände binden -- =er= mag sagen, was
er geben will, nachher steht es uns frei, sein Gebot anzunehmen oder zu
verweigern.«
»Und was nennt ihr einen guten Preis?« wiederholte der Javane, der
entweder ungeduldig wurde, oder auch glauben mochte, die Weißen hätten
seine Frage nicht verstanden.
»Sag' du selber, was du geben willst,« erwiderte ihm jetzt der
Amerikaner, indem er den Khris noch einmal aus der Scheide zog, flüchtig
betrachtete, zurückstieß und nachlässig in die Tasche schob, »ich habe
ihn erst gekauft und möchte mich nicht gern gleich wieder von ihm
trennen.«
»Dort unten?« frug der Javane, mit dem Arm nach dem Auctionshause
deutend, »ich habe ihn dort nicht gefunden.«
»Also hat er ihn gesucht --«, lachte der Yankee still vor sich hin, »das
steigert den Preis, Kamerad; =die= Bemerkung war dir nicht nützlich --
nun, was willst du geben?« setzte er dann auf Malayisch hinzu.
»Der Khris ist funfzig Gulden werth,« sagte der Javane gleichgültig,
»ich gebe funfzig.«
»Und =ich= habe sieben und achtzig dafür gezahlt,« rief der Capitain
rasch auf Holländisch.
»Nur ruhig,« beschwichte ihn der Kaufmann, »wir fangen eben erst an. --
Funfzig Gulden sind ein kleiner Preis, Freund, dafür könntest du kaum
die Scheide bekommen, und du wirst verschiedene Male funfzig Gulden
neben einander legen müssen, wenn du die Waffe haben willst. Du mußt
mehr bieten.«
Der Javane schien keine besondere Lust dazu zu haben, und erst, als
sich die Männer wieder zum Gehen wandten, sagte er langsam:
»Und was hast du dafür bezahlt?«
»Das kann dir gleichgültig sein,« lautete die Antwort, »mehr übrigens,
als du zu glauben scheinst.«
»So geb' ich dir fünf und siebenzig.«
»Auch das reicht noch nicht,« erwiderte der Yankee, und der Javane
zögerte augenscheinlich mehr zu bieten, ließ sich aber die Waffe noch
einmal zeigen, betrachtete besonders die Damascirung wieder genau und
prüfend, und bot dann hundert. Der Kaufmann kannte übrigens seinen
Vortheil, und trieb den Eingeborenen, ohne sich darauf einzulassen,
einen eigenen Preis zu nennen, endlich bis zu zwei- und dann zu
dreihundert Gulden hinauf, und als ihn der Capitain jetzt selber bat,
doch nur um Gotteswillen zuzuschlagen, da er ein weit besseres Geschäft
damit gemacht habe, als er je erwartet, erklärte er vollkommen ruhig,
»der Eingeborene müsse erst so viele =tausend= Gulden bieten, wie er
jetzt Hunderte genannt, und =dann= selbst würde er sich noch besinnen.«
»Aber das ist Wahnsinn,« rief der Capitain.
»Und doch nicht ganz,« lachte der Amerikaner, »lehren Sie mich die
Burschen kennen.«
»Er wird zuletzt gar nichts weiter bieten,« rief der Capitain
ungeduldig werdend, »und ich behalte den Khris.«
»Wenn Sie das fürchten,« sagte der Kaufmann, »so überlassen Sie =mir=
die Waffe um den Preis, und den weiteren Handel mit dem Manne.«
»Von Herzen gern,« rief der Seemann, »ich möchte überdies nicht gern
mehr damit zu thun haben.«
»Also die Sache ist abgemacht? ich zahle Ihnen dreihundert Gulden und
der Khris ist mein?«
»Mit dem größten Vergnügen!«
»Willst du dreihundert Gulden für den Khris?« frug der Javane jetzt
wieder, der indessen ein ungeduldiger Zuhörer der in einer ihm fremden
Sprache geführten Verhandlung gewesen war, »es ist viel Geld für das
Messer.«
»Und doch lange nicht genug, Freund,« sagte der jetzige Eigenthümer der
Waffe, »du mußt höher, weit höher bieten, wenn du es in deinen Gürtel
schieben willst -- aber ich habe jetzt nicht länger Zeit, und behalte
auch am Ende lieber den Khris, als daß ich ihn um einen solchen
Spottpreis verschleudere. Was liegt mir an den Paar hundert Gulden.«
»So =nenne= deinen Preis,« rief der Javane, die Lippen fest
zusammengebissen und einen finsteren Blick auf den Europäer schießend,
»ich kenne die Familie, aus der die Waffe stammt, und wenn es meine
Kräfte nicht übersteigt, möchte ich sie ihr wieder bringen.«
»Du giebst mir doch nicht was ich dafür fordere,« sagte der Kaufmann
kopfschüttelnd.
»Fordere,« rief der Javane, in kaum zu mäßigender Ungeduld mit dem Fuß
den Boden stampfend.
»Gut -- hast du Lust dreitausend Gulden an den Stahl zu wenden?« frug
jetzt der Amerikaner, und der Capitain wandte sich von ihm ab, denn er
schämte sich selber der rasenden Forderung. Der Javane aber knirschte
die Zähne zusammen und sagte finster:
»Dreitausend Gulden für das Messer? -- du träumst, Weißer, aber ich gebe
dir tausend, und du hast den zwanzigfachen Werth.«
»Ah bah,« lachte der Kaufmann, »ob ich die habe oder nicht, die machen
mich nicht reich noch arm, und ich sehe schon, du hast keine Lust zum
Handel, so _tabee_ --« und sich abdrehend von ihm, ergriff er wieder den
Arm des Seemanns und schritt mit diesem langsam die Straße hinauf.
»Und sie wollen die tausend Gulden nicht nehmen?« frug ihn dieser, jetzt
wirklich zum Äußersten erstaunt, »Wetter noch einmal, in fünf Minuten
siebenhundert Gulden zu verdienen --«
»Nicht wahr das ist nicht schlecht?« lachte der Amerikaner, »wenn man
seine Zeit nur ein paar Jahr auf ähnliche Weise verwerthen könnte, ließe
sich schon ein ganz hübsches Vermögen zusammen scharren. Aber, Scherz
bei Seite, Freund, der Zufall hat uns hier einen glücklichen Streich
gespielt, und der Javane =muß= den Khris kaufen, wir mögen fordern was
wir wollen.«
»=Muß= ihn kaufen?« frug der Capitain erstaunt, »wer soll ihn zwingen?«
»Seine eigene Sitte,« rief der Yankee; »schon aus früherer Zeit weiß ich
ähnliche Beispiele, und es giebt ein altes Gesetz unter diesen Stämmen,
daß sie den Khris ihrer Vorfahren, den sie an eigenthümlichen, nur ihnen
deutlichen Zeichen in der Damascirung kennen, wenn sie ihn verlieren und
in fremden Händen wiederfinden, um =jeden= Preis wieder an sich bringen
=müssen=. Ich war selber dabei, wie ein Javane einst für eine solche
Klinge mit vollkommen werthlosem Heft zweitausend Gulden bezahlte, und
=vier=tausend gegeben haben würde, wenn er sie nicht anders bekommen
hätte. Dasselbe ist hier der Fall, und umsonst bot der Bursche
wahrhaftig nicht tausend Gulden für den Stahl. Nein, um hundert, wenn er
sich klug dabei anstellte, hätte er den Khris vielleicht kaufen können,
denn was kann man weiter damit thun, als ihn an die Wand hängen, aber
um =tausend= kauft er ihn jetzt nicht, soviel ist sicher, und an mir
soll's nicht liegen, wenn ich ihn jetzt nicht so weit hinaufschraube,
als das Gewinde reicht.«
»Daß er Ihnen dann nur nicht abfällt,« sagte kopfschüttelnd der
Capitain, »und überdies thut mir der arme Teufel leid. Wenn der Khris
nun einmal in seine Familie gehört und sein Herz so daran hängt, weshalb
ihm den Wiedergewinn so entsetzlich, und auch ungerecht erschweren.«
»Oh, hol' die braunen Hallunken der Teufel,« fluchte der Amerikaner,
»ich kann schon die =Farbe= nicht leiden, und das Gesindel trägt dabei
noch die Nase überhoch. Wo sie =uns= betrügen können, thun sie es auch,
und wenn wir aus ihnen den größtmöglichen Nutzen herauspressen, üben wir
nicht mehr als unser Recht der Selbstvertheidigung. Außerdem füttert und
erhält die Holländische Regierung nicht allein diese Faullenzer, sondern
zahlt ihnen auch noch rasende Gehalte, die sie doch in Schmuck,
nutzlosen Juwelen und Harems verschwenden. Es ist nicht mehr als
Christenpflicht, ihnen einen kleinen Theil derselben wieder abzunehmen.«
»Wenn er Sie aber jetzt mit dem Gebot gehen läßt?« sagte der Capitain.
»Da hinten kommt er schon,« lachte der Amerikaner still vor sich hin,
»dessen sind wir sicher, und bis der Khris nicht in seinen Händen ist,
verläßt der meine Spur nicht wieder.«
Als sie die Biegung über die Brücke machten, und links wieder nach den
Waarenhäusern des Kali Besaar einbogen, konnten sie auch wirklich, ohne
den Kopf besonders nach ihm umzudrehen, den Javanen erkennen, der bis
dahin regungslos an dem Pfeiler lehnen geblieben war, als ob er die
Rückkehr der Männer erwarten wolle. Da sie aber =nicht= kamen, schien er
jetzt selber zu fürchten, daß sie ihm entgehen könnten.
Der Amerikaner hatte auch in der That ganz recht vermuthet; der Khris,
den der Capitain so zufällig in der Auction erstanden, gehörte wirklich
der Familie jenes Javanen; die geheimnißvollen Zeichen der Damascirung
ließen diesen nicht einen Augenblick darüber in Zweifel, und er =mußte=
ihn wiederhaben. Aber wie? Hatten die gierigen, ehrgeizigen Weißen ihn
nicht Alles dessen beraubt, was er sein eigen nannte? war er nicht ein
halber Bettler und Flüchtling fast auf demselben Boden, den er früher
als Fürst beherrscht, und wußte er sich nicht dabei noch mißtrauisch
überwacht, weil die Regierung recht gut sowohl den Einfluß, den er
früher ausgeübt, wie auch den starren Sinn kannte, der sich der fremden
Herrschaft nicht gutwillig und geduldig beugen wollte? Sein Pferd, ein
wackerer Macassar-Hengst, und eine Handvoll Juwelen, die ihm sein Vater
hinterlassen, war Alles, was er noch sein nannte; aber selbst das, wenn
er es jetzt rasch verkaufen mußte, brachte ihm kaum die ganze, von dem
gierigen Weißen geforderte Summe, und was blieb ihm zuletzt übrig? -- In
finsterem Brüten folgte er den beiden Männern, die, ohne anscheinend
weiter auf ihn Acht zu geben, vor einem der Geschäftslokale stehen
geblieben waren und den Herankommenden den Rücken zukehrten. Der
Amerikaner hatte dem holländischen Capitain eben die verabredeten
dreihundert Gulden für die Waffe, für die er so viele Tausende zu
gewinnen hoffte, ausgeliefert, und besah jetzt gerade wieder lächelnd
den unscheinbaren Stahl, als der Javane zu ihm herantrat, die Hand auf
seine Schulter legte und leise sagte.
»Ich gebe dir zweitausend Gulden für die Waffe, und einen besseren Khris
als diesen hier. Laß ihn mir. Ich habe mein Herz einmal darauf gesetzt,
und möchte ihn mein nennen, wenn es auch thöricht ist.«
»Du bist ein wackerer Bieter,« lachte der Amerikaner, »aber =mein= Herz
hängt besonderer Weise auch daran, und wir müssen nun sehen, welches
schwerer ist, deines oder meines. Um zweitausend Gulden gebe ich ihn
nicht her, hast du vielleicht Lust =dreitausend= dagegen zu wenden?«
Der Javane biß seine Unterlippe, daß der Eindruck der scharfen Zähne
darin zurückblieb; er fühlte, daß der Fremde die Beweggründe kannte, die
ihn trieben, =wußte=, daß er entschlossen sei seinen Vortheil zu wahren,
und zögerte dennoch mit dem Gebot, daß ihn zum Bettler machen mußte.
Aber es blieb ihm keine andere Wahl; der heilige Khris war eines
=Fremden= Eigenthum, und die Geister der Verstorbenen hätten den Frevel
gerächt, wenn er die Waffe in jenes Händen ließ.
»Gut,« sagte er endlich, während ein schwerer Seufzer sich seiner Brust
entrang, »sei hier an dieser Stelle eine Stunde vor Sonnenuntergang, ich
bringe dir das Geld; und seinen Sarong fester um sich herziehend, und
ohne sich weiter nach den Männern umzusehen, schritt er die Straße rasch
zurück.«
Um die Lippen des Amerikaners zuckte ein triumphirendes Lächeln, der
holländische Capitain aber theilte seine Gefühle nicht und sagte ernst:
»Sie sind zu weit gegangen, Goodwin; dem armen Teufel wird es blutsauer
werden, das Geld aufzubringen, und hätt' ich =das= vorher gewußt, würd'
ich es nicht geduldet haben.«
»Das kann ich mir denken,« lachte der Kaufmann, »es thut Ihnen jetzt
leid, daß Sie mir nicht geglaubt, und fürchteten, er liefe Ihnen mit dem
Dreihundert-Gulden-Gebot davon. Hatt' ich Ihnen nicht vorher gesagt, daß
er so viele =Tausende= dafür geben würde?«
»Er bezahlt das Messer theuer genug damit,« sagte der Holländer.
»Und bekommt es noch nicht einmal dafür,« rief der Amerikaner lachend.
»Bekommt es nicht dafür?«
»Nein; er muß und wird mehr geben; hol's der Teufel, ich habe den
Burschen jetzt einmal in Händen, und will ihn pressen, so lange noch ein
Gulden aus ihm herauszubringen ist. Solche Gelegenheit kommt mir sobald
nicht wieder, und wer sie nicht benutzte, wäre ein Thor.«
»Lieber Goodwin,« sagte der Holländer ernst, »ich verdiene auch gern
Geld, und brauche es vielleicht so nöthig, wie jeder Andere, aber -- auf
solche Weise --!«
»Bah,« rief der Amerikaner, sich von dem Holländer abwendend; »=Sie=
haben mehr als _200_ Procent für den Khris genommen, =ich= gehe in die
Tausende; der einzige Unterschied liegt in der Summe, und moralische
Bedenklichkeiten wären Unsinn. Aber das ist Nebensache und abgemacht;
=wann= gehen Sie an Bord, daß ich Ihnen noch das Nöthige besorgen kann?«
»Heute Abend vor Sonnenuntergang,« erwiderte der Holländer, »soeben habe
ich die Nachricht bekommen, daß die letzte Praue draußen löscht und das
Wasser an Bord gekommen ist. Meine Papiere sind sämmtlich in Ordnung,
also hindert mich Nichts, mit dem Landwind morgen früh unter Segel zu
gehen.«
»Apropos, Sie wollten mir ja noch eins von den Schachspielen verkaufen,
die Sie von China mitgebracht haben,« sagte der Amerikaner.
»Es steht Ihnen gern zu Diensten, aber ich habe keins an Land.«
»Gut, dann begleite ich Sie heute Abend an Bord und hole es selber; und
nun auf Wiedersehen, denn ich habe noch Manches zu besorgen.«
Die beiden Männer trennten sich hier, ihren verschiedenen
Beschäftigungen nachzugehen, und wir wollen indessen dem Javanen folgen,
der, nur das eine Ziel vor Augen, in wilder Hast zurück in seine Wohnung
eilte, sein Pferd, seine Juwelen zu verkaufen, um zur rechten Zeit an
dem bezeichneten Platz zu sein.
Käufer fand er allerdings dafür; der schlaue Chinese ist stets bereit,
einen vortheilhaften Handel einzugehen, und Geld auf Waaren als Pfand
vorzuschießen, oder auch diese selber anzukaufen, wenn er den sicheren
Gewinn voraussehen kann. Aber die zähen Gesellen wollten die Juwelen
nicht nach ihrem Werth, nur nach dem Drängen des Augenblicks bezahlen,
und der Javane, dem es schon überdies die Seele zerschnitt, um den
Nachlaß seines Vaters mit gierigen Mäklern zu feilschen, mußte von Einem
derselben zum Andern laufen, die von dem Amerikaner geforderte Summe
endlich zusammenzubringen.
Als die Sonne noch eine Stunde hoch am Firmamente stand, eilte er mit
dem Rest seines Vermögens, zu Fuß und mit triefender Stirne, dem
bestimmten Platz an Kali Besaar zu, und fand den Amerikaner dort schon
seiner wartend, dicht am Flusse stehen.
»Hast du den Khris?« frug der Häuptling leise, als er zu ihm trat, und
die Rolle mit Holländischen Banknoten aus seinem Gürtel nahm.
»Ah, _tabeé_, mein brauner Freund,« lachte der Amerikaner, als er seiner
ansichtig wurde, »bist du wieder da? ein Paar Minuten später, und du
hättest mich nicht mehr getroffen.«
»Hast du den Khris?« sagte der Javane, ohne den Gruß weiter zu
erwidern.
»Den Khris? -- allerdings, hier ist er, mein brauner Tuwan.«
»Und hier ist dein Geld dafür -- gieb mir die Waffe,« sagte der Javane,
ihm mit der linken Hand die Banknoten reichend und die rechte nach dem
Messer ausstreckend.
»Halt, nicht so schnell,« entgegnete ihm aber ruhig der Kaufmann, »wie
viel hast du in dem Bananenblatt da eingewickelt?«
»Was du verlangt hast -- dreitausend Gulden,« sagte der Eingeborene, mit
finster zusammengezogenen Brauen, »es ist mir schwer genug geworden, es
zu schaffen.«
»Möglich,« lachte der Amerikaner, »aber für =dreitausend= Gulden gebe
ich den Khris nicht her.«
»Hast du ihn mir nicht um den Preis verkauft?« rief der Javane, mit
zornfunkelnden Augen emporfahrend, während die Rechte fast unwillkürlich
nach dem Griff der eigenen Waffe fuhr, die er im Gürtel trug.
»Nur ruhig, Freund,« entgegnete ihm aber mit einem verächtlichen Lächeln
über die drohende Bewegung der kaltblütige Yankee, »ich habe dich bloß
gefragt, =ob du Lust hättest, dreitausend Gulden an den Stahl zu
wenden=, dir aber nicht gesagt, mit keinem Worte, daß ich ihn dafür
lassen würde -- Giebst du aber =vier=tausend, soll er dein sein.«
»=Vier=tausend,« rief der Javane, die Zähne zusammenknirschend, »was ich
an mir trage, ist mein ganzes Vermögen, ich habe nicht tausend Deute
mehr, sie zuzulegen.«
»Das thut mir leid,« sagte der Amerikaner achselzuckend, »dann fürcht'
ich, werd' ich den Khris behalten müssen.«
»Der Khris ist =mein=!« zischte da der Javane zwischen den
zusammengebissenen Zähnen durch, »du =darfst= ihn mir nicht
vorenthalten. Hier ist dein Geld, es ist mein Alles, und ich gönne es
dir, verdank' ich dir dann doch die Waffe meiner Ahnen, aber -- weigere
mir sie nicht.«
»Hm, ich dachte, du wolltest ihn nur für einen =Freund= haben,« lachte
der Yankee, »hätte ich das gewußt, wär' er mir nicht einmal um
=vier=tausend feil; aber ein Mann ein Wort, und schaffst du mir =die=
Summe, magst du ihn haben, unter dem aber um keinen Deut.«
»Gib mir den Khris und nimm dein Geld,« drängte der Eingeborene, »ich
=kann= dir, bei Allah, nicht mehr geben; treibe mich nicht zum
Äußersten.«
»Wo du die =Drei=tausend aufgetrieben hast,« spottete der Amerikaner,
»wird dir auch wohl noch ein viertes zu Gebote stehen. Es ist mein
letztes Wort, und jetzt laß mich zufrieden, denn ich muß an Bord eines
der Schiffe auf der Rhede fahren. Wenn du das Geld zusammen hast, so
komm' morgen früh in das Amsterdam-Hotel.«
»Und du verweigerst mir ihn für dreitausend Gulden,« frug der Javane mit
leiser, von innerem Grimm fast erstickter Stimme; der Amerikaner aber,
der an der ganzen Aufregung des Mannes wohl sah, daß er sein Spiel
gewonnen habe, antwortete ihm gar nicht darauf, sondern schritt, sich
von ihm abwendend, langsam am Ufer des Flusses nieder. -- Er hätte
vielleicht besser gethan, ihm den Dolch zu geben.
Etwas weiter unten stand sein Cabriolet, der braune Kutscher mit dem
runden, backschüsselförmigen, vergoldeten Hut hatte ihn kommen sehen,
und fuhr mitten in die Straße; Goodwin stieg langsam ein und einen
flüchtigen Blick zurückwerfend, suchte sein Auge die Gestalt des eben
verlassenen Eingeborenen. Dieser aber war nirgends mehr zu sehen und der
Yankee, dem Kutscher in ein paar Malayischen Worten das Steueramt am
Kali Besaar als Bestimmungsort nennend, lehnte sich nachlässig in dem
kleinen Fuhrwerk zurück, still vor sich hinlächelnd über den
vortheilhaften Handel.
Als sie den Ort erreichten, an dem sämmtliche Boote anlegen müssen, die
den schmalen, zum Hafen führenden Canal passiren, ob sie nun ein- oder
auswärts gehen, war die Jölle des Holländischen Capitains noch nicht
gekommen, und der Yankee ging eine ziemlich lange Weile mit wachsender
Ungeduld am Strande auf und ab.
Den Canal herunter kam eine kleine Praue von vier Malayen gerudert. Ein
fünfter lag lang ausgestreckt und in einen schmutzigen alten Sarong
gehüllt, im Spiegel des schlanken Fahrzeugs. Die Praue glitt dicht und
langsam am Steindamm des Steueramts hin, dem dort postirten Beamten --
einem Liplap -- zu zeigen, daß sie nichts einer Abgabe Unterliegendes im
Boote hätten. In der That war sie auch vollkommen leer, und nur ein Paar
Fruchtbündel Bananen oder Pisang, ein Dutzend Cocosnüsse und ein Paar
Körbe mit Reis und anderen Früchten lagen im Vordertheil derselben. Ein
weiteres Anhalten war deshalb nicht nöthig und das Fahrzeug trieb
langsam vorbei.
»Nun, kann der faule Bursche da hinten nicht aufsitzen, wenn er die
Steuer passirt?« rief der Liplap mürrisch.
»Ist krank,« sagte der eine Malaye, während er sein Ruder einsetzte, und
gleich darauf schoß das scharf gebaute Boot, die Strömung der Ebbe
wieder erreichend, rasch das enge Fahrwasser hinab.
Der Amerikaner hatte die Leute halten sehen, aber nicht weiter auf sie
geachtet, denn das schon ungeduldig erwartete Boot kam endlich den Canal
nieder, hielt einige Sekunden an dem Steinwerft, wo es den Yankee an
Bord nahm und passirte dann, da der Capitain nur Hühner, Früchte und
einige andere Sachen zur Verproviantirung seines Schiffes bei sich
führte, unbehindert nach außen.
Auf der Rhede überholten sie die Praue mit den fünf Malayen -- der eine
Bursche lag noch immer auf seiner Bank ausgestreckt, und die übrigen
Ruderer schienen es auch nicht besonders eilig zu haben, denn sie
trieben mit der ausgehenden Strömung langsam zwischen die dort vor Anker
liegenden Schiffe hinein.
Die Sonne war indessen untergegangen und Goodwin blieb mehrere Stunden
an Bord des Holländers, theils die bald eintretende Fluth, theils den
Aufgang des Mondes abzuwarten, der Capitain frug ihn einmal nach seinem
Handel mit dem Javanen, der Amerikaner aber gab eine ausweichende
Antwort, besorgte, was er noch an Bord zu besorgen hatte, und verließ
dann mit den Malayischen Bootsleuten, die jedes Europäische Fahrzeug für
die Dauer seines Aufenthalts auf der Rhede von Batavia miethet, das
Schiff, an Land zurückzukehren.
Ein aufsteigendes Gewitter schickte eben eine frische Brise vom Ufer
herüber, und die Malayen mußten zu den Rudern greifen, dieser
entgegenzuarbeiten; die See war aber noch vollkommen ruhig, und der Mond
schien hell und klar auf die leicht gekräuselte, blitzende Fluth.
Die Lastprauen, die über Tag den Schiffen ihre Ladung zuführen, waren
schon sämmtlich in den Canal zurückgekehrt; nur hie und da glitt noch
ein einzelnes verspätetes Boot, eigentlich gegen das Gesetz, und dann
und wann von dem Wachtschiff angerufen, durch die dort ankernden
gewaltigen Fahrzeuge, und der regelmäßige Schlag der Ruder klang weit
hin durch die Nacht. -- Ihnen gerade entgegen kam jetzt ein solches und
der Amerikaner, der hinten am Ruder saß, sah es plötzlich so dicht vor
sich auftauchen, daß er kaum Zeit behielt, den Bug seines eigenen Bootes
herumzuwerfen, um nicht mit dem des fremden zusammenzurennen.
»Holla, da vorn, zum Teufel, weshalb paßt ihr nicht auf!« rief er auf
Englisch ärgerlich den Begegnenden zu. Das fremde Boot veränderte
seinen Cours aber nicht um eines Haares Breite, ja, folgte eher noch
etwas der abweichenden Bewegung des anderen, dessen Planken es jetzt
berührte und scheuerte. Die Malayen behielten in der That kaum Zeit,
ihre Ruder aus den Dollen zu werfen und in Sicherheit zu bringen.
»_Tabée Tuwan_[45]!« rief dabei zu gleicher Zeit eine trotzige Stimme,
die des Amerikaners Blut zu Eis erstarren machte, und eine dunkle
Gestalt sprang, während zwei der fremden Bootsleute ihr folgten, und die
beiden Fahrzeuge fest zusammenhielten, mit wildem Satz auf den
Amerikaner zu.
»Hülfe! Mörder -- Räuber!« schrie dieser und riß den Khris, den er in
seiner Tasche trug, heraus, sich gegen den auf ihn einspringenden Feind
zu vertheidigen. Ehe er aber den Stahl aus der hölzernen Scheide bringen
konnte, hatte des Javanen schmächtige doch elastische Gestalt sich über
ihn geworfen und den Khris gefaßt.
»Hülfe, Mörder!« tönte wieder der gellende Ruf des Überfallenen, der
jetzt in wilder Wuth sich von dem Griff des Feindes zu befreien suchte,
und mit der rechten Faust wohl gut gemeinte, aber erfolglose Stöße nach
dessen Kopf führte.
»Meinen Khris will ich,« knirschte der Javane dabei zwischen den
zusammengebissenen Zähnen durch, »gieb meinen Khris, oder du bist ein
Kind des Todes.«
»Verdammte braune Bestie, eher mein Leben!« schrie der Yankee, jetzt zu
wilder Wuth entflammt, »warte Hallunke, =das= zahlst du mir theuer.
Hierher, Malayen, helft mir den Schurken binden.«
Auf den benachbarten Schiffen, die den Lärm und das Hülferufen gehört,
wurde es laut, und das Knarren der Blöcke auf dem nächsten verrieth dem
geübten Ohr des Eingeborenen, wie ein Boot niedergelassen wurde. Auch
aus der Gegend, wo das Wachtschiff lag, tönten rasche Ruderschläge
herüber, die das Ohr des Amerikaners ebenfalls trafen.
»Zu Hülfe hierher -- hurrah meine Bursche, ich halte die Canaille!«
schrie dieser jubelnd auf, »hierher, ohoy.«
»So hab' deinen Willen!« zischte es in des Amerikaners Ohren, und ein
gellender Angstschrei antwortete der schlangenähnlichen Bewegung des
Javanen, der sich im nächsten Augenblicke aus den Armen des Weißen wand,
und zurück in sein eigenes Fahrzeug sprang.