GYGES: Macht unsichtbar den, der ihn trägt.
NYSSIA (lächelnd): Ein ganz kostbarer Ring und ich verstehe nun, weshalb
Candaules ihn so suchte.
GYGES: Und auch vielleicht, warum er ihn nicht fand.
NYSSIA (wird unruhig): Du verbargst Dich, Gyges?
GYGES: Der Ring verbarg mich.
NYSSIA: Doch, sag ... weshalb denn gab der König Dir den Ring?
GYGES: Um selber ungesehen zu sehen.
NYSSIA: Und was ... was konnte denn der König so zeigen wollen?
GYGES (fällt vor Nyssia auf die Knie): Euch Nyssia! -- (Gleichzeitig
hält er ihr einen Dolch hin, den Nyssia instinktiv ergreift.) Stecht zu!
Stecht zu!... Ich war's, der diese Nacht ... ich ließ Euch schlafend
diesen Morgen ... Ach! Ich hätte schweigen können und Ihr, Ihr hättet's
nie erfahren, doch war ich da, als Ihr es sagtet, daß diese Nacht der
Liebe von allen Euren Nächten ...
NYSSIA (deren Verwirrung mit jedem Wort des Gyges zunimmt und die mit
jedem Wort zu verstehen anfängt, schreit auf): Candaules! -- (Sie
schreit wild auf.) Ich hielt mich für geliebt.
GYGES (erhebt sich ein wenig): Ihr seid es, Königin ...
NYSSIA (in jähem Zorn): Was sagst Du?
GYGES: Ihr seid geliebt, Nyssia.
NYSSIA (gibt ihm, wie von diesem Worte zu einem plötzlichen Entschluß
gebracht, den Dolch in die Hand): Geh! Erschlag' ihn!
GYGES (in tiefer Ergriffenheit): Wen?... Ihn?
NYSSIA: Erschlag ihn!
GYGES (läßt den Dolch zur Erde fallen): Ich kann nicht. Mein Freund!...
NYSSIA: Und er war mein Gemahl! Töte ihn.
GYGES: Ich kann nicht ... er war's, der mir es gab.
NYSSIA: Er war's, der mich verriet. (Sie zerreißt ihren Schleier.) Einer
von Euch Beiden muß es sein, der stirbt ... Nimm den Ring!
GYGES (bestürzt): Wie? Ohne mich zu zeigen?
NYSSIA: Für mich hast Du Dich gut verborgen!