Der Graf vom Strahl und das Käthchen.
Der Graf vom Strahl (indem er sie bei der Hand nimmt, und sich setzt).
Nun denn, mein Käthchen, komm! komm her, o Mädchen! Mein Mund hat
jetzt dir etwas zu vertraun.
Käthchen. Mein hoher Herr! Sprich! Was bedeutet mir--?
Der Graf vom Strahl. Zuerst, mein süßes Kind, muß ich dir sagen, Daß
ich mit Liebe dir, unsäglich, ewig, Durch alle meine Sinne zugetan.
Der Hirsch, der von der Mittagsglut gequält, Den Grund zerwühlt, mit
spitzigem Geweih, Er sehnt sich so begierig nicht, Vom Felsen in den
Waldstrom sich zu stürzen, Den reißenden, als ich, jetzt, da du mein
bist, In alle deine jungen Reize mich.
Käthchen (schamrot). Jesus! Was sprichst du? Ich versteh dich
nicht.
Der Graf vom Strahl. Vergib mir, wenn mein Wort dich oft gekränkt,
Beleidigt; meine roh mißhandelnde Gebärde dir zuweilen weh getan.
Denk ich, wie lieblos einst mein Herz geeifert, Dich von mir
wegzustoßen--und seh ich gleichwohl jetzo dich So voll von Huld und
Güte vor mir stehn, Sieh, so kommt Wehmut, Käthchen, über mich, Und
meine Tränen halt ich nicht zurück. (Er weint.)
Käthchen (ängstlich). Himmel! Was fehlt dir? Was bewegt dich so?
Was hast du mir getan? Ich weiß von nichts.
Der Graf vom Strahl. O Mädchen, wenn die Sonne wieder scheint, Will
ich den Fuß in Gold und Seide legen, Der einst auf meiner Spur sich
wund gelaufen. Ein Baldachin soll diese Scheitel schirmen, Die einst
der Mittag hinter mir versengt. Arabien soll sein schönstes Pferd
mir schicken, Geschirrt in Gold, mein süßes Kind zu tragen, Wenn mich
ins Feld der Klang der Hörner ruft; Und wo der Zeisig sich das Nest
gebaut, Der zwitschernde, in dem Holunderstrauch, Soll sich ein
Sommersitz dir auferbaun, In heitern, weitverbreiteten Gemächern,
Mein Käthchen, kehr ich wieder, zu empfangen.
Käthchen. Mein Friederich! Mein angebeteter! Was soll ich auch von
dieser Rede denken? Du willst?--Du sagst?--(Sie will seine Hand
küssen.)
Der Graf vom Strahl (zieht sie zurück).
Nichts, nichts, mein süßes Kind.
(Er küßt ihre Stirn.)
Käthchen. Nichts?
Der Graf vom Strahl.
Nichts. Vergib. Ich glaubt, es wäre morgen. - Was wollt ich doch
schon sagen?--Ja, ganz recht, Ich wollte dich um einen Dienst
ersuchen.
(Er wischt sich die Tränen ab.)
Käthchen (kleinlaut.) Um einen Dienst? Nun, welchen? Sag nur an.
(Pause.)
Der Graf vom Strahl. Ganz recht. Das wars.--Du weißt, ich mache
morgen Hochzeit. Es ist zur Feier alles schon bereitet; Am nächsten
Mittag bricht der Zug, Mit meiner Braut bereits zum Altar auf. Nun
sann ich mir ein Fest aus, süßes Mädchen, Zu welchem du die Göttin
spielen sollst. Du sollst, aus Lieb zu deinem Herrn, für morgen Die
Kleidung, die dich deckt, beiseite legen, Und in ein reiches
Schmuckgewand dich werfen, Das Mutter schon für dich zurecht gelegt.
- Willst du das tun?
Käthchen (hält ihre Schürze vor die Augen). Ja, ja, es soll geschehn.
Der Graf vom Strahl. Jedoch recht schön; hörst du? Schlicht aber
prächtig! Recht, wies Natur und Weis in dir erheischt. Man wird dir
Perlen und Smaragden reichen; Gern möcht ich daß du alle Fraun im
Schloß, Selbst noch die Kunigunde überstrahlst.--Was weinst du?
Käthchen.--Ich weiß nicht, mein verehrter Herr. Es ist ins Aug mir
was gekommen.
Der Graf vom Strahl. Ins Auge? Wo?
(Er küßt ihr die Tränen aus den Augen.) Nun komm nur fort. Es wird
sich schon erhellen.
(Er führt sie ab.)
Szene: Schloßplatz, zur Rechten, im Vordergrund, ein Portal. Zur
Linken, mehr in der Tiefe, das Schloß, mit einer Rampe. Im
Hintergrund die Kirche.