Es hob sich neben ihm auf, ging zur Thür, er hörte sie öffnen, der Fremde
ging hinaus und schloß sie hinter sich wieder zu. --
Zehntes Kapitel.
Abdallah war auf seinen Sitz zurückgesunken. -- Alles war still um ihn
her, er schlug die Augen wieder auf.
Der runde Mond sahe durch die purpurnen Vorhänge der Fenster, die Stunde
der Mitternacht ward ausgerufen. -- Alle Lichter im Saale waren erloschen,
nur ein einziges brannte in der Ferne noch matt und blau und zuckte
sterbend und flimmernd auf und nieder. -- Itzt erlosch es und ein kleiner
Strahl von Dampf zog sich aufwärts und verflog in der Dämmerung. --
Nun bin ich allein, sagte Abdallah leise, -- nun ihr Schauder, nun werft
euch alle auf einmal über mich! -- Ihr Flüche Selims, kommt heran, itzt
habt ihr Zeit, mich zu zermalmen. -- O sie sind schon gräßlich in
Erfüllung gegangen, ich habe alles erduldet und überlebe die fürchterliche
Zerstörung. -- Die Schauder mögen sich itzt an mir versuchen, ich spiele
vertraulich mit ihnen, die Gräßlichkeit ist meine Braut geworden, ich
erschrecke nicht mehr vor ihr. --
Allem Entsetzen Preis gegeben, will ich itzt selbst einen kühnen Schritt
meinem Feind entgegensetzen. Hier unten finde ich kein neues Grausen mehr,
ich will nun durch unbekannte Gefilde wandeln und dort meine Freunde
suchen. --
Er suchte nach seinem Dolch auf den Polster umher, als seine Hände
plötzlich das kalte Gesicht eines Leichnams fühlten. -- Eine Leiche ist
mein Bett! rief er und taumelte bebend auf. -- Der Mond schien auf das
weiße Antlitz, aufgeschwollen, mit weit hervorstarrenden Augen und
verzerrten Zügen lag der Leichnam seines Vaters vor ihm. --
Darauf hätt' ich mich nicht besonnen! schrie er rasend, -- der Scharfsinn
der Hölle übertrifft den meinen, -- sie hat gesiegt! --
Er sahe starr auf den Leichnam hin. -- Regte er sich nicht? -- sprach er
leise. -- Er starrte von neuem auf ihn hin. -- Ha! er regte sich wieder!
--
Wie das Stöhnen eines Schlummernden schallte es itzt aus der fürchterlichen
Leiche heraus. -- Abdallah hörte es bebend. --
Er schläft! -- Er schläft! -- sprach er im Wahnsinn. -- O in der stillen
Mitternacht neben einem Schlafenden zu stehn, ist fürchterlich, ich muß
ihn wecken! -- Er schlug mit der Faust auf die Brust des Todten. --
Bist du's, geliebter Sohn? -- erhob sich eine dumpfe Stimme. -- Die
Leiche hob sich langsam auf. -- Komm in meine Arme! -- Komm! Ich muß von
Tugend und Gott zu dir sprechen. --