Kunigunde und Rosalie.
Kunigunde (nachdem sie sich im Spiegel betrachtet, geht gedankenlos
ans Fenster und öffnet es.--Pause.) Hast du mir alles dort zurecht
gelegt, Was ich dem Grafen zugedacht, Rosalie? Urkunden, Briefe,
Zeugnisse?
Rosalie (am Tisch zurück geblieben). Hier sind sie. In diesem
Einschlag liegen sie beisammen.
Kunigunde. Gib mir doch--(Sie nimmt eine Leimrute, die draußen
befestigt ist, herein.)
Rosalie. Was, mein Fräulein?
Kunigunde (lebhaft). Schau, o Mädchen! Ist dies die Spur von einem
Fittich nicht?
Rosalie (indem sie zu ihr geht). Was habt ihr da?
Kunigunde. Leimruten, die, ich weiß Nicht wer? an diesem Fenster
aufgestellt!--Sieh, hat hier nicht ein Fittich schon gestreift?
Rosalie. Gewiß! Da ist die Spur. Was wars? Ein Zeisig?
Kunigunde. Ein Finkenhähnchen wars, das ich vergebens Den ganzen
Morgen schon herangelockt.
Rosalie. Seht nur dies Federchen. Das ließ er stecken!
Kunigunde (gedankenvoll). Gib mir doch-Rosalie. Was, mein Fräulein?
Die Papiere?
Kunigunde (lacht und schlägt sie). Schelmin!--Die Hirse will ich,
die dort steht.
(Rosalie lacht, und geht und holt die Hirse.)