Der Kaiser (wendet sich unter der Tür). Hinweg! Es soll mir niemand
folgen! Den Burggrafen von Freiburg und den Ritter von Waldstätten
laßt herein; das sind die einzigen Männer, die ich sprechen will!
(Er wirft die Tür zu.)--Der Engel Gottes, der dem Grafen vom Strahl
versichert hat, das Käthchen sei meine Tochter: ich glaube, bei
meiner kaiserlichen Ehre, er hat recht! Das Mädchen ist, wie ich
höre, funfzehn Jahr alt; und vor sechszehn Jahren, weniger drei
Monaten, genau gezählt, feierte ich der Pfalzgräfin, meiner Schwester,
zu Ehren das große Turnier in Heilbronn! Es mochte ohngefähr eilf
Uhr abends sein, und der Jupiter ging eben, mit seinem funkelnden
Licht, im Osten auf, als ich, vom Tanz sehr ermüdet, aus dem
Schloßtor trat, um mich in dem Garten, der daran stößt, unerkannt,
unter dem Volk, das ihn erfüllte, zu erlaben; und ein Stern, mild und
kräftig, wie der, leuchtete, wie ich gar nicht zweifle, bei ihrer
Empfängnis. Gertrud, so viel ich mich erinnere, hieß sie, mit der
ich mich in einem, von dem Volk minder besuchten, Teil des Gartens,
beim Schein verlöschender Lampen, während die Musik, fern von dem
Tanzsaal her, in den Duft der Linden niedersäuselte, unterhielt; und
Käthchens Mutter heißt Gertrud! Ich weiß, daß ich mir, als sie sehr
weinte, ein Schaustück, mit dem Bildnis Papst Leos, von der Brust los
machte, und es ihr, als ein Andenken von mir, den sie gleichfalls
nicht kannte, in das Mieder steckte; und ein solches Schaustück, wie
ich eben vernehme, besitzt das Käthchen von Heilbronn! O Himmel!
Die Welt wankt aus ihren Fugen! Wenn der Graf vom Strahl, dieser
Vertraute der Auserwählten, von der Buhlerin, an die er geknüpft ist,
loslassen kann: so werd ich die Verkündigung wahrmachen, den Theobald,
unter welchem Vorwand es sei, bewegen müssen, daß er mir dies Kind
abtrete, und sie mit ihm verheiraten müssen: will ich nicht wagen,
daß der Cherub zum zweitenmal zur Erde steige und das ganze Geheimnis,
das ich hier den vier Wänden anvertraut, ausbringe! (Ab.)