II. Zuber Paschas Sohn Soliman und Rabehs erstes Auftreten.

Als Zuber im Jahre 1874 an den Hof des Chedive Ismaïl zog, liess er

seinen ältesten Sohn Soliman, der zum Untergouverneur von Schakka

ernannt war, in Darfur zurück. Die Leute Zubers wirtschafteten im Bahr

el Ghazal, wo, wie wir gesehen haben, Idris waled Defter als Vertreter

eingesetzt war, auf eigene Faust weiter fort. Inzwischen hatte sich

Soliman ibn Zuber im Bahr el Ghazal Einfluss zu verschaffen gewusst

und war, da seine Vorstellungen in Kairo, seinen Vater nach dem Sudan

zurückkehren zu lassen, unberücksichtigt blieben, auf dem Punkte

angelangt, sich gegen die Regierung zu empören, als Gordon Pascha im

Jahre 1877 Gouverneur des Sudan wurde. Dem klugen Auftreten Gordons

gelang es, Soliman zu beruhigen. Im September 1877 wurde dieser zum

Gouverneur des Bahr el Ghazal ernannt, und nun entspann sich ein

Ränkespiel zwischen Soliman und Idris waled Defter. Gordon glaubte den

Versicherungen des letzteren, dass Soliman sich selbständig machen

wolle, und setzte Idris an dessen Stelle zum Gouverneur ein. Jetzt

ging Soliman, dem die alten Basinger[6], die Sklavenjäger und Soldaten

seines Vaters, von allen Seiten zuströmten, zum thätlichen Angriff

über. Idris wurde Anfang des Jahres 1878 besiegt und musste fliehen.

Mit der Aufgabe, Soliman für diese offene Empörung zu züchtigen, wurde

Gessi Pascha, ein geborener Italiener, betraut.

Gessi rückte im Jahre 1878 mit einer beträchtlichen Truppenmacht nach

dem Bahr el Ghazal vor. Soliman verschanzte sich in Ganda, wo er im

folgenden Winter von Gessi belagert wurde. Die Folge war, dass viele

seiner Basinger ihn verliessen und auf die Seite der Egypter traten. Er

wurde im Mai 1879 geschlagen und sein grosser Centralplatz, das unweit

westlich von Ganda gelegene Dem Zuber, genommen. Den Siegern fielen

die von Zuber Pascha und seinen Anführern aufgehäuften Schätze in die

Hände. Soliman floh weiter nach Westen; aber trotz aller Anstrengungen

Gessis, der ihm nachsetzte, gelang es nicht, seiner habhaft zu werden.

Bei dieser Gelegenheit wurde auch eine Abteilung Solimans geschlagen,

die von Rabeh geführt wurde. Fast zwei Monate trieb sich Soliman, von

Gessi gehetzt, herum. Die Djellaba machten es ihm immer wieder möglich,

den egyptischen Truppen zu trotzen oder ihnen zu entschlüpfen. Auf eine

entscheidende Schlacht liess er sich nicht ein.

Um diese Zeit fasste Gordon den Entschluss, dem Sklavenhandel im Sudan

ein für alle Mal ein Ende zu machen. Die verschiedenen Distriktschechs

in den südlichen Provinzen wurden beauftragt, die Djellaba zu

vertreiben und sie mit Gewalt in ihre Heimat zurückzusenden.[7]

Gessi eröffnete ein Kesseltreiben gegen die Kaufleute, die, ob des

Sklavenhandels schuldig oder nicht, ergriffen, ihrer Habe beraubt und

nach Chartum abgeführt wurden. Das brach die Kraft Solimans, da er

sich jetzt nicht mehr mit Waffen, Munition und Lebensmitteln versehen

konnte. Als er sich nunmehr nach der Gegend von Djerra im Südwesten

von Darfur gewandt hatte, liess ihm Gessi durch einen Zwischenhändler

Verzeihung anbieten. Soliman nahm an, trotz des Widerspruchs eines

grossen Teils seiner Ratgeber, der unter Zuber gross gewordenen

Heerführer, und ergab sich mit einem Teile seiner Leute. Der andere

Teil aber verliess unter Führung Rabehs das Lager, um dem egyptischen

Sudan den Rücken zu kehren und nach dem Westen zu gehen. Soliman sollte

sein Vertrauen bald bereuen. Sein alter Gegner Idris waled Defter

verdächtigte ihn neuerdings bei der Regierung, und am 15. Juli 1879

wurde er von Gessi preisgegeben und mit seinen nächsten Verwandten

getötet.

Soliman und seine Mannen starben als Helden. Unmittelbar vor ihrem Tode

verhöhnten und beschimpften sie ihre Gegner, welche sie überwältigt

und gebunden hatten, bis sie von ihren Kugeln getroffen zu Boden

sanken.[8] Diese Art, dem Tode ins Auge zu sehen, ist bezeichnend für

die Männer des egyptischen Sudan. Die Berichte, welche uns Slatin

Pascha in seinem Buch immer wieder von der Kaltblütigkeit und dem Mut

giebt, mit welchem zur Zeit der Schreckensherrschaft des Mahdi und

seines Nachfolgers Tausende und Abertausende dem Tode entgegen gingen,

müssen mit Bewunderung vor diesen Menschen und mit Staunen über die

Geringschätzung des eigenen, aber auch des fremden Lebens erfüllen.

Solcher Art waren die Leute, welche mit Rabeh das Nilland verliessen

und ihm halfen, sein Riesenreich zu erobern.

[6] Der Name „Basinger“ stammt von der Bezeichnung „Basi“ her, die

in dem alten Darfur-Reiche Verwandte des Königs führten, welche

eine hohe Hofstellung einnahmen, und „ingue“ bedeutet in der

Ta‘afe-Sprache „Sohn“, daher Basingue „der Sohn eines Basi“. --

Die Bezeichnung wurde den mit Feuerwaffen versehenen Dienern,

Sklaven und irregulären Soldaten gegeben, dagegen nicht den

regulären egyptischen Regierungstruppen.

[7] Gordon wurde durch diesen Befehl äusserst unpopulär, und da

die meisten der vertriebenen Kaufleute Djealin waren, wurde

dieses einer der Hauptgründe dafür, dass er später in Chartum

zur Zeit der Erstarkung des Mahdi einen Einfluss auf die Djealin

nicht mehr ausüben konnte.

[8] Vergl. Slatin Pascha, Feuer und Schwert im Sudan, Leipzig, 1896,

S. 28.

Rabeh und das Tschadseegebiet · 第 18 / 42 题