_des vom Herrn Bischof zu Chersones und apostolischen Vikar,
Johann Theodor Laurent, bei seinem Amtsantritte in Luxemburg
erlassenen Hirtenbriefes._
1842.
Was fühl' ich leis' in meiner Seele beben?
Ist's Deines Briefes kräft'ger Redefluß?
Ist's Deiner Worte prächt'ges Bilderleben?
Der Sprache, meiner liebsten, eh'rner Guß?
Ist's die Bewund'rung, die ich Deinem Streben?
Die Deinem Herzen mein Herz zollen muß?
Das Alles sagen Dir wohl tausend Zungen,
Mit Höherm aber hast Du mich durchdrungen.
Hoch auf den Bergen steht, auf grünen Matten,
Dem Himmel nahe, und die Seele frei,
So steht der Hirt im Wetterwolkenschatten,
Und fernhin klingt die liebliche Schalmei.
Da kommen, die sich früh verloren hatten,
Verirrte Lämmer aus dem Thal herbei.
Das sind die Töne, jene freien, süßen,
Die mich aus Deinem Hirtenbriefe grüßen.
Als ich ihn las, da glaubt' ich weh'n zu hören,
Den warmen Hauch, der von dem Himmel dringt,
Den ächten Geist, der wie mit Engelchören
Durch jedes Deiner frommen Worte klingt,
Den Silberquell, der aus den gold'nen Röhren
Melodisch in das ew'ge Leben springt[11], --
Des Hirten Töne, die zu heil'gen Stufen
Verirrte Kinder seiner Heerde rufen.
Du fragst, ob ich bekannt mit jenen Tönen?
Kann ich verleugnen, was in's Herz mir tief
Die Ladung, meinem Herrn mich zu versöhnen,
Einst an dem heil'gen Ostertage rief?
Und was mit ew'gem Heile mich zu krönen,
Mich auferweckte, als mein Leben schlief?
Nun ich die Töne hab' von Dir vernommen,
Ist Dir zu danken dieses Lied gekommen.
Der Katholik.
Ich bin ein wahrer Katholik,
Ich sag' es frei mit kühnem Blick,
Ich bin's nicht blos im Gotteshaus,
Ich bin es auch im Weltgebraus';
Ich leugn' es nie und nimmermehr,
Und wär' der Teufel hinterher:
Bei Gott ist meine Hülfe.
Ich bin ein wahrer Katholik,
Zum Lügen hab' ich kein Geschick;
Bin ich im Gotteshaus gekniet,
Was kümmert's mich, ob's einer sieht;
Schwätz' ich nicht Jedem nach dem Bart,
Was thut's? Ist Katholikenart:
Bei Gott ist meine Hülfe.
Ich bin ein wahrer Katholik,
D'rauf thu' ich mir von Herzen dick;
Der Priester hat's mich früh gelehrt:
Daß sich im Sturm der Christ bewährt,
D'rum, tret' ich aus dem Gotteshaus,
Dann ford'r' ich kühn die Welt heraus:
Bei Gott ist meine Hülfe.
Ich bin ein wahrer Katholik
In Freud' und Leid, in Schmerz und Glück,
Ich bin's im Friede und im Streit;
Und wenn der Teufel Feuer speit,
Und wenn die Welt in Trümmer bricht --
Ich wanke nicht und weiche nicht:
Bei Gott ist meine Hülfe.
Ich bin ein wahrer Katholik,
Nicht blos für einen Augenblick;
Es geh' uns gut, es geh' uns schlecht,
Ich halte bei katholisch Recht;
Sag's jedem Heuchler in's Gesicht,
Ein Sohn der Kirche bist du nicht:
Bei Gott ist meine Hülfe.
Ich bin ein wahrer Katholik,
Ich bin kein eigennütz'ger Strick,
Der, wenn der Wind von Norden weht,
Für Gott und seine Kirche steht,
Doch wenn der Wind von Süden bläst,
Gott und die Kirch' im Stiche läßt:
Bei Gott ist meine Hülfe.