CANDAULES: Ja, ja. 's ist besser. Ich dank' Dir. (Er trinkt.)

NYSSIA (in einem anderen Ton): Ich mag Philebos nicht, er ist zu dreist.

CANDAULES: Und Phedros -- gefällt er Dir?

NYSSIA: Ich sah ihn nicht ganz gut. Der welche war es?

CANDAULES: Macht nichts. -- Und Nicomedes?

NYSSIA: Langweilte mich. -- Doch sprechen wir nicht mehr von denen. --

Ich bin so müd. (Währenddem hat sie sich allmählich entkleidet. Sie

richtet ihr Haar. Dann setzt sie sich auf's Bett, ganz im Hintergrunde

des Gemachs, um ihre Sandalen abzustreifen.)

CANDAULES (vor ihr auf den Knieen): Laß mich Dir selber die Bänder

lösen. (Das Haar Nyssia's fällt aufgelöst über den knieenden Candaules.)

Das lieb' ich, so über mir Dein Haar ...

NYSSIA: Und der arme Fischer -- was ist aus ihm geworden? Sag. -- Was

gibst Du keine Antwort? Ich denke, Du hast sein Elend wohl getröstet ...

CANDAULES: Sei still.

NYSSIA: Weshalb denn soll ich still sein? Glaubst Du, ich kenne Deine

Güte nicht?

CANDAULES: Nyssia!...

NYSSIA: Wie heißt er doch? Was sprichst Du nicht?

CANDAULES: Ich weiß nicht mehr.

NYSSIA: Der Unglückselige. -- Was er getan hat, das war furchtbar. -- Er

tut mir leid, trotzdem ... O, wie kann dies eine Frau ...? Er hat ganz

Recht getan, als er das Messer in sie stieß ... Zwei Männern zu gehören

-- o, das ist furchtbar.

CANDAULES: So sprich doch leiser, Nyssia!

NYSSIA: Weshalb denn leiser?

CANDAULES: Die Worte tun mir weh.

NYSSIA: Verzeih! Ich will auch schon gar nicht mehr daran denken.

Vergessen wir, daß man je untreu sein könnte ... Candaules ... mein

Geliebter ...

CANDAULES: Nyssia, Geliebte ...

NYSSIA (vollendet ihre Nachttoilette): Ich kann die Öse da nicht lösen

-- mach sie auf! (Fernes Singen wird hörbar.) Hörst Du das Singen?

CANDAULES: Die Gäste sind's die mich erwarten. Sie finden die Nacht weit

vorgeschritten und ich versprach, sie heute noch zu sehen.

NYSSIA: Wenn Du sie heute ließest, sag?

CANDAULES (der fort will): Bloß einen Augenblick -- geh' nun zu Bett,

Nyssia -- gleich bin ich wieder bei Dir ... schlaf ... wie bist Du

herrlich, Nyssia!

(Nyssia ist fast völlig entkleidet. Gyges betrachtet sie wider seinen

Willen, und kommt näher; man fühlt den Kampf und wie er nicht hinsehen

will. Im Augenblick, da Nyssia ihren letzten Schleier fallen läßt,

geht er auf die Fackel zu und wirft sie zu Boden. Dunkelheit, nur der

dämmerige Streifen von der Terrasse her, quer über die Bühne.)

CANDAULES: Gyges!

NYSSIA (bedeckt sich erschrocken): Was ist das?

CANDAULES (sehr erregt und trunken von seinem Tun): Nichts; nichts. Sei

unbesorgt -- im Gehen warf ich die Fackel um. -- Schlaf, ich bin gleich

zurück.

Der König Candaules: Drama in drei Akten · 第 14 / 24 题