Kunigunde, in ihrem gewöhnlichen Glanz, Rosalie und die alte Sybille,
die schwächlich, auf Krücken, durch die Mitteltür abgeht.
Kunigunde. Sieh da, Graf Friederich! Was für ein Anlaß Führt Euch
so früh in meine Zimmer her?
Der Graf vom Strahl (indem er die Sybille mit den Augen verfolgt).
Was! Sind die Hexen doppelt?
Kunigunde (sieht sich um). Wer?
Der Graf vom Strahl (faßt sich). Vergebt! Nach Eurem Wohlsein wollt
ich mich erkunden.
Kunigunde. Nun?--Ist zur Hochzeit alles vorbereitet?
Der Graf vom Strahl (indem er näher tritt und sie prüft). Es ist,
bis auf den Hauptpunkt, ziemlich alles-Kunigunde. (weicht zurück).
Auf wann ist sie bestimmt?
Der Graf vom Strahl. Sie wars--auf morgen.
Kunigunde (nach einer Pause). Ein Tag mit Sehnsucht längst von mir
erharrt! - Ihr aber seid nicht froh, dünkt mich, nicht heiter?
Der Graf vom Strahl (verbeugt sich). Erlaubt! ich bin der
Glücklichste der Menschen!
Rosalie (traurig). Ists wahr, daß jenes Kind, das Käthchen, gestern,
Das Ihr im Schloß beherbergt habt--?
Der Graf vom Strahl. O Teufel!
Kunigunde (betreten). Was fehlt Euch? Sprecht!
Rosalie (für sich). Verwünscht!
Der Graf vom Strahl (faßt sich).--Das Los der Welt! Man hat sie
schon im Kirchhof beigesetzt.
Kunigunde. Was Ihr mir sagt!
Rosalie. Jedoch noch nicht begraben?
Kunigunde. Ich muß sie doch im Leichenkleid noch sehn.