Was für Hosen? fragt ich. --

Wasserhosen! Hier ist die Wasserhosenfabrik! die Gewitterniederlage! das

Parlament der Winde, wo sie öfter die Sprache wechseln, als die Minister.

Still! still! fuhr er fort, wir können einem Schneider das Handwerk nicht

legen, der solche Pantalons macht; aber ein rechtschaffener Kerl muß das

Aeußerste versuchen, eh' er sich ergiebt. Darum, Lambton, geht, Ihr seid

eine fromme Seele; da habt Ihr meinen alten Hut, und nagelt ihn mit drei

Nägeln an den Hauptmast, im Namen #, #, #, -- Ihr wißt schon. Hilft das

nichts, so hilft nichts! --

Ich eilte und nagelte tüchtig den Hut an; ja ich glaube, ich hätte eine

Maus gegessen, wenn das hätte helfen sollen! Wer keinen Rath weiß, befolgt

jeden, und der Hut wenigstens war behütet.

Es war plötzlich Nacht geworden, und zwar so eine, wo Eule wider Eule

fliegt, sich anklammert und recht besehen muß, um die Frau Gevatter zu

erkennen. Bald darauf ließ sich von Weitem ein Lärm hören, als wenn sich

eine Heerde Elephanten badet, den Grund aufwühlt, mit dem Rüssel Wasser

einschlürft, und fröhlich und schrecklich toset. Die Wasserhose hatte also

die Meeresfläche erreicht und pumpte mit solcher Gewalt in die Wolken, daß

man das Kochen und Wirbeln der See, das Schnarchen der ungeheuren Nase

vernahm. Was doch in der Welt vorgeht! Was das für Dinge sind! ängstet' ich

mich, und erstaunte noch mehr. Da in solcher Nacht an keine Flucht zu

denken war, hatte der brave Capitain Krieg gegen diesen Polyphem

beschlossen, im Fall er das Schiff allein zu entern drohte. Er ließ in

Zwischenräumen mächtige Raketen steigen, die, plötzlich in die Höhe

wachsend und feurige Blätter verlierend, droben gleichsam aufblühten und

ihre Blume, die Leuchtkugel, an einem Fallschirm, langsam herabschweben

ließen, so daß sich der Dom des Himmels weit und breit erhellte wie beim

Vollmonde: Der Himmel sah während der Zeit aus, wie eine unermeßliche

gothische Kirche; denn umher ragten die thurmhohen, schlanken,

geschnörkelten Felsen scheinbar eben bis in die Wolken. Welche von den

Säulen, die ihn zu tragen schienen, aber der Himmelselephanten-Rüssel sei,

war nicht zu unterscheiden, obgleich die andern nicht weniger zu fürchten

waren; nur mit dem kleinen Unterschied, daß _sie_ nicht auf uns los kamen,

sondern _wir auf sie_. Nur das Getose verrieth das lebendige Ungethüm, das

nun auf uns zuwandelte. So glaubten wir denn, die andern Säulen würden sich

nun auch in Bewegung setzen, und uns befiel die einzige Furcht der Celten:

daß der Himmel einfalle! Eine neue Leuchtkugel entdeckte uns den Feind nahe

und riesengroß vor uns. Aber die Kanonenkugeln fuhren ihm durch den Leib,

ohne daß er zuckte, wie der Elephant, von Flintenkugeln gestochen, kaum mit

den dicken Füßen stampft. So bekam ich denn gleichsam noch ein Riesenbein

von dem Gotte Tangalon zu sehn, der einst über alle diese Inseln und

Gewässer geherrscht, und eigentlich noch hier unbekehrbar und unabschaffbar

herrschte, und so stark war, Eilande wie Eier aus der Tiefe zu angeln, so

wie jetzt sein Bein noch: Schiffe empor zu heben! -- Der Capitain

verordnete in dieser Krisis eine Salve aus allen Kanonen des Schiffes

zugleich, um durch den Hall wo möglich die Wolken zu erschüttern, oder das

Unthier zu erschrecken, daß es wie eine nach Raube vom Baume gestützte, und

noch oben hangende Boaschlange, wieder zurück in das Gezelt des Himmels

schlüpfe. -- Sein Mittel hatte angeschlagen, oder hatte das Podagra-Bein

des großen Christophs, wie die Matrosen diesen Pfeiler oder Absenker der

Wolken nannten, schon ausgetanzt. Denn der wie von Geistern erbaute

Leuchtthurm, den der Capitain aus zwei an einander gebundenen Raketen auf

einige Minuten in die Luft gezaubert, ließ nichts mehr davon sehn. Der

Donner war auch entsetzlich! Bis jetzt hatte ich ehrlich bei Crabben

ausgehalten, aber der nun nahende Wirbelwind, die Katarakte von Sand,

untermischten Steinen und sommerlauem Wasser vertrieb nun Alles von dem

Verdeck. Selbst der brave Crabbe befestigte schleunig Steuer und Rad, und

sich selber an das Sicherheits-Seil; ich gab ihm meine Mütze, und er sagte

mir nur: »Ihr habt gut genagelt, Lambton! der Hut hat geholfen!« Wir Andern

flüchteten in den Raum, und verriegelten die Fallthür über der Treppe.

Unten schrien und jammerten uns die Weiber entgegen, die vor Angst halb von

Sinnen und halb todt waren, wie die Weiber sind; und unser Trost »es ist

überstanden« schlug noch nicht bei ihnen an. Der Capitain entmüßigte sich,

ihnen zu sagen: Weiber sind nur zum Spazierenfahren! nicht zum Reisen; wenn

ihr nicht auf der Stelle aufhört zu heulen, so müssen wir noch vor Euch

in's Wasser springen! -- Sein William aber, der sich ihm an den Arm hing,

begütigte ihn; auch auf Stephan nahm er Rücksicht, der jetzt wirklich in's

Steinreich zu gehören schien. Denn die Dummen fürchten und glauben am

meisten. Ich setzte mich vor Ermattung; Clarke kniete vor mich hin und

legte sein in die Hände verborgenes Gesicht auf meine Kniee. Und weil ich

doch Mitleid zu haben schien, drückte sich auch die Martiniquerin an mich,

und hielt in der Angst meine Hände fest. Bin ich jetzt gut genug, Frau

Mistriß Distreß? dacht' ich. Alles war vor dem Capitain verstummt. Ich habe

nur einmal in meinem Leben ein solches Schweigen gehört, scilicet, wo die

ganze Kirche sich nicht getraute zu sprechen, nur zu seufzen und sich mit

den Augen zu fragen, was sie thun solle, nämlich, als einst der Rector in

Rowlandhill vom Schrecken am Morgen über die Einziehung seines Sohnes, auf

der Kanzel während der Predigt krank geworden, nicht herunter gehen wollte,

und sich auch nicht gleich erholen konnte. Wie wir so stumm im Kreise um

den Capitain saßen, der allein im Zimmer umher tragirte, kam mir die Scene

so vor, wie in dem kleinen Theater im Schlosse der alten verrückten

Herzogin von B. -- Ihr Theseus, ihr Mann, hatte sie verlassen, und sie

allein führte alle Sonnabend einen ganzen Sommer hindurch das Melodrama:

»Ariadne auf Naxos« bei verschlossenen Thüren auf. Die Einwohner im Dorfe

waren ihr natürlich zu schlecht, ihre unwürdigen Zuschauer zu sein;

deßwegen hatte sie ein schon abgesehenes Wachsfiguren-Cabinet theuer

erkauft, und die hohen Personen als Zuschauer in die sechs Logen vertheilt.

Da saß Suwarow Rimninsky im Hemde; Kaiser Paul, Marat, Charlotte Corday,

Ankarström, Ludwig der Sechszehnte, Sokrates, Papst Ganganelli, Mirabeau,

Voltaire, Friedrich der Große, und Kaiser Joseph, Gott segne ihn. Mein

Vater, der Kammerdiener bei der Herzogin war, hatte mir einen Platz in

einer Loge hinter dem Kopfzeuge der Königin Marie Antoinette verschafft, wo

ich als Kind unbemerkt statt des umgelegten Dauphins erstaunen konnte, wenn

die dicke, dicke Hottentottin Ariadne zuletzt immer vom Felsen plumpte,

ohne sich Hals und Beine zu brechen, selbst nicht in dem federbettenen oder

bettfedernen Meere. Mein Vater regnete, donnerte und blitzte dazu

furchtbar! Von dem Anblicke der Herzogin stammt mein Abscheu gegen den

Selbstmord, und es wäre gut, wenn solche Damen solche Vorstellungen publice

gäben zum allgemeinen Abscheu vor -- dem Selbstmord! Ich lachte beinahe,

indem ich das Alles durchdachte; und es that mir wohl, zu denken, daß es

jetzt auch mein _Vater_ sei, der so donnre und regne. Uns Allen aber ein

solches, weiches, trocknes Meer zu wünschen, wie die alte verlassene

Herzogin sich bereitet, vergaß ich durch einen entsetzlichen Stoß des

Schiffes, welcher so darin krachte, wie es im Kopfe kracht, wenn man sich

einen Zahn ausreißen läßt. Wenig Minuten darauf erscholl ein tosendes

Getümmel in den Untergemächern. Es entstand durch die Deportirten, welchen

es nicht zu verdenken war, daß sie nicht in der zu dem Leck

hereindringenden Flut ertrinken wollten. Man konnte sie nicht beschuldigen,

die Wachen überwältigt zu haben: denn diese wiesen ihnen selbst mit

Dreistufen-Schritten den Weg auf's Verdeck, ja einige Hasen krochen schon

in das Thauwerk. Wer ein allgemeines Unglück nicht abwehren kann, der muß

es sich auch gefallen lassen, daß alle Ordnung, aller Gehorsam aufhört. Man

hörte kaum den Capitain, als er Untersuchung und Ausbesserung des Schadens

befahl! Denn unterdessen schwoll das Wasser sichtbar von Zoll zu Zoll. Man

gehorchte ihm erst, als er die Boote auszusetzen befahl; denn damit befahl

er etwas, das Jeder selbst wünschte und verlangte, ja gefordert hätte. --

Da lernt' ich, was ein _Befehl_ ist. -- Auf dem Verdeck befand er das

Schiff unbrauchbar, die Segel zerrissen, verwickelt, selbst die Mastbäume

durch die Gewalt des Wirbelwindes verdreht. Das Verdeck lag voll Meersand,

wimmelte von Meerspinnen und Ungeziefer aller Art, tief aus dem untersten

Grunde des Meeres in die Wolken gezogen, und herniedergeschüttet. Ein

gewisser See-Elephant darunter war nicht weniger erschrocken, als wir. Die

Damen entsetzten sich und wußten nun nicht mehr, wohin. Das Cabinetsstück

aber schnaufte, erhob sich und suchte das Meer. Die nächste Angst waren wir

los! Darauf ward Alles, was besonders schwer war, was sich davon nur

erreichen ließ, über Bord geworfen. Nach einer Stunde hatte das Wasser im

Schiffe dennoch wieder denselben Stand. Die Pumpen hatten keinen Augenblick

still gestanden. Wir waren ihrer genug zum Ablösen; aber Alles fruchtete

nichts. Die finstre Nacht, die Nähe des Ufers, vielleicht irgend einer

Insel, der Zustand des Schiffes, und dazu noch das Bestürmen der Weiber,

die Liebe zu William und Stephan bewogen den Capitain, diesen Schiffsgott,

das sinkende Schiff zu verlassen, und das große Boot zu besteigen. Die

_wenigen_ Soldaten besetzten es zuerst; es ward mit den besten Sachen,

Geld, Papieren und Lebensmitteln in eiliger Verwirrung beladen, und da es

nicht die Hälfte der Mann- und Frauschaft aufnehmen konnte, mußten

natürlich die 100 Deportirten zurückbleiben. Es ward also der Unterschied

zwischen uns gemacht, den jener Zeitungschreiber -- beging, welcher das

Ertrinken von 6 Personen und 7 Bauern ankündigte. Einer der Deportirten,

ein Richter, äußerte laut, daß ein Gesetz den Römern verboten, sein Weib

oder Kind mit zu Schiffe zu nehmen, »Den Römern« entgegnete der Capitain.

»Ich rette, was zu retten ist, Krongut zuerst, dann Galgengut. Habt Geduld!

Weiß Einer noch ein Mittel, uns Alle zu retten, der schlag' es vor. Ich

erlaub' es ihm. Denn bis ich Seewasser trinke, bin Ich Capitain.« Alle

schwiegen ohne Rath. Mir stellte er frei, das Boot mit zu besteigen; aber

die hochgehenden Wellen, das Sausen der Nacht, das fast überladene Boot,

vor Allen aber das herzrührende Bitten Clarke's bestimmten mich, lieber im

Schiffe zu bleiben. Und der Capitain versprach ja das Boot am Tage

wiederzusenden, wenn es uns fände, um Alle, Alle zu retten. So ruderten sie

ab. Und während sie Leuchtkugeln von Zeit zu Zeit steigen ließen,

verschwanden sie mit dem Boot in der Nacht und der Ferne, und Crabbe's

adoptirter Hund heulte vergessen und bellte ihm nach, als wir es längst

nicht mehr sahen.

So waren wir uns denn allein überlassen! Von der Gefahr schien Allen nur

ungewisse Rettung, von der Angst aber den Meisten gewisse, durch Betäubung

vermittelst Porter, Ale, Wein, Rum und Arak, worüber sie herfielen! ja

sogar Punsch machten die Furchtsamsten, und preßten Citronen mit zitternden

Händen. Darauf entstand ein Lärmen, Jubeln und Singen, das über alles

Vermuthen war! Wer uns gehört hätte, mußte glauben: Wir hätten die von dem

erschrecklich verwogenen Capitain Parry sehnlichst gesuchte, aller Welt

unnütze Durchfahrt entdeckt! Den Vernünftigen blieb, wie überall in der

Welt, so auch hier in unserer Lage, die Sorge, Arbeit und Angst um die

Unvernünftigen. Darum giebt es auch jetzt überall so viele -- Sorge. Wir

erhielten die Pumpen im Gange, und steuerten, als in der Gefahr immer das

Vortheilhafteste, dem Winde nach, der sich auf einmal gewandt hatte, und

uns an der Küste nun südwärts trieb. Unter den übrigen Betrunkenen, die

ihre Flasche hielten, hielt ich auch meine Flasche, aber wohl verschlossen,

und darin die Banknote von 100 Pfund mit der eiligst aufgesetzten Adresse:

»An Miß Marion in Schloß Rowlandhill in Altengland,

von dem ertrunkenen Lambton.«

Postscript:

»Jeder _unehrliche_ Finder wird gebeten, diesen Fund von 100 Pfund ja

abzugeben! den ehrlichen braucht man nicht zu bitten.«

»ut in litteris.«

Wenn das Schiff scheiterte oder versank, warf ich sie in's Meer. Es kommen

ja so viele Flaschen an den rechten Mann, warum nicht auch einmal Eine an

die rechte Frau.

Als Tag und Nacht sich schieden, stieß unser Schiff wiederum so heftig auf,

daß Jeder, nachdem er wieder aufgestanden war (denn wer saß oder stand,

fiel um), nach dem Ersten dem Besten griff, um sich darauf aus dem Meere zu

retten. Dabei hatte Clarke den wollenen Waschbesen der Themis erwischt. Ich

wollte die Flasche schon werfen. Aber das Schiff ging seinen Weg! es war

nicht geborsten. Im Gegentheil mußte das Leck, uns unbegreiflicher Weise,

verstopft worden sein: denn die Pumpen wirkten von nun an sichtbar, und wir

gewannen nach und nach höheren Bord. Der Sturm hatte sich in einen frischen

Wind gemäßigt, die schöne grüne Küste zur Linken war nicht fern, und das

öde van Diemensland bot uns den Vortheil, uns nicht zu verirren! Denn der

erste Ort, den wir erreichten, mußte Hobarttown am Derwent sein! Wir

suchten so gut, als möglich, einige Segel wieder brauchbar zu machen, und

der Maler Clarke war der Erste, der nähte, und die andern Weiber dabei

anwies. Er war höchst dankbar, daß ich im Schiffe geblieben, und machte

mich jetzt mit seinem Vetter, Herrn Tydal, auch einem Maler, bekannt und

pries mich ihm als des Schiffs-Meisters Assistenten, den er immer neben dem

Steuermann Crabbe am Rade gesehen. Ich dachte zwar bescheiden an das »vom

ältern Ochsen lernt der jüngere ackern,« aber Ich und ein alter Seemann,

Herr Wardrop, zuletzt ein Juryst mit dem Ypsilon, waren doch die einzigen

Steuer- und Compaß-Kundigen. Nur des Nachts wollte der Geschworne seiner

Ruhe pflegen, und ließ Themis Themis sein; denn er sagte: ich bin so

grausam in der Welt behandelt worden, daß ich ihr nur Böses schuldig wäre,

wenn wir Rechnung machten, und mein Leben kümmert mich nicht, ich werde

erst froh, wo es aus ist --

Am fünften Abend erblickten wir die Mündung eines Flusses, und er mußte der

Derwent sein. Der Rauch stieg aus Hobarttown auf! Mit großem Ungeschick

warfen wir den schweren Anker aus; aber er wurzelte doch, und eben so gut,

als wenn ein lahmer Gärtner einen Ahorn setzt. Mich wunderte es ordentlich;

aber Alles in der Welt, und die Welt selber ist und wird schon so

eingerichtet, daß sie, wie das Sprichwort sagt: mit weniger Weisheit

regiert wird. Und erst als wir sicher waren, fiel mir die Heimreise wieder

auf's Herz, Rowlandhill, die Schule, und meine verlassene Taube, die Anna!

Ich glaube, ich weinte gar.

Bis spät in die Nacht hielten die Deportirten Rath, ob sie nicht eine

Colonie auf eigene Hand anlegen wollten. Mit leerer Hand? fragte Clarke's

Vetter, Herr Tydal. -- Oder mit Gemeinschaft aller Güter, wie die am

Wabash? setzte der Sprecher fort. Und Tydal widerlegte ihn wieder: Wo

Keiner nur etwas Gutes um und an sich hat, da ist auch keine Gemeinschaft

der Güter! Nichts läßt sich schwerlich theilen und gemein haben. -- Aber

wir sind doch frei! fügte ein Dritter; der Capitain hat uns mit sammt dem

Schiffe aufgeben müssen, und ob er gleich sich selbst und die Seinen uns

zum Frommen als Ballast auswarf, so hat uns doch nur ein Wunder erhalten.

-- Richtig! schnarrte einer mit heiserer Stimme, mein Hals steht noch

schief vom Hängen; aber ich ward wieder lebendig, und keine Seele,

geschweige der Henker durfte mir wieder an den Hals. Aber du bist doch

hier, Limmerik, warf ihm ein Bekannter ein. -- Leider! schnarrte Limmerik,

aber für etwas Anderes! Auf Halssachen ließ ich mich nicht mehr ein,

sondern speculirte nur auf solche, worüber ich mit drei oder vier Jahr

»auswärts« weg kam. Versuchen wollen wir doch, sprach Herr Tydal, Clarken

die Hand reichend, ehrliche Leute zu scheinen, und so Gott will, zu

bleiben! -- Darauf wird doch keine Strafe stehen! schnarrte Limmerik. Alle

lachten, und billigten den von Tydal vorgelegten Plan: sich für Colonisten

auszugeben, die nur das Unglück gehabt, Geld, Pässe und Capitain zu

verlieren. -- Wenn der nur auch wirklich verloren wär'! bemerkte Limmerik.

Das Bedenken aber wurde im Punsche vertrunken, über alle Lebensmittel das

Testament gemacht, und wir beerbten uns selbst bei lebendigem Leibe, und

zehrten Alles rein auf wie vor dem jüngsten Tage.

Wir erwachten Alle erst, als die Sonne schon lange unsichtbar arbeitend am

Himmel stand, und Stimmen von Außen uns zuriefen, aus einem Boot, das gewiß

schon dreimal um unser Wrack gerudert war. Ich hatte die Schläge mit den

Ruderschaufeln daran zuerst vernommen, und als ich mich ankleiden wollte,

vor ehrlichen Leuten sehen lassen sollte, bemerkt' ich den Zustand meiner

Kleider, die durch Arbeit, Regen und Gewalt der Anstrengung verdorben,

geplatzt, zerrissen, kurz recht jämmerlich waren. Clarke hatte ein

wohlverwahrtes Pack mit einer neuen vollständigen Canonier-Offiziersuniform

gefunden, mir längst schon hingelegt, und ich konnte nicht lange Bedenken

tragen, sie anzuziehen. So nobel-militairisch gekleidet stieg ich auf das

Verdeck. -- Es war die Hafenwache von Hobarttown, die angeklopft. Nach und

nach füllte es sich mit Deportirten. Nach einigen Begrüßungen und

Verhandlungen, nahm sie so viele in's Boot, als es faßte und fuhr ab, mit

dem Versprechen mehrere Boote zu schicken. Ich stieg indeß in den Mastkorb,

der wie ein Storchnest auf dem Hauptmast stehen geblieben war. Der Maler

Clarke war mit seinem Vetter Herrn Tydal schon droben, sie sahen sich um

und in das herrliche Land hinein. Mir klopfte das Herz! Wohin sollt' ich

die Blicke wenden, was zuerst begrüßen, nachher bewundern, worauf

verweilen? Ich sahe nichts vor lauter Entzücken, ich fühlte nur die blaue

Blendung des Himmels in den Augen, Frühlingswärme um mich her! Ich hörte

ein Rauschen von den Bergen, ein Wehen in den Wäldern, ein Schwirren und

Girren um die Felsen. Oben flatterten eilende Wölkchen, und auch drunten im

Wasserspiegel; und der Fluß kam so ruhig mitten hindurch und störte das

stille Gemälde nicht. Jetzt war Herbst in Altengland! Die Bäume hatten ihre

Früchte getragen, das Feld seine Aehren; dort hing nun Reif um die Berge,

Nebel in den Gründen; Spinnen hatten ihr unabsehliches Gewebe über die

Fluten und Anger gesponnen, und Thau hing daran und flimmerte, und was

kommen sollte, war -- der Schnee auf den weißlichen Wolken, und die langen

Abende und der kürzeste Tag! Hier kam ich gleichsam in eines andern

Meisters Werkstatt, der eben Frühling machte, und doch war es derselbe

Meister! Die Theemyrte grünte, die Sprossentanne blühte, junger Mais,

selbst junger Lein, war schon so hoch, daß die Lüfte ihn bewegen konnten.

Mit leichter Täuschung wähnt' ich, hier sei es ewiger Frühling, unter den

Cocospalmen, den Brotfruchtbäumen das Paradies! Und wie friedlich ruhten

die Hütten der Menschen! Wie wuchsen die Kohlbäume, Papierbäume, Cedern und

Pisang, da, wo der Mensch sie gepflanzt! Wie bewegte der Wind die

Windmühlflügel, wo der Mensch sie ihm, wie einem himmlischen Kinde, zum

Spiel hingestellt; wie führt' er den Rauch von den Hütten, wie Kreisel

treibend hinauf in den ewigen Himmel, wo der Rauch zum Wölkchen ward, und

fortschiffte mit Wölkchen, still wie ein Lamm, das neu gekauft zu der

Heerde läuft. Die Sonne bleichte Leinwand, wo sie die Mädchen hingebreitet

und eben begossen, und der Hauch der Luft wehte mir ein Wort, eine Strophe

aus ihren Gesängen zu, die mir vorkamen, wie das Athmen der Erde selbst,

voll Wohlklang! Weiter hinaus aber weideten Heerden, und die Lämmer fraßen

sich satt an Blumen, die Ziegen an Blüthengesträuch, und die Rinder

wandelten langsam nach und verloren sich in den Thälern. Dort zogen

Schützen in die waldbewachsenen Berge, und über diesen erhoben fernere

Gebirge ihre beschneiten Scheitel, wie Greise über junges Volk hinwegragen.

Glückseliges Land! rief ich aus. Ja wohl, glückseliges Land! sprach Herr

Tydal; hier sind die Kinder Israel nicht in der Wüste umhergerannt, und

doch wird Moses und David unter Euch wandeln! Hier haben die Juden Jesum

nicht gekreuzigt, und doch wird sein Evangelium zu Euch kommen! Hier ist

Cäsar nicht ermordet worden, und doch werdet Ihr frei sein! Hier hat kein

Mönch einen Kreuzzug gepredigt, und doch werdet Ihr Bäume, Künste und

Gelehrsamkeit des Morgenlandes haben! So alles Frevels, aller Verbrechen,

alles Blutvergießens überhoben, werdet Ihr die Ernte von Europa gesammelt,

gedroschen, geworfelt und rein genießen! -- Glückseliges Land, rief ich

darein, sei gesegnet, wenn ein Schulmeister auch segnen, oder Segen

erbitten kann. -- Und ernster fuhr Herr Tydal fort: ich habe dich gesehen,

Ulimaroa, das Land, wohin Alles sich hinüber retten wird, was bei uns

gedrängt fliehen wird; wo auskeimen wird, was bei uns verweset. Nun ist mir

schon wohl, und freudig kehr' ich einst wieder selbst zu der vorher

ausschweifenden, nun dafür zu Tode curirten alten Betschwester Europa, und

sterbe noch im Vaterlande, und bleibe dort in die Erde gesenkt bei den

Meinen! --

Clarke schwieg und hatte nur seine Freude an dem schönen begeisterten Mann,

den er seinen lieben Vetter nannte, umarmte und zärtlich küßte. Auch ich

war so begeistert, daß ich glaube, ich hätte hier müssen mein erstes

Gedicht machen. Mir war in meinem Leben zuvor nie so leicht, so frei, so

wonnig zu Muthe, und auch nicht so schwer, so beklommen; die Gedanken

drängten sich mir gewaltsam auf, und nahmen mich ein -- aber sie

überwältigten mich. So ist der Mensch! Heut hab' ich Mühe, sie nur

nachzudenken; und wenn ich auch einige wiedererhascht, so fehlt mir schon

das Gefühl, das sie begleitete; doch bin ich noch davon gestärkt. So wächst

ein Baum von dem zurückgelassenen eingedrungenen Wasser aus sanften

befruchtenden Gewitterwolken, die mit ihren Schauern, ihren Rosenblitzen

längst entwandelt.

Nun kam das Boot, auch _uns_ abzuholen. Wir wunderten uns nicht wenig, daß

keine neugierige, müßige, lumpige Menge am Ufer stand, uns zu betrachten;

nicht ein Kind! Ganz Hobarttown war still, wie eine Kirche. Auch das mußte

mir gefallen. Als ich ausstieg, präsentirte eine Wache an einem schönen

öffentlichen Gebäude vor mir das Gewehr, und ich legte die Hand verkehrt an

den Hut -- in meinem Leben mein erster Betrug! Ich war gewiß roth geworden,

das Gesicht war mir warm. Meine Gefährten fand ich in einer Art

Börsenhalle, umhergehend, und nicht recht wissend, was sie thun oder reden

sollten. Ich hatte ihren Steuermann vorgestellt, und Ein Dienst, oder Ein

Amt macht ja Collegen! Indeß die meisten einige Erfrischungen, ohne Zweifel

auf Credit, zu sich nahmen, trat ein Herr aus Hobarttown unter uns, den ich

nur von den Füßen aufwärts bis an die Herzgrube anzusehen wagte; aber auch

so schon vermuthet' ich, daß er ein heitrer rothbackiger Mann sein mußte,

denn auf einem dicken Bauch steht ein fröhliches Haupt. Er hatte sich an

einige Frauen gewendet und erfahren, daß wir mit dem Schiff Themis,

Capitain York, gekommen wären. Er nahm einige Prisen Tabak hinter einander,

während er einen bekümmerten Blick umher that, und sagte: Ja, den erwarten

wir! Clarke klagte ihm mehr unser Unglück, als er es erzählte. Also der

Capitain und die Mannschaft fehlen! wiegte der dicke Herr mit dem Kopfe --

und die Deportirten! setzte ein sonst ehrwürdiger Herr hinzu, der uns Alle

für rechtschaffene Auswanderer gehalten wissen wollte, indem er der Frage

nach jenen, welche dem dicken Herrn auf der Zunge schwebte, vorzubauen

gedachte. -- Capitain York ist zwar ein höchst braver Mann, und verbirgt

seine Menschenliebe gern unter seinem barschen Wesen; aber daß er die

Deportirten eher geborgen, als Sie, verehrte Herren, scheint mir zu

unhöflich von ihm, sagte er lächelnd; darf ich um ihre Pässe bitten? --

Unsere Pässe! schnarrte Limmerik. -- »Die meine ich, ja!« --

Wir sind Ausgewanderte! sprach Herr Tydal. Die Lasten und Laster sind in

Europa zu groß; Kinder kann man nur mit Zagen der Zukunft überlassen;

zuletzt will man auch noch England die Schlinge über den Kopf werfen; die

Nebelkappe tragen wir schon. Kein Pächter besteht mehr; die Dampfmaschinen

richten die Armen, die nur Arme haben, zu Grunde -- so wollen wir frei von

all' dem Unsinn, der sich wieder emporhebt, wie der alte Löwe, den der Esel

doch noch nicht recht getroffen hatte, unbekümmert um Alles, was dort noch

geschehen kann, wenn Gott nicht Gott ist, hier eine Colonie gründen. --

Ihre Klagen sind allgemein, sprach unser ungebetener Gast; jedes Schiff

bringt neue mit; aber hier verhallen sie, und sprechen nicht an. Freilich

scheinen die Dampfmaschinen nur wohlthätig in einem Staate, der mit ihnen

groß wächst, wo Land genug ist, wie in Amerika und hier. Jedoch sind wir in

Hobarttown schon so weit in Cultur und Sitten, daß unter die vormaligen

Verbrecher sogar nicht einmal Auswanderer aufgenommen werden, die nicht

treffliche Zeugnisse ihrer vortrefflichen Aufführung im

allervortrefflichsten England aufzuweisen haben. Haben Sie also wenigstens

Pässe, so weisen Sie mir nur diese gefälligst auf -- ich bin nicht

zudringlich, noch unverschämt -- ich bin hier Polizeidirector. --

Polizeidirector! schnarrte Limmerik -- wenn ich Dich nicht gleich erkennte,

Roßborn, Dich, den -- Du weißt schon -- Du wirst es gleich wissen, wer Du

bist, wenn ich Dir sage, Roßborn, ich bin Limmerik mit dem schiefen Halse;

Du weißt schon, wovon er schief ist! Ein Glaube ist des andern werth! Soll

ich Dir allein glauben, Du seist Polizeidirector, so sei so gütig, uns

Allen zu glauben: Wir sind Ausgewanderte! --

Der Polizeidirector, der nur ein wenig röther geworden, und werden konnte,

als er war, sagte jetzt unbeleidigt und lächelnd: Wenn Du hier bist,

Limmerik, weiß ich, wer die Herren und Damen alle sind! Auch seh ich keine

Kinder, und die sind oft das Einzige, was Colonisten bringen; der Capitain

wird schon die Rechten geborgen haben! Doch seid Alle willkommen, Ihr

Linken, wer Ihr auch seid, auch Du Limmerik! War ich wie Du, so werde nun

wie Ich; der steife Hals und die heisere Sprache werden sich unter unserem

reinen Himmel schon verlieren! --

Nimmermehr! schnarrte Limmerik. O bald! widersprach ihm Herr Roßborn, recht

tröstlich und freundlich; zuerst vergißt man England, ist frei von aller

Verleitung durch Umstände und Menschen, in die man dort wie gebannt ist;

dann wird man ruhig, darauf umsichtig, geschäftig, dadurch reich, wenn man

will, und zuletzt dick, wenn man muß. --

Limmerik schüttelte sonderbar mit dem schiefen Halse den Kopf. Sprich,

Limmerik, fuhr Herr Roßborn fort, warum bekehren sich in Altengland die

alten Sünder, selbst die jungen, wenn sie -- sterben? Weil sie glauben, in

den Himmel zu wandeln, wo Alles ehrliche Leute sind, wo Lug und Trug

durchschaut wird, wo man zuerst Jedem das Beste zutraut, und Er sich selbst

dann alles Gute. Hier ist so eine Art Himmel! Limmerik, hier nutzt es

nichts, böse zu sein, und was das Vortrefflichste ist, man hat es nicht

nöthig! Wer nur genug zu essen und trinken, alles Nöthige zum Leben hat,

der sündigt nicht grob. Jesus _heilte_ zuerst die Lahmen und

Gichtbrüchigen, machte die Kranken gesund, und speisete die Hungrigen,

_dann_ -- lehrt' Er sie. Das ist der Gang der Besserung.

Herr Roßborn sprach mit Willen so laut, daß wir Alle seine Worte hören

konnten und sollten. Aber was führt Dich hieher? fragt' er Limmerik näher.

-- Die Angst, die ich im Grabe ausgestanden, erwiederte dieser, als sie --

nämlich die Ochsen unter den Menschen -- mich als einen _armen_ gehangenen

Teufel ohne genauere Untersuchung und große Umstände, lebendig beerdigt

hatten, weil kein Hahn nach mir krähen würde; und als doch auf meinem Grabe

Einer nach mir krähte -- die Höllenangst verpflichtete mich (die 15 Guineen

für Mann oder Frau nicht gerechnet), ein Auferstehungs-Engel zu werden! und

da Zwei von meinen Erlösten wieder lebendig geworden, und mir eine Pension

gaben, da schon Morde durch meine Erlösungen von den Todten zu Tage

gekommen, bin ich belohnt genug! Ich werde auch wieder damit fortfahren,

wenn ich nach Altengland gekehrt bin! Ich weiß die Patentsärge schon patent

zu machen! Sage nun, Herr Roßborn, ob ich nicht unschuldig hieher gesandt

worden bin, wo wahrscheinlich bessere Todtenschau ist, als bei den Juden.

--

Du sollst hier dabei angestellt werden, versicherte ihn Roßborn.

Nun? wandt' er sich gegen die Andern. Einige dreiste Männer behaupteten

noch keck gegen den Polizei-Director, daß der Capitain, wie es gewöhnlich

sei, alle ihre Legitimationen zu sich genommen habe und habe sie da, wo Er

sei. So schafft den Capitain, entgegnet' er ernst! wenn ich nicht schlimmer

von Euch denken soll. -- Er schnupfte dazwischen. -- Doch _danach_ sehen

Sie mir nicht aus, meine Herren, sprach er gelassen, ja verbindlich; die

Herren Deportirten kommen immer besser; immer gebildetere, geschicktere

Leute! Auch den Damen mache ich mein Compliment! Die Fäulniß, das Miasma

muß dort sehr groß sein, daß man schon Kernobst auslesen muß, welches noch

so frisch und schön aussieht! Mancher von Ihnen, hat kaum einen angelegenen

_Fleck_, meine Herrn Deportirten. --

Desto weniger wollten sich nun Einige gefallen lassen, Deportirte zu

heißen, und protestirten feierlichst. Da trat mein lebenssatter Gehülfe am

Steuerrade, Herr Wardrop der Geschworne, hervor und sprach: Ja, wir sind

Alle Deportirte! Schonen Sie uns nicht, milder Herr Roßborn! Muß ich denn

überall Gnade finden! -- Er hielt jammernd inne; ich war erschrocken, daß

er mich mit vermengte! Dann fuhr er fort: Fragen Sie die Uebrigen nach den

Ursachen ihrer -- Reise; die meiner Verweisung ist, daß ich Geschworener

war, und über 10 Menschen nur mein noch fehlendes »Schuldig!« nach einem

Gesetz ausgesprochen hatte, welches den Tag nach ihrer Hinrichtung

abgeschafft ward! Seit der Zeit hatte ich ein billiges Mißtrauen in mein

Amt, in meine Befugniß, die so wandelbar war, und wünschte mir den _Tod_.

Aber das Gesetz hatte keine Ursache wider mich, bis ich denn Jemanden

tödtete -- um gerichtet zu werden. Aber das Gesetz läßt, und ließ mir in

diesem Falle diese Wohlthat nicht angedeihen, ob ich mir gleich einen

vornehmen reichen, aber verderblichen Mann ausersehen, um mir und dem Volke

zugleich einen Dienst zu erweisen. So bin ich leider nun hier! Aber ich

habe auch hier schon einen Kirchhof mit Gräbern gesehen, und diese lassen

mich mit Grunde hoffen, daß die Menschen auch hier nicht unsterblich sind!

--

Armer Alter! bedauerte ihn Herr Roßborn; und in die Vorstellung des

Geschworenen eingehend, sprach er zu seiner Beruhigung: Freilich sind viele

Gesetze nur versteinerte Meinungen alter, vorlängst versteinerter oder

gleich steinharter Menschen; und nach Meinungen sollte man nicht verdammen,

und auch Meinungen nicht; denn sie ändern sich. Kein einziges Verbrechen in

der Welt, seit sie steht, ist zweimal begangen worden; jedes war anders:

denn die Menschen waren immer Andre, die sie begingen; also die Gesinnung,

und was den Hauptunterschied macht: die Veranlassungen, die Umstände! Es

sind also noch nicht Gesetze genug; jeder Fall verlangt also ein neues --

oder Alle verlangen: geschworene Richter! Sie haben also einer ehrwürdigen

Anstalt gedient -- dabei nahm er seinen Hut etwas ab. -- Aber, warf der

arme Mann ein: der Richter ist vergebens weise, mild, menschlich, und ein

Christ, wenn er nach alten, nach grausamen Gesetzen richten muß! -- Dafür

ist die Gnade des Königs, das einzige wahre Gesetz, das Gesetz der Liebe --

sprach Herr Roßborn, und hier um uns sind hundert lebendige Beweise davon!

-- Dabei nahm er wieder seinen Hut einen Augenblick ab, und da er Zeit

gewinnen zu wollen schien, und sich manchmal wie nach der Wache umsah,

fragt' er einen Blinden, warum er denn hieher gekommen? --

Die Deportirten · 第 8 / 17 题