Der Graf vom Strahl tritt auf. Die Vorigen.
Der Graf vom Strahl (betroffen). Reichsrät, in festlichem Gepräng,
aus Worms!
Graf Otto. Seid uns gegrüßt, Herr Graf!
Der Graf vom Strahl.--Was bringt Ihr mir?
Graf Otto. Ein kaiserliches Schreiben dieser Jungfrau! Befragt sie
selbst; sie wird es Euch bedeuten.
Der Graf vom Strahl. O Herz, was pochst du? (Zu Käthchen.) Kind,
was hältst du da?
Käthchen. Weiß nit, mein hoher Herr.-Gottschalk. Gib, gib, mein
Herzchen.
Der Graf vom Strahl (liest). "Der Himmel, wisset, hat mein Herz
gestellt, Das Wort des Auserwählten einzulösen. Das Käthchen ist
nicht mehr des Theobalds, Des Waffenschmieds, der mir sie abgetreten,
Das Käthchen fürderhin ist meine Tochter, Und Katharina heißt sie
jetzt von Schwaben."
(Er durchblättert die andern Papiere.) Und hier: "Kund sei"--Und hier:
"das Schloß zu Schwabach"-(Kurze Pause.)
Nun möcht ich vor der Hochgebenedeiten In Staub mich werfen, ihren
Fuß ergreifen, Und mit des Danks glutheißer Träne waschen.
Käthchen (setzt sich). Gottschalk, hilf, steh mir bei; mir ist nicht
wohl!
Der Graf vom Strahl (zu den Räten). Wo ist der Kaiser? Wo der
Theobald?
Der Kaiser (indem beide ihre Mäntel abwerfen). Hier sind sie!
Käthchen (steht auf). Gott im hohen Himmel! Vater!
(Sie eilt auf ihn zu; er empfängt sie.)
Gottschalk (für sich). Der Kaiser! Ei, so wahr ich bin! Da steht
er!
Der Graf vom Strahl. Nun, sprich du--Göttlicher! Wie nenn ich dich?
- Sprich, las ich recht?
Der Kaiser. Beim Himmel, ja, das tatst du! Die einen Cherubim zum
Freunde hat, Der kann mit Stolz ein Kaiser Vater sein! Das Käthchen
ist die Erst' itzt vor den Menschen, Wie sies vor Gott längst war;
wer sie begehrt, Der muß bei mir jetzt würdig um sie frein.
Der Graf vom Strahl (beugt ein Knie vor ihm). Nun, hier auf Knieen
bitt ich: gib sie mir!
Der Kaiser. Herr Graf! Was fällt Ihm ein?
Der Graf vom Strahl. Gib, gib sie mir! Welch andern Zweck ersänn
ich deiner Tat?
Der Kaiser. So! Meint Er das?--Der Tod nur ist umsonst, Und die
Bedingung setz ich dir.
Der Graf vom Strahl. Sprich! Rede!
Der Kaiser (ernst). In deinem Haus den Vater nimmst du auf!
Der Graf vom Strahl. Du spottest!
Der Kaiser. Was! du weigerst dich?
Der Graf vom Strahl. In Händen! In meines Herzens Händen nehm ich
ihn!
Der Kaiser (zu Theobald). Nun, Alter; hörtest du?
Theobald (fährt ihm Käthchen zu). So gib sie ihm! Was Gott fügt,
heißt es, soll der Mensch nicht scheiden.
Der Graf vom Strahl (steht auf, und nimmt Käthchens Hand). Nun denn,
zum Sel'gen hast du mich gemacht!--Laßt einen Kuß mich, Väter, einen
Kuß nur Auf ihre himmelsüßen Lippen drücken. Hätt ich zehn Leben,
nach der Hochzeitsnacht, Opfr' ich sie jauchzend jedem von euch hin!
Der Kaiser. Fort jetzt! daß er das Rätsel ihr erkläre!
(Ab.)