Abdallah? Selims Sohn? schrie Ali auf. --

Ich war einst Abdallah, antwortete er.

Ali fuhr bleich zurück, erblassend sah sich das Gefolge des Sultans an,

ein starres Entsetzen bemächtigte sich eines jeden, man betrachtete den

Jüngling als ein fremdartiges Wesen, das der Menschheit, seiner Mutter,

auf ewig entlaufen sei.

Ihr fahrt zurück? sagte Abdallah. -- Selbst Ali erblaßt, vor dem

schüchtern jede menschliche Empfindung zurückbebt, ha dieser Blitzstrahl

dringt allmächtig durch den steinernen Harnisch seines Busens! er fühlt

es, er freut sich, daß er ein Mensch ist! Wie war es denn möglich,

daß ich über diese unermeßliche Kluft sprang und nicht im Springen

zerschmettert wurde? -- Nun steh' ich jenseit und strecke die Arme nach

der Vergangenheit aus. -- Ha! warum erblaßt ihr? -- Ihr fahrt zurück

wie vor einem Verbrecher, der an die letzte fürchterliche Gränze aller

Laster gekommen ist, ihr scheut euch mich Bruder zu nennen, -- ach, ein

hartes Verhängniß weht mich wie einen Staub umher, ich muß der sein, der

ich bin. --

Ali sah ihn lange mit einem staunenden Blicke an. -- Ich nannte dich so

eben Sohn, sagte er langsam und leise, -- Zulma bleibt dir, -- aber mein

_Sohn_ kannst du nicht werden. --

_Abdallah._ Weil ich diesen Namen auf ewig gebrandmarkt habe, ha! Väter

werden bei diesem Ton zusammenfahren und Mütter schaudern; seit Abdallah

seinen Vater verrieth, zittert ein schneidendes Gefühl durch die Brust

der Ältern, die Hölle jauchzt, der Himmel weint, Greise wetzen Dolche für

den ungebornen Enkel, mein böser Engel hat sein schwarzes Buch geschlossen

und steht müssig zu meiner Rechten, diese That endigt das Verzeichnis

meiner Sünden; alles, was ich nun noch thun kann, ist nichtswürdig gegen

diesen glänzenden Triumph.

Alle schwiegen und Abdallah sprach heftiger weiter:

Nun ich über den Gränzstein ausgeschritten bin, o Himmel, nun ich

jenseit aller Menschen wohne, o so nimm mir auch das Bewußtsein und

meine Gedanken, -- was sollen sie mir dort in der verbrannten Wildniß?

-- Gieß den Wahnsinn in vollen glühenden Schalen auf mich herab! -- Itzt,

itzt kann ich wahnsinnig werden, ich fühl' es, -- ich gebe dir den Funken

zurück, den du mir grausam geliehen hast. -- Aber das Schicksal ruft

fürchterlich: Nein! Ja mir selbst wächst unaufhörlich der Schierling,

der mich in Todeskrämpfen zittern läßt, zum Bewußtsein verdammt zieh'

ich selber die Feuerflammen und Verdammnißquaalen um mich herum, dieser

Geist ist meine Hölle und giebt mich nie wieder frei. -- Itzt ist auch

die letzte, die traurigste Blume der Hoffnung verwelkt, ich habe die

Verzweiflung überstanden und bin noch der ich war; o warum ist unsre

Tugend und Ruhe nicht so felsenhart und unzerbrechlich, als dies kalte

quälende Bewußtsein?

Ludwig Tieck's Schriften. Achter Band · 第 11 / 21 题