Im goldnen Wolkenschleier
Steigt die schöne Tochter der Nacht
Ihre Himmelsbahn hinan.
Fröhlich rauschend
Hüpfen Meereswellen
Ihr mit holdem Gruß entgegen. --
Sie mustert ernst ihre Sternenreihen,
Alle Sterne neigen sich mit Ehrfurcht,
Sie wandelt still. -- --
Plötzlich fielen alle Lauten mit einem mächtigen Klang auf den Boden,
alle Gesichter am Tisch wurden plötzlich starr und blaß, jeder ward
unwillkührlich in einer gräßlichen Stellung festgehalten, wie zum Spott
aufgestellte Leichname saßen alle da und sahen sich unter Schaudern an.
-- Abdallah sprang auf, seine Zähne knirschten entsetzlich. -- Vatermord!
-- Vatermord! -- schrie er, -- die Hölle kriecht unter unsern Füßen
umher, -- der bleiche Tod steigt aus der Wand heraus und kömmt drohend
auf mich zu! --
Alle fuhren auf. -- Er ist rasend! -- schrie Ali laut und ein
plötzlicher Schreck fiel auf alle herab, sie entflohen hinweggejagt,
Abdallah's Augen funkelten, -- er wollte Zulma mit Gewalt zurückhalten,
sie riß sich mit einem lauten Geschrei von ihm los, und ließ ihren
Schleier in seinen Händen; schäumend warf er ihr brüllend seinen Dolch
nach, er fuhr in die Wand.
Unsichtbare Wesen tobten hinter den Entflohenen her, sie zertraten die
Lauten und polterten fürchterlich durch den Saal, -- Stürme hausten
klingend in den Fenstern, seltsame Töne schrien aus den Mauern hervor,
es ras'te durch den ganzen Pallast wie ein fliehendes Heer. -- Abdallah
sank auf seinen Sitz zurück. --
Es ward still und als er die Augen wieder aufschlug, tanzten stumm durch
den Saal die grauenvollen mißgestalteten Zwerge aus dem Zauberpallast,
das Ungeheuer Zulma hatte sich ihm gegenüber gestellt, einzelne lange
Haare wiegten sich auf dem nackten Schädel, aus dem ungeheuern Kopf
grinsten ihm wild verzerrte Züge und Zähnknirschen entgegen, sie nickte
ihm einen freundlichen Gruß zu, bot ihm die Hand, warf einen blutigen
Ring auf den Tisch, und versank dann lächelnd unter die Erde.
Mit ihrem freundlichen Grinsen begrüßten ihn alle Ungeheuer und
verflogen dann in die Wände.
Neuntes Kapitel.
Abdallah blieb lange stumm, der Mond schien blutig durch die purpurnen
Vorhänge auf den Boden, im kalten Ernst saß Omar neben ihm.
Omar! rief endlich Abdallah, von der entsetzlichsten Angst und Verzweiflung
gefoltert, -- Omar! er umschlang ihn wüthend mit den Armen. -- Alles,
alles ist fort, nur du bleibst unauflöslich mein, ja, du hast es mir
geschworen, -- du liebst den Vatermörder noch, -- o ja, du kannst ihn
nicht hassen. -- O könnt' ich mich stürmend in deinen Busen drängen und
dort meine Wohnung bauen, und in dir mich gegen alle diese Schrecken
verschanzen. -- Könnte sich meine Seele in die deinige retten! -- du
antwortest nicht, mein Omar, -- o sprich! -- horch! wie entsetzlich die
Todtenstille um uns flüstert! -- sprich!