10. Januar 40.

Tage des Schreckens liegen hinter uns. Rudi fing an zu husten: man

brachte ihn zu Bett. Er bekam einen Kruppanfall, und der Baron fuhr

schleunigst fort, um den Arzt zu holen. Ich nahm den kleinen Günther

zu mir aufs Zimmer, um ihn vor Ansteckung zu bewahren. Die Baronin wich

nicht von Rudis Bett.

Die Bonne lief schluchzend von einem Kind zum andern.

»Er wird ersticken, er wird ersticken,« jammerte sie, »wenn der Arzt

nicht gleich kommt.«

Er kam. Alles war unten mit Rudi beschäftigt, ich allein bei dem

Kleinen. Noch eben schien er mir gesund. Da mit einem Male schüttelte

sich das Kind wie im Fieberfrost, und ein schrecklicher Husten, rauh,

bellend, drang ihm aus der Kehle. Dann ein mühsames Atemholen, das

Gesichtchen wurde dunkelrot, die Händchen klammerten sich an mir fest.

Was tun -- o Caton, es war entsetzlich -- ich läutete, es kam niemand,

ich wußte nicht, sollte ich das Kind allein lassen. -- Der Glockenzug

blieb mir in der Hand, als ich wiederum und allzu heftig daran zog,

der Husten setzte von neuem ein, das Gesicht des Kindes färbte sich

blau, es rang nach Luft. Auf mein Geschrei kam endlich die Bonne.

Geisterbleich starrte sie auf das Kind. Ich stieß sie zur Türe hinaus.

»Den Arzt -- den Arzt!« --

Und nun tat ich etwas -- gab mir's der Himmel ein -- oder was war's --

ich goß dem Kind das Öl des Nachtlichtes in den röchelnden Mund. Erst

ein Würgen, dann ein Schrei -- und noch einer; nicht diese heiseren

Töne mehr, die mich so erschreckt. Als der Arzt eintrat, schrie das

Kind aus vollem Halse.

Meine Tante Anna · 第 31 / 51 题